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Deutsche MBA-Programme Das Desaster mit dem Master

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Glückwunsch zum Master! Gerade bei Spezial-Studiengängen bleibt der Sinn oft im Dunkeln

Deutschland und der MBA, das ist keine Liebesgeschichte. Viele Studiengänge sind Mogelpackungen, wie man schon an kuriosen Namen der Programme erkennt. Und oft scheitern Managerschulen wegen grober Fehler - im Management.

An der Technischen Universität Chemnitz gibt es einen "MBA Eventmanagement/Live-Kommunikation", die Hochschule Biberach offeriert einen "MBA Internationales Immobilienmanagement" und an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg kann man einen "MBA in Bildungsmanagement" absolvieren.

Willkommen in Deutschland, dem Land der Spezial-MBAs. Darunter fallen 70 Prozent der rund 300 MBA-Programme, hat der MBA-Guide herausgefunden. Ihre Lehrpläne haben oft nicht viel mit einem Studium in Unternehmensführung zu tun, wie es das Studium zum Master of Business Administration (MBA) eigentlich sein sollte. Denn das Ziel ist es, Akademikern mit Berufserfahrung, aber ohne wirtschaftswissenschaftlichen Hintergrund umfassende Managementkenntnisse zu vermitteln - also Generalisten und keine Spezialisten auszubilden.

Ein erheblicher Teil der deutschen MBA-Programme ist daher nichts anderes als eine Mogelpackung. Allerdings ist das nicht verboten, und selbst offensichtlich falsch bezeichnete Programme werden in Deutschland sogar akkreditiert.

"Ein spezialisierter MBA ist für mich ein Widerspruch in sich", sagt Professor Michael Frenkel. "Das ist wie ein einfarbiges Zebra." Der Rektor der WHU Otto Beisheim School of Management ist alles andere als glücklich über die Entwicklung des deutschen MBA-Marktes. Denn die WHU gehört zu den weniger als zehn deutschen MBA-Schulen, die nicht nur internationale Standards erfüllen, sondern auch auf dem internationalen MBA-Markt wahrgenommen werden.

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MBA-Ausbildung: Studienfach Chef
Oft mangelt es jedoch schon am Grundverständnis. So halten viele den MBA noch immer für eine neue Bezeichnung für den bisherigen Diplom-Kaufmann. Manche Hochschulen bieten daher sogar einen "MBA für Wirtschaftler" an. Andere brillieren mit wahren MBA-Stilblüten wie einem "MBA in Advanced Management" oder einem "MBA in Business Administration": schönen Gruß vom weißen Schimmel.

Viele - allen voran die Fachhochschulen - suchen ihr MBA-Glück in immer skurrileren Nischen. "Die haben den Sinn der Management-Qualifizierung noch nicht verstanden", kritisiert Karlheinz Schwuchow. Der Professor an der Hochschule Bremen kennt die deutsche MBA-Szene.

Manager-Schmiede pleite. Grund: Management-Fehler

Deutschland tat sich schon immer schwer mit dem MBA-Konzept. Während US-Schulen den Titel schon seit über hundert Jahren vergeben, war es deutschen Hochschulen bis 1998 sogar verboten, den ausländischen akademischen Grad zu verleihen. Erst durch die Bologna-Reform gewinnen die Master-Titel nun größeren Aufwind.

So überrascht es kaum, dass die deutsche MBA-Geschichte geprägt ist von Pleiten, Pech und Pannen. Zum Beispiel das Stuttgart Institute of Management and Technology (SIMT). Trotz vieler Millionen von Land, Industrie und Stadt war die ambitionierte Manager-Schmiede 2007 pleite und wurde verramscht. Schuld waren Management-Fehler.

Oder die European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin. 2002 von 25 großen Konzernen wie Allianz, Lufthansa und ThyssenKrupp gegründet und finanziert, wollte sie das "Harvard an der Spree" werden. Zehn Jahre später hat sie zwar deutliche Fortschritte gemacht, aber bis heute kein Promotionsrecht.

Oder die European Business School (EBS), die sich gern als führendes Institut dieser Art in Deutschland feiert. Beim Thema MBA ist die EBS bisher jedoch weitgehend gescheitert. 2008 startete sie ihr erstes Vollzeit-MBA-Programm mit zehn Teilnehmern; 2011 waren es offenbar so wenige, dass die Schule sich weigert, die Zahl bekanntzugeben.

Auch bei der Qualität nach internationalen Maßstäben hapert es. Gerade versucht die private Hochschule zum dritten Mal, die im internationalen MBA-Markt wichtige EQUIS-Akkreditierung zu bekommen. Die beiden ersten Versuche scheiterten. 2011 musste der Antrag auf Akkreditierung auf Eis gelegt werden, nachdem die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen des Verdachts der Untreue gegen den damaligen Präsidenten der Hochschule, Christopher Jahns, aufgenommen hatte. Ermittelt wird noch immer, und inzwischen musste EBS zudem fast eine Million Euro staatlicher Zuschüsse zurückzahlen, die sie für den Aufbau ihrer juristischen Fakultät vom Land Hessen bekommen hat.

Talente binden mit guten MBA-Programmen

Dass es durchaus geht, auch an einer öffentlichen Hochschule MBA-Programme nach internationalen Standards anzubieten, zeigt die Mannheim Business School. Sie ist eine gemeinnützige GmbH, die zu drei Vierteln einer Stiftung und zu einem Viertel der Universität gehört, und verfügt als einzige deutsche Schule über alle der wichtigsten Akkreditierungen. Ihre MBA-Programme wachsen.

"Als größte Volkswirtschaft Europas braucht Deutschland Talente mit einer globalen Perspektive, dazu kann ein gutes MBA-Programm beitragen", sagt WHU-Rektor Frenkel. Um nicht weniger als Deutschlands Rolle als Bildungsmarkt gehe es dabei. Schließlich seien gute MBA-Programme auch eine Chance, hochqualifizierte Ausländer zu gewinnen. "Das alte Denken, nach dem erst studiert und dann das ganze Leben gearbeitet wird, gehört der Vergangenheit an", so Frenkel.

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Andreas Pinkwart ist davon überzeugt, dass dem deutschen MBA-Markt rosigere Zeiten bevorstehen. Bisher sei die Zahl der Bachelor-Absolventen, die direkt in den Job gehen, noch gering, erklärt der Rektor der Handelshochschule Leipzig. Aber es werden mehr, und wenn die erst einmal fünf bis sechs Jahre Berufserfahrung haben, werde der MBA interessant für sie: "Ab 2015 wird es einen Aufschwung im MBA-Markt geben."

Bei den High Potentials ist die Nachfrage offenbar schon heute vorhanden. So hat die Mannheim Business School herausgefunden, dass 93 Prozent von über 1000 Befragten in den nächsten fünf Jahren eine Management-Weiterbildung - bevorzugt berufsbegleitend - in Erwägung ziehen. Bei den Berufseinsteigern haben 46 Prozent sie sogar bereits fest eingeplant. Wichtigstes Ziel ist die Verbesserung der Führungskompetenzen. Auch wenn die Umfrage nicht repräsentativ ist, gibt die hohe Zahl der Teilnehmer zumindest eine Orientierung über deren Bedürfnisse.

Konzerne zögern und verschenken Millionen

Bei Personalverantwortlichen stößt das MBA-Studium noch auf gedämpfte Zuneigung. "Ich bin immer wieder verblüfft, wie wenig Kenntnis es bei den Personalmanagern gibt", sagt MBA-Kenner Karlheinz Schwuchow. Nur wenige setzten sich mit der MBA-Thematik ernsthaft auseinander und seien in der Lage, die Spreu vom Weizen zu trennen: "Selbst Konzerne gehen manchmal völlig undifferenziert an das Thema heran."

Die Zahl der Mitarbeiter, die von ihrem Arbeitgeber beim MBA-Studium unterstützt werden, ist in den letzten Jahren weiter gesunken - obwohl dort wichtiges Management-Know-how direkt in die Firma fließen könnte. Grund für die Zurückhaltung ist die Angst, der Mitarbeiter könnte nach dem teuren MBA in ein anderes Unternehmen abwandern.

"Natürlich kann der Mitarbeiter danach gehen", sagt Martin Iffert, Vorstandsvorsitzender beim Aluminiumproduzenten Trimet Aluminum. "Aber dann muss man sich selbst fragen, was man falsch gemacht hat." Der promovierte Ingenieur weiß, wovon er spricht. Bevor er in den Vorstand des Familienunternehmens aufrückte, hat er 2009 ein berufsbegleitendes MBA-Studium am IMD in Lausanne abgeschlossen.

Allein die Vorteile, die er dem 1900-Mann-Unternehmen aus den Praxisaufgaben während des Studiums verschafft habe, seien schon die Studiengebühren wert gewesen. So beschäftigte er sich in einem MBA-Projekt mit der Einführung von Kaizen - also eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses. Kostenersparnis allein am Standort Essen: zehn Millionen Euro.

  • Helga Kaindl
    KarriereSPIEGEL-Autorin Bärbel Schwertfeger ist freie Journalistin in München. Sie schreibt seit 20 Jahren über das Thema MBA und betreibt das Blog "Schwertfeger-MBA-Channel".

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