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Arbeitgeber-Wettbewerbe Der Club der Gewinner

"Top Job", "Top Arbeitgeber", "Great Place to Work" - diverse Wettbewerbe küren Deutschlands beste Arbeitgeber. Bei jedem gewinnen andere Firmen, illustre Adressen wie Krieger und Schramm in Dingelstädt oder Optik Rupp in Bamberg. Jobsuchenden bringen die Rankings wenig. Denn nur wer zahlt, wird überhaupt geprüft.

Dabei sein ist alles: Bei den meisten Arbeitgeberwettbewerben wird zwischen den mittleren und unteren Plätzen nicht differenziert - es zählt allein die Teilnahme Zur Großansicht
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Dabei sein ist alles: Bei den meisten Arbeitgeberwettbewerben wird zwischen den mittleren und unteren Plätzen nicht differenziert - es zählt allein die Teilnahme

Wer einen attraktiven Arbeitgeber sucht, sollte sich bei der Altenhilfe St. Gereon in Hückelhoven-Brachelen bewerben. Das zumindest legt der Wettbewerb "Great Place to Work" nahe. Er bescheinigt dem Seniorenheim, einer der 100 besten Arbeitgeber Deutschlands zu sein.

Traumarbeitsplatz trotz Pflegenotstand und traditionell schlechter Bezahlung in der Altenhilfe? Um so eine Auszeichnung zu verstehen, muss man wissen, wie Arbeitgeberwettbewerbe funktionieren.

Die Methode der Wettbewerbe ist das so genannte Benchmarking: Verschiedene Unternehmen einer Größenkategorie oder einer Branche werden einander gegenübergestellt. Dabei erfassen und vergleichen die prüfenden Institute verschiedene Aspekte wie zum Beispiel Jobsicherheit, Vergütung oder Unternehmenskultur. Entspricht die Bewertung im Audit den jeweiligen Anforderungen eines Wettbewerbs, erhalten die Firmen ein Gütesiegel.

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Übersicht: Die größten Arbeitgeber-Wettbewerbe
Die Ergebnisse sind in erster Linie für die Personalabteilungen gedacht. Sie lernen durch den Vergleich mit der Konkurrenz, wie sie die eigene Arbeit noch verbessern können. Nach außen nutzen die Firmen ihre Auszeichnung außerdem, um für sich als Arbeitgeber zu werben. Für Jobsuchende, die sich an den Studien orientieren wollen, sind die Ergebnisse schwierig zu bewerten.

Wer zahlt, ist dabei

Fast alle Wettbewerbe sind kommerziell. Das heißt: Nur wer zahlt, ist dabei. Für die Anbieter ist das leicht zu rechtfertigen: Sie erbringen für die Firmen eine Serviceleistung von der Auditierung über die Beratung bis zur Pressearbeit und lassen sich diese bezahlen. Zwischen 3000 und 14.000 Euro müssen die Teilnehmer berappen.

Für die Ergebnisse kann das zweierlei bedeuten. Variante eins: Es gehen nur die Unternehmen ins Rennen, die es nötig haben. Größen wie Audi, Siemens oder Google, die in repräsentativen Befragungen von Hochschulabsolventen ohnehin als interessanteste Arbeitgeber angegeben werden, haben es nicht nötig, mit einem Wettbewerb für sich zu werben. Die 100 Besten sind also die, die sich im Mittelmaß hervorgetan haben.

Variante zwei: Nur wer überzeugt ist, dass er etwas zu bieten hat, investiert das Geld für das Audit. Arbeitgeberwettbewerbe fördern somit die stillen Stars, die nicht wahrgenommen werden. Hier ist allerdings bedenken, dass bei Teilnehmerzahlen zwischen 50 und knapp 300 Unternehmen IT-Consultants gegen soziale Träger antreten. Die Vergleichbarkeit der Daten kann man also in Frage stellen.

Alle rücken vor

Transparenz ist nicht gerade eine Stärke der Arbeitgeberwettbewerbe. So werden zwar fast immer die Top 100 ausgezeichnet, aber nur bei den ersten drei oder ersten fünf einer Konkurrenz ist die Platzierung zu erkennen. Der Rest behält seine Bewertung für sich. Das ergibt aus Unternehmenssicht durchaus Sinn, denn schließlich geht es um Eigenwerbung, in Fachkreisen Employer Branding genannt. Jeder Sieger darf sich mit dem Qualitätssiegel schmücken, es auf die eigene Homepage stellen oder auf Plakate für Karrieremessen drucken. Wer im hinteren Feld mitläuft, hat kein Interesse daran, dass dies erkennbar ist. Außerdem behalten die meisten Prüfinstitute für sich, wie viele Teilnehmer eine Konkurrenz insgesamt hatte.

Bei "Great Place to Work", dem größten deutschen Wettbewerb, waren es 2011 immerhin 290 Bewerber, somit wurde im Schnitt jeder Dritte zertifiziert. Beim "Top Arbeitgeber"-Wettbewerb hingegen bekamen in den Jahren 2010 und 2011 alle 93 oder 101 Teilnehmer das Zertifikat. Das kann für das hohe Niveau der Bewerbungen sprechen, lässt aber eher Zweifel an der Methode aufkommen.

Fast alle Wettbewerbe nehmen für sich in Anspruch, die besten 100 Arbeitgeber Deutschlands zu küren und kommen jeweils zu unterschiedlichen Ergebnissen. Das liegt zum Teil daran, dass die zahlenden Teilnehmer sich meist nur für eine Ausscheidung bewerben, also zwangsläufig nicht auf zwei Siegerlisten auftauchen.

Viele Wege zum Erfolg

Zudem liegt es an den unterschiedlichen Kriterien, die bei den Wettbewerben eine Rolle spielen. Während "Great Place to Work" eher die weichen Wohlfühlfaktoren wie Vertrauensindex und Unternehmenskultur abfragt, erfasst der "BestPers Award" handfeste Größen wie Entlohnung, Computerisierung oder Nachhaltigkeit. Diese Kriterienkataloge sind für Jobsuchende das eigentlich Informative an den Wettbewerben.

Was ist mir wichtiger? Entwicklungsmöglichkeiten und Gehalt oder Familienfreundlichkeit und Work-Life-Balance? Auf der Homepage von "Top Job" zum Beispiel kann man gezielt nach Arbeitgebern suchen, die in einzelnen Kategorien gut abgeschnitten haben. Je nach persönlichem Schwerpunkt kann die Altenhilfe St. Gereon dann eben doch mit Google oder Audi mithalten.

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