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Start-up-Pioniere "Ein Misserfolg ist kein Stigma für den Rest des Lebens"

Selbständige: Firmengründer müssen viele Bälle gleichzeitig in Bewegung halten. Zur Großansicht
Corbis

Selbständige: Firmengründer müssen viele Bälle gleichzeitig in Bewegung halten.

Ängstliche Deutsche? Die Mentalität junger Unternehmensgründer hat sich gewandelt, sagt Christian Veith im Interview. Der Deutschland-Chef der Boston Consulting Group ist sicher: Die frischgebackenen Geschäftsleute werden dringend gebraucht - längst nicht nur in der New Economy.

Frage: Herr Veith, Deutschland erlebt derzeit so etwas wie eine kleine Gründerwelle. Überrascht Sie diese Entwicklung?

Christian Veith: Eigentlich nicht. Wir beobachten schon seit einiger Zeit, dass eine neue Generation von Unternehmensgründern heranwächst. Viele junge Leute glauben an ihre Ideen, setzen diese beharrlich durch und haben weniger Angst vorm Scheitern als ihre Vorgänger.

Frage: Ist die Selbständigkeit heute ein hohes Gut?

Veith: Viele der Bewerber, die sich bei BCG vorstellen, tragen schon Ideen für Unternehmensgründungen in sich. Zudem bringen sie Risikobereitschaft mit, Zuversicht und Ausdauer. Also wichtige Unternehmereigenschaften und Unternehmertugenden. Es ist sicherlich kein Zufall, dass bemerkenswert viele unserer Alumni Unternehmensgründer sind.

Frage: Sie meinen, wir erleben derzeit in Deutschland einen fundamentalen Wandel hin zum Unternehmertum?

Veith: Ja, die Mentalität hat sich durchaus geändert. Wenn etwas nicht im ersten Anlauf gelingt, dann ist das heute kein Stigma mehr für den Rest des Lebens. Unter solchen Umständen denken viele junge Leute nüchterner als früher. Sie fragen sich: Was habe ich zu verlieren? Und kalkulieren die Antwort dann sachlich durch.

Frage: Wem würden Sie denn raten, ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Veith: Diese Frage kann man nicht so pauschal beantworten. Die entscheidende Voraussetzung ist natürlich eine erfolgversprechende Geschäftsidee. Eine gute Ausbildung ist wichtig, und ein gewisses Maß an Erfahrung kann auch nicht schaden. Generell gilt: Wer überzeugt ist von seiner Geschäftsidee, der sollte die Umsetzung in einem Start-up zumindest in Betracht ziehen. Die Erfolgsaussichten sind dann wiederum sehr individuell.

Frage: Wo haben es deutsche Unternehmensgründer besser als etwa ihre Kollegen in den USA?

Veith: In den USA zielen viele Start-ups vor allem auf die IT-, die Biotech- oder ähnliche Hightech-Branchen. In Deutschland werden junge, innovative Unternehmen verstärkt auch in der so genannten "Old Economy" gebraucht. Also im Maschinen- und Anlagenbau, in Ingenieursdienstleistungen und natürlich in der Automobilzuliefererbranche. In den USA hingegen ist der Zugang zu Finanzierungen häufig leichter. Die Finanzierung von Unternehmensgründungen - nicht zuletzt auch aus dem universitären Bereich heraus - ist dort ein etabliertes Geschäftsfeld.

Frage: Aber kann in den genannten Geschäftsfeldern ein großer Wurf gelingen?

Veith: Die wenigsten Start-ups enden als Weltkonzern. Aber auch ein gutgehendes mittelständisches Unternehmen ist ein großer Erfolg - auch und gerade aus der Perspektive eines Gründers. Schließlich beruht der Erfolg der gesamten deutschen Wirtschaft maßgeblich auf solch innovativen Mittelständlern.

  • Manfred Witt
    Das Interview führte Michael O. R. Kröher, Wissenschaftsexperte und Redakteur beim manager magazin.

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1. Interessante Erkenntnis
infoseek 19.05.2012
"Die frischgebackenen Geschäftsleute werden dringend gebraucht ..." - von der Leyen ist da offenbar anderer Ansicht. Wer demnächst - alle bisher schon existierenden Zwangsabgaben hinzugerechnet - erstmal rund 12.000 Euro p.a. abdrücken darf, quasi als Grundgebühr fürs selbständig sein dürfen, der wird es sich das Risiko mehr als zweimal überlegen - oder eher früher als später auf H4 landen. Letztlich werden viele, die sich früher selbständig gemacht hätten, zu noch niedrigeren Dumpinglöhnen in befristeten Arbeittsverhältnissen landen. Ist es das, was gewollt ist? Ziemlich offensichtlich.
2.
Hagen_von_Tronege 19.05.2012
Zitat von infoseek... Wer demnächst - alle bisher schon existierenden Zwangsabgaben hinzugerechnet - erstmal rund 12.000 Euro p.a. abdrücken darf, quasi als Grundgebühr fürs selbständig sein dürfen, der wird es sich das Risiko mehr als zweimal überlegen - oder eher früher als später auf H4 landen. Letztlich werden viele, die sich früher selbständig gemacht hätten, zu noch niedrigeren Dumpinglöhnen in befristeten Arbeittsverhältnissen landen. Ist es das, was gewollt ist? Ziemlich offensichtlich.
Danke Forist Infoseek für den Einwurf: - das ist die deutsche Realität. Dass Herr Veith von einer Beratungsfirma im „battle for brains“ für die eigene Firma, also „pro domo“ spricht, ist natürlich legitim. Nicht legitim aber legal ist das Vorgehen der deutschen Bürokratie, Frau von der Leyen ist daran nicht schuld, sie ist nur ein Platzhalter – die Auswirkungen haben Sie allerdings richtig beschrieben. Eine Säule der Beharrung in diesem Trauerspiel sind die IHKs. Diese Organisation, im 3. Reich als Institution gegründet, um die Juden systematisch aus dem Geschäftsleben zu drängen und zu enteignen, hat die Jahrzehnte danach überdauert. Inklusive die damals eingeführte Zwangsmitgliedschaft. Da der ursprüngliche Daseinszweck weggefallen ist, sucht man sich neue Betätigungsfelder. Diese sind im Falle der „Gründungsberatung“ besonders schädlich. Denn dort wird das Beamtendenken zementiert. Die Zielgruppe der BCG (smarte, polyglotte Generalisten) finden Sie überall auf der Welt, der „USP“ Deutschlands war bisher die ingenieurtechnische Umsetzungsfähigkeit. Diese Art von Gründern sind rar, und werden genau von der Organisation ausgebremst, die sie fördern sollte. Falls wir also eine Stellgröße suchen, wo man drehen kann, und nicht nur belang- und folgenlose Balkonreden halten wollen: die IHKs wären ein erster, vielversprechender Ansatz.
3. .
.sagittarius. 19.05.2012
Zitat von sysopÄngstliche Deutsche? Die Mentalität junger Unternehmensgründer hat sich gewandelt, sagt Christian Veith im Interview. Der Deutschland-Chef der Boston Consulting Group ist sicher: Die frischgebackenen Geschäftsleute werden dringend gebraucht - längst nicht nur in der New Economy. Boston-Consulting-Chef Christian Veith lobt deutsche Existenzgründer - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/0,1518,833901,00.html)
Auf SPON tummeln sich scheinbar lauter Selbständige, die ein Problem damit haben, dass sie es dem Zuckermonkey nicht gleich tun können und nicht das ewige Füllhorn für sich entdeckt haben. Die Gier ist in dieser Gruppe scheinbar besonder häufig anzutreffen, zumal man sich selbst als High-Potential hält und den Rest der Angestellten als Mindestleister. Und diese "jungen Leute" oder bessere karrieregeile Studenten kenne ich auch schon zu genüge. Aber soweit ich deren Ambitionen kenne, möchten die lieber in den Vorstand zu BMW als sich mit einem Start-Up die Finger schmutzig zu machen. Insofern ist dieser Artikel nur wieder Gehirnwäsche, ein Appell für mehr Selbständigkeit.
4. Doch die im Dunklen sieht man nicht
Stauss 19.05.2012
"Ein Misserfolg ist kein Stigma für den Rest des Lebens" Nööö. Nur ein Trauma. Und der Start für eine lange Jagd, bei der der gescheiterte Unternehmer das Frei-Wild ist. Wer das verkraftet, kann dann wieder starten. Aber ohne Kredite und Hilfe??? Und wenn das Finanzamt sofort bei Neuanmeldung wieder pfändet? Wer als Unternehmer einmal über die Wupper geht, ist gezeichnet für das ganze Leben und wird nie wieder eine Stellung bekommen, die seiner Qualifikation angemessen ist. Weil er eine Lücke im Lebenslauf hat und ein Versager ist. Und mit 50 ist das Berufsleben hier in Deutschland doch sowieso vorbei. Weil sie was taugen, rappeln sie sich die mesiten wieder, haben aber ein Leben verspielt. Das sind die, die im Dunklen bleiben. Jetzt zehrt doch mal den ins Licht, der pleite ging und dann nochmal anfing. z.B. Lindner, FDP, der offenbar das Glück hatte, selbst für keine Kredite gezeichnet zu haben. Denn sonst hätte er die Eidesstattliche Versicherung ablegen müssen, die ihn für Jahre kreditunwürdig macht. Dann bekommt er noch nicht einmal ein Mobiltelefon auf seinen Namen.
5.
max_copernicus 19.05.2012
Zitat von Stauss"Ein Misserfolg ist kein Stigma für den Rest des Lebens" ... Weil sie was taugen, rappeln sie sich die mesiten wieder, haben aber ein Leben verspielt. Das sind die, die im Dunklen bleiben. Jetzt zehrt doch mal den ins Licht, der pleite ging und dann nochmal anfing. z.B. Lindner, FDP, der offenbar das Glück hatte, selbst für keine Kredite gezeichnet zu haben. Denn sonst hätte er die Eidesstattliche Versicherung ablegen müssen, die ihn für Jahre kreditunwürdig macht. Dann bekommt er noch nicht einmal ein Mobiltelefon auf seinen Namen.
Jein, stimmt zum Teil schon, was Sie schreiben. Aber 1. Heutzutage muss man nicht hoch verschulden, um ein Business zum Laufen zu bekommen. Wieso sprechen Sie nur von Schulden, Insolvenz etc.? Viel zu negative Ausgangslage. 2. "Wer als Unternehmer einmal über die Wupper geht, ist gezeichnet für das ganze Leben und wird nie wieder eine Stellung bekommen, die seiner Qualifikation angemessen ist." Was meinen Sie mit "Qualifikation"? Den Uni-Abschluss? Die Qualifikation von jmd., der eine Firma an die Wand gefahren hat, ist durchaus zu hinterfragen. Vielleicht hat er keine gar keine? Denn sonst wäre der Laden ja nicht krachend an die Wand gefahren?!
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  • Christian Veith ist seit 2007 Deutschland-Chef der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG).
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