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Verwirrende Master-Abschlüsse Irgendwas mit Management

Verwirrter Manager-Nachwuchs: Wer steigt bei den vielen Abschlüssen noch durch? Zur Großansicht
Corbis

Verwirrter Manager-Nachwuchs: Wer steigt bei den vielen Abschlüssen noch durch?

Master in Management, Master in Business oder Master of Science in Business Administration - längst gibt es neben dem MBA unzählige Abschlüsse, die sich alle irgendwie mit Management beschäftigen. Nur was eignet sich für wen? Eine Orientierungshilfe.

Wer nach ganz oben will, braucht einen MBA - oder? Neben dem Master of Business Administration, der als das Managementstudium schlechthin gilt, gibt es mittlerweile unzählige andere Studiengänge, die irgendwas mit Business zu tun haben. Doch worin unterscheiden sich neuere Management-Abschlüsse vom klassischen MBA?

Auf dem Papier sind die Unterschiede klar. Der Master in Management (MiM) ist eher wissenschaftlich ausgerichtet und bereitet vor allem auf die Promotion vor. Er setzt ein wirtschaftswissenschaftliches Erststudium, also einen Bachelor, voraus. Berufserfahrung ist nicht erforderlich.

Dagegen richtet sich der MBA vor allem an Interessenten ohne Wirtschaftsstudium, die sich fit für einen Managementjob machen wollen. Wer sich hierfür einschreiben will, braucht Berufserfahrung, aber keine fachlichen Vorkenntnisse. Die MBA-Studenten sind im Schnitt 28 Jahre alt und damit deutlich älter als ihre MiM-Kommilitonen, der Unterricht ist praxisorientierter: "Beim MBA interessiert sich keiner, wo eine Formel herkommt, da geht es um die Anwendung in der Praxis", erklärt Thomas Graf, der selbst einen MBA gemacht hat und die Plattform "Master in Management Compass" betreibt.

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Firmengründer mit MBA-Abschluss: Auf dem Papier war das einfacher
In der Praxis verschwimmen die Grenzen zwischen MBA und MiM jedoch. Als Graf im vergangenen Jahr die Zulassungsvoraussetzungen bei knapp 600 MiM-Programmen weltweit auswertete, staunte er nicht schlecht. Denn rund zwei Drittel der ein- bis zweijährigen Studiengänge verlangen kein wirtschaftswissenschaftliches Erststudium. Damit wird der MiM ähnlich wie der MBA eine Option für Absolventen verschiedener Fachrichtungen. Allerdings mit einem Unterschied: Im Gegensatz zum MBA kann man mit dem MiM gleich nach dem Examen beginnen - ohne Umweg über einen Job.

Für Graf lässt sich der Markt grob so aufteilen: Etwa ein Drittel der Master-Studiengänge setzt einen Bachelor-Abschluss in Betriebs- oder Volkswirtschaft voraus und ist damit so etwas wie der Nachfolger des bisherigen Diplom-Kaufmanns. Ein Drittel ist offen für Absolventen von Fachdisziplinen wie Soziologie, Psychologie oder Politologie, in denen bereits Methodenwissen und Statistik vermittelt wurde. Und ein weiteres Drittel akzeptiert Bachelor-Absolventen aller Fachrichtungen. Dabei lässt sich das letzte Drittel noch einmal unterteilen in Programme, die für alle Bachelor-Absolventen zugänglich sind und solche, die explizit nur Kandidaten ohne Wirtschaftabschluss aufnehmen.

Welcher Titel darf's denn sein?

Da jede Hochschule den Namen für die Studiengänge selbst festelegen kann, sind die Titel verwirrend: Vom "Master of Science in Management" über den "Master of Science in Business" bis zum "Master of Arts in General Management" ist alles dabei. "Um die Studiengänge richtig einzuordnen, muss man sich vor allem die Inhalte anschauen", sagt Graf. Bei einem MiM-Studiengang sollte wie beim MBA mindestens die Hälfte des Studiums aus General-Management-Inhalten bestehen, also Fächern wie Finanzierung, Strategie und Personalmanagement. Im Gegensatz dazu fokussieren sich spezialisierte Master auf einen Fachbereich wie etwa Logistik.

Die Anforderungen an die Studenten sind vielfältig, das gilt auch für die Berufserfahrung: Während viele MiM-Programme nur Studenten mit weniger als zwei Jahren Job-Erfahrung aufnehmen, gibt es auch berufsbegleitende MiM-Studiengänge, deren Teilnehmer deutlich länger gearbeitet haben. Einer der Vorreiter dabei ist die HHL - Leipzig School of Management. Dort sind die MiM-Studenten durchschnittlich 26 Jahre alt und haben vier Jahre Berufserfahrung. Sie werden größtenteils von ihren Arbeitgebern geschickt, die das Studium auch bezahlen.

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MBA-Ausbildung: Die weltweit besten Business Schools
"Die Unternehmen erkennen zunehmend, dass sie ihre Mitarbeiter mit Bachelor-Abschluss weiter entwickeln müssen", erklärt Professor Henning Zülch, akademischer Direktor des Studiengangs. So unterstützen zum Beispiel IBM und die Telekom ihre Mitarbeiter beim MiM-Studium an der HHL. Beim berufsbegleitenden MBA gehe das Interesse dagegen eher von den Mitarbeitern selbst aus. "Die wollen sich Wirtschaftswissen aneignen, um ihre Karrierechancen zu erweitern", so der Professor.

Für MiM-Experten Graf ist der berufsbegleitende Management-Master ein Grenzfall. "Wenn ich schon im Job bin, würde ich eher einen Part-Time-MBA machen", sagt er. Bachelor-Absolventen empfiehlt er, zunächst einmal die eigenen Jobchancen zu klären. "Wenn die gut sind und kein wissenschaftliches Interesse an einem Weiterstudium besteht, würde ich erst mal ins Berufsleben gehen."

Übrigens ist der MiM vor allem ein europäisches Phänomen: Über 70 Prozent der weltweiten Angebote stehen im Vorlesungsverzeichnnis europäischer Hochschulen. In Deutschland hat Thomas Graf knapp 80 MiM-Studiengänge gefunden, bei Fachhochschulen, Universitäten, aber auch Business Schools; die meisten davon lassen sich nur im Vollzeitstudium absolvieren.

Für den MiM spricht, dass er in der Regel deutlich billiger ist. So fand Graf in seiner globalen Studie 2012 heraus, dass MiM-Programme mit einer durchschnittlichen Studiengebühr von 12.550 Euro gut 63 Prozent günstiger sind als MBA-Programme. Dass es sich lohnt, zeigt die Erfolgsquote: 90 Prozent der MiM-Absolventen eines Vollzeitstudiums ergatterten innerhalb von drei Monaten nach Studienabschluss einen Job und verdienten im Schnitt 42.000 Euro. Damit hatten sie die Kosten nach ein paar Monaten wieder drin.

  • Helga Kaindl
    KarriereSPIEGEL-Autorin Bärbel Schwertfeger ist freie Journalistin in München. Sie schreibt seit 20 Jahren über das Thema MBA und betreibt das Blog "Schwertfeger-MBA-Channel".

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insgesamt 26 Beiträge
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    Seite 1    
1. Da fehlt doch das wichtigste:
kahabe 09.07.2013
The Master of Desaster!
2. Suche Handwerker-Master....
dr._stefan_frank 09.07.2013
...da fragt man sich natürlich als Manager, wer denn in Zukunft die Arbeit ausführt, wenn alle nur noch managen. Auch hier sollte man sich wieder auf die Basics besinnen, die unsere Wirtschaft ausmachen. Und Sätze wie "Um die Studiengänge richtig einzuordnen, muss man sich vor allem die Inhalte anschauen", brauche ich nicht in einem Medium für halbwegs gebildete Menschen zu lesen... Übrigens: vor lauter MBAs und MiMs findet man in Deutschland nur noch schwer jemanden, der den Managern die Einfahrt pflastert.... den Marmor verlegt, ja - und wenn ein Handwerker ergattert werden kann, dann aber zu Löhnen, die 40,000 EURO per anno ziemlich blass aussehen lassen. Back to the roots!
3. Tja ....
Ex_Astris 09.07.2013
Zitat von dr._stefan_frank...ja - und wenn ein Handwerker ergattert werden kann, dann aber zu Löhnen, die 40,000 EURO per anno ziemlich blass aussehen lassen. Back to the roots!
Wobei ich dem Handwerker den Lohn goenne ..... der schafft wenigstens bleibende Werte und nicht nur heisse Luft ...
4.
blueberry 09.07.2013
Wenn es sich immer nur um heisse Luft handelt, was ein Manager, BWLer, VWLer oder auch die meisten Ingenieure produziert, warum gibt es dann nicht einfach nur noch Handwerker? Weil es zum "erschaffen" immer auch noch einen Kopf geben muss, der alles plant und hinterfragt. Dazu ist ein Handwerker meist nicht in der Lage, genauso wie die meisten auf der anderen Seite nicht einmal eine Sandburg bauen können. Jeder hat seine Daseinsberechtigung. Keine Daseinsberechtigung hat aber dieser Titelurwald in dem einfach mittlerweile keine Struktur mehr zu erkennen ist.
5. Der Bologna Schaden - dank Schavan
lexus1234 09.07.2013
Zitat von sysopMaster in Management, Master in Business oder Master of Science in Business Administration - längst gibt es neben dem MBA unzählige Abschlüsse, die sich alle irgendwie mit Management beschäftigen. Nur was eignet sich für wen? Eine Orientierungshilfe. Alternativen zum MBA: Management-Studiengänge im Überblick - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/alternativen-zum-mba-management-studiengaenge-im-ueberblick-a-909989.html)
Nun ist es amtlich. Die Unternehmen müssen Bachelor-Absolventen selbst weiter ausbilden, um auf einen Nenner zu kommen. Was und wer da nun einen Abschluß macht, ist erstmal aufgeschmissen. Der frühere Dipl.-Kfm. oder Ing. war weltweit anerkannt und hoch angesehen. Jeder wusste in etwa was das bedeutete und was er dafür bekam. Dann kam Bologna, die untaugliche Masturbation der Bildungspolitiker der EU, ein Glanzstück von Versagen der EU als politische Instanz. Bologna wollte Abschlüsse vergleichbarer machen. Was für ein GAU ist da bei nur herausgekommen -das glatte Gegenteil ist nun der Fall. Bologna wollte die Studenten mobiler machen. Auch hier ist nun das Gegenteil der Fall. Leider hat niemand den Mut, die Uhr hier zurückzudrehen, obwohl das dringend nötig wäre. Bologna ist der größte volkswirtschaftliche Schaden, der in den letzten 60 Jahren angerichtet wurde.
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