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Bewerberjagd via Facebook und Co. Bitte nicht gleich persönlich werden

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DPA

Soziale Netzwerke sind Unternehmen bei der Talentsuche wichtig. Aber viele Studenten und Absolventen nutzen Facebook nur privat. Sie suchen dort Infos, wollen jedoch nicht direkt angesprochen werden. Eine neue Studie zeigt: Firmen bewegen sich recht vorsichtig im Web. Und lernen dazu.

"War for Talent" nennen Personaler den Wettbewerb um die besten Köpfe gern im martialischen Jargon. Und sind sich ganz gewiss, dass an Facebook, LinkedIn, Xing, Twitter & Co. bei der Talentsuche kein Weg mehr vorbeiführt. Wer etwas auf sich hält, leistet sich also eine eigene Unternehmenspräsenz in den größeren sozialen Netzwerken und postet und zwitschert emsig mit.

Es ist ein Lernprozess für alle, schlimme Befürchtungen inklusive. Potentielle Bewerber treibt häufig die Angst um, dass Jugendsünden wie die berüchtigten Bikini- oder Partyfotos ihren Chancen den Garaus machen könnten. Und Unternehmen behalten gern die volle Kontrolle - das Netz aber ist notorisch schnell, laut, anarchisch.

Möchten junge Akademiker in Netzwerken von Personalern angesprochen werden? Was ist der richtige Kommunikationsweg - und ist Facebook den Business-Netzwerken wie LinkedIn überlegen? Das Stockholmer Marktforschungsinstitut Potentialpark wollte es herausfinden, befragte in den letzten Monaten über 30.000 Studenten und Absolventen weltweit und untersuchte zudem die Webseiten von 500 Unternehmen in den USA, Europa und Asien.

Die Ergebnisse fallen gemischt aus: Praktisch alle der befragten jungen Akademiker möchten durchaus via Internet mit Unternehmen in Kontakt treten. Aber auch sie wollen dabei die Kontrolle behalten, wie die neue Online-Studie von Potentialpark zeigt. Mögliche Bewerber geben beruflich geprägten Netzwerken wie LinkedIn oder Xing deutlich den Vorzug vor Facebook, denn sie nutzen Facebook eher privat. Und die Ebenen sollen schön getrennt bleiben: Unerbetene Kontaktaufnahme durch Personaler - Daumen runter, gefällt mir nicht.

Facebook liegt vorn - Size Does Matter

Gilt also für Unternehmen: Finger weg von Facebook? Das nun auch wieder nicht. Nur wenn Personaler mögliche Bewerber über diesen Kanal direkt und persönlich ansprechen, ist das problematisch. Ansonsten bewegen sich Studenten und Absolventen ganz selbstverständlich auch bei Facebook, um sich über Arbeitgeber zu informieren und Kontakte zu knüpfen. "Beide Seiten lernen zunehmend, wie sie Facebook sinnvoll nutzen können", sagte Julian Ziesing, Leiter der Potentialpark-Studie, SPIEGEL ONLINE, "die Jobsucher möchten bei der Nutzung von Facebook lediglich ihre Privatsphäre wahren".

Aus Unternehmenssicht geht es kaum ohne Facebook, schon wegen des schieren Größenvorteils im Vergleich zu anderen Online-Netzwerken: Nach Potentialpark-Angaben kommt Facebook in Europa auf 200 Millionen Mitglieder, LinkedIn als wichtigstes Business-Netzwerk auf lediglich 23 Millionen. Zudem sind bei LinkedIn oder Xing nicht alle Funktionen kostenlos, dafür braucht man einen "Premium"-Zugang - gerade für Studenten ein Problem.

Unschlagbar simpel ist Facebook auch bei schnellen Kommentaren, dem "Gefällt mir"-Knopf und dem Einbau in Karriere-Webseiten. Zudem sind viele Studenten und Absolventen täglich auf Facebook; nur selten haben sie bei professionellen Karriereportalen ein Profil, das sie regelmäßig besuchen und aktualisieren.

Große Unternehmen können und wollen im Wettbewerb um gute Leute nicht mehr auf Facebook verzichten. "Wir gehen davon aus, dass Facebook in diesem Bereich immer mehr an Bedeutung gewinnen wird", sagt Studienleiter Julian Ziesing. Aber: Die Kommunikation bei Facebook ist unmittelbar und vor allem unkontrolliert. Genau das schätzen die Jobsucher der Studie zufolge.

"Von der einseitigen Kommunikation verabschieden"

Für Unternehmen bedeutet dieses authentische Element ein Risiko. Sie sind es gewohnt, von oben nach unten zu sprechen und die Kommunikation jederzeit fest im Griff zu haben. In den sozialen Netzwerken kann ihnen das schnell aus den Händen gleiten: Jeder kann jederzeit alles kommentieren, boshafte Fragen stellen, andere Nutzer zur Kritik anspornen, Debatten zu beliebigen Themen entfesseln. "Vom altgedienten Konzept der einseitigen Kommunikation müssen sich Unternehmen in Zeiten von Facebook, Twitter und Xing verabschieden", sagt Julian Ziesing.

Auch deshalb bewegen sich viele Arbeitgeber eher tastend, beinahe furchtsam im Web. Sie lernen dazu, probieren viel aus auf ihren Homepages und mit Fan-Seiten bei Facebook. Das gilt weit stärker für große Arbeitgeber als für Mittelständler. So hat rund ein Drittel der 100 Top-Unternehmen in Europa der Studie zufolge mittlerweile eine eigene Facebook-Seite; die meisten davon verzeichnen mehr als 1000 Anhänger und aktualisieren das Angebot täglich. Die befragten Personaler gaben an, dass sie vor allem gezielt Diskussionen anregen und Jobangebote online stellen wollen.

Wie gut das gelingt und welche Seiten die Zielgruppe am besten ansprechen, hat Potentialpark ebenfalls untersucht, anhand von 19 Kriterien, darunter etwa die Qualität der Informationen, die Interaktionsmöglichkeiten, die Aktualität, die Jobangebote und das Multimediaangebot. Zwölf Konzerne standen auf dem Prüfstand. Als Sieger ging die Seite der deutschen Versicherung Allianz durchs Ziel, gefolgt vom Giganten Microsoft, der amerikanischen L'Oréal-Seite, der Deutschen Telekom und dem Versandhaus Otto.

"Am meisten überzeugen können die Seiten, die den Nutzern eine ganze Bandbreite von Möglichkeiten liefern", sagt Julian Ziesing. Bei der Allianz lobten die Juroren vor allem die Info-Dichte. die Möglichkeiten zu persönlichen Kontakten sowie zu ungehinderten Kommentaren und Diskussionen. Microsoft punktete unter anderem mit Abstimmungen zu Karrierethemen, mit Fotos und Videos "hinter den Kulissen". Schon im vergangenen Jahr hatte die Vorgänger-Studie von Potentialpark gezeigt: Gut schneiden Unternehemensseiten ab, die mehr als bloße Informationen bieten und direkte Kommunikation ermöglichen.

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insgesamt 3 Beiträge
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    Seite 1    
1. Oh Boy
TotalRecall 28.07.2011
Diese Social-Media-Online-Folklore wird immer grotestker. Warum muss ich die ganze Zeit an Orwells 1984 denken? Keine Privatsphäre mehr, keine Rückzugsräume mehr - für niemanden.
2. t
loncaros 28.07.2011
Zitat von TotalRecallDiese Social-Media-Online-Folklore wird immer grotestker. Warum muss ich die ganze Zeit an Orwells 1984 denken? Keine Privatsphäre mehr, keine Rückzugsräume mehr - für niemanden.
Warum postest du das denn in diesem Thread? Er hat mit dem Aspekt von FB überhaupt nichts zu tun. Hast du nur den Titel gelesen?
3. haha
drnice1983 09.08.2011
Witzig. Soll ich also mein komplettes Facebookprofil für Hintz und Kuntz öffentlich zugänglich machen, nur damit mich ein Jobhunter findet? Neenee, dann bewerb´ ich mich lieber auf die altmodische Art und Weise....
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