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Berufsstart Die Tücken der Probezeit

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TMN

Mal drei, mal sechs Monate: Neue Angestellte müssen sich erst bewähren

Viele Neueinsteiger fürchten sich vor der Probezeit - schließlich kann der Arbeitgeber flott kündigen und muss nicht einmal einen Grund nennen. Auch ein Recht auf Urlaub gibt es erst danach. Dennoch sind Neulinge keineswegs rechtlos: die wichtigsten Regelungen im Überblick.

Endlich hat es geklappt: Ein neuer Job ist gefunden, der Vertrag unterschrieben. Doch entspannt sind die meisten Neueinsteiger erst einmal trotzdem nicht. Denn in der Probezeit arbeiten sie eben nur auf Probe - und können mit einer Frist von 14 Tagen wieder auf die Straße gesetzt werden.

Die Länge der Probezeit hängt von der Arbeit und dem Unternehmen ab. Als Faustregel gilt: bei einfachen Tätigkeiten bis zu drei Monaten, bei höherwertigen bis zu sechs Monaten. "Das ist aber keine Regelung, die automatisch mit jedem neuen Job verbunden ist", sagt Regina Steiner, Fachanwältin für Arbeitsrecht. "Die Probezeit ist eine Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer."

Wer im Vorstellungsgespräch geschickt verhandelt, kann die Probezeit aus seinem Vertrag entfernen. Das hört sich gut an - bringt aber weniger Vorteile als gedacht. "Viele glauben, dass nur während einer vereinbarten Probezeit das Arbeitsverhältnis problemlos gekündigt werden kann", sagt Rechtsanwalt Ulrich Tschöpe, Vorsitzender des Ausschusses Arbeitsrecht der Bundesrechtsanwaltskammer. "Das ist aber ein Irrglaube."

Kein Urlaub in den ersten sechs Monaten

Für eine Kündigung muss in den ersten Monaten kein gesonderter Grund angegeben werden, der gesetzliche Kündigungsschutz beginnt immer erst nach sechs Monaten. "Auch ohne konkrete Verabredung einer Probezeit kann neuen Arbeitnehmern innerhalb der ersten Beschäftigungsmonate ohne weiteres gekündigt werden", so Tschöpe. Dann gilt eine gesetzliche Kündigungsfrist von vier Wochen; wenn eine Probezeit vereinbart wurde, sind es 14 Tage.

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"Für die Probezeit kann man ein bestimmtes Gehalt vereinbaren und gleichzeitig festlegen, dass es sich danach automatisch erhöht", sagt der Gütersloher Fachanwalt für Arbeitsrecht weiter. So ein gestaffelter Lohneinstieg sei sogar häufig üblich. "Allerdings darf das Einstiegsgehalt nicht wahllos gedrückt werden, der Arbeitgeber muss sich - branchenspezifisch - an gesetzlich oder tariflich geregelte Mindestlöhne halten."

Beim Thema Urlaub stehen Neueinsteiger mit Probezeit nicht schlechter da als ihre Kollegen, die eine Probezeit aus dem Vertrag herausgehandelt haben: "Im Bundesurlaubsgesetz ist geregelt, dass man in den ersten sechs Monaten kein Recht darauf hat, Urlaub zu nehmen", sagt Fachanwältin Steiner. Auch wenn kein Anspruch darauf besteht, genehmigen viele Arbeitgeber Urlaub in der Probezeit trotzdem - eine Frage der Absprache. In jedem Fall sammeln Arbeitnehmer in dieser Zeit Urlaubstage an. Werden sie nun vor Ablauf der sechs Monate gekündigt, können sie den Urlaub anteilig nehmen oder ihn sich auszahlen lassen. "Verzichten sollte man darauf nicht", so Steiner.

Mit oder ohne Probezeit - erst nach vier Wochen im Unternehmen hat man einen Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall (aber in der Regel zahlt die Krankenkasse bis dahin Krankengeld). Knifflig kann es bei anderen unerwarteten Ereignissen werden, zum Beispiel dem Tod eines nahen Verwandten oder Freundes. "Man hat auch als neuer Arbeitnehmer das Recht, zu einer Beerdigung zu gehen", sagt Rechtsanwältin Steiner. In diesen Fällen sei man aber auf das Mitgefühl des Arbeitgebers angewiesen. Will der Chef seinem neuen Angestellten partout nicht freigeben, kann er ihm ohne Angabe von Gründen kündigen.

Aliki Nassoufis, dpa/vet

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insgesamt 5 Beiträge
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    Seite 1    
1. Kann auch ein Vorteil sein
ripclaw666 07.01.2012
Zitat von sysopViele Neueinsteiger fürchten sich vor der Probezeit - schließlich*kann der Arbeitgeber flott kündigen und muss nicht einmal einen Grund nennen. Auch ein Recht auf Urlaub gibt es erst danach. Dennoch sind Neulinge keineswegs rechtlos: die wichtigsten Regelungen im Überblick. http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/0,1518,807340,00.html
Eine Probezeit muss nicht nur schlecht sein. Schliesslich kann man so auch als Arbeitnehmer kurzfristig verschwinden, denn manchmal entpuppen sich die grossen Versprechungen aus dem Bewerbungsgespraech als unwahr. Mir ging es schon so, dass ich nach einer Woche wusste, dass das Beste, was mir mein neuer Job bringen wuerde, ein Magengeschwuer waere - da konnte ich dann schnell die Reissleine ziehen und binnen zwei Wochen verschwinden.
2.
Stäffelesrutscher 07.01.2012
"Im Bundesurlaubsgesetz ist geregelt, dass man in den ersten sechs Monaten kein Recht darauf hat, Urlaub zu nehmen", sagt Fachanwältin Steiner. Wo hat denn die ihren Job gelernt? Im Bundesurlaubsgesetz ist folgendes geregelt: § 4 Der volle Urlaubsanspruch wird erstmalig nach sechsmonatigem Bestehen des Arbeitsverhältnisses erworben. § 5 (1) Anspruch auf ein Zwölftel des Jahresurlaubs für jeden vollen Monat des Bestehens des Arbeitsverhältnisses hat der Arbeitnehmer a) für Zeiten eines Kalenderjahrs, für die er wegen Nichterfüllung der Wartezeit in diesem Kalenderjahr keinen vollen Urlaubsanspruch erwirbt; ... Das heißt: Anspruch auf Teilurlaub hat der Beschäftigte schon nach einem Monat (nicht: Kalendermonat) erworben, und das Gesetz geht davon aus, dass dieser Anspruch noch im laufenden Kalenderjahr erfüllt wird. Man darf ihn (§ 7 Abs. 3) auch ins folgende Kalenderjahr übertragen. Also: wer beispielsweise Anspruch auf 24 Arbeitstage = 4,8 Wochen Urlaub hat, darf im zweiten Monat der Probezeit 1/12 = 2 Tage Urlaub nehmen. Ob das opportun ist, ist eine andere Frage.
3. Die Mär vom späteren Beginn des Kündigungsschutzes
gruebolonski 07.01.2012
Zitat von sysopViele Neueinsteiger fürchten sich vor der Probezeit - schließlich*kann der Arbeitgeber flott kündigen und muss nicht einmal einen Grund nennen. Auch ein Recht auf Urlaub gibt es erst danach. Dennoch sind Neulinge keineswegs rechtlos: die wichtigsten Regelungen im Überblick. http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/0,1518,807340,00.html
In SPON-Artikeln wurde schon mehrmals die Behauptung aufgestellt, dass man die Sechs-Monats-Frist ("Wartefrist" bzw. "gesetzliche Probezeit") bis zum Beginn des Kündigungsschutzes nicht wegverhandeln könnte. Das ist falsch: Das Bundesarbeitsgericht hat 2005 entschieden, dass man im Arbeitsvertrag durchaus vereinbaren kann, diese Frist komplett auszuschließen, so dass der Arbeitnehmer vom ersten (!) Tag an Kündigungsschutz genießt. Einem A-nehmer, der aus ungekündigter Stelle heraus einen neuen Job annimmt, ist eine solche Vereinbarung auch dringend zu empfehlen: Es hat schon Fälle gegeben, dass Unternehmen die Leistungsträger ihrer Konkurrenz mit hohen Angeboten zum Wechsel animiert haben, um sie anschließend in der Probezeit zu feuern (s. die Story im neuen Film von G. Clooney "The Ides of March"). Auch die Behauptung, in den ersten 4 Wochen gäbe es keine Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, ist so nicht richtig. Diese Regelung steht zwar im Gesetz, kann aber in den Tarifverträgen durchaus zugunsten des Arbeitnehmersausgeschlossen sein: zB in den T-verträgen des öffentlichen Dienstes (TV-L, TV-öD, TV-Ärzte etc)
4. Na und ?
DerNachfrager 07.01.2012
Für Leiharbeiter gilt die Probezeit bis zum Tag der Entlassung. Ein falsches Wort: "Leider können wir ihren Vertrag nicht verlängern." - "Leider sind sie aktuell nicht einsetzbar; betriebsbdingte Kündigung."
5. Etikettenschwindel
Alternator 08.01.2012
Zitat von DerNachfragerFür Leiharbeiter gilt die Probezeit bis zum Tag der Entlassung. Ein falsches Wort: "Leider können wir ihren Vertrag nicht verlängern." - "Leider sind sie aktuell nicht einsetzbar; betriebsbdingte Kündigung."
Zeitarbeit dient eh nur der Aushebelung geltenden Arbeitsrechtes. Eine Hintertür zur Entrechtung von Bürgern.
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