05. Januar 2013, 09:53 Uhr

Botschaft aus der Zukunft

Alles Gute für 2030!

König Kunde macht seine Produkte selbst, Wachstum gibt es nur noch bei den Armen, und überall lauert der Schumpeter. Die Teilnehmer des Wettbewerbs "CEO of the Future" beschreiben, wie sie sich die Wirtschaftswelt im Jahr 2030 vorstellen - und worauf sich Manager von heute einrichten müssen.

Wer wird "CEO of the Future"? In dem großen Wettbewerb für Führungsnachwuchs wollen angehende Manager zeigen, was sie als Unternehmenslenker drauf haben. Am 2. Februar sollen in Kitzbühel die drei besten bestimmt werden, im großen Finale.

Doch wer darf daran teilnehmen? Um beim diesjährigen Wettbewerb in die Vorrunde zu kommen, mussten alle Bewerber einen Essay schreiben - und durften sich dabei als Manager der Zukunft präsentieren, ganz wörtlich. Die Aufgabe: Stellt Euch vor, Ihr reist in die Zukunft, ins Jahr 2030, und habt die Gelegenheit, einem Konzernchef des Jahres 2012 einen Brief zu schicken. Was würdet ihr da reinschreiben?

Inzwischen werden die 20 erfolgreichsten Bewerber in Seminaren auf das Finale vorbereitet. Dort werden sie eine eigene Business-Aufgabe bearbeiten und vor der Jury vorstellen müssen, den Chefs der Ausrichter des Wettbewerbs: die Unternehmen Bayer, Bertelsmann, McKinsey, Porsche, ThyssenKrupp und Vodafone, die Medienpartner manager magazin, n-tv und SPIEGEL ONLINE sowie das Karrierenetzwerk e-fellows.net.

Doch was wird aus den Botschaften aus der Zukunft? Einige Auszüge daraus können Sie nun hier lesen. Worauf ein Manager schon heute achten sollte, damit sein Unternehmen eine Zukunft hat - hier lesen Sie die interessantesten Passagen der Essays.

Fortschritt nicht nur für die Oberschicht

"Teilhabe wird das große Thema des Jahrhunderts. Während bereits zu deiner Zeit, lieber CEO des Jahres 2013, 10 Prozent der Weltbevölkerung ganze 85 Prozent des Weltvermögens hielten, besitzen heute noch viel weniger Menschen den Großteil des Kapitals. Dabei bieten sich dir als Manager im Großen und Ganzen zwei Strategien an: Entweder kannst du dich, wie viele deiner Kollegen, weiter darauf fokussieren, die Luxusbedürfnisse der Oberschicht in reichen oder bereits stark wachsenden Ländern zu befriedigen.

Diese Strategie birgt jedoch zunehmend Risiken: Diese Schicht ist zwar (zunehmend) wohlhabend, aber ich warne dich, dass sie über die Jahre kleiner wird. Mehr als zwei oder drei Autos mag sich üblicherweise selbst eine sehr reiche Familie nicht leisten. Während die Ersparnisse dieser Gruppe zunehmen, sinken der Konsum von Gütern der Oberklasse und das Absatzpotential in dieser Gruppe. Viele Unternehmen setzen jedoch nach wie vor auf diese Zielgruppe - und der Wettbewerb um die Vermögen der Wenigen hat sich deutlich verschärft. Die Mittelschicht ist außerdem weiter erodiert.

Du willst doch langfristig geschätzt werden, oder?

Somit gibt es auf der anderen Seite die wachsende Schicht der wenig Vermögenden und Mittellosen, die von der Teilhabe am technischen Fortschritt zunehmend ausgeschlossen ist. Es ist deine Herausforderung von heute, Wege zu finden, um den Großteil der Bevölkerung am technischen Fortschritt teilhaben zu lassen. Und als CEO of the Future willst Du doch nicht nur kurzfristig erfolgreich sein, sondern auch langfristig geschätzt werden, oder?"

Jedes Heim eine Fabrik

"Die industrielle Massenproduktion ist tot, es lebe die dezentrale individuelle Produktion. Was im Jahr 2012 verrückt klingt, wird in den kommenden Jahren das Verhältnis der Verbraucher und Unternehmen zu Verbrauchsgütern grundlegend ändern. Die häusliche Produktion von einfachen Verbrauchsgütern wie Geschirr, Kleidung und anderen industriell produzierten Massengütern entspricht dem Zeitgeist der Konsumenten und wird günstiger als Massenprodukte.

Eine günstige dezentrale Produktionstechnologie ist durch das 3-D-Drucken verfügbar und wandelt sich von einer Industrietechnologie zu einer Verbrauchertechnologie. Die 3-D-Technologie ist heute in einem vergleichbaren Stadium wie die PC-Industrie in den 1970er Jahren. Technologisch können zwar heute mit 3-D-Druckern erst einfache Produkte hergestellt werden, jedoch wird die fortschreitende Entwicklung zu Mehr-Materialien Druckern - ähnlich dem Prinzip, mit unterschiedlichen Farbpatronen zu drucken - die Produktion von komplexeren Produkten ermöglichen.

Zerrissene Produktionsketten

Der Verbraucherbedarf, stetig günstiger werdende Produktionstechnologien und günstige Materialkosten läuten den Produktionswandel ein und ersetzen Teile der Produktionsketten, wie das Internet Teile des Großhandels überflüssig machte. Produktionsunternehmen müssen sich nach neuen Strategien umschauen und sich zunehmend auf neue Geschäftsmodelle ohne eigene Fertigung einlassen. Die Geschäftsmodelle können sich dabei auf zwei zukunftsweisende Geschäftsfelder fokussieren, nämlich die Zulieferung der physischen Rohstoffe oder den Verkauf der elektronischen Baupläne von Produkten nach einem ähnlichen Prinzip wie Musik über iTunes."

Endlich Produkte, die die Kunden interessieren

"Im Jahr 2030 wird die Produktentwicklung nicht mehr von Mitarbeitern vorangetrieben, sondern von den Kunden selbst. Auf Internetplattformen lassen die Firmen Produktvorschläge machen und ausarbeiten. Anschließend können die Kunden über die Produkte, die produziert werden sollen, abstimmen. Auf diese Weise sparen die Unternehmen bei den Entwicklungs- und Marktforschungskosten, und es werden die Produkte produziert, die die Kunden tatsächlich interessieren. Die Beteiligung an der Entwicklung fördert zudem die Bindung der Kunden zum Produkt.

Auch bei der Forschung ist die Nutzung der "Schwarmintelligenz" im Jahr 2030 weit verbreitet. Firmen stellen Probleme, vor denen sie stehen, ins Internet und bieten eine Belohnung für deren Lösung. Auf diese Weise kann sich ein Unternehmen eine viel größere Anzahl an Köpfen zu Nutzen machen als es Mitarbeiter hat, und steigert somit die Wahrscheinlichkeit, eine kreative Lösung zu erhalten.

Schumpeter auf Speed

"Wenngleich vieles anders zu sein scheint im Jahr 2030, eines hat sich keineswegs verändert: Das Tempo ist ungebrochen hoch, überall. Innovationen, gesellschaftliche Ansprüche, die öffentliche Meinung - seit Jahrzehnten ist die verlässlichste Erkenntnis die, dass es für strategische Erfolge kaum Verlässlichkeit gibt. Immer wieder sind selbst die Erfolgreichsten gescheitert. Zeitungsverlage als Vorreiter der Werbeindustrie, Nokia als Spitzenunternehmen des Mobilfunks, sogar Banken als Motor der Wirtschaft.

Die Paradoxie: Wenn erfolgreiche Unternehmen scheitern, dann scheitern sie gerade an ihren Kompetenzen. In dynamischen Umwelten wird die Kernkompetenz schnell zur Kernrigidität und damit zur eigentlichen Gefahr: Wer sich auf den alten Erfolgen ausruht, bedroht seine Zukunft, weil dann andere Fähigkeiten gefragt sein werden als die, die ihn einst erfolgreich gemacht haben.

Auferstehen aus Ruinen

Im Schumpeter'schen Sinne erfordert das die Bereitschaft, seine eigenen Kompetenzen durch Kreativität und Vision auch immer wieder selbst zu zerstören und so den Weg für Neues frei zu machen. Für Global Leader 2030 kann es daher kaum darum gehen, Wettbewerbsvorteile zu erhalten. Wer erfolgreich sein will, muss die Grundlagen schaffen, sich Wettbewerbsvorteile immer wieder neu zu erarbeiten. Kein Automatismus, keine Garantie, harte Arbeit. Den strategischen Handlungsspielraum offen zu halten, ist die größte Herausforderung für Unternehmen."

Wir sehen uns in 17 Jahren wieder

"Lieber CEO des Jahres 2013, ich könnte dir verraten, was aus der Europäischen Union und dem Euro geworden ist und warum es keine 190 sondern bereits 310 Staaten gibt - und in welche es sich zu investieren lohnt. Du könntest jetzt schon erfahren, wer deine zukünftige Zielgruppe sein wird und heute damit beginnen, diese zu umwerben. Du wirst überrascht sein, was aus deinen Produkten geworden ist und wem sie 2030 nutzen!

Ich könnte dir zudem die Technologien der Zukunft zeigen: Wie werden wir leben, wo und mit wem? Und natürlich könnte ich dich auf viele weitere Faktoren - wie die demographische Lage, die Umweltsituation, Rohstoffentwicklungen, rechtliche Bestimmungen - vorbereiten, damit du auch hier rechtzeitig agieren und deinen Wettbewerbsvorteil ausbauen kannst. Aber ich tue es nicht.

Wer nicht fragt, bleibt dumm

Ich werde dir etwas viel wertvolleres mitteilen, was ich im Jahr 2030 gelernt habe und was mal ein kluger Mann, Albert Einstein, bereits ein Jahrhundert zuvor gesagt hat: "Wichtig ist, dass man nie aufhört zu fragen."

Würde es dir wirklich helfen zu wissen, wie die Welt 2030 aussieht - ohne zu ahnen wie es dazu gekommen ist? Ist nicht der Weg das Ziel? Wenn du heute weißt, wie dein Produkt in 2030 aussieht und die Technologie dazu kennst, verpasst du nicht womöglich eine entscheidende Entwicklungsstufe und damit einen Absatzmarkt? Siehst du, ich würde dir keinen Gefallen damit tun, dir heute zu verraten, was 2030 sein wird.

Also höre nicht auf, Fragen zu stellen und du wirst Veränderungen, Stimmungen und Meinungen die sich vage andeuten, schneller identifizieren und verstehen können als andere. Dadurch kannst du dich zügiger auf diese einstellen dein Unternehmen erfolgreich ins Jahr 2030 führen. Ganz sicher - ich habe dein Unternehmen 2030 gesehen."


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