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Zeitarbeit Verleih mich!

Leiharbeit: Sprungbrett oder Sklaverei? Fotos
DPA

Für manche ist sie ein Sprungbrett in eine feste Stelle, andere halten Zeitarbeit für moderne Sklaverei. Doch so lädiert der Ruf auch ist - die Branche boomt. Zwei Leiharbeiter und ein Mietmanager erzählen von ihren Erfahrungen im Unternehmenskarussell.

Wenn soziale Netzwerke etwas über die Gesellschaft sagen, dann steht es schlecht um die Zeitarbeit. "Moderne Sklaverei" heißt eine Leiharbeitsgruppe auf MeinVZ, sie hat mehr als 300 Mitglieder. "Tod der Zeitarbeit" lautet die nächste, die übernächste wirbt mit dem Bild eines angeketteten schwarzen Sklaven. Positiv klingende Gruppen sind meist ironisch gemeint - oder die Gründer sitzen in der Werbeabteilung eines Unternehmens.

Woher rührt der schlechte Ruf der Branche? Ist er berechtigt? Eine Erklärung liefern die Skandale der letzten Jahre, die immer krasseren Meldungen über noch niedrigere Löhne, manchmal unter fünf Euro pro Stunde. Zeitarbeitsfirmen stellen etwa den doppelten Betrag in Rechnung, den die Arbeiter bekommen; mit einem Teil der Differenz finanzieren sie Nebenkosten wie für Urlaub und Krankheit, den Rest verbuchen sie für sich.

Viele Dumping-Löhner hatten unter Verträgen gearbeitet, die mit den sogenannten christlichen Gewerkschaften ausgehandelt worden waren. Deren unchristliche Zeit ist jetzt vermutlich vorbei, weil das Bundesarbeitsgericht im Dezember 2010 ein vernichtendes Urteil sprach: Der Dachverband CGZP habe zu wenige Mitglieder, um Tarifverträge zu schließen.

Aus dem Urteil folgt, dass sich Tausende von Leiharbeitern jetzt auf den "Equal Pay"-Grundsatz berufen können. Gibt es keinen gültigen Tarifvertrag, steht ihnen derselbe Lohn zu wie den festangestellten Kollegen. "Geschädigte müssen sich nur überwinden und zum Anwalt gehen", sagt Holger Thieß. Der Arbeitsrechtler, der Mandanten für die Gewerkschaft Ver.di vertritt, weiß von rund 4000 Leiharbeitern, die mehr Geld fordern. Die ersten Urteile erwartet er in Kürze.

Mindestlöhne bremsen das Geschäft nicht

7,79 Euro pro Stunde im Westen, 6,65 Euro im Osten - seit dem 1. Mai gibt es für Leiharbeiter erstmals verbindliche Mindestlöhne. Sie sollen verhindern, dass mit der Öffnung des Arbeitsmarkts für Osteuropäer die Löhne weiter sinken.

Das Geschäft floriert trotzdem. "Die Nachfrage ist groß", sagt Michael Wehran, Sprecher des Bundesarbeitgeberverbands der Personaldienstleister. Das größte Problem sei der Mangel an Arbeitskräften: "Bei geeigneten Bewerbern könnten wir gleich 40.000 bis 50.000 Stellen mehr besetzen." Falls der Bedarf gedeckt werde, könnten in diesem Jahr zeitweise eine Million Zeitarbeiter arbeiten, das wäre ein Rekord.

Zugleich wächst auch der Markt für geliehene Manager. Agenturen wie die Hamburger Management Angels oder die Zeitmanager München vermitteln Edel-Leiharbeiter an Firmen, die etwa bei Insolvenzen externe Hilfe brauchen. Geliehen zu werden, ist in diesem Fall kein Stigma, sondern eine Auszeichnung; üblich sind Tagessätze um die tausend Euro. Zeitarbeiter im klassischen Sinn sind die neuen Leihmanager nicht - die meisten bleiben formal selbständig und arbeiten für mehrere Agenturen.

Auch im Billiglohnsektor gebe es zunehmend Freiberufler, weiß der Anwalt Thieß. Das habe aber ganz andere Gründe: Scheinselbständigkeit sei dort ein Trick, um die Mindestlöhne und den Arbeitsschutz zu umgehen.

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