Von Ursula Schwarzer
Manfred Schmider, 62, und seine ehemalige Frau Inge Margot Heidemanns, 64, sind ein Herz und eine Seele. Er nennt sie zärtlich "Liebling" und trägt weiterhin seinen Ehering. Sie ihrerseits tut alles, um ihm das Leben so schön wie möglich zu machen, sei es in der Präsidentensuite eines Fünf-Sterne-Hotels am Tegernsee oder in der eigenen Villa im schweizerischen Küsnacht.
Wo das traute Paar auch auftaucht - es schwelgt im Luxus. Auf Mallorca leistet es sich ein üppiges Anwesen für eine Monatsmiete von etwa 15.000 Euro, selbstredend wird auch nicht auf eine imposante Jacht und teure Autos verzichtet.
Scheiden ließen sich die beiden, als Schmider im Knast saß: Weil sich seine Firma Flowtex mit nicht existenten Spezialbohrern hohe Kredite erschlichen und er damit einen Schaden von rund 2,5 Milliarden Euro angerichtet hatte, verurteilten ihn die Richter 2003 zu elf Jahren und sechs Monaten Freiheitsstrafe.
Mit der Flowtex-Pleite hat Schmider sein gesamtes Vermögen verloren. Er lebe jetzt von seiner Familie, sagt er. Wie die zu ihrem Geld gekommen ist, bleibt offen. Fest steht nur, dass Heidemanns 2009 wegen Geldwäsche zu einer Strafe von 100.000 Euro verurteilt wurde. Unstrittig ist zudem, dass ihr Vermögensverwalter fünf Millionen Schweizer Franken vom Konto der Seloma-Stiftung abgehoben hat, deren Kapital überwiegend aus Schmiders Straftaten stammte.
Am meisten schmerzt ihn das angeknackste Verhältnis zur Tochter und zum Sohn. Die beiden hätten ja miterlebt, wie ihre Mutter litt, "und dann auch noch die Berichterstattung in den Medien". Schmider hält inne, fährt sich mit dem Taschentuch über die Augen und sagt: "Die Kinder mussten denken, dass ihr Vater ein ganz fürchterlicher Mensch ist."
Staatsanwälte ohne Schwellenangst vor Vorstandsetagen
Während seiner Haft nahm Schmider ständig Beruhigungsmittel, später begab er sich in psychotherapeutische Behandlung. "Ich bin seelisch kaputt", klagt der füllige Badener, den sie einst ehrfurchtsvoll "Big Manni" nannten.
So wie Schmider ergeht es vielen Unternehmern und Topmanagern, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind. Sie müssen lange Ermittlungsverfahren aushalten, verbüßen im Extremfall demütigende Gefängnisstrafen und stehen nach ihrer Entlassung vor den Trümmern ihres Lebenswerks.
Ein Trost bleibt jedoch: Auf ihren Abstieg können die meisten dieser Ex-Knackis mit einem Glas Champagner anstoßen. Zum Dosenbier muss kaum einer greifen; wer einmal wohlhabend war, findet offensichtlich immer Wege zu materieller Sorglosigkeit.
Die Zahl der gestrauchelten Wirtschaftspromis ist im letzten Jahrzehnt deutlich gestiegen. Die Gesetze werden immer konsequenter angewandt; Steuerhinterziehung gilt längst nicht mehr als Kavaliersdelikt, Schmiergeldzahlungen beschäftigen mittlerweile Heerscharen von internationalen Fahndern. Obendrein, so Strafverteidiger Hanns Feigen, "haben die Staatsanwälte keine Schwellenangst mehr vor Vorstandsetagen". Wie aber kommen jene, die sich einst im Ruhm des erfolgreichen Geschäftsmanns sonnten, mit dem Absturz zurecht? Wie ertragen sie die gesellschaftliche Ächtung? Haben sie überhaupt noch Chancen auf einen Neuanfang?
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