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Bewerbungen Der Mythos von den Geheimkriterien

Bewerbungen: "Formalien sind alle nicht so wichtig" Fotos
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Rätselhaft, was Personaler da treiben: Womit punkten Bewerber wirklich? Darf's die dreiflüglige Mappe sein, welche Länge verträgt der Lebenslauf? Und welcher Fehler bringt den sofortigen Knockout? Antworten gibt's bei KarriereSPIEGEL im Hörsaal - Donnerstagnachmittag in Aachen.

Der Mythos ist unausrottbar: Personaler, deren Schreibtische sich unter Bewerbungen biegen, haben ganz simple, aber geheime Kriterien, mit denen sie den Berg reduzieren. Lebenslauf nicht unterschrieben? Raus damit. Vorgefertigte Bewerbungsmappen? Hinfort. Bewerbungsschreiben zwei Zeilen zu kurz oder 15 Wörter zu lang? Game over.

"Alles Unsinn", sagt Karl-Heinz Schrödl, Leiter der Zentralabteilung Mitarbeiter bei der Robert Bosch GmbH, "geheime Ausschlusskriterien gibt es nicht - wir schauen uns jede Bewerbung an und entscheiden zuallererst nach dem Inhalt und dem Gesamteindruck, den ein Bewerber oder eine Bewerberin macht." Deshalb gebe es auch kein Rezeptbuch für das perfekte Anschreiben und die hundertprozentig erfolgreiche Bewerbung: Die jeweilige Unternehmenskultur und die Anforderungen der ausgeschriebenen Stelle spielen ebenso eine Rolle wie der authentische Eindruck, den ein Bewerber hinterlässt - und sogar die Tagesform dessen, der die Bewerbungen sichtet.

Wer also bei der Veranstaltung "KarriereSPIEGEL im Hörsaal" an der Uni Mannheim auf eine kurze Checkliste für die beste aller Bewerbungen gehofft hatte, wurde enttäuscht - und ging trotzdem mit Gewinn nach Hause. Rund 120 Studentinnen und Studenten kamen am vergangenen Donnerstag in einen Saal des Mannheimer Schlosses, um neben Bosch-Mann Karl-Heinz Schrödl auch den freien Bewerbungshelfer Gerhard Winkler sowie Helene Endres, Buchautorin und Redakteurin im Karriere-Ressort beim manager magazin, mit ihren Fragen zu löchern.

"Nichts ist so peinlich, dass man es verstecken muss"

Die drehten sich häufig um Formelles: erlaubte Längen von Anschreiben und Lebensläufen, richtige und falsche erste Sätze oder die Frage, ob eine Bewerbung ohne oder mit Bild die bessere Variante sei. "Heutige Studierende stehen mächtig unter Druck und wollen alles richtig machen", hat Helene Endres beobachtet, "viele erleben im Studium nicht die Freiheit, Dinge einfach mal auszuprobieren und dabei nicht gleich an die Verwertbarkeit im Lebenslauf zu denken."

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Bewerbungen: Wo geht's denn hier zum Job?
Wer dennoch monatelang mit dem Rucksack durch Südamerika getrampt sei, um einfach nur unterwegs zu sein, sollte das auch so darstellen, sagt Helene Endres - und nicht jeden Wochenendtrip ins Ausland zum interkulturellen Erfahrungsaustausch aufblasen. "Und wenn Sie im Lebenslauf mal eine Lücke von zwei Monaten zwischen Studium und erstem Job haben, ist mir das auch egal", ergänzte Karl-Heinz Schrödl.

Aber gibt es auch Tätigkeiten oder Studentenjobs, die man lieber komplett verschweigen sollte? "Nein", sagt Bewerbungshelfer und KarriereSPIEGEL-Autor Gerhard Winkler, "nichts kann so peinlich sein, dass man es verstecken sollte." Und auch bei Fotos rät er nicht zur Zurückhaltung: "Es gibt keine hässlichen Bewerber, jeder kann ein gutes Bild von sich bekommen." Und auf diesem Bild solle man, so Winkler, "erwartungsvoll und mit weit geöffneten Augen dem Personaler einen Blick in die eigene Seele" ermöglichen.

Auch Personaler langweilen sich nicht gern

Winklers klare Botschaft: "Bewerbungsschreiben sind ein Geschäftsangebot - ich biete meine Arbeitskraft an und mache deutlich, warum die Gegenseite davon profitiert, wenn sie mich nimmt." Auf sprachlichen Schnickschnack und Lügen-Lyrik à la "Ich habe schon als Kind davon geträumt, bei Ihnen arbeiten zu dürfen" sollte man dringend verzichten: "Personaler machen ihren Job, die wollen nicht gelangweilt werden."

Letztlich aber, sagt Bosch-Personaler Karl-Heinz Schrödl, "sind diese Formalien alle nicht so wichtig - entscheidend ist, dass ich aus Ihrem Brief entnehme, warum Sie zu uns passen". Deshalb werde auch jede einzelne Bewerbung gelesen, jedenfalls dann, wenn sie auf eine konkrete Ausschreibung eingeht. "In Initiativbewerbungen dagegen ertrinken wir, die machen nur wahnsinnig viel Arbeit", rät Schrödl von dieser Form der Kontaktaufnahme ab, genauso wie von mehrfachen Anrufen vor, während und nach Bearbeitung der eigenen Bewerbung.

Über 50 Studierende nutzten anschließend in Mannheim die Chance, von Gerhard Winkler und mehreren Mitarbeitern der Bosch-Personalabteilung ihre mitgebrachten Bewerbungsmappen prüfen zu lassen. Der Andrang war zeitweise so groß, dass spontan Christian Kabusch und Kathrin Volbers ihre Hilfe anboten. Die beiden Recruiter von Siemens wollten die Diskussion eigentlich als Besucher erleben, sprangen dann aber als Ad-hoc-Berater mit ein.

Und die Debatte um die richtige Bewerbung geht weiter - "KarriereSPIEGEL im Hörsaal" ist am heutigen Donnerstag in Aachen zu Gast:

  • RWTH Aachen
    SuperC, Generali Saal, Templergraben 57, 52056 Aachen
    Donnerstag, 6. Dezember 2012, 17 Uhr (Eintritt frei)
    mit Klaus Werle, Gerhard Winkler, Erika Rasch - mehr zu den Teilnehmern unten

Anschließend gibt es erneut den Bewerbungsmappen-Check: Die Teilnehmer können ihre Lebensläufe und Bewerbungsunterlagen mitbringen; Personalexperten des Veranstaltungspartners Bosch und Bewerbungstrainer Gerhard Winkler prüfen sie und geben wertvolle Tipps.

Die Akteure:

  • Gerhard Winkler arbeitet als Trainer und Bewerbungshelfer in Berlin. In der Reihe "Erste Hilfe Karriere" schreibt er für KarriereSPIEGEL über Berufsstart und Berufsalltag, er hat mehrere Bewerbungsbücher veröffentlicht und bloggt auf www.jova-nova.com.
  • Erika Rasch ist leitende Personalerin bei der Robert Bosch GmbH, genauer: Vice President Human Resources Management. Sie erklärt bei der Aachener Veranstaltung, welche Bewerbungen Bosch - mit weltweit über 300.000 Mitarbeitern eines der größten deutschen Unternehmen - sich wünscht.
  • Klaus Werle ist Karriere-Redakteur beim manager magazin und Autor mehrerer Sachbücher, darunter "Die Perfektionierer". Darin beschreibt er, warum das permanente Optimieren in Ausbildung, Beruf und Alltag längst nicht immer die erhofften Vorteile bringt - und wer davon profitiert.

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