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Bewerbungsfotos "Manche Fotografen gehören eingesperrt"

Bewerbungsfotos: Bitte recht männlich Fotos

Da ragt einer dynamisch von schräg unten ins Bild. Eine andere kneift den Mund zusammen, weil man angeblich keine Zähne zeigen darf. Beim Bewerbungsfoto kann man viel falsch machen - aber wie wichtig ist es überhaupt? Fünf Experten verraten, worauf sie achten.

Wie sieht die perfekte Bewerbung aus? Wovon träumen Personaler, wenn sie durch Hunderte von Jobanfragen blättern? Und welches Detail eines Anschreibens bleibt im Gedächtnis haften? Um solche Fragen ging es, als in diesem Wintersemester die Veranstaltungsreihe "KarriereSPIEGEL im Hörsaal" an der TU Dresden und der TU Darmstadt Station machte.

"Mal mit relevanten Personalleuten reden, ohne dass es um die eigene Bewerbung geht - das ist perfekt", sagte Janni Viering, 22. Der Maschinenbaustudent aus Dresden hatte, wie viele andere auch, seine Bewerbungsmappe mitgebracht, um sie von Experten begutachten zu lassen.

Nicht nur bei ihm kam das Gespräch bald auf die Bewerbungsfotos. Denn um deren Bedeutung bei der schriftlichen Bewerbung ranken sich viele Gerüchte: Wer nicht lächelt, fliegt auf jeden Fall raus. Oder auch: Nur Lächler mit leicht geöffnetem Mund schaffen es überhaupt in die zweite Runde. "Keine Sorge, da gibt's keinen geheimen Kriterienkatalog", sagte Julia Rohleder, Recruitment-Chefin beim Handelskonzern Otto.

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KarriereSPIEGEL im Hörsaal: Ein Bild von einer Bewerbung

Wir haben die wichtigsten Fragen rund um das Bewerbungsfoto zusammengefasst - und die Antworten von vier Fachleuten.

  • Wie sieht ein gutes Bewerbungsfoto aus?

Dagmar Hochbein, Personalexpertin bei Bosch: "Es sollte vor allem aktuell sein, nicht älter als zwölf Monate - ich will die Bewerberin oder den Bewerber ja wiedererkennen. Bitte kein Passfoto und auch kein Ganzkörperfoto."

Gerhard Winkler, Bewerbungshelfer und KarriereSPIEGEL-Autor: "Nehmen Sie Blickkontakt mit dem imaginären Betrachter auf. Dazu gehören...
ein begrüßendes, offenes Lächeln,
die schattenfreie Ausleuchtung des Gesichts,
ein natürlicher Hautton,
eine fixierte Frisur,
ein freies Gesicht,
die Ausrichtung des Körpers auf einen imaginären Gegenüber,
möglichst keine Neigung des Kopfes,
eine Darstellung nur von Kopf bis Schultern (Krawattenknoten - oberster Shirt-Knopf),
mit dem Körper möglichst senkrecht zur Blickachse - nicht dem Betrachter zugeneigt."

  • Was sollte ich auf dem Bewerbungsfoto anziehen?

Julia Rohleder, Personalerin bei Otto: "Das hängt von der Position ab, um die Sie sich bewerben. Wenn es um eine Entwicklerposition geht, müssen Sie keinen Anzug tragen. Ihr Erscheinungsbild sollte in jedem Fall gepflegt sein. Das Foto sollte professionell aufgenommen und kein Ausschnitt aus dem letzten Familienfoto sein. Generell gilt: Dress for the job you want, not the job you have!"

Helene Endres, KarriereSPIEGEL-Redakteurin vom manager magazin: "Seriöse, der Stelle und Branche angemessene Kleidung. Wenn Sie sich als Bademeister bewerben, ist der Dreiteiler mit Krawatte unangebracht - das Poloshirt hat dafür in der Bank nichts zu suchen."

  • Andere Länder tendieren zu anonymen Bewerbungen - wie wichtig ist denn ein Bewerbungsfoto überhaupt noch?

Dagmar Hochbein: "Die Bedeutung nimmt tatsächlich ab."

Helene Endres: "In Deutschland ist das immer noch sehr wichtig. Das Gesicht zu den Fakten macht die Bewerbung erst rund. Wichtiger als perfekte Schönheit: ein wacher, offener Blick, natürliches Lächeln und gepflegtes Äußeres."

Gerhard Winkler: "Man freut sich auf Kandidatinnen und Kandidaten, die sich selber freuen und die einem offensichtlich viel Freude machen werden. Wenn man kein PR-Foto in eigener Sache mitgibt, hat der Jobanbieter weniger, auf das er sich freuen kann. Ich würde als Bewerber immer Freude schenken! Das passende Foto visualisiert deshalb:
Ich bin gesund und munter.
Ich trage einen Dress, mit dem ich bei formalen geschäftlichen Begegnungen bestens ins Bild passe.
Ich schaue dem Jobanbieter in die Augen.
Ich kann zur Begrüßung sehr freundlich und offen lächeln.
Ich freue mich augenscheinlich auf das anstehende Gespräch."

  • Gibt es ein Bewerbungsfoto, das Ihnen als besonders positiv in Erinnerung geblieben ist?

Thomas Fritz, deutscher Chef-Recruiter bei McKinsey: Nein, da für uns die Bewerbungsfotos - ehrlich gesagt - unwichtig sind. Wir legen vor allem Wert darauf, in der schriftlichen Bewerbung die Qualitäten des Bewerbers zu erkennen.

Julia Rohleder: "Ja! Eine junge Dame, die sich als Online-Produktmanagerin bei Otto beworben hat. Mit ihrem Gesichtsausdruck hat sie Begeisterung ausgestrahlt à la 'Für diesen Job habe ich die größte Motivation!' Und wir haben sie tatsächlich eingestellt, auch wenn das nicht am Foto lag."

Dagmar Hochbein: "Leider nein. Das Gesamtpaket ist wichtig, das heißt: Das Foto ist Bestandteil des Lebenslaufs - der sollte übersichtlich aufgebaut sein, die Inhalte sollten gut zur ausgeschriebenen Position passen."

  • Gab es schon einmal richtige Negativ-Ausreißer bei Bewerbungsfotos? Und was war darauf zu sehen?

Thomas Fritz: Nein, bislang haben wir keine Negativ-Ausreißer erhalten. Aber manchmal wundert man sich, wenn Bewerber Urlaubsschnappschüsse oder Fotos im Trainingsanzug schicken. Doch solange der Rest der Bewerbung überzeugt, kann es passieren, dass selbst diese Bewerber zu einem Gespräch eingeladen werden.

Gerhard Winkler: "Bestürzend finde ich...
ein abgrundtiefes Dekolleté,
einen Oberkörper, der so gedreht ist, dass die prachtvolle Büste weit nach vorn ragt,
ein von oben herab aufgenommenes Porträt mit weit aufgerissenen Augen und einem kriecherischen Lächeln (gibt's nur bei Frauen, manche Fotografen gehören eingesperrt),
die Denkerpose mit aufgestütztem Kinn,
ostentatives Vorbeischauen am Betrachter,
ein auf Kopf und Oberkörper zurechtgeschnittenes Urlaubsfoto,
ein offensichtlich gescanntes, da viel zu dunkles und gerastertes Bild im Stil 'Mitglied des Politbüros 1969'."

  • Was mache ich mit anderen Fotos von mir im Netz - also den berüchtigten Partybildern in sozialen Netzwerken?

Julia Rohleder: "Googeln Sie sich. Alle Fotos, die Sie selbst als nicht 'arbeitgebertauglich' bezeichnen, lassen Sie löschen beziehungsweise löschen sie selbst von Ihren eigenen Seiten. Wichtiges Stichwort: Privatsphäre-Einstellungen der sozialen Netzwerke nutzen!"

Helene Endres: "Sie sollten von vornherein die Sicherheitseinstellungen Ihrer sozialen Netzwerke überprüfen, damit keiner die ganz schlimmen Dinger sehen kann. Achten Sie auch darauf, wer Sie in anderen Bildern markieren darf - auch das lässt sich kontrollieren. Vor allem aber: Bewahren Sie einen kühlen Kopf. Oder denken Sie wirklich, der Personaler glaubt, Sie sitzen den ganzen Tag vor einem Glas Leitungswasser zu Hause? Und warum sollte er so jemanden einstellen?"

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Bewerben mit Xing und LinkedIn: "Der rote Faden fehlt völlig"

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1. Was soll der Schwachsinn?
Anderlecht 19.12.2013
Dieser ganze Mist traegt nicht dazu bei, die faehigsten Bewerber zu finden. Warum ist das so entscheidend ob einer Zaehne zeigt oder nicht. Das sagt nichts ueber die wirklichen Faehigkeiten des Bewerbers aus. Wer am Besten in die Kamera laechelt bekommt den Job. Hier ist einiges falsch an der EInstellungskultur in Deutschland und geht auch einher mit dem Niedergang der Mittelschicht. Rekruiter sind wie Diven und man sollte ja nicht zuviel oder zu wenig laecheln, das koennte einen Rekruiter stoeren. In anderen Laendern ist es schon lange verboten, Alter und Bewerbungsbilder in die Bewerbung zu schreiben. Das garantiert eine objektive Bewertung der Faehigkeiten des Bewerbers. Man kommt sich ja in Deutschland vor wie auf einem"MIss" Contest. Man wundert sich hier warum soviele Fachkraefte aus Deutschland abwandern.Die Ursache ist, das man in anderen Laendern die Faehigkeiten bewertet und hier in Deutschland die Form des Anschreibens, die Qualtiaet der Bewerbungsbilder usw. Man stellt hier nicht nach Faehigkeiten ein sondern nach Qualitaet der Bewerbungsunterlagen. Die Rekruiter in Deutschland haben enfach zu viel Macht und man sollte da etwas dran aendernt, ansonsten wandern dieses Jahr wieder 180 000 Fachkraefte ins Ausland ab. Wenn man ueber 50 ist bekommt man kaum noch einen Job. Was ist denn da falsch in den Koepfen der Rekruiter ? Die Leute werden heute ueber 80 Jahre alt und 50 jaehrige ( Brat PItt als Beispiel ) sehen noch gut und verhaeltnismaessig fit aus. Diese Leute bekommen aber bei den deutschen Rekruitern schwer einen Job. Woran liegt es denn ? Eingie Rekruiter sollten doch mal in Erwaegung ziehen den Arzt zu wechseln
2. Ich sehe auf Fotos...
tzdv9000 19.12.2013
...ja nun immer scheisse aus, selbst wenn ich Anton Corbijn engagieren täte. Was mich persönlich aber wesentlich mehr gefuchst hat: dass nicht wenige Arbeitgeber in Deutschland selbst für ausgesprochene Hiwi-Jobs eine Bewerbung samt Lebenslauf verlangen, mit dem man sich auch für eine Stelle als Astrophysiker engagieren könnte. Das "warum" hatte sich mir dabei nie so recht erschlossen, also nehme ich an, dass es Tradition sein musste.
3. Geht an der Realität vorbei
wauz, 19.12.2013
Wo arbeiten die meisten Leute? Wer stellt ein? Klar, das oben gesagte gilt für die Personalauswahl durch entsprechende Agenturen und das Recruiting großer Konzerne. Anderswo sieht es anders aus. Die Mehrzahl der Einstellungen geht ja nicht auf die Einsendung einer Mappe zurück, bei der Firma und Bewerber sich noch völlig fremd sind. Die meisten Stellenbesetzungen sind eh intern und damit ist die Mappe mehr Formsache. Und der nächste größere Posten geht auf Empfehlungen. Mappe also auch nur notwendig, um einen Auswahlprozess vorzutäuschen. Dann kommen die große Zahl gewerblicher Einstellungen. Da reichen ein kurzer Lebenslauf, die Zertifikate (z.B. Facharbeiterbrief) und ein Datenblatt mit Wiederkennungsfoto. Qualität praktisch egal. Wer sich bewerben will, und nicht schon im Betrieb drin ist, sollte sich auf den zweiten Faktor stürzen: persönliche Netzwerke. Bewerbungsmappe ist ein C-Faktor. Maximal 5% der gesamten Aufmerksamkeit darf der beanspruchen.
4. ohne geht auch
HB8 19.12.2013
warum nicht ganz auf ein Foto verzichten? Funktioniert doch im angelsächsichem Raum wunderbar.
5. Schöne wäre es gewesen...
_sct_ 19.12.2013
...wenn der Beitrag Empfehlungen enthalten hätte. Am Ende hatte ich zwar immer einen guten Job gefunden, aber die Fotos waren alle schlecht. so suche ich immer noch nach Berlins besten Bewerbungsfotografen (der einem auch mal sagt was man anziehen soll und die Fotos auch mal nachbearbeitet).
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Profis ranlassen
Urlaubs- oder Automatenbilder gehen gar nicht. Besser einen Termin im Porträtstudio buchen. Ein "Business-Shoot" mit mehreren Posen in verschiedenen Outfits dauert eine bis anderthalb Stunden und kostet zwischen 150 und 300 Euro.
Was gibt's für den Preis?
Bei Profi-Aunahmen zu solchen Tarifen sollten eine kurze Outfit-Beratung sowie eine Grundvisagie (Make-up und Basis-Styling) drin sein. Wer die Fotos auch für Veröffentlichungen verwenden will, erwirbt die Nutzungs- und Bildrechte gleich mit. Einen Satz einfache Bewerbungsbilder gibt es ab 20 Euro.
Auf mehrere Karten setzen
Jede Branche hat ihre eigenen Dresscodes, die sich im Bewerbungsfoto widerspiegeln sollten. Banken mögen es klassisch-korrekt, für Werbeagenturen dürfen Kleidung, Pose und Hintergrund lockerer sein. Der Fotograf weiß das, aber man muss ihm sagen, dass die Bilder an unterschiedliche Adressen gehen.
Bunt oder Schwarzweiß?
Auf die Frage, ob Farbe oder Schwarzweiß, gibt es keine branchenspezifische Antwort. Einige Bewerbungsberater halten Schwarzweiß-Aufnahmen für ausdrucksstärker.
Details beachten
Dezente Farben - im Gesicht wie am Körper - kommen am besten an. Kein auffälliger Schmuck, keine extravagante Frisur. Flecken auf dem Anzug oder abgestoßene Hemdkragen sind tabu. Wer immer eine Brille trägt, tut dies selbstverständlich auch auf dem Foto. Und: lächeln!
Aufhübschen nur mit Zurückhaltung
Vorsicht mit fotografischen Finessen wie Kopfanschnitt oder extremer Schieflage der Bildachse. Ebenso Vorsicht mit digitalen Nachbearbeitungen, die mancher übereifrige Fotograf anbietet: Pickel wegretuschieren ist in Ordnung, aber eine Zahnlücke muss der Zahnarzt richten - nicht der Fotograf.
Richtig präsentieren
Wer sich "auf Papier" bewirbt, klebt das etwa 6,5 mal 4,5 Zentimeter große Foto rechts oben auf den Lebenslauf. Keine Büro-Heftklammer nehmen, sondern ein kleines Stück beidseitig klebendes Klebeband. Das Bild einzuscannen und aufzudrucken, empfiehlt sich nur, wenn das Druckergebnis tadellos ist.
Ist größer besser?
Verfechter des "Deckblatts" in Bewerbungen lassen sich oft dazu verleiten, ein größeres Bild und eine andere Darstellung, etwa ein Halbformat, zu verwenden. Die Seriösität darf darunter nicht leiden. Und die Verhältnismäßigkeit muss gewahrt sein: Wer einen Praktikumsplatz sucht, erntet mit einem Bühnenfoto Kopfschütteln.

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