Von Xenia von Polier
Längst nicht jeder Bewerber ist ein guter Verkäufer in eigener Sache: Manche Job-Anwärter versuchen sich mit wenig glaubwürdigen Geschichten kompetenter darzustellen, als sie sind. Frauen gelten als besonders zurückhaltend, wenn sie die eigenen Kompetenzen vermarkten sollen. Und manche, Männer wie Frauen, haben einfach keine Ahnung, was sie können.
Claudia M.* weiß um ihre Fähigkeiten, aber sie ist in Sachen Präsentation besonders weiblich: Die 50-jährige übt für den Ernstfall, genau wie das Verhörpersonal, das ihr hier gegenübersitzt.
Die Bewerberin sitzt auf einem Stuhl zwei Personalern gegenüber und fühlt sich sichtlich unwohl. Ihre Schultern hängen nach vorn, sie blickt zu Boden und beginnt in kurzen, abgehackten Sätzen ihren Lebenslauf runterzurattern.
"Ich habe 20 Jahre Erfahrung im IT-Bereich. Wegen einer möglichen Betriebsschließung möchte ich mich neu orientieren." Zehn Minuten haben die Recruiter Claudia für ihre Selbstpräsentation zugewiesen. Nach drei Minuten ist sie am Ende ihres bisherigen Lebens angelangt und erklärt den Personalern harsch: "Es ist alles gesagt."
SPIEGEL ONLINE zeigt, welche Fragen den Kandidaten wann erwarten und wie man den Hürdenlauf zum neuen Job sicher übersteht.
Die Bewerberin ist ein Rätsel
Claudias Ausführungen bleiben schwer nachvollziehbar. Kommunikation und Selbstdarstellung gehören eindeutig nicht zu ihren Stärken. Nach einem halbstündigen Gespräch ist die Bewerberin noch immer ein Rätsel.
Rein äußerlich, und mehr kriegen die Personaler ja nicht zu sehen, wirkt die technikbewandte Frau reizbar, unzufrieden und nervös. Sie scheint der Situation nicht gewachsen. Bei einem echten Bewerbungsgespräch hätte sie eine Absage kassiert. Gut, dass hier heute alle nur üben. Die Bewerberin ebenso wie die Fragensteller.
"Bewerbergespräche mit Niveau führen" ist das Seminarziel für Mitarbeiter von acht großen Unternehmen, darunter Mars, Peek und Cloppenburg, MLP, Otto und Hermes Logistics. Sie wollen auf dem Seminar des Hamburger Instituts für Managerberatung und Persönlichkeitsdiagnostik lernen, Fähigkeiten und Charakter von Bewerbern richtig einzuschätzen.
Rund drei Millionen Personalentscheidungen fallen in Deutschland jährlich nach Interviews, einem Auswahlprozess mit maximalen subjektiven Einflüssen. Und die Wahl entscheidet auch über Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens.
*Name geändert
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