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27. November 2012, 11:00 Uhr

Manager von morgen

"Geld oder Titel ziehen kaum"

Die Generation Y, die kühn ein Privatleben neben dem Job fordert, gibt Unternehmen Rätsel auf. Als forsch und gewandt im Auftritt, aber wenig ehrgeizig beschreibt sie Peter Herrendorf. Im Interview spricht der Personalberater über Ausbildung, Chancen und Motivation junger Akademiker.

KarriereSPIEGEL: Herr Herrendorf, gemeinsam mit dem manager magazin hat die Personalberatung Odgers Berndtson 500 Unternehmen nach ihrer Meinung über die Berufseinsteiger von heute gefragt. Sind die denn so mysteriös?

Herrendorf: Mysteriös vielleicht nicht - aber wir beobachten durchaus ein Gefühl der Verunsicherung bei vielen Unternehmen, was die sogenannte Generation Y betrifft. Also diejenigen, die nach 1980 geboren wurden und seit einigen Jahren als Berufseinsteiger in die Firmen kommen. Sie gelten als anspruchsvoll und setzen oft andere Prioritäten als die Generationen zuvor. Deshalb haben wir die Personalchefs der 500 größten Unternehmen in Deutschland um eine Einschätzung gebeten - auch im Vergleich zur vorangehenden Altersgruppe, der Generation X.

KarriereSPIEGEL: Das Urteil der Personaler ist wenig schmeichelhaft für die Ypsiloner. Wollen die Unternehmen die Jungen nicht?

Herrendorf: Doch, natürlich. Sie sind ja auch auf sie angewiesen und profitieren von ihrer Netzaffinität und ihrem selbstverständlichen Umgang mit anderen Kulturen. Aber viele Firmen sind schlecht vorbereitet. Die Situation, dass plötzlich Bewerber Forderungen stellen, wie Arbeit organisiert werden sollte, ist für manche einfach noch zu neu.

KarriereSPIEGEL: Wo sehen Sie das größte Konfliktpotential?

Herrendorf: Leistungswille und Leistungshunger sind sicher ein Punkt, an dem es unterschiedliche Auffassungen gibt, um das einmal vorsichtig zu formulieren. Die Generation X ist meist über finanzielle Anreize, größere Führungsspannen oder Titel zu motivieren. Bei den Ypsilonern zieht das nicht so stark. Sie wollen spannende Aufgaben - und die Möglichkeit, sich individuell weiterzuentwickeln. Auch die Balance zwischen Job und Privatleben ist ihnen wichtiger.

KarriereSPIEGEL: Die meisten Unternehmen haben doch darauf schon reagiert, etwa mit flexiblen Arbeitszeiten.

Herrendorf: Richtig, Arbeit lässt sich auch anders organisieren. Doch viele Personaler sehen auch die fachliche Kompetenz der jungen Generation kritisch. Zumindest der Bachelor wird deutlich schlechter beurteilt als das alte Diplom, der Master immerhin gleich gut oder etwas besser. Unabhängig vom Abschluss stellen die befragten Manager eine Verschlechterung in mündlicher und schriftlicher Kommunikation fest. Auch die Fähigkeit zu Selbstkritik und selbstreflektierendem Verhalten hat im Vergleich zur Generation X abgenommen, ebenso die Bereitschaft, sich mit politischen und gesellschaftlichen Zusammenhängen auseinanderzusetzen.

KarriereSPIEGEL: Gibt es denn keinen Anlass für ein kleines bisschen Lob?

Herrendorf: Selbstverständlich gibt es den. Die aktuellen Absolventen können mehr und andere Fremdsprachen, etwa auch Russisch oder Chinesisch. Sie treten gewandter auf und sind es gewohnt, vor anderen Menschen zu sprechen oder Ergebnisse zu präsentieren. Und sie können besser mit Unsicherheit und sich verändernden Rahmenbedingungen umgehen, sie haben Übung darin, zwischen verschiedenen Parteien zu vermitteln und pragmatische Lösungen zu finden. All das sind Fähigkeiten, die Führungskräften von morgen gut zu Gesicht stehen. Doch an persönlichem Ehrgeiz und der Einordnung in klassische Hierarchien hapert es noch - auch, weil sie von klein auf gewohnt sind, Autoritäten auf Augenhöhe zu begegnen.

KarriereSPIEGEL: Wie bewerten die Personalchefs denn die Hochschulen? Die sollen ja die Ypsiloner fit machen für das Berufsleben.

Herrendorf: An Universitäten und Fachhochschulen sehen die Personaler großen Nachholbedarf. Vor allem fehlender Praxisbezug wird bemängelt, aber auch die mangelnde Vermittlung von Überblickswissen. Dass gleichzeitig auch tieferes Fachwissen gefordert wird, ist ein gewisser Widerspruch. Er zeigt, dass die Unternehmen ihre Erwartungen an Hochschulen und Absolventen teilweise noch nicht an die Realität nach der Bologna-Reform angepasst haben.

KarriereSPIEGEL: Oft ist aber zu hören, die Noten der Absolventen seien heute sogar besser als vor zehn Jahren.

Herrendorf: Das ist wohl auch so. Doch längst nicht immer steht dahinter auch tatsächlich eine bessere Qualifikation. Die Hälfte der in unserer Umfrage befragten Personalchefs sagte, an den Hochschulen würden immer mehr gute und sehr gute Noten vergeben, obwohl das Leistungsniveau nicht gestiegen sei. Diese Noteninflation erschwert die Einschätzung der Absolventen natürlich enorm.

KarriereSPIEGEL: Bei allem Genörgel stellen aber Unternehmen auch Bachelor-Absolventen durchaus gern ein.

Herrendorf: Das ist extrem unterschiedlich, je nach Branche und Firma. In unserer Umfrage ergab sich ganz grob eine Dreiteilung: Ein gutes Drittel stellt die Bachelors mit gleichem Gehalt auf Positionen ein, die zuvor mit Diplom-Absolventen besetzt wurden. Etwas weniger als ein Drittel stellt sie auf diesen Positionen mit niedrigerem Gehalt ein - und mehr als ein Drittel mit niedrigerem Gehalt und eine Ebene unterhalb der früheren Abgänger mit Diplom. Manche Unternehmen freuen sich eben, dass sie Einsteigern das Wichtigste on the job beibringen können; andere ärgern sich, dass sie mehr Zeit für die Einarbeitung aufwenden müssen.

KarriereSPIEGEL: Ihre Umfrage in allen Ehren - aber hat nicht jede Generation immer schon über die nachfolgende gelästert?

Herrendorf: Diesen Effekt müssen wir sicher mit berücksichtigen. Ich bin dennoch überzeugt, dass unsere Studie ein treffendes Bild der Generation Y zeichnet. Und dass es für Unternehmen ein großer Vorteil ist, sie besser zu verstehen. Der Bruch und die Unterschiede zwischen dieser Altersgruppe und denen davor sind größer als zwischen anderen Generationen. Es könnte gut sein, dass wir die Ypsiloner und ihre Forderungen rückblickend als die Generation wahrnehmen, die am Anfang einer ganz neuen Wirtschafts- und Arbeitswelt gestanden hat.

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