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Verborgene Begabungen Finden Sie Ihr Supertalent!

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Corbis

Talentiert: Ein bunter Strauß von Fähigkeiten - doch welche sticht hervor?

Kennen Sie Ihre Stärken und Schwächen? Nicht so eilig. Eine Reihe neuer Tests hilft, versteckte Fähigkeiten aufzuspüren. "New Scientist"-Autorin Catherine de Lange wollte wissen, welche Talente in ihr schlummern - eines entdeckte sie tatsächlich.

"Hey, Sie sind gut, Sie sind richtig gut!" Da ist er endlich - der Satz, auf den ich seit Monaten gewartet habe. Ich schaue auf meine Finger und zweifle immer noch an meinen angeblichen Fähigkeiten. Vielleicht war das Ganze nur ein Zufall. Ich mache den nächsten Test, und als ich fertig bin, ist die Wissenschaftlerin so aufgeregt wie vorhin. "Mein Gott, Sie haben einen Rekord aufgestellt", sagt sie. "Wie können Sie nur so gut sein?"

Als Erwachsene wissen wir recht gut, wo unsere Stärken und Schwächen liegen. Aber vielleicht geht es Ihnen so wie mir, und Sie haben sich auch schon einmal gefragt, ob in Ihnen nicht noch irgendein Talent schlummert.

Genau das wollte ich herausfinden. So ging ich auf eine Suche, die mehrere Monate dauerte. Ich absolvierte allerlei Tests, die Aufschluss geben sollten über meine geistigen, körperlichen, emotionalen und sensorischen Fähigkeiten. Und schließlich fand ich, wonach ich gesucht hatte.

Das ist nicht bloß ein persönlicher Triumph. Meine erfolgreiche Mission belegt auch: Wir können mit Hilfe der Wissenschaft Talente entdecken, von denen wir gar nicht wissen, dass wir sie besitzen. Davon können wir im Beruf ebenso wie in der Freizeit profitieren. Und wir können unser Selbstvertrauen stärken.

Sie brauchen dafür kein Labor und keine teuren Geräte. Bei meiner Expedition bin ich auf zahlreiche Tests gestoßen, die jedem zugänglich sind - und von denen viele online verfügbar sind. Sie könnten bei sich ungeahnte Fähigkeiten in allen möglichen Bereichen entdecken: bei der sportlichen Leistungsfähigkeit, Führungsstärke, dem Vermögen, Risiken einzuschätzen, und - hier habe ich besondere Stärken - bei der mysteriösen Interozeption.

Ursache für Begabungen

Inspiriert hat mich bei meiner Suche eine Studie der Psychologin Joanne Ruthsatz von der Ohio State University in Mansfield und des Geigenvirtuosen Jourdan Urbach. Um die biologischen Grundlagen außergewöhnlicher Begabungen zu erforschen, testeten sie die kognitiven Fähigkeiten und die Entwicklungsprofile von acht Kindern. Sie besaßen besondere Talente unter anderem auf musikalischem, künstlerischem und sprachlichem Gebiet sowie beim Kochen. Was die Ursache für Begabungen sein mag, ist noch immer sehr umstritten. Manche halten eine hohe Allgemeinintelligenz für den Schlüssel, andere betonen Umweltfaktoren wie fortwährendes Üben oder eine Kombination von beidem. Aber Joanne Ruthsatz und Jourdan Urbach fanden heraus, dass allen acht Kindern nur eine Eigenschaft gemeinsam war - nämlich ihr außergewöhnliches Arbeitsgedächtnis.

Testen Sie sich selbst
Dieses ermöglicht uns, Informationen zu behalten und gleichzeitig zu verarbeiten - wir benutzen es zum Beispiel, wenn wir zwei zweistellige Zahlen im Kopf multiplizieren. Menschen mit einem guten Arbeitsgedächtnis haben mehr Kapazität, solche mentalen Operationen durchzuführen. Das könnte erklären, weshalb es bei Wunderkindern so ausgeprägt ist. Aber wie sieht es beim Rest aus? Können auch ganz gewöhnliche Leute über dieses Talent aller Talente verfügen? Vielleicht sogar ich?

Laut Susan Gathercole, Kognitionspsychologin an der University of Cambridge, gibt es einen sehr schnellen, dafür aber auch nicht hundertprozentig zuverlässigen Weg herauszufinden, wie gut das eigene Arbeitsgedächtnis ist. Sie bitten einen Bekannten, eine Liste zufällig gewählter Zahlen vorzulesen, eine pro Sekunde. Sie fangen mit drei Zahlen an. Sie sollen sie sich merken und dann in umgekehrter Reihenfolge laut wiederholen. Waren Sie bei drei Zahlen erfolgreich, probieren Sie es mit vier und mehr Zahlen. Einem durchschnittlichen 30-Jährigen sollte das mit fünf oder sechs Zahlen gelingen, einem 40-Jährigen mit fünf und einem 50-Jährigen mit vier.

Tests für das Arbeitsgedächtnis

Gathercole machte mich auch auf eine Reihe von Tests zum Arbeitsgedächtnis aufmerksam, welche die Firma Cambridge Brain Sciences entwickelt hat. Mein Ergebnis war leider nur mittelmäßig. Aber ich kann, wie ich erfuhr, etwas tun, um es zu verbessern. Trotz der starken genetischen Prägung gibt es immer mehr Hinweise darauf, dass sich das Arbeitsgedächtnis mit Computertrainingsprogrammen und einigen bekannten Computerspielen aufpeppen lässt. Sogar die vermehrte Einnahme von Omega-3-Fischölen könnte helfen (PloS One). Vielleicht habe ich also doch noch die Chance, Konzertpianistin oder eine weltbekannte Spitzenköchin zu werden.

Das Arbeitsgedächtnis ist also nicht meine größte Stärke. Diese Erkenntnis bringt mich dazu, erst recht mehr wissen zu wollen. Deshalb beschäftige ich mich nach dem Hirnsport nun mit physischen Dingen. Bei den Olympischen Spielen in London 2012 errang Helen Glover die erste Goldmedaille für Großbritannien im Damenrudern. Vier Jahre zuvor war sie noch Lehrerin und hatte nie einen Fuß in ein Ruderboot gesetzt. Wenn Glover das kann, wie steht es dann um den Rest von uns?

Bestimmung des Muskelfasertyps

Um herauszufinden, ob ich eine latente sportliche Begabung habe, suche ich den Sportphysiologen Chris Easton von der Kingston University in London auf. Ich trainiere gerade für einen Halbmarathon und möchte wissen, ob ich für das Ausdauerlaufen veranlagt bin. Easton glaubt, dass die Art der Muskeln eine Schlüsselrolle spielt. Typ zwei, die schnellen Muskelfasern, sind sehr kräftig, ermüden aber schnell; sie sind gut für Kraftsportarten wie Gewichtheben oder auch Sprinten, während Typ eins, die langsamen Muskelfasern, sich besser für das Ausdauerlaufen eignen. "Es gibt viele Belege dafür, dass Sie den Muskelfasertyp nicht ändern können", sagt Easton. "Wenn Sie 90 Prozent Muskelfasern vom Typ zwei haben, werden Sie selbst bei hartem Training einen Marathon kaum unter drei Stunden laufen."

Wie Muskeln zusammengesetzt sind, lässt sich normalerweise durch eine invasive Biopsie ermitteln. Aber es gibt auch simple Möglichkeiten, die jeder ausprobieren kann. Ein guter Gradmesser der schnellen Muskelfasern ist der vertikale Hüpftest, bei dem Sie aus dem Stand so hoch springen wie möglich und dann die Differenz zwischen Sprunghöhe und Körpergröße im Stehen berechnen. Bei Männern ist 65 Zentimeter ein sehr gutes Ergebnis, bei Frauen 50.

Ihre langsamen Muskelfasern können Sie testen, indem Sie mit dem Rücken an die Wand gelehnt in die Hockposition gehen und dort so lange verharren, wie Sie können. "Wenn Sie diese Kontraktion mehr als 30 Sekunden aushalten, haben Sie wahrscheinlich einen hohen Anteil ermüdungsresistenter Typ-eins-Muskelfasern", sagt Easton. Das ist zwar nur eine grobe Schätzung, aber bei mir ist das Ergebnis eindeutig: Ich springe jämmerlich schlecht, aber die Hocke halte ich locker mehrere Minuten durch. Das sind gute Aussichten für meinen Halbmarathon.

Cooper-Test der maximalen Sauerstoffaufnahme

Als Nächstes ist der Klassiker des sportwissenschaftlichen Labors dran - der Cooper-Test, der die maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max) misst, das heißt, wie viel Milliliter Sauerstoff pro Minute der Körper bei Auslastung maximal verwerten kann. Dies ist ein guter Indikator für die Ausdauer eines Menschen. Auch sie lässt sich durch Training steigern, aber nur bis zu einer genetisch festgelegten Grenze.

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1. Ich weiß nicht, wie gut ich bin, sag du's mir.
singlesylvia 29.05.2013
Wie gut oder schlecht ich bin bzw., was meine Stärken und Schwächen sind, lässt sich absolut gar nicht bestimmen, sondern immer nur im Vergleich. Alles, was ich kann oder nicht, ist ohne Vergleich für mich normal, allenfalls stufe ich Stärken und Schwächen nach dem Anspruch auf das Ergebnis ein. Wenn ich mit einem Drachenfliegeranzug fliegen kann, so mag das gegenüber denen, die es nicht können, als Stärke bezeichnet sein, ein Adler wird sich ob meiner technisch zwangsläufig begrenzten Flugkünste vor Lachen bepissen. Oder ganz simpel ausgedrückt: "Laie - > (Experte)-meine Kompetenz-(Laie) - > Experte".
2. Wo kann man in Berlin ähnliche Tests machen?
jay.ref 29.05.2013
Vielen Dank für diesen vielschichtigen Artikel. Ich bin ein Freund der Quantified Self Bewegung und Sie haben mich mit Ihrem Beitrag sehr neugierig gemacht. Gibt es in Berlin oder Hamburg Möglichkeiten ähnliche Tests zu machen? Zumindest einen oder zwei der Beschriebenen? Vielen Dank!
3. Test ist Blödsinn
dubidui 30.05.2013
Der IQ-Test ist Blödsinn. Ich hab promoviert, kann 5 Programmiersprachen und hab in meinem Leben schon so einiges erreicht. Bei dem Test musste ich bei mehr als 50% raten weil ich die Vorgehensweise nicht verstand. Anscheinend bin ich wohl dumm und meine Leistungen waren Glück. Die Aufgaben im Test gehen alle in die selbe Verständnisrichtung und sagen nix über Intelligenz aus.
4. Märchenstunde
platon2011 30.05.2013
Die hier beschriebenen Theorien und Versuche sind doch eher kritisch zu betrachten. Sehr viel populärwissenschaft, sehr wenig Substanz. Frei nach dem Motto "der Glaube versetzt Berge". Rede dem Menschen etwas ein, oder besser, sorge dafür dass er es selber tut und es erfolgt der gewünschte Effekt. Dies funktioniert zum Teil ja auch. Aber eben nur zum Teil. Mit tatsächlichen Erkenntnissen hat dies allerdings nichts zu tun.
5. Arbeitsgedächtnis und IQ
jay.ref 30.05.2013
Interessante Studie des Max Planck Instituts zum Training des Arbeitsgedächtnisses: http://ki.se/content/1/c6/05/46/94/Lindenberger-CAC.pdf Subsummierend haben die Herausgefunden, was eigentlich jeder vermuten würde. Durch Training des Arbeitsgedächtnisses mit interaktiven Übungen wird man auch in Aufgaben besser, die man nicht trainiert hat. Analog zu, wenn ich mehr Laufen gehe, wird meine Kondition besser und ich kann mehr Leistung auf dem Fußballplatz bringen. -> gute Laufleistungen, genau wie gute IQ Ergebnisse sind eine Sache des richtigen Trainings.
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