Von Anne Haeming
Noch kein weißer Rauch, wie auch, das Konklave hat eben erst begonnen. Egal, auf welchen neuen Geschäftsführer sich der Aufsichtsrat des Vatikan am Ende einigt: Es wird keiner von denen, deren Namen vorab überall kursieren. Das ist in jedem multinationalen Konzern so. Eher haben Sie eine Chance!
Denn jeder getaufte Katholik kann sich auf den Job bewerben, theoretisch. Keine Sorge, das mit der Taufe kriegen Sie schneller hin als eine Vermittlungsvereinbarung mit Ihrer zuständigen Arbeitsagentur. KarriereSPIEGEL zeigt, wie eine Stellenanzeige für den Papst aussehen könnte, wenn es sie denn gäbe (in Kursivschrift) - und gibt nach jedem Abschnitt unbezahlbare Bewerbungstipps. Trauen Sie sich! Wie überall im Berufsleben gilt: Wer's nicht versucht, hat schon verloren.
Sie sind es gewohnt, in Superlativen zu denken? Sie könnten sich sogar daran gewöhnen, selbst ein Superlativ zu sein? Gut, dann lassen Sie diese Titel auf sich wirken: Staatsoberhaupt, Bischof der Kirche von Rom, Haupt des Bischofskollegiums, "Stellvertreter Christi" und "Hirte der Gesamtkirche hier auf Erden". Bei der Papst-Personalie geht es um den ultimativen Managementjob, sogar mit Sanierungsschwerpunkt. Wäre er nicht konfessionslos, hätte Hartmut Mehdorn längst zugesagt. Sogar ohne gefragt zu werden.
Die Berufskleidung ist also inklusive. Weiß ist Ihre Farbe? Glück gehabt. Sie tragen gerne Kleider? Gut für Sie. Aber Achtung, man sieht jeden Fleck. Und ja, den Pileolus müssen Sie auch tragen. Keine Sorge, der fliegt nicht weg - Haarspangen, alter Trick. Bei den Schuhen haben Sie freie Wahl, Hauptsache rot. Den Geschäftswagen stellt die Firma, der ist sogar gepanzert. Sie werden den sichersten Arbeitsplatz der Welt haben - die Security kommt extra aus der Schweiz. Die könnte man in Zukunft gezielter einsetzen, etwa um die eigenen Leute zu überwachen. Andere Großkonzerne machen das ja auch, siehe Amazon. Nicht, dass wieder die ganze Welt über Vatileaks lacht.
Unverheiratet, ungebunden, bereit zur Selbstaufgabe - hier gelten die gleichen Ansprüche wie an jeden McKinsey-Berater. Nur so sind Sie maximal flexibel. Karrieretechnisch ist der Papst-Job allerdings viel attraktiver als alles, was die Mäckis zu bieten haben: Höher als Papst geht nicht, zu Lebzeiten zumindest.
Da Sie mehrmals im Jahr Ansprachen an alle Völker halten, wäre es gut, wenn Sie Ihre Sprachkenntnisse aufpolieren. Spanisch ist ganz wichtig, der Rest lässt sich auswendig lernen, es sind sowieso immer die gleichen Texte. Essentiell ist Latein. Aber fürs Konklave tun's erst mal die Klassiker, etwa "urbi et orbi", "in vino veritas" und natürlich "mens sana in bacardi soda". Ein Hang zu bildhafter Sprache ist ausdrücklich erwünscht. Am besten funktioniert, wenn man alles mit Schiffen, Schafen, Hirten, Senfkörnern und Weinbergen erklärt. Fußballvergleiche sollten aber auch gehen.
Bei der Catholic Inc. gibt es Diversity Management vom Feinsten - abgesehen von der fehlenden Frauenquote. Und fehlenden Frauen. Immerhin, Altersdiskriminierung ist der Kirche fremd. Für Männer über 60 bietet sich die einmalige Chance zur Zweitkarriere, lebenslang, bis zum bitteren Ende. Oder aber Sie machen's wie der Vorgänger und genießen den Herbst des Lebens in einer italienischen Landvilla, auf Kosten des Hauses.
Auffällig: Über die Vergütungsregeln schweigt sich die Kirche aus. Das hat aber mindestens einen Vorteil: So greift auch keine Bonus-Deckelung. Ansonsten hält es der Vatikan mit dem Geld wie Rolls-Royce früher mit den PS-Angaben: "Es ist genug da." Ihre aussagekräftige Bewerbung richten Sie ans vatikanische Arbeitsamt, das gibt es tatsächlich. Und dann hilft nur noch beten.
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