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Studie über Diensthandys Immer erreichbar, immer erschöpft

Zwei Drittel aller Angestellten checken ihre Dienstmails auch nach Feierabend Zur Großansicht
DPA

Zwei Drittel aller Angestellten checken ihre Dienstmails auch nach Feierabend

Der Feierabend ist nicht mehr das, was er verspricht: Laut einer Studie schauen zwei Drittel aller Angestellten abends regelmäßig aufs Handy und checken E-Mails aus dem Büro - und schlafen danach schlechter.

"Nur noch kurz die Welt retten...", "...nur noch 148 Mails checken..." - der Songtext von Tim Bendzko gibt offenbar das Leben in vielen deutschen Wohnzimmern wieder. Denn laut einer Studie der Universität Kassel sind rund zwei Drittel aller Beschäftigten auch nach Feierabend immer mal wieder mit dem Kopf im Büro. Demnach opfern Angestellte, die geistig arbeiten, bis zu 46 Minuten ihrer freien Zeit, um zu telefonieren, ihre E-Mails zu checken oder beruflich im Internet zu surfen.

Trotzdem erholen sich auch Menschen, die die ständige Erreichbarkeit nicht als schlimm empfinden, tendenziell schlechter, so die Ergebnisse der Untersuchung.

Für die Studie befragten Sandra Ohly, Wirtschaftspsychologin an der Universität Kassel, und ihr Team im Sommer 2014 bundesweit 138 Beschäftigte in verschiedenen deutschen Unternehmen. Diese führten ein Tagebuch, in das sie eine Woche lang morgens vor der Arbeit, nachmittags nach der Arbeit und am Abend notierten, wie sie Internet und Mobilfunk für berufliche Zwecke nutzten. Unter anderem hielten sie auch fest, wie sie sich fühlten.

Das Ergebnis: Die Teilnehmer bearbeiteten nach Feierabend im Schnitt 26 Minuten lang berufliche E-Mails oder nahmen Anrufe von Kollegen oder Kunden entgegen. Betrachtet man nur diejenigen Tage, an denen der Feierabend überhaupt unterbrochen wurde, waren es sogar 46 Minuten.

Lediglich zehn Prozent aller Teilnehmer gaben an, den Feierabend nie zu unterbrechen, weitere 21 Prozent tun dies selten. Hingegen greifen 20 Prozent "manchmal" für das Unternehmen zu Smartphone oder fahren den Rechner hoch, 27 Prozent häufig, 14 Prozent immer. Ein Großteil der Befragten ist damit aber offensichtlich grundsätzlich einverstanden. Nur zwölf Prozent waren unzufrieden oder sehr unzufrieden, auch noch nach Feierabend gestört zu werden.

Auch wenn viele Teilnehmer die ständige Erreichbarkeit generell als positiv bewerteten, notierten dieselben Beschäftigten dennoch vergleichsweise häufig, dass es belastend sei, nach Feierabend noch E-Mails beantworten zu müssen. Und: Sie notierten am Morgen häufig eine schlechtere Stimmung, klagten über weniger Vitalität und tendenziell über eine schlechtere Schlafqualität.

sid

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insgesamt 21 Beiträge
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1.
großwolke 11.12.2014
Preisfrage hier: wie liest man so ein Ergebnis? Meiner Meinung nach nicht unbedingt so, dass verlängerte Erreichbarkeit generell etwas schlechtes ist. Eher so, dass die in Anbetracht der (auch ohne Studien zu dem Thema erwartbaren) negativen Folgen eines quasi-verlängerten Arbeitstages gut abgewogen sein wollen gegen den möglichen Gewinn, den man sich aus solcherlei Treiben verspricht (schnellere Karriere? Vermeidung von Stress am Folgetag? mehr Selbstverwirklichung? etc. pp.). Zu dem mit der privaten Mehrarbeit erreichten Return on Invest gibt das Datenmaterial, soweit zitiert, nämlich gar nix her.
2. Handys, Tablets, Computer ...
Pof 11.12.2014
Mit den Handys nur für die Arbeit unterwegs ? Keinesfalls ... Auch in der Freizeit daddelt und kommuniziert der moderne Mensch pausenlos mit den Smartphones, Tablets und PC's durch das Leben. Ein Tag hat aber nur 24 Stunden ... Als Junger Mensch findet man das alles sehr faszinierend. Später wird es dann zur Zwangsjacke, aber wehe man sagt etwas dagegen. Dann ist man einfach out und dumm ... Seit ca. 15 Jahren beobachte ich kritisch die Entwicklung des Smartphone Marktes. Von Anfang an war mir bewusst, daß die Freiheit, die man zu haben glaubt, ebenso in Gefahr ist, verloren zu gehen. Überwacht und bei persönlichen Aktivitäten gestört wird man nicht nur vom Arbeitgeber, sondern auch von den eigenen Angehörigen & Freunden. Durch die ständige Erreichbarkeit gibt es verminderte Verbindlichkeiten. Das pausenlose Geklingel der digitalen Geräte, die nach 2 Jahren veraltet sind, sind eine einzige Anmaßung ... Erschaffen wurde ein neuer Markt mit Geräten, die uns in die Abhängigkeit führen und unser Leben zur Zwangsjacke machen. Aber macht nur so weiter ... Dies ist ein Experiment an der Menschheit, dessen Ausmaße wir heute nicht überblicken und auch nicht kritisch Hinterfragen wollen. (Meine persönliche Erfahrung im Umgang mit Freunden und Bekannten). Ein gefährliches Phänomen ... an was erinnert mich das als freier, kritischer, deutscher Bürger ? Ich sag es lieber nicht ... Mein Ratschlag: Macht kaputt, was Euch kaputt macht ...
3.
sschuste 12.12.2014
Zitat von PofMit den Handys nur für die Arbeit unterwegs ? Keinesfalls ... Auch in der Freizeit daddelt und kommuniziert der moderne Mensch pausenlos mit den Smartphones, Tablets und PC's durch das Leben. Ein Tag hat aber nur 24 Stunden ... Als Junger Mensch findet man das alles sehr faszinierend. Später wird es dann zur Zwangsjacke, aber wehe man sagt etwas dagegen. Dann ist man einfach out und dumm ... Seit ca. 15 Jahren beobachte ich kritisch die Entwicklung des Smartphone Marktes. Von Anfang an war mir bewusst, daß die Freiheit, die man zu haben glaubt, ebenso in Gefahr ist, verloren zu gehen. Überwacht und bei persönlichen Aktivitäten gestört wird man nicht nur vom Arbeitgeber, sondern auch von den eigenen Angehörigen & Freunden. Durch die ständige Erreichbarkeit gibt es verminderte Verbindlichkeiten. Das pausenlose Geklingel der digitalen Geräte, die nach 2 Jahren veraltet sind, sind eine einzige Anmaßung ... Erschaffen wurde ein neuer Markt mit Geräten, die uns in die Abhängigkeit führen und unser Leben zur Zwangsjacke machen. Aber macht nur so weiter ... Dies ist ein Experiment an der Menschheit, dessen Ausmaße wir heute nicht überblicken und auch nicht kritisch Hinterfragen wollen. (Meine persönliche Erfahrung im Umgang mit Freunden und Bekannten). Ein gefährliches Phänomen ... an was erinnert mich das als freier, kritischer, deutscher Bürger ? Ich sag es lieber nicht ... Mein Ratschlag: Macht kaputt, was Euch kaputt macht ...
Poffi, ich bin jetzt 53 und find das Zeugs einfach geil. Fand ich übrigens schon mit 43, 33 und 23. Und dies ist kein Experiment an der Menschheit, sondern es ist die Menschheit, die experimentiert. Wir beide können das gern diskutieren und auch kritisch hinterfragen, aber du musst auch akzeptieren, dass das alles völlig normal ist. Dinge ändern sich nun mal.
4.
Onkel Uwe 12.12.2014
Zitat von großwolkePreisfrage hier: wie liest man so ein Ergebnis? Meiner Meinung nach nicht unbedingt so, dass verlängerte Erreichbarkeit generell etwas schlechtes ist. Eher so, dass die in Anbetracht der (auch ohne Studien zu dem Thema erwartbaren) negativen Folgen eines quasi-verlängerten Arbeitstages gut abgewogen sein wollen gegen den möglichen Gewinn, den man sich aus solcherlei Treiben verspricht (schnellere Karriere? Vermeidung von Stress am Folgetag? mehr Selbstverwirklichung? etc. pp.). Zu dem mit der privaten Mehrarbeit erreichten Return on Invest gibt das Datenmaterial, soweit zitiert, nämlich gar nix her.
Nur bekommt man in den seltensten Fällen, was man sich verspricht. Das sollte jeder bedenken. Im Normalfall wirds nichts mit der Karriere (der Chef verkauft deine Mehrarbeit als eigenen Erfolg; und warum soll der besser sein, der seine Arbeit nicht in der normalen Zeit schafft >;) ), Stress wird nicht vermieden (er hats ja geschafft, da kann er das und das gleich auch noch mit machen) und Selbstverwirklichung sehe ich auch eher im Privaten, solange man noch nicht sein eigener Chef ist. Aber man ist ja deutsch, heisst: lebt um zu arbeiten, oder? Merkwürdige Sichtweisen...
5. Selbstbelügung
Leser161 12.12.2014
Wir Menschen sind halt gut drin uns sozial getrieben selbst zu belügen: "Yeah, ich bin wichtig ich muss auch nach Feierabend noch arbeiten, sonst geht die Frima unter" "Yeah ich bin total flexibel und fahre gern die Woche durch die Republik" It ai'nt. Solche Sachen sind belastend, das ist einfach so. Das kann man mal machen, wenn man auf was hinarbeitet, um was zu erreichen. Aber andauernd Höchsleistung bringen, ohne das was dabei rumkommt? No way (Sorry Leute, es kann nur einer Abteilungskleiter sein). Das schleift einen runter.
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Eine repräsentative Studie von Techniker-Krankenkasse (TK), "FAZ"-Institut und Forsa macht deutlich, welche Ausmaße das Problem inzwischen in Deutschland angenommen hat: Acht von zehn Deutschen empfinden demnach ihr Leben als stressig. Jeder Dritte steht unter Dauerstrom, jeder Fünfte bekommt die Folgen gesundheitlich zu spüren - von Schlafstörungen bis hin zum Herzinfarkt. Stress bestimmt den Alltag in Deutschland immer stärker.

Alarmierend ist der TK zufolge die hohe Zahl von Burn-out-Patienten. 2008 sind demnach "ausgebrannte" Berufstätige fast zehn Millionen Tage krankgeschrieben worden. Damit fehlten rund 40.000 Menschen das ganze Jahr über am Arbeitsplatz. Dies entspricht einer Zunahme von 17 Prozent verglichen mit 2003.
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Stressfaktor Nummer eins ist der Job. Das haben die 1014 befragten Personen zwischen 14 und 65 Jahren zu Protokoll gegeben. Jeder Dritte arbeitet am Limit, getrieben von Hektik, Termindruck und einem zu hohen Arbeitspensum. Ein Drittel der Beschäftigten leidet darunter, rund um die Uhr erreichbar sein zu müssen und von Informationen überflutet zu werden.

Berufstätige Eltern geraten der Studie zufolge besonders häufig an ihre Belastungsgrenze. Ihre größte Sorge sei, dass die Familie zu kurz kommt. Doch auch 90 Prozent der Schüler klagen über Stress. Jeder Dritte steht nach eigener Aussage permanent unter Leistungs- und Prüfungsdruck.
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Auch für das Gesundheitssystem ist die Dauerbelastung der Menschen ein ernstzunehmender Kostenfaktor. Mit knapp 27 Milliarden Euro im Jahr stehen die Ausgaben für die Behandlung stressbedingter psychischer Erkrankungen an dritter Stelle der Kostentabelle. Hinzu kommen massive Aufwendungen für Herz-Kreislauf-Krankheiten, unter denen Dauergestresste mehr als doppelt so häufig leiden wie ihre weniger unter Druck stehenden Zeitgenossen.

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Wie sich Burn-out vermeiden lässt
So können Firmen vorbeugen:
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Berufseinsteiger und neue Mitarbeiter sorgfältig einarbeiten, damit nicht das Gefühl von Überforderung aufkommt.

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Falsche Arbeitsbelastung vermeiden, indem Beschäftigte in die Arbeitsplanung miteinbezogen werden. Sie sollen weder überfordert noch unterfordert sein.

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Zu viele Überstunden vermeiden. Nach zehn Stunden Arbeit ist ein Mensch kaum noch produktiv.

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Führungskräfte sorgfältig auf ihre Aufgaben vorbereiten. Sie sollen Ziele bestimmen, diese klar formulieren und auf die Einhaltung im Team achten. Zugleich soll aber nicht das Gefühl extremer Kontrolle entstehen.

Anerkennung

Mitarbeitern für gute Arbeit Lob und Anerkennung zollen und dies auch kommunizieren. Auch Kritik ist wichtig. Das Feedback sollte jedoch konstruktiv formuliert werden.

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So können Sie persönlich vorbeugen:
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Überlegen, welche Aufgaben delegiert werden können.

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Freizeitpläne und Unternehmungen mit Familie und Freunden nicht ständig verschieben. Sie sollten als Ausgleich zur Arbeit fest eingeplant werden. Allerdings sollte auch nicht Freizeitstress daraus werden.

(Quelle: TÜV Süd)



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