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Karrierejob Assistent Rechte Hand der Macht

Assistenten: Die sich für den Chef den Kopf zerbrechen Fotos
Dirk Bruniecki

2. Teil: Ein "Wie bitte?" als verbales Fallbeil

Die erhoffte Effizienzsteigerung ist einer der Beiträge, die Global Operations zu einem der zentralen Ziele von "Route 2015" leisten will: der operativen Marge von mindestens 11 Prozent. "Fast alle meine Aufgaben drehen sich darum, die Vorgaben meines Vorstands, vor allem die 2015-Ziele, in die Organisation zu tragen und ihn über die Umsetzung auf dem Laufenden zu halten", sagt Swan.

"Entscheidungsvorbereiter" heißt das im Beratersprech, es geht um Meilensteine, Statusabgleiche, Abstimmungen. "Global Foundation Range" aber ist etwas Besonderes, weil Swan das Projekt koordiniert: "Mir war es sehr wichtig, auch inhaltliche Aufgaben zu haben."

Protokolle und Reden schreiben, Sitzungen vor- und nachbereiten, Informationen sammeln und analysieren - das sind die Klassiker der Assistentenexistenz. Er ist mittendrin statt nur dabei, doch es gibt einen Haken: Zwar agiert er als rechte Hand der Macht, aber die Macht ist geliehen, sein eigener Beitrag schwer messbar - etwa im Vergleich zu jemandem, der zwei Jahre eine Geschäftseinheit leitet und sich mit konkreten Ergebnissen für die nächste Ebene empfehlen kann.

"Um sich zu profilieren", sagt Promerit-Mann Frosch, "müssen sich Assistenten in eigenen Projekten beweisen." Nur konsequent, dass viele Firmen den "reinen" Assistenten zunehmend mit anderen Funktionen mischen: in der Strategieabteilung, im Vorstandsstab, als Leiter eines Vorstandsbüros. Manche, wie etwa der Beiersdorf-Konzern, verzichten ganz auf die Funktion, andere - wie Porsche - gewähren jedem Vorstand gar bis zu zwei Assistenten.

Die Lage am Assistentenmarkt ist bunter geworden, eines aber hat sich fundamental geändert: Auf dem ohnehin schon stolzen Qualifikationswunschzettel - Bestnoten, gern Promotion oder MBA, präsentable Praktika, Führungserfahrung in Vereinen, gewandter Auftritt - haben die Unternehmen einen weiteren Punkt ganz nach oben gesetzt: Berufserfahrung, am besten drei bis fünf Jahre. "Nur noch wenige Firmen rekrutieren für die Position frisch von der Uni, höchstens noch im Tandem mit einem senioren Assistenten", sagt Personalberater Michael Proft von Odgers Berndtson.

Klare Sprache, exakte Zahlen, keine Phrasen

Sieben Jahre hat etwa die studierte Textil- und Bekleidungsmanagerin, MBA-Absolventin und Fulbright-Stipendiatin Erika Swan bei Adidas gearbeitet, bevor sie in die Assistentenrolle wechselte. Isabel Bergmann (40) war sogar schon neun Jahre bei der Munich Re an Bord, als sie im Juli 2009 Leben-Vorstand Joachim Wenning zur Seite gestellt wurde.

Als Trainee hatte Bergmann bei dem Rückversicherer angefangen, wurde Kundenmanagerin für Leben in Lateinamerika und Italien. "Ich kannte die Abläufe im Unternehmen, und meine Erfahrung verleiht mir Glaubwürdigkeit im Umgang mit den Bereichsleitern", sagt die promovierte Mathematikerin.

Dass Wenning als Abteilungsleiter im Leben-Bereich schon Bergmanns Chef war und sie später für die Assistentenposition ansprach, macht die Zusammenarbeit unkompliziert. Sie sind per Du; Bergmann weiß, was Wenning will (klare Sprache, exakte Zahlen, keine Phrasen). "Er lässt mir viele Freiheiten, würgt nie ein Gespräch ab, und ich kann ganz offen mit ihm sprechen, auch wenn eine Sache mal schlecht läuft." Auch wie es nach der Assistenz weitergehen kann, bespricht Wenning mit ihr.

Eine vertrauensvolle Beziehung zum Vorstand ist für Assistenten die entscheidende Stellschraube - selbstverständlich ist sie nicht, trotz Assessmentcentern und Vorgesprächen mit dem künftigen Chef. "Im Idealfall agiert der Assistent als externer Kontrollagent, der seinen Vorstand auf Dinge anspricht, die dieser nicht wahrnimmt", sagt Dieter Frey, Psychologe und Akademischer Leiter der Bayerischen Eliteakademie.

Die Position als kleines Rädchen, das am ganz großen Rad hängt, bringt höchste Anforderungen mit sich: Loyal wie ein Schweizergardist soll der Assistent sein, verschwiegen wie ein Trappistenmönch, aufopferungswillig wie ein Kamikazeflieger - dazu gesegnet mit einem Kommunikationstalent guttenbergscher Dimensionen und, bitte schön, hellseherischen Fähigkeiten, um die subtilen Signale des Chefs zu deuten.

Wenn ein "Wie bitte?" zum verbalen Fallbeil wird

So waren etwa die Assistenten von Ex-VW-Markenvorstand Wolfgang Bernhard gut beraten, Formulierungen wie "Kostensteigerung" oder "höhere Personalaufwendungen" aus ihrem Wortschatz zu streichen. Andernfalls reagierte Bernhard mit "ziemlich starken Blutpulsierungen". Josef Ackermann wiederum hasst Herumlavieren, das nur Unwissen verschleiern soll: "Da konnte ein lapidares ,Wie bitte?' leicht zum verbalen Fallbeil werden", erinnert sich ein ehemaliger Assistent.

Und Jürgen Großmann legt bei Reisen Wert auf originelle Gastgeschenke (etwa das Niedersachsenpferd aus Porzellan für einen passionierten Reiter). Wiewohl sonst ein angenehmer Chef, der zur Geburt des Kindes seiner Assistentin eigens blauweiße Blumen auswählte ("Ist doch ein Junge"), kann der Noch-RWE-Chef grantig werden, wenn bei Empfängen nebst üblichem Fingerfood nicht auch deftige Frikadellen oder Currywürste parat liegen.

Sicher, das sind Details; kein Assistent wird noch so getriezt wie zu Zeiten Bennigsen-Foerders, mit Leitsätzen wie "Formfehler sind auch Fehler" oder dem Kommentar "Ist schon Karneval?", wenn der Anzug mal eine Spur heller war. Heute lauern in der Beziehung zwischen Assistent und Vorstand andere Fallen: Chefs, die ihre engsten Mitarbeiter nach zwei bis drei Jahren nicht ziehen lassen wollen und ihren Weggang systematisch torpedieren. Oder Vorstände, die ihre Assistenten zum Taschen- und Wasserträger degradieren. "So verlieren beide Seiten: Die einen werden Duckmäuser und Jasager, die anderen entwickeln sich zu Autisten", sagt Psychologe Frey.

Etwa der Finanzvorstand eines Bauunternehmens, der beinahe ausschließlich über hingekrakelte Notizen auf Papier kommunizierte ("Rücksprache!" war schlecht, "Gut" war ein Fünf-Sterne-Lob für eine Woche Arbeit) und persönlich für seinen Assistenten nur in Ausnahmefällen zu sprechen war. Unterstützung, Förderung gar? Fehlanzeige. "Er zeigte kein Interesse an meiner Weiterentwicklung; es war auch nicht gern gesehen, wenn andere Manager im Haus mir ein Angebot machten", erinnert sich der ehemalige Assistent.

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insgesamt 22 Beiträge
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1. Die dunkle Seite der Macht
ekel-alfred 02.08.2012
Zitat von sysopJoscha Rosenbauer (26): "Mein Telefon ist immer an, der Beruf hat für mich oberste Priorität."
Ja..ja...aber dann mit 35 an BurnOut erkranken. Mensch Junge, wach auf! Das Leben hat mehr zu bieten, als rund um die Uhr erreichbar zu sein.
2. ...
c_c 02.08.2012
für wieviel Geld verzichten diese Leute auf eigenes Leben, nur um im nächsten Job weiter auf eigenes Leben zu verzichten, wieder für Geld? Was haben solche Handlanger und (Re)Präsentationsjobs mit Karriere zu tun? Wie glaubwürdig ist diese 'Karriere', wenn sie eben doch hauptsächlich von Glück abhängt? Kurz: wem wollt ihr eigentlich was vormachen?
3. Leserin_45
leserin_45 02.08.2012
Soltlen wir den Begriff nicht politisch korrekt in "Linke Hand der Macht" umbenennen... ?
4.
Ameisenbauer 02.08.2012
Zitat von sysopJoscha Rosenbauer (26): "Mein Telefon ist immer an, der Beruf hat für mich oberste Priorität."
Und was hat er dann nach 10 Jahren davon? Irgendwann 40 Jahre alt, keine Familie (weil keine Zeit dafür gehabt), keine richtigen Freunde mehr (weil keine Zeit dafür gehabt), zwar viel Geld, aber eine leere und einsame Wohnung, dann der erste BurnOut/Depression, Einsamkeit, sich ab und zu mal ein bissl "Liebe" für eine Nacht kaufen, aber davon wird man auch nicht glücklich. Und solche Zombies sitzen dann vielerorts in den Geschäfts- und Managementetagen ...
5. Großmaul
zerr-spiegel 02.08.2012
Zitat von sysop"Mein Telefon ist immer an, der Beruf hat für mich oberste Priorität."
Mein Ex-Chef hätte so einen Kasper nicht eingestellt. Jemand, der nicht weiß was Freizeit ist und sie dementsprechend auch nicht nutzen kann, ist kein Mensch, sondern eine Maschine. Und Maschinen stehen in der Fabrikhalle, die haben nichts beim Vorstand zu suchen.
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Anforderungen
Bestnoten, oft Promotion oder MBA, sicherer Auftritt, Führungserfahrung (Vereine, Universität, Schule). Berufserfahrung (drei bis fünf Jahre) ist oft Bedingung.
Aufgaben
Alles, was das Sekretariat nicht kann und wozu der Vorstand keine Lust hat, also Sitzungen und Auftritte des Chefs vor- und nachbereiten, Protokolle, Reden, Präsentationen schreiben. Das Gehalt liegt zwischen 50.000 und 85.000 Euro für Einsteiger und Berufsanfänger; mit Berufserfahrung auch deutlich über 100.000. Wichtig für den weiteren Aufstieg: sich mit eigenen Projekten profilieren.
Anschlussjob
Nach einer Zeit von zwei bis drei Jahren sollte eine operative Funktion folgen, am besten mit Personalverantwortung.

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