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Zukunftsforschung Warum Glückskrawatten gut für die Karriere sind

Krawattenmann, geh du voran: Erfolg durch Autosuggestion - auch Symbole wie ein Glücksschlips können helfen, meint der Zukunftsforscher Zur Großansicht
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Krawattenmann, geh du voran: Erfolg durch Autosuggestion - auch Symbole wie ein Glücksschlips können helfen, meint der Zukunftsforscher

Wir träumen vom großen Durchbruch oder idealen Job im Ausland. Und liegen so oft daneben. Die 13 größten Irrtümer beschreibt Zukunftsforscher Heiko von der Gracht. Im Gastbeitrag erklärt er, wieso Berufsoptimisten anfällig sind und wann hyperaktive Macher besser die Füße stillhalten.

Wann werden Sie zum Vorstand befördert? Oder Chefin Ihres eigenen Unternehmens? Im Ernst: Träumen wir nicht alle von einem guten Job, unternehmerischem Erfolg, mehr Gehalt? Leider werden solche Wünsche erstens meist viel zu spät wahr, zweitens oft nur teilweise. Und drittens machen sie uns, selbst wenn sie wahr werden, in aller Regel weniger glücklich als erwartet.

Wie kann man bei der eigenen Zukunft gleich dreifach daneben liegen? Gegenfrage: Wie kann man nicht? Die Irrtümer, die wir in unseren ureigenen Zukunftsfragen begehen, verdammen uns dazu.

Das Irritierende an Zukunfts-Irrtümern ist nicht, dass es sie gibt, sondern dass sie häufig übersehen, selten vermieden und seltener noch korrigiert werden. Das Bewusstsein für solche kognitiven Verzerrungen (Biases) ist auf privater und beruflicher Entscheidungsebene bislang nur schwach vorhanden. Deshalb werden in Vorstandszimmern wie Fertigungshallen immer noch täglich jede Menge Zukunftsirrtümer begangen: Die Auswahl ist nahezu unbegrenzt.

Die 13 größten Irrtümer

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Einer der häufigsten Zukunftsirrtümer ist der Desirability Bias: "Ich rechne fest mit der Beförderung!", sagt der Mittelmanager. "Wie bitte?", denken seine Kollegen, "bei deinen schwachen Leistungen? Wie wahrscheinlich ist das denn?" Überhaupt nicht. Doch der hoffnungsvolle Bewerber überschätzt die objektive Wahrscheinlichkeit wegen der Intensität seines subjektiven Wunsches - und wird prompt enttäuscht.

Zukunftskompetente Menschen vermeiden diese Enttäuschung, indem sie Fakten und Erfahrungen aus vergleichbaren Fällen recherchieren. Waren bislang alle Inhaber der begehrten Position extrovertierte Tabellenfanatiker? Dann dürfte klar sein, welcher Kandidat die besten Karten hat.

Typisches Hektikopfer? Do nothing!

Unfairerweise sind manche Menschen besonders anfällig für Zukunftsirrtümer. (Berufs)Optimisten, Narzissten und Menschen mit schwacher Neigung zur Recherche beispielsweise gehen dem Desirability Bias besonders häufig auf den Leim. Solche typbedingten Verwicklungen erleichtern jedoch gleichzeitig die Immunisierung: "Nosce te ipsum", lateinisch für "Erkenne dich selbst". Wer seine Verhaltensprädispositionen (er)kennt, erkennt damit gleichzeitig, vor welchen Irrtümern er sich besonders in Acht nehmen sollte. Eine Glückskrawatte zu tragen, ist übrigens keiner - starke Symbole steigern die Zukunftschancen (siehe auch "Die 13 größten Irrtümer").

Typische Macher beispielsweise fallen häufig dem Action Bias zum Opfer: Sie entwickeln eine operative oder investive Hektik, wenn sie eigentlich die Füße stillhalten und die Entwicklung abwarten sollten. Deshalb erinnert ein irrtumsbewusster Vertriebsleiter eines bekannten Industrieunternehmens seine oft hyperaktiven Marketingexperten regelmäßig: "Es gibt für jedes denkbare Szenario eine Option, die immer anwendbar ist - do nothing!" Wie lange? Bis man sicher ist, das Richtige zu tun…

Dritter häufiger Zukunftsirrtum: Kurzsichtigkeit. In der Beratung sagen uns Manager oft: "Tolle Zukunftsstudie, aber wieso Horizont 2020? Machen Sie doch 2015." Nur zwei Jahre im Voraus? Das ist Planung. Planung tut Not, schränkt jedoch die Kreativität für völlig Neues, Bahnbrechendes - zweckgemäß - stark ein. Zukunftsforschung möchte Planung nicht ersetzen, sondern sie vielmehr mit den fehlenden langfristigen Aspekten komplettieren, indem sie den Horizont so weit zieht, dass sich der Spielraum für neue strategische Optionen erweitert.

Wer zum Beispiel zukunftskompetent studiert, denkt sicher nicht nur bis zur nächsten Seminararbeit, sondern im Hinterkopf immer auch an eine wechselnde Auswahl attraktiver Themen für seine Master-Arbeit und an eine Palette vielversprechender Arbeitgeber in spe: Man möchte sich Möglichkeiten offenhalten, indem man weit vorausdenkt. Das ist der systemtheoretische Imperativ des Physikers und Philosophen Heinz von Foerster: "Handle stets so, dass die Anzahl der Wahlmöglichkeiten größer wird."

Genau diese zukunftsentscheidende Spielraumerweiterung verhindert Zukunftsirrtümer. Irren ist menschlich - aber wer es sich verkneifen oder begangene Fehler wirksam korrigieren kann, hat die bessere Zukunft.

  • KPMG
    KarriereSPIEGEL-Gastautor Dr. Heiko von der Gracht gründete das Center für Zukunftsforschung, das er später zum Institut für Zukunftsforschung und Wissensmanagement (IFK) entwickelte. Er ist Autor des Buches "Survive: So bleiben Manager auch in Zukunft erfolgreich" und gilt als einer der renommiertesten Experten für die Delphi-Methode der Zukunftsforschung. Heiko von der Gracht leitet heute den Think Tank für Zukunftsmanagement beim von KPMG geförderten Institute of Corporate Education e. V. (incore).

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insgesamt 9 Beiträge
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    Seite 1    
1. Zukunftskompetenz
holdrian 16.08.2013
Wie misst man die? Hinterher? ha ha ha, Jetzt weiß ich auch was all die Jahre schiefgegangen ist, ich habe mein Glückskravatte verschenkt. Und dabei hatte mich die Kartenleserin extra gewarnt. Muh
2. Zukunftsirrtümer ?
max hollister 16.08.2013
Die hier beschriebenen Zukunftsirrtümer gehen alle! auf die Forschungen von Tversky und Kahnemann zurück - Stichwort 'Biases and Herustics' in Entscheidungssituationen. Alle Entscheidungen sind ja irgendwie zukunftsgerichtet und insofern ist das alles einfach abgeschrieben und als Zukunftsforschung verkauft. Ohne Quellenangabe wäre so eine Diss schlicht ein Plagiat. Braucht man eine Qualifikation oder darf sich heute eigentlich jeder Zukunftsforscher nennen? Und die Geschichte mit dem Schlips hat ja mit Wissenschaft nicht viel zu tun, läuft das schon unter Astrologie?
3.
bettyboop2013 16.08.2013
Aussagen über zukünftige Dinge haben immer diesen blöden Nachteil, dass sie ungewiss sind. - Ein bisschen Größenwahn braucht man schon, um sich in Bewegung zu setzen, das ist ok.
4.
meglio 16.08.2013
Zitat von sysopDPAWir träumen vom großen Durchbruch oder idealen Job im Ausland. Und liegen so oft daneben. Die 13 größten Irrtümer beschreibt Zukunftsforscher Heiko von der Gracht. Im Gastbeitrag erklärt er, wieso Berufsoptimisten anfällig sind und wann hyperaktive Macher besser die Füße stillhalten. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/zukunftsforschung-im-beruf-so-wird-karriere-vorhersehbar-a-916529.html
das ist kein alleinstellungsmerkmal der entscheidungsträger Zitat: Gerne glauben die Menschen das, was sie (glauben) wollen. Autor: Julius Caesar. Quelle: Der Gallische Krieg, 3, 18, 6 in ähnlicher aktualität und qualität setzt sich die irrtümer-parade fort
5.
futurista 16.08.2013
Dass sich mittelmäßige Consultants versuchen, mit dem Zusatz "Zukunfsforscher" und pseudowissenschaftlicher Plattitüden (oder Plagiate wie max hollister ja schon schön bemerkt hat) zu vermarkten, ist ja nicht neu - die wissenschaftliche Zukunftsforschung musste sich schon immer damit rumschlagen, dass eine wünschbare Zukunft von der Beraterbranche nur als "dicker (eigener?) Geldbeutel" denkbar ist...unschön ist eher, dass es offensichtlich seitens SPIEGEL-Online keine Qualitätskontrolle gibt und plumpe Selbstvermarktung ("Zukunftsforscher", "renommiertester Delphi-Experte") sowie krude Begriffsdefinitionen (Zukunftskompetenz = zielgerichtete eigene Karriereplanung) unreflektiert übernommen werden! Pfui, pfui, pfui...
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