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Checkliste für potentielle Gründer Taugt meine Idee zum Start-up?

Sie haben eine Geschäftsidee, wissen aber nicht, ob sie gut genug ist, um damit durchzustarten? Diese fünf Fragen helfen Ihnen bei der Selbsteinschätzung.

1. Ist Ihre Idee schützbar?

Technische Innovationen kann man schützen, kreative Ideen nicht. "Es gibt keinerlei Gentlemen-Agreement im Internet: Ein gutes Tool wird sofort nachgebaut", sagt Tobias Kollmann, Inhaber des Lehrstuhls für E-Business und E-Entrepreneurship an der Universität Duisburg-Essen. "Es gibt immer fünf bis zehn Start-ups, die exakt das gleiche machen. Am Ende kommen nur einer oder zwei durch, aber das müssen nicht die sein, die ursprünglich die Idee hatten."

2. Wie viel Zeit und Geld müssen Sie aufwenden, um einen zahlenden Kunden zu gewinnen?

Die Konversionsrate, die Umwandlung eines Interessenten in einen zahlenden Kunden, ist einer der wesentlichen Punkte für den Erfolg eines Unternehmens. "Ganz viele Start-ups scheitern am Thema Kundenakquise", sagt Fabian Hansmann von FoundersLink, einem Berliner Firmeninkubator. "Mit den Stichworten Viralität und Mundpropaganda kann man in der Theorie jedes Marketingproblem lösen, aber in der Praxis schaffen es die wenigsten Unternehmen, damit die herkömmlichen Vertriebswege zu umgehen." Überlegen Sie sich genau: Wer sind meine Kunden? Wo finde ich sie, welche Interessen haben sie? Und was kostet es, sie zu erreichen - über einen Messestand, per Telefon, E-Mail oder Werbeanzeige? "Üblicherweise geht bei Onlinefirmen ein Drittel der Erlöse dafür drauf, Kunden zu gewinnen", sagt Hansmann.

3. Ist Ihr Geschäftsmodell attraktiv genug für einen Investor?

Fabian Hansmann rechnet vor: "Sie machen 450.000 Euro Umsatz im Jahr. Nach Abzug der Kosten für die Kundenakquise haben Sie noch 300.000 Euro übrig. Sie haben vier Angestellte und zahlen Miete für ein Büro - also sind noch mal 150.000 Euro weg. Davon zahlen Sie Steuern, kommen also auf gut 100.000 Euro. Wenn ich als Investor 100.000 Euro in Ihr Unternehmen gesteckt habe und dafür mit zehn Prozent beteiligt bin, bekomme ich also jedes Jahr 10.000 Euro Gewinn, den ich noch persönlich versteuern muss. Das ist keine gute Verzinsung - und selbst die bekomme ich nur mit einer Wahrscheinlichkeit von zehn Prozent, denn nur jedes zehnte Onlineunternehmen erwirtschaftet überhaupt mal Gewinn." Als Inhaber von Founderslink interessiert sich Hansmann nur für Unternehmen, bei denen er das Potential sieht, dass sie einmal mindestens 50 Millionen Euro Wert sein können. Um auf diese Summe zu kommen, müssen Sie in der Regel einen Gewinn von mehr als 2,5 Millionen Euro machen.

4. Sind Sie bereit, für Ihre Idee finanzielle Risiken einzugehen?

"Ein Business Angel wird im Zweifelsfall immer das Team bevorzugen, das schon gegründet und einen Kredit aufgenommen hat", sagt Fabian Hansmann. "Das ist eine Frage der Glaubwürdigkeit. Einer meiner Investoren hatte tatsächlich die Einstellung: Nur ein verschuldeter Unternehmer ist ein guter Unternehmer. Das geht vielleicht ein bisschen weit, aber der Hintergedanke ist klar: Warum soll ich als Investor an eine Idee glauben, wenn noch nicht mal der Gründer selbst an seine Idee glaubt?"

5. Halten Sie die Unsicherheit aus?

"Im ersten Jahr Gewinn zu machen, ist für eine Internetfirma total außergewöhnlich", sagt Fabian Hansmann. "Im Schnitt vergehen etwa drei bis fünf Jahre, bis ein Unternehmen im Internet schwarze Zahlen schreibt - wenn überhaupt der Erfolg eintritt." Viele Gründer geben schon vorher auf, weil sie den Druck von Freunden und Verwandten nicht mehr aushalten: Wenn du insolvent wirst, kannst du dann noch online einkaufen? Wer stellt dich dann noch an? "Manche kommen in eine Abwärtsspirale, obwohl die Zahlen gut aussehen", sagt Hansmann. "Das ist einer der wichtigsten Punkte, warum Start-ups scheitern."

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