• Drucken
  • Senden
  • Nutzungsrechte
 

Wirtschaftsverbrecher Knast und Knete

Schneider, Schmider, Ernst, Schnabel: Was aus verurteilten Ex-Managern wurde Fotos
DPA

Jürgen Schneider, Manfred Schmider, Bodo Schnabel: Viele Ex-Manager, die verurteilt wurden, gelten zwar als Unpersonen. Aber materiell geht es ihnen verblüffend gut - auf ihren Abstieg können sie mit Champagner anstoßen statt mit Dosenbier. Lohnt sich Verbrechen doch?

Manfred Schmider, 62, und seine ehemalige Frau Inge Margot Heidemanns, 64, sind ein Herz und eine Seele. Er nennt sie zärtlich "Liebling" und trägt weiterhin seinen Ehering. Sie ihrerseits tut alles, um ihm das Leben so schön wie möglich zu machen, sei es in der Präsidentensuite eines Fünf-Sterne-Hotels am Tegernsee oder in der eigenen Villa im schweizerischen Küsnacht.

Wo das traute Paar auch auftaucht - es schwelgt im Luxus. Auf Mallorca leistet es sich ein üppiges Anwesen für eine Monatsmiete von etwa 15.000 Euro, selbstredend wird auch nicht auf eine imposante Jacht und teure Autos verzichtet.

Scheiden ließen sich die beiden, als Schmider im Knast saß: Weil sich seine Firma Flowtex mit nicht existenten Spezialbohrern hohe Kredite erschlichen und er damit einen Schaden von rund 2,5 Milliarden Euro angerichtet hatte, verurteilten ihn die Richter 2003 zu elf Jahren und sechs Monaten Freiheitsstrafe.

Mit der Flowtex-Pleite hat Schmider sein gesamtes Vermögen verloren. Er lebe jetzt von seiner Familie, sagt er. Wie die zu ihrem Geld gekommen ist, bleibt offen. Fest steht nur, dass Heidemanns 2009 wegen Geldwäsche zu einer Strafe von 100.000 Euro verurteilt wurde. Unstrittig ist zudem, dass ihr Vermögensverwalter fünf Millionen Schweizer Franken vom Konto der Seloma-Stiftung abgehoben hat, deren Kapital überwiegend aus Schmiders Straftaten stammte.

Fotostrecke

30  Bilder
Vorstandsgehälter: Die Leistungsbilanz der Konzernchefs
Die materiellen Freuden des Daseins kann Schmider dank des unverhofften Reichtums wieder genießen. Trotzdem ist er ein gebrochener Mann. Er traut sich in Deutschland kaum auf die Straße, fast alle Freunde haben ihm den Rücken gekehrt, am gesellschaftlichen Leben nimmt er nicht mehr teil.

Am meisten schmerzt ihn das angeknackste Verhältnis zur Tochter und zum Sohn. Die beiden hätten ja miterlebt, wie ihre Mutter litt, "und dann auch noch die Berichterstattung in den Medien". Schmider hält inne, fährt sich mit dem Taschentuch über die Augen und sagt: "Die Kinder mussten denken, dass ihr Vater ein ganz fürchterlicher Mensch ist."

Staatsanwälte ohne Schwellenangst vor Vorstandsetagen

Während seiner Haft nahm Schmider ständig Beruhigungsmittel, später begab er sich in psychotherapeutische Behandlung. "Ich bin seelisch kaputt", klagt der füllige Badener, den sie einst ehrfurchtsvoll "Big Manni" nannten.

So wie Schmider ergeht es vielen Unternehmern und Topmanagern, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind. Sie müssen lange Ermittlungsverfahren aushalten, verbüßen im Extremfall demütigende Gefängnisstrafen und stehen nach ihrer Entlassung vor den Trümmern ihres Lebenswerks.

Ein Trost bleibt jedoch: Auf ihren Abstieg können die meisten dieser Ex-Knackis mit einem Glas Champagner anstoßen. Zum Dosenbier muss kaum einer greifen; wer einmal wohlhabend war, findet offensichtlich immer Wege zu materieller Sorglosigkeit.

Die Zahl der gestrauchelten Wirtschaftspromis ist im letzten Jahrzehnt deutlich gestiegen. Die Gesetze werden immer konsequenter angewandt; Steuerhinterziehung gilt längst nicht mehr als Kavaliersdelikt, Schmiergeldzahlungen beschäftigen mittlerweile Heerscharen von internationalen Fahndern. Obendrein, so Strafverteidiger Hanns Feigen, "haben die Staatsanwälte keine Schwellenangst mehr vor Vorstandsetagen". Wie aber kommen jene, die sich einst im Ruhm des erfolgreichen Geschäftsmanns sonnten, mit dem Absturz zurecht? Wie ertragen sie die gesellschaftliche Ächtung? Haben sie überhaupt noch Chancen auf einen Neuanfang?

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 39 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Ex-Manager?
lynx2 24.09.2011
Zitat von sysopJürgen Schneider, Manfred Schmider, Bodo Schnabel: Viele Ex-Manager,*die verurteilt wurden, gelten zwar als Unpersonen. Aber materiell geht es ihnen verblüffend gut - auf ihren Abstieg können sie mit Champagner anstoßen statt mit Dosenbier. Lohnt sich Verbrechen doch? http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,786365,00.html
.......... Ex-Betrüger! Das waren zwar Manager ihrer eigenen Betrugsfirmen, aber nicht zu vergleichen mit einem angestellten Manager einer mittelständischen GmbH. Verbrechen hat sich für sie gelohnt, weil sie es clever und raffiniert anstellten. Und sie hatten dumme und korrupte Korinthenkacker als Helfer in Finanzverwaltung und Justiz.
2. Schneider und Konsorten
Wikinger62 24.09.2011
Menschen so völlig ohne Charakter und Anstand wird es immer besser gehen als einem ehrlichen, aufrechten Menschen das ist der Schluß der aus dem Handeln dieser Wirtschaftsverbrecher gezogen werden muss
3. Titel
Sleeper_in_Metropolis 24.09.2011
Wieso lese ich aus dem Artikel eigentlich immer dieses unterschwelliges Mitleid für diese ach so armen, gebrochenen Menschen heraus ? Die können sich ein Leben in Saus und Braus erlauben, auch nach einer Straftat. Vieleicht solle man sich mal ein Beispiel nehmen an den tausenden, die sich von Suppenküchen durchfüttern lassen müssen, die tatsächlich oftmals von der Gesellschaft ausgegrenzt werden und die meist kein Wirtschaftsverbrechen begangen haben. Denen dürften es wesentlich mehr abverlangen, täglich zu überleben als den feinen Herren, deren einziges Problem es ist, unter den anderen Geldsäcken ihrer Kreise als Geächtete zu gelten.
4.
Layer_8 24.09.2011
Zitat von sysopJürgen Schneider, Manfred Schmider, Bodo Schnabel: Viele Ex-Manager,*die verurteilt wurden, gelten zwar als Unpersonen. Aber materiell geht es ihnen verblüffend gut - auf ihren Abstieg können sie mit Champagner anstoßen statt mit Dosenbier. Lohnt sich Verbrechen doch? http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,786365,00.html
Ich sehs mal so: Ich könnte vielleicht ja auch ein Angebot bekommen, welches ich nicht ablehnen würde €$$€
5. Wirtschaftsverbrecher
oberallgaeuer 24.09.2011
Mir schiessen fast die Tränen in die Augen. Der arme Herr Zumwinkel muss sich entweder auf seiner Burg verkriechen oder in seiner Londoner Stadtwohnung. Und Herr Schmider muss von seiner Familie ausgehalten werden. Schreckliche Schicksale. Das zeigt ganz deutlich - Wirtschaftsverbrechen lohnt sich nicht. Wie gut hat es da ein verurteilter Bankräuber. Er wohnt in einem Staatsgebäude - mietfrei - täglich wird er verpflegt - auch kostenlos und er kann sich noch ein kleines Taschengeld verdienen. Er hat genügend soziale Kontakte mit Gleichgesinnten. Er muss sich auch keine Gedanken machen, ob er im Grandhotel, Hilton oder Adlon übernachten soll.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik KarriereSPIEGEL
RSS
alles aus der Rubrik Berufsleben
RSS
alles zum Thema Schöner scheitern - KarriereSPIEGEL
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Verwandte Themen

Dumm gelaufen, klug gesprochen

Zitate starten: Klicken Sie auf den Pfeil

  • Corbis
    Wer arbeitet, macht auch Fehler. Kleine und größere Fehlschläge sind immer drin - aber man kann das Risiko senken oder wenigstens klug damit umgehen. Ob Ihre Ziele realistisch sind, wann Ehrgeiz in Verbissenheit umschlägt:
  • Der Selbsttest hilft bei der Einschätzung. mehr...

Fotostrecke
Must-have!: Fünf Spielzeuge für Chef-Chefs

Die schlimmsten Chef-Sprüche (5)

Zitate starten: Klicken Sie auf den Pfeil


Social Networks