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Bewerbungsgespräch Heiratspläne verkünden - oder lieber nicht?

"Und bald heirate ich" - da ist es raus, mitten im Bewerbungsgespräch. Ist das klug? Ein Personalchef spricht Klartext.

Im Vorstellungsgespräch sagt die 29-jährige Bewerberin: "Übrigens, nächsten Monat heirate ich."
Jetzt mal ehrlich, Herr Schimpf, denkt da der Personalchef: Die stelle ich nicht ein, sie ist sowieso nächstes Jahr schwanger?

Zum Autor
  • Nico Herzog/ Madsack
    Adrian Schimpf (Jahrgang 1969) ist Konzernpersonalchef der Madsack Mediengruppe. Zuvor war er Leiter der Personalentwicklung beim Verlag Gruner + Jahr. Der Jurist hat ein Herz für Hertha BSC und für England.
  • Haben Sie eine Frage an ihn? Schicken Sie eine E-Mail.
Adrian Schimpf antwortet:
Der Personalchef sagt erst einmal, was er denkt: "Herzlichen Glückwunsch!" Ja, Personalchefs können sich mit Bewerberinnen und Bewerbern freuen, sie sind empathische Menschen. Oder sollten es zumindest sein.

Normalerweise wird über Heiratspläne im Bewerbungsgespräch aber gar nicht gesprochen. In seriös geführten Einstellungsverfahren werden direkte Fragen nach einer bevorstehenden Hochzeit genauso vermieden wie die artverwandten Fragen nach Kinderwunsch oder bestehender Schwangerschaft. Zu groß ist die Gefahr, hinterher wegen eines angeblichen Verstoßes gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz vor den Kadi gezerrt zu werden.

Außerdem gehört es sich nicht. Das Privatleben von Bewerbern ist nämlich genau das: privat.

Allerdings kann einer Kandidatin, die für den Job von München nach Hamburg ziehen müsste, die Frage gestellt werden, ob sie dies auch in ihrem privaten Umfeld besprochen habe. Wenn die Bewerberin dann erklärt, ihr jetziger Freund sei ohnehin Hamburger, sie sei der Fernbeziehung überdrüssig, schließlich heirate man im nächsten Monat - dann hat die Bewerberin ganz ungezwungen und freiwillig die Karten auf den Tisch gelegt.

Ob das klug ist? Grundsätzlich gilt zwar: Gute Unternehmen wollen gute Leute. Egal, ob die schwanger werden könnten oder nicht. Aber es gilt auch: Die Suche nach passenden Mitarbeitern ist arbeitsintensiv, sie kostet Zeit und Geld. Da soll sich, erstens, die Mühe lohnen. Und zweitens will man nicht schon sechs Monate später nach einer Elternzeitvertretung suchen.

Wer im Vorstellungsgespräch also allzu offensiv andeutet, möglicherweise schon kurz nach Bestehen der Probezeit nicht mehr am Arbeitsplatz präsent zu sein, geht zumindest das Risiko ein, dass die Personalchefin auf der anderen Seite des Tisches ins Grübeln kommt. Oder der Personalchef.

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1.
Nania 28.07.2015
Wenn ein Personaler aus einer bevorstehenden Hochzeit direkt ableitet, dass sich da bei einer weiblichen Bewerberin im Anschluss eine Schwangerschaft anbahn, dann denkt dieser für mich in völlig falschen und veralteten Bahnen. Nicht jeder, der heiratet will sofort Kinder, manche sogar gar nicht...
2. Stimmt schon ...
gumbofroehn 28.07.2015
Zitat von NaniaWenn ein Personaler aus einer bevorstehenden Hochzeit direkt ableitet, dass sich da bei einer weiblichen Bewerberin im Anschluss eine Schwangerschaft anbahn, dann denkt dieser für mich in völlig falschen und veralteten Bahnen. Nicht jeder, der heiratet will sofort Kinder, manche sogar gar nicht...
... aber aus Sicht des zukünftigen Chefs steckt da ein erkennbares zusätzliches Risiko darin, welches bei der Entscheidung zwischen zwei nahezu gleich guten Kandidatinnen bzw. Kandidaten das Pendel zugunsten des anderen ausschlagen lassen kann. Die Scherereien mit Schwangerschafts- und Elternzeitvertretungen (finden, einstellen, einarbeiten) nimmt dem Chef nämlich niemand ab. Auch nicht die Sonntagsredner(innen) ...
3.
01099 28.07.2015
Wäre ich der Personaler, würde ich eher denken: "In zwei Jahren biste wieder geschieden, wetten?". Im Ernst: es ist befremdlich, dass wir wieder an dem Punkt der quasi "Leibeigenschaft" angekommen sind und Angst vorm "Herren" haben. Es wäre vielleicht am besten, die Mitarbeiter würden direkt neben den Arbeitgeber ziehen und ihm die eigene Lebensplanung überlassen. Das wäre für beide Parteien einfacher. Man, man...
4. Geht alle zur Bundeswehr!
mikado17 28.07.2015
Die stellen alles ein, es ist völlig egal ob mann oder frau nur kurz am Arbeitsplatz verweilt um dann seinem partner hinterher zu ziehen, egal wieviel ausbildungszeit investiert wurde, egal ob befähigt oder nicht, und eine anzustrebende Kontinuität am Arbeitsplatz ist auch völlig egal und wenns irgendwo knallt, dann nur bis 12.00Uhr, dann muss die merle aus der Bw kita abgeholt werden! Glaubt mir, es gibt keinen besseren Arbwitgeber!
5.
_gimli_ 28.07.2015
Zitat von NaniaWenn ein Personaler aus einer bevorstehenden Hochzeit direkt ableitet, dass sich da bei einer weiblichen Bewerberin im Anschluss eine Schwangerschaft anbahn, dann denkt dieser für mich in völlig falschen und veralteten Bahnen. Nicht jeder, der heiratet will sofort Kinder, manche sogar gar nicht...
In meiner Abteilung (IT-Experten) haben in den vergangenen Jahren mehr als ein Dutzend Frauen geheiratet und 100% davon waren innerhalb eines Jahres schwanger. Frauen wollen Kinder, das ist völlig natürlich.
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