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Merkwürdiger Facebook-Eintrag Android-Erfinder sucht Schaumschläger

Android-Erfinder Andy Rubin: Telefon-Mann mit Faible für Kaffee Fotos
REUTERS

Seit der Android-Erfinder Andy Rubin bei Google von der Bildfläche verschwunden ist, fragen sich viele: Was ist das nächste große Ding, das er entwickelt? Die Antwort könnte lauten: Kaffee.

Nerds, so sagt man, sind Menschen, die Kaffee in Quellcode umwandeln können: Sie sitzen da, die ganze Nacht, vor einem Computer, und allmählich nähert sich der Koffeingehalt ihres Blutes einem Tall Frappucino to go an. Wenn endlich der Morgen graut, haben sie eine Software geschrieben, die die Welt verändert.

Gut, das ist ein bisschen idealisiert, aber zumindest bei Andy Rubin möchte man es sich so vorstellen. Rubin ist nicht irgendein IT-Fachmann in Kalifornien, wie es gefühlt Millionen gibt. Rubin schrieb mit seiner kleinen Firma vor ein paar Jahren eine Software für digitale Kameras und wandelte dabei vermutlich Kaffee mit dem Volumen eines mittleren Wasserturms in Quellcode um. Mit seiner Software wandte er sich an die Firma Google, und deren Chefs bekamen schnell spitz: Rubin ist eine Perle.

Bei Google tüftelte er weiter an seiner Software, er und sein inzwischen riesiges Team tranken Kaffee in Mengen, wie sie sonst nur amerikanische Kleinstädte verbrauchen, bis schließlich ein Betriebssystem für Smartphones und Tablets dabei herauskam: Android. Dafür kann man schon mal die eine oder andere Kaffeetasse kippen, keine Software steuert heute mehr Smartphones als Android.

Die aus Schaum ein Kunstwerk formen

So weit ist Rubins Kaffee-Connection klar. Trotzdem finden viele im Silicon Valley seine jüngste Statusmeldung auf Facebook rätselhaft:

"Who are the best Latte artists you know? I'm looking to hire two or three world-class Latte artists to practice their craft at a new-formula cafe in Los Altos, California."

Kaffekünstler sucht der? Für ein Café in Los Altos? Will der Mann nun Gastronom werden? Um verständlich zu machen, was er sucht, hat er noch einen Bericht über den Kunst-Barista Kazuki Yamamoto verlinkt, mit vielen Fotos von liebevoll gestalteten Schaumhäubchen auf dem Kaffee.

Fotostrecke

9  Bilder
Nerd-Typologie: Wandelt Kaffee in Quellcode um
Trotzdem, eine merkwürdige Stellenanzeige. Zwei oder drei Kaffeekünstler will Rubin einstellen. Sicher kann er sich das leisten, schon mit dem Verkauf seiner Firma an Google im Jahr 2005 wurde er ein Multimillionär. Trotzdem zeigten sich viele Beobachter im Netz enttäuscht: Rubin, der geniale Codeschreiber, macht einen schnöden Kaffeeladen auf?

Im Frühjahr hatte Google bekanntgegeben, dass Rubin die Abteilungsleitung der Android-Entwicklung abgibt. Seither kursierten immer wieder Gerüchte, er könne den Konzern ganz verlassen. Doch danach sieht es bisher nicht aus: Angeblich tummelt er sich in der Abteilung Google X, die für die besonders verrückten und zukunftsweisenden Entwicklungen zuständig ist. Bei Google X wurde etwa die Datenbrille Glass vorbereitet und die Entwicklung eines selbstfahrenden Roboterautos vorangetrieben. Macht Google also demnächst was mit Kaffee?

Koffeinhaltiger Tweet

Bisher hat sich Rubin nicht weiter zu seiner Statusmeldung geäußert, unsere Anfrage blieb unbeantwortet. Sein Twitter-Account ist auch kaum informativer, fast alle Tweets sind noch vom letzten Jahr. Sein jüngster ist aber allerdings stark koffeiniert:

"Man braucht 140 Liter Wasser, um die Kaffeebohnen wachsen zu lassen, aus denen eine Tasse Kaffee gebrüht wird."

Die Rolle der gesuchten Kaffeekünstler bleibt dennoch unklar. Werden sie nur für ihre klassischen Aufgaben gebraucht? Oder sucht Rubin ihren Rat bei der Entwicklung eines kaffeelastigen Produkts? Gestalten demnächst Roboter einen kunstvollen Milchschaum nach dem Vorbild eines Digitalfotos? Gesteuert, natürlich, mit einem Android-System?

Aber vielleicht hat der IT-Pionier ja auch nur einen Weg gefunden, künftig auch Milchschaum in Quellcode zu verwandeln.

  • Matthias Kaufmann (Jahrgang 1974) ist Redakteur von KarriereSPIEGEL und manager magazin online.

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insgesamt 11 Beiträge
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1. Android ist kein
ironbutt 26.07.2013
sondern eine sehr leichte Oberfläche über einem etwas älteren und funktionsreduzierten Linux Kernel. Darin liegt sowohl sein Segen (was nicht dringend gebraucht wird fliegt raus - so läuft das System auf schwachen Rechnern/Telefonen) wie auch sein Fluch (selbst schnelle Rechner/Tabletts können unter Android nicht besonders viel, weil es doch ein sehr reduziertes OS ist).
2. Gut erkannt!
mcblues 26.07.2013
Zitat von ironbuttsondern eine sehr leichte Oberfläche über einem etwas älteren und funktionsreduzierten Linux Kernel. Darin liegt sowohl sein Segen (was nicht dringend gebraucht wird fliegt raus - so läuft das System auf schwachen Rechnern/Telefonen) wie auch sein Fluch (selbst schnelle Rechner/Tabletts können unter Android nicht besonders viel, weil es doch ein sehr reduziertes OS ist).
Yep! In der Tat neigen Leute, die keine Ahnung von IT haben, zu Legendenbildung - vor allem Journalisten. Das war mit Apple schon so, die so gut wie nichts erfunden haben, sondern lediglich ein paar existierende Teile zusammengelegt und als Sensation ins nach Helden geilende Halbwissen geschossen haben. Sie haben sich auf andere Schultern gestellt und frech den nächsten Schritt gemacht. Diese Art der Marktmache macht offenbar Schule.
3. Dies wird im Allgemeinen "Fortschritt" genannt
d_walker 26.07.2013
Zitat von mcbluesYep! In der Tat neigen Leute, die keine Ahnung von IT haben, zu Legendenbildung - vor allem Journalisten. Das war mit Apple schon so, die so gut wie nichts erfunden haben, sondern lediglich ein paar existierende Teile zusammengelegt und als Sensation ins nach Helden geilende Halbwissen geschossen haben. Sie haben sich auf andere Schultern gestellt und frech den nächsten Schritt gemacht. Diese Art der Marktmache macht offenbar Schule.
Nennen Sie mir bitte jemanden bzw. eine Firma, der/die in den letzten 50 Jahren etwas vollständig Neues auf den Markt gebracht hat. Jeder Entwickler eines neuen Produktes steht letztlich auf den Schultern anderer, profitiert von deren Erkenntnissen, Erfolgen und Misserfolgen. Das ist Fortschritt. Wäre es anders, müsste man das Rad jedesmal wieder neu erfinden.
4. Android ist sehr wohl ein Betriebssystem
MartinHa 26.07.2013
Linux ist "nur" ein Kernel, zu einem Betriebssystem gehört aber auch mehr. Eine Weile lang war der Kernel von Android eine Fork vom Linux-Kernel; seit einiger Zeit ist das aber wieder gemerged. Es ist auch kein "älterer" Linux-Kernel - Android 4.3 benütz den 3.4er Linux-Kernel, welcher die letzte "long-term stable"-Version ist (veröffentlicht im Mai 2012). Von der Performance unterscheidet sich da nicht viel vom neuesten Kernel. Was Rubin vorhat, ist aber wirklich rätselhaft!
5. Klar..
choongaboonga 26.07.2013
..dass wenn es um solche Themen geht jeder Möchtegern IT-Spezialist wieder sein Halbwissen rausblasen muss. Ich schließe mich an: Als ich "Erfinder von Android" gelesen habe, dachte ich eigentlich sofort an Dan Bornstein, der treibenden Kraft hinter der Dalvik Virtual Machine, welche zweifellos das Herzstück von Android bildet.
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