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Arbeitslos am Arbeitsplatz "Nichtstun ist schwieriger als arbeiten"

So wie diesem jungen Mann erging es einem Trainee bei einem mittelständischen Unternehmen: Er langweilte sich bei der Arbeit, weil er keine Aufgaben zugeteilt bekam. Seinen Namen möchte er lieber nicht nennenZur Großansicht
Corbis

So wie diesem jungen Mann erging es einem Trainee bei einem mittelständischen Unternehmen: Er langweilte sich bei der Arbeit, weil er keine Aufgaben zugeteilt bekam. Seinen Namen möchte er lieber nicht nennen

Als Trainees reifen Berufseinsteiger zu Führungskräften heran - theoretisch. Doch in der Praxis heißt es manchmal Ausbeutung statt Ausbildung, Langeweile statt Leistung. Fünf Trainees erzählen von guten wie schlechten Erfahrungen. Und verraten, was sie ihren Nachfolgern raten.

"Ich habe bei einem mittelständischen Armaturenhersteller ein Trainee-Programm zum Vertriebs- und Projektingenieur gemacht - und es hat sich zur absoluten Katastrophe entwickelt. Es fing vielversprechend an: Die ersten Wochen war ich in der Produktion eingesetzt, habe gesehen, wie Ventile, Drehgelenke und Adapter für Armaturen hergestellt werden. Als Projektmanager sollte man seine eigenen Produkte kennen, deshalb fand ich die Station sinnvoll und habe auch viel gelernt.

Meine zweite Station war der Direktvertrieb. Da wurde ich einfach nur sitzen gelassen, ohne jegliche Aufgabe. Ich habe öfter nach Arbeit gefragt, bekam von den Kollegen aber immer die gleiche Antwort: Es gebe nichts für mich zu tun, und Zeit hätten sie jetzt auch nicht für mich. Ich wusste gar nicht, wie ich die Tage herumbringen soll. Die meiste Zeit habe ich mich selbst mit irgendetwas beschäftigt, etwa Englisch gelernt oder Wikipedia gelesen. Aber dafür soll ich Maschinenbau studiert haben?

Froh sein über Fleißarbeiten

Nach einem Gespräch mit meinem Vorgesetzten wurde ich dann in die Projektabteilung geschickt, aber auch dort gab es so gut wie keine Arbeit für mich. Ab und an sollte ich ein paar Fleißarbeiten erledigen, die eigentlich auch ein Computerprogramm gemacht hätte, aber ich war froh, dass ich überhaupt etwas zu tun hatte. Die seltenen Höhepunkte meiner Arbeit waren: bei Kundenbestellungen die einzelnen Positionen prüfen, die jeweiligen Preise laut Tabelle zuordnen und je nach Kunde Rabatt gewähren.


Wenn ich von den Kollegen etwas wissen wollte, hieß es: Das ist halt so. Mir war klar, dass man als Trainee nicht gleich den Chef spielen kann, aber ich hatte schon erwartet, dass ich in die Arbeit mit eingebunden werde und auch mal eigene Aufgaben bekomme. Offiziell hatte ich zwar einen Betreuer, aber er war Außendienstmitarbeiter und deshalb immer unterwegs.

Mitten auf dem Flur wurde mir eines Tages mitgeteilt, dass mein Trainee-Einsatzplan jetzt ausgesetzt werde und ich in der Projektabteilung bleiben solle. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich innerlich aber schon abgeschaltet. Ich habe während der Arbeitszeit nach Stellen gesucht und Bewerbungen geschrieben - ob das jemandem auffällt, war mir da schon egal.

Lieber vorher ein Praktikum machen

Ich wurde zu mehreren Vorstellungsgesprächen eingeladen. Beim ersten habe ich gesagt, dass ich gerade ein Trainee-Programm mache, bei dem ich den ganzen Tag nur herumsitze. Die Personaler haben mich angeschaut, als ob ich verrückt wäre. Bei den nächsten Gesprächen habe ich dann gesagt, das Trainee-Programm sei sehr interessant, aber ich würde mich gern weiterentwickeln und in einem anderen Berufsfeld arbeiten. Das hat dann funktioniert. Ich arbeite jetzt als Produktions- und Produktplaner und bin sehr glücklich mit meinem Job.

Abgebrochen habe ich das Trainee-Programm nicht. Ich hatte Angst, das würde im Lebenslauf schlecht aussehen. Wenn ich mich noch mal als Trainee bewerben müsste, würde ich in dem Unternehmen vorher ein Praktikum machen - und zwar in der Abteilung, in der man später die meiste Zeit verbringen soll. Das hätte mir zwölf Monate Zeitverschwendung erspart!

Obwohl mir das Trainee-Programm beruflich rein gar nichts gebracht hat, habe ich doch etwas daraus gelernt: Ich weiß jetzt, wie schlecht Arbeitsbedingungen sein können und dass Geld für Nichtstun viel schwieriger verdient ist als Geld fürs Arbeiten. Und in der neuen Firma bin ich jetzt so hochmotiviert, wie man nur es nur sein kann."

(vet)

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