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Anschreiben 2014 Parade der Bewerbungspannen

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Harvard Business Manager

Eine Kandidatin prahlt mit ihren "4 K's", einen "begleitet der Wald bis heute": Manche Anschreiben misslingen grotesk. Bewerbungshelfer Gerhard Winkler kommentiert die schönsten Schnitzer - und taucht in die fiktive Welt der Stegida-Bewerber.

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Stegida! Stellensuchende gegen den Irrsinn der Anschreiben. Mal angenommen, das gäbe es: eine kleine, aber wachsende Protestgemeinde von Wutbewerbern. Sie wenden sich gegen Jobsuchende, die ausgerechnet beim Bewerben abendländische Werte wie Treuherzigkeit, Großspurigkeit, vorauseilenden Gehorsam und nach außen gekehrte innere Motivation vermissen lassen.

Stegida also, ein Zusammenschluss, der schon mit der Zeichensetzung fremdelt. Motto: Da, wo früher gar kein Komma stand, stehen heute plötzlich zwei - die dann auch noch fremd aussehen. Was sie wollen, was sie fordern: Authentische Worte, die tief aus der deutschen Seele kommen und direkt zu Herzen gehen. So spannend formuliert, dass es jeden Personaler aufweckt.

Aus meiner Beratungspraxis 2014 habe ich einige ausgesprochen eigenwillige Anschreiben herausgesucht. Zum Beispiel dieses hübsche Exemplar:

"Meine 4 K's mit denen ich Sie als Sachbearbeiterin unterstützen möchte: kundenorientiert - konsequent - kontinuierlich - korrekt!"

Könnerschaft oder Kokolores? Kracher oder Krampf? Auf jeden Fall nur oberflächlich knackig. Erfrischend tiefsinnig dagegen diese Brieferöffnung:

"Was macht mich für Sie interessant?"

Und im besten Sinne landesüblich - offen, ehrlich, wacker, forsch - schreibt dieser Student:

"Für das fünfte Fachsemester sieht meine Studienordnung ein intensives Betriebspraktikum vor. Dieses Betriebspraktikum gedenke ich aus diversen Gründen bei Daimler zu absolvieren."

Man sieht, der Bewerber hat seine Gründe - und schweigt.

Der Wald ist nicht genug

Wie Daimler ist naturgemäß auch die frühere Waffenschmiede in Wolfsburg eine erste Adresse für Kandidaten für eine Mitarbeit am weltweiten nationalen Aufbau:

"Das Unternehmen 'Volkswagen AG' ist seit seiner Gründung in den Dreißigerjahren eines der bekanntesten und renommiertesten Automobilhersteller weltweit und heutzutage angesehen für seine hervorragende Fahrzeugqualität und die innovative Denkweise."

Noch vor Kurzem hieß es: Heimat ist dort, wo der Job ist. Stegida-Bewerber dagegen suchen den Job, wo Heimat ist:

"Der Nationalpark in … ist die Einrichtung in der ich mir vorstellen kann meine Kompetenzen einzubringen. Mir gefällt besonders, dass hier der direkte Bezug zu meinen Wurzeln sehr nah ist. Als Kind aus einer Sägewerksfamilie hat mich der Wald bis heute begleitet."

Was kann man da sagen? Man merkt ihm den Wald an.

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Bewerbungspannen: 15 kuriose Missgeschicke
Jeder Waldbauernbub weiß noch aus der Dorfschule: Seit jeher ist das deutsche Anschreiben ein allgemein gehaltenes Bekenntnis, durch keinerlei besondere Erkenntnis getrübt (Erkenntnis und Interesse, das ist ja auch mehr so Habermas). Bewerben in Deutschland verlangt eher den konsequenten Überzeugungserfüller:

"Ich erkenne, Ihr Unternehmen hat hohe Ansprüche. Ich bin überzeugt, sie zu erfüllen - aus drei Gründen: Ich habe ein Talent für Kommunikation und Organisation, bringe ein grenzenloses Engagement ein und habe Erfahrungen in diversen Branchen."

Aufgepasst, historischer Stolperstein: Die Vorstellung eines entgrenzten Engagements löst bei nichtdeutschen Jobanbietern womöglich fatale Assoziationen aus! Und noch ein Wort zu divers: Diversität verwechselt der Stegida-Anhänger leicht mit Universität. Divers ist dagegen das unter Bewerbern allseits hoch beliebte Sammelwort, um eigene konkrete Erfahrungen flott ins Nebulöse abzuführen.

"Freuen Sie sich auf unser Treffen!"

Die Universität: der Unort, wo ErSieEs damit beschäftigt ist, unserer Muttersprache die Nachsilben zu verixen. Und zugleich die Produktionsstätte für unsere beruflichen Senkrechtstarter. Dort lernen sie, wie man die Sprache so um ihren Inhalt erleichtert, dass man in lichter Höhe sprachlich glatt über jedes Thema (etwa den faktischen Nachweis der Jobeignung) segeln kann:

  • "Zwar ist die Aufgabe einer Universität auf die Forschung vorzubereiten, das bedeutet jedoch nicht, dass die Forschung einen reinen Selbstzweck haben sollte. Die Forschung sollte der Gesellschaft dienlich sein. Um dies zu erreichen ist es notwendig Theorie und Praxis zu verbinden, sofern dies möglich ist."
  • "Im Januar nächsten Jahres werde ich meinen Abschluss erhalten. Anschließend möchte ich mit meinem erlernten Wissen praktische Probleme lösen, deren Erfolg die Gesellschaft voranbringt."
  • "Besonders interessiert mich aber auch die Umsetzung des an der Hochschule theoretisch erlangten Wissens, in der Praxis."
  • "Außerdem glaube ich, dass mein sachkundiges Wissen und die innovative Denkweise, die an meiner Hochschule gelehrt wird, Ihr Unternehmen bereichern kann, da auch dieses für seine unkonventionellen und modernen Konzepte bekannt ist."

Sie verstehen doch, was damit gemeint ist? - Dann hätte man nur noch einen besonderen Wunsch:

"Speziell im Umgang mit Kunden, möchte ich mich bei Ihnen einbringen."

Jetzt endlich lässt man der Freude freien Lauf:

"Ich freue mich schon sehr darauf, mein in den vergangenen Semestern gesammeltes, erlerntes und erforschtes Wissen und Können einbringen und zeigen zu können."

Nur noch kurz zum Menschlichen:

"Ich würde mich selbst als zielstrebigen, offenen und fröhlichen Menschen bezeichnen."

Und ein letztes Wort zum allzu Menschlichen:

"Aufgrund von internen Umstrukturierungen sehe ich meine Ziele nicht mehr reflektiert und möchte die Gelegenheit nutzen eine neue Herausforderung anzunehmen."

Bewerber macht Freude:

"Während eines persönlichen Gespräches werde ich Sie von meiner Kompetenz überzeugen und Sie erfahren von mir auch, welche Erwartungen ich habe. Freuen Sie sich auf unser Treffen!"

Falls man jedoch keine besonderen Erwartungen hegt, schließe man wenigstens mit einem Ausdruck des Dankes und der Hoffnung:

" Ich danke Ihnen vielmals für das Lesen meiner Bewerbung und hoffe, dass ich Sie mit meinem Anschreiben überzeugen konnte. "

Soweit zum deutschen Bewerber-Horizont 2014. Sind Ihnen beim Überfliegen gelegentlich nonkonforme Zeichensetzungen aufgefallen? Dann geht es Ihnen wie den Empfängern jener Anschreiben, aus denen die hier versammelten Zitate stammen.

Damit niemand wie im Vorjahr konstruktive Vorschläge vermisst: Laden Sie hier das Anschreiben-Poster mit gesammelten Schreibempfehlungen. Oder schauen Sie hier, wie man's besser macht. Wenden Sie sich ansonsten im Zweifelsfall an Ihren sprachlichen Integrationshelfer.

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Bewerbungen: Wo geht's denn hier zum Job?

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insgesamt 65 Beiträge
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1. Gescheitert! Überheblich! Langweilig! Schlechte Werbung!
2ndgeneration 08.01.2015
Sorry, aber die Beispiele sind langweilig, Ihr Ton sehr überheblich. Ihr Versuch, eigene Dienste zu bewerben, ist gescheitert. Das hätten Sie wirklich viel besser machen können! Stegida? Da kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Die Zitate? Da konnte ich nicht wirklich schmunzeln. Nach der Uni einen Job zu finden, ist für viele Menschen nicht einfach. Die hier gezeigten Beispiele zeigen allerhöchsten ein wenig Naivität gepaart mit Unerfahrenheit. Ja, und? Ist das ein Grund, sich über den Versuch Ihrer Mitmenschen, einen Job zu finden, lustig zu machen? Seien Sie froh, wenn Sie keinen Shitstorm erfahren. Und beauftragen Sie nächstes Mal eine professionelle Werbeagentur.
2. Schmarren
n.laus 08.01.2015
Auf solch dämliches Gesülze kommen die Bewerber nur, weil es irgend welche Berater erfunden haben. Sicher ist nur, dass spätestens seit der Rechtschreibreform die Schreibqualitäten in Deutschland extrem nachgelassen haben; trotz (oder wegen?) aller möglicher Reformen. Man hat das Gefühl, viele Leute sind mittlerweile Migranten in ihrer Muttersprache.
3. Abgelehnt!
flesh 08.01.2015
Ich glaube, diesen Artikel kann man getrost wieder entfernen.
4. Blödsinn
Martin205 08.01.2015
... und morgen erscheint wieder ein Artikel worin dem geneigten Bewerber geraten wird, doch bitte möglichst kreativ, individuell und einzigartig bei seiner Bewerbung zu sein. Sehr geehrter Herr Winkler, Ihr Artikel ist einfach nur lächerlich und arrogant. Ist man bei SPON schon so tief gesunken solchen Müll publizieren lassen zu müssen?
5. Brechreizerzeugende Arroganz
jcool 08.01.2015
Anders als 2ndgeneration möchte ich Ihnen fast den Shitstorm an den Hals wünschen. Genau solche Scheiß-Tipps, die Sie hier in Ihrem so schelmenhaften Artikel verlinken, sind der Grund für die "erfrischend tiefsinnige" Anbiederungsdialektik, die in den Beispielen vertreten ist. "Benutzen Sie starke Verben." Das ist einer der dämlichsten Tipps, die man sich vorstellen kann, also wundern Sie sich bitte nicht, woher diese Stilblüten kommen und begeben Sie sich endlich mal mit einem Besen vor Ihre eigene Tür.
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