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Berufsausbildung Schulabgänger setzen auf Pflegeberufe

Arbeitsmarkt im Umbruch: In der Altenpflege werden Mitarbeiter gesucht Zur Großansicht
DPA

Arbeitsmarkt im Umbruch: In der Altenpflege werden Mitarbeiter gesucht

Pflegeberufe sind bei jungen Leuten so beliebt wie nie. Und doch fehlen immer mehr Kräfte in Alten- und Pflegeheimen. Experten fordern, die Ausbildung stärker an die Hochschulen zu verlagern. Doch gegen den akuten Mangel hilft das nicht.

Der Personalmangel in den Pflegeberufen wächst weiter. Dabei haben noch nie zuvor so viele Jugendliche eine Ausbildung in diesem Bereich begonnen wie jetzt. Rund 54.200 Berufseinsteiger entschieden sich im Herbst 2010 für die Pflege, teilt das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit.

Nach Einschätzung des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) sind aber derzeit mehr als 30.000 Stellen in der Pflege unbesetzt. "Wir brauchen schnellstmöglich einen Altenpflege-Pakt", sagte bpa-Präsident Bernd Meurer.

Vor allem junge Frauen entscheiden sich laut Statistik für eine Berufsausbildung als Gesundheits-, Kranken-, Kinderkranken-, Altenpfleger oder Pflegehelfer. Von den 54.200 neuen Azubis waren etwa 42.900 Frauen und damit 24 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor.

Der Anteil der Männer liegt niedrig, nimmt aber enorm zu: Um 74 Prozent stieg die Zahl der Azubis, auf insgesamt 11.300. Geschlechterübergreifend betrug das Plus der neuen Azubis 32 Prozent, verglichen mit 2002.

Hohe Belastung, niedrige Entlohnung

Dennoch klagen Dienstleister und Sozialverbände über fehlende Mitarbeiter. Aufgrund der demografischen Entwicklung rechnen alle Beobachter mit einem weiter steigenden Bedarf. Und schon heute sei bleiben Stellen unbesetzt. Dabei kann man jungen Menschen schwer verübeln, wenn sie kein Interesse am Pflegesektor haben. Der Paritätische Gesamtverband kritisiert die "hohe physische und psychische Belastung", ein "negatives Image" und unattraktive Entlohnung. Da ein großer Teil der Pflegesätze gesetzlich vorgeschrieben ist, sehen die Verbände vor allem die Politik in der Pflicht.

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Immer im Dienst: Doppelschicht und Doppellast
Um die Entwicklung der Pflegeberufe sorgt sich auch der Wissenschaftsrat, der die Bundesregierung in Fragen der Wissenschafts- und Hochschulpolitik berät. In einer neuen Empfehlung spricht sich das Gremium dafür aus, den Anteil an Akademikern in den Pflegeberufen auf 10 bis 20 Prozent zu erhöhen. Dazu müssten an staatlichen Hochschulen und Universitäten eigene Bachelor-Abschlüsse eingerichtet werden, mit denen sich Pfleger für die besonders komplexen Aufgabenbereiche in den Therapieberufen qualifizieren.

"Wir stehen vor dramatischen fachlichen und gesellschaftlichen Veränderungen", begründet der Neurologe Hans-Jochen Heinze den Vorstoß des Rats. Er rechnet damit, dass die Anforderungen an Pfleger in den kommenden Jahren massiv steigen, weil einerseits die Zahl "multimorbider" und "chronisch kranker" Patienten zunehme und andererseits neue Möglichkeiten in "Diagnostik, Therapie, Prävention, Rehabilitation und Pflege" vertiefte Kenntnisse erforderten. Das gelte auch für Hebammen, Physio-, Logo- und Ergotherapeuten.

Pflege bald mit Bachelor

In der Empfehlung wird eigens betont, dass auch die Bachelor-Pfleger weiter im direkten Patientenkontakt arbeiten sollen. Sie müssten künftig aber immer mehr eigenständig die Situation der Patienten bewerten und auf Veränderungen reagieren können. Dazu reiche die bisherige Ausbildung in den Fachschulen nicht aus.

Der Vorschlag wurde teils kritisch aufgenommen. Schließlich kann die bessere Qualifizierung auch durch Fortbildungen erreicht werden. Neue Studiengänge an den ohnehin überlasteten Hochschulen müssen dagegen nicht zwangsläufig Vorteile bieten.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband sieht in der Empfehlung aber gute Schlussfolgerungen: "Die Akademisierung ist notwendig und weiter auszubauen", heißt es in einer Stellungnahme, "ebenso wie die Duale Hochschulausbildung." Schon jetzt ist eine Akademisierung zu beobachten. Mehrere Hochschulen bieten Duale Studiengänge in dem Bereich an, die theoretische Grundlagen, etwa im Gesundheitsmanagement, mit der praktischen Ausbildung im Pflegebetrieb verknüpfen. In Bochum beispielsweise gibt es seit Ende 2009 eine staatliche Hochschule, die Studiengänge in Pflege- und Gesundheitsberufen anbietet. Die Hochschule wurde bewusst nahe der Ruhr-Uni gebaut, um künftige Kooperationen, nicht zuletzt mit dem Fachbereich Medizin, zu ermöglichen. Dem Wissenschaftsrat erscheint das Bochumer Modell vorbildlich.

Ob und in welcher Form die Politik auf den Vorschlag seiner Ratgeber eingeht, ist noch nicht abzusehen - ebenso wenig, wie er sich dann auf den Fachkräftemangel unter Pflegern auswirkt. Eine Akademisierung könnte den Berufszweig attraktiver machen - aber auch interessierte Kräfte abschrecken. "Jeden Tag wächst der Handlungsdruck. Wir brauchen mehr Altenpflegekräfte", hält bpa-Präsident Meurer daher fest. Eine seit Herbst 2011 unter Federführung des Familienministeriums geplante Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive müsse endlich umgesetzt werden.

mamk/dpa-afx

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insgesamt 44 Beiträge
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1. niedrige Bezahlung
seduro34 17.07.2012
So lange Pflegeeinrichtungen und Wohnstätten GmbH bzw. gGmbH geführt werden, muss sich niemand wundern, das vorgeblich kein Geld da ist. Jeder der in der Branche arbeitet und Einblick in die Pflegesätze hat weiß, das genug Geld vorhanden ist. Leidtragende sind die Mensche, die auf Pflege angewiesen sind.
2.
quabah 17.07.2012
warum gibt es so viele Pflegekräfte in Leiharbeitsverhältnissen, warum ist ein Mindestlohn im Pflegebereich notwendig, weil es einen Fachkräftemangel gibt?
3. ineffizientes System,alle reden mit
friedrich1954 17.07.2012
1.Sollte der Pflegeberuf an die Hochschule kommen,dann werden auch höhere Gehälter verlangt(verständlich),die aber nicht bezahlt werden können. 2.Der Pflege-Mafia gehört das Handwerk gelegt.Es gibt Arbeiten,die wegen der gesetzlichen Grundlagen oder wegen einer angesprochenen Arbeitsteilung mit den Heimen, nur von Caritas/Johanniter etc.durchgeführt werden.Diese Organisationen mit ihrem Wasserkopf sind unangemessen teuer. 3.die Hilfe von Osteuropäerinnen sollte legalisiert werden,dann sinken auch die Preise bei den einheimischen Hilfsorganisatoren.
4. Nennt Krankenpflegeschulen um
ditor 17.07.2012
Man sollte die Krankenpflegeschulen einfach in Außenstellen beliebiger Universitäten umbenennen, damit diese Akademikerfetischisten endlich Ruhe geben. Wenn Ausbildungswissen fehlt dann stellt sie zur Verfügung, egal wie die Schule heißt.
5.
DMenakker 17.07.2012
Es gibt schlicht nicht genügend Ausbildungsplätze für Altenpfleger / Altenpflegehelfer. Das ganze auf Uni Niveau zu verlegen ist totaler Quark. Wenn überhaupt, dann ist noch eine zusätzliche Berufsebene oberhalb der examinierten Altenpflegerin, aber unterhalb des Arztes einzuführen. Aber das kann nur als zusätzlicher Beruf gelten. Die jetzige Pfleger / Pflegehelfer Ausbildung ist schon so, dass nicht wenige Anwärter abgelehnt werden. Meine Tochter hat nichts gefunden, die macht jetzt zuerst mal ein freiwilliges Soziales Jahr, um nächstes Jahr durch die Erfahrung bessere Karten bei der Lehrstellensuche zu haben. Diejenigen, die heute schon über den künftigen Personalengpass jammern, sind diejenigen, die HEUTE ausbilden müssten. Also nicht doof rumkamellen, liebe Sozialverbände, sonder ausbilden. Oder gibts dafür nicht genügend Staatszuschüsse und man kann nix extra abgreifen?
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Dem Statistischen Bundesamt zufolge waren Ende 2009 bundesweit 890.000 Menschen in der Altenpflege beschäftigt, davon 70 Prozent in Pflegeheimen. Schon heute fehlten in diesem Bereich rund 30.000 Fachkräfte, erklärt der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste. Und warnt vor einem Pflegenotstand: Bis zum Jahr 2025 würden mehr als 150.000 Fachkräfte in der Kranken- und Altenpflege fehlen. Nötig seien unter anderem eine bessere Aus- und Weiterbildung, zudem Fachkräfte aus Nicht-EU-Ländern sowie die unbürokratische Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse.
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