Von Anja Tiedge
Mit Kollegen soll man es sich nicht verscherzen, heißt es immer. Schließlich verbringen viele Menschen im Laufe ihres Lebens mehr Zeit bei der Arbeit als mit der eigenen Familie - und wer weiß, vielleicht können die anderen Mitarbeiter im Laufe des Berufslebens noch mal förderlich sein. Man sieht sich immer zweimal und so.
Allerdings: Es gibt Kollegen, mit denen kann man einfach schwer auskommen. Fußatmer, Schnürsenkelbügler, Büroketzer - eben Nervensägen, die immer der gleichen Meinung sind wie der Chef, extrem pedantisch oder chronisch unzufrieden. Schon ist das Büroklima verpestet.
Wenn es gut läuft, klärt man's von Mann zu Mann, von Frau zu Frau oder kreuzweise. Im schlechten Fall kommt es zum verdeckten Bürokrieg. Als Waffe dienen der Bürodrucker oder handgekritzelte Zettel; bevorzugte Kampfzonen sind die Gemeinschaftsräume, nämlich Kaffeeküche und Büroklo.
Das klingt dann so: "Bitte den Mikrowellendeckel nutzen! Vertrocknete Essensreste in der Mikrowelle sind ekelhaft!" - "Beim Verlassen der Toilette: Klodeckel zu und Licht aus!" - "Tassen abspülen! Es ist nicht zumutbar, seinen Kollegen eine derart verschmutzte Küche zu hinterlassen!"
Wumm. Sätze wie Streubomben. Und sie können jeden treffen: Hat der Verfasser etwa beobachtet, wie ich meinen Becher kürzlich - große Ausnahme natürlich! - ungespült im Waschbecken versenkt habe?
Die Botschaft darf auch mal wehtun
Richtig fies wird es, wenn der Angreifer unter die Gürtellinie zielt. Zum Beispiel auf der Herrentoilette: "Geh näher ran, er ist kürzer als du denkst." Ehrverletzend und lustig zugleich - so ein Satz wirkt nach. Emotionalisieren nennt der Wissenschaftler das. "Mit dem erhobenen Zeigefinger wird der Zettelschreiber sein Ziel kaum erreichen", so Kastner. "Eine Botschaft ist wirksamer, wenn sie die Kollegen zum Schmunzeln bringt." Dann dürfen die Nachrichten auch gern mal wehtun. Sind ja nicht persönlich gemeint.
Alles in allem halte er aber nicht allzu viel von den Zettelbotschaften, sagt Kastner. "Es wird sich erst was ändern, wenn falsches Verhalten bestraft wird." Etwa wenn Kaffeetassen-Sünder fürs Nichtabwaschen einen Euro in die Gemeinschaftskasse blechen müssen.
Vielleicht sollten wir aber auch einfach umdenken: Wie wäre es zur Abwechslung mit Abrüstung? Mit Friedensbotschaften, mit Zetteln, die entspannen? Eine Saarbrückerin hat den Versuch auf der Straße unternommen und auf dem Papier Zeit, Freude und Mut verschenkt. Bedürftige können die Schnipsel mit der Aufschrift "Alles wird gut" oder "50 Minuten Zeit" abreißen und mit nach Hause nehmen. Ein Prototyp fürs Büro? Einen Versuch wäre es wert.
Humorvoll und kreativ oder eine derbe Schimpfkanonade - die Zettel selbst sind so unterschiedlich wie ihre Verfasser. Für eine bessere Orientierung in der Welt der Papierkrieger haben wir sie in sechs Kategorien unterteilt.
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