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Die Coolen Säue Clash der Kulturen - HipHop trifft Jura

Die Coolen Säue: Als Rapper und Anwälte in Würde altern Fotos
Roman Preylowski

Sie zählten zu den Pionieren des Deutsch-Raps, 20 Jahre später erscheint ein neues Album. Die Coolen Säue sind mit HipHop erwachsen geworden. Peer Bießmann und Sebastian Möllmann arbeiten heute als Anwälte. Sie finden: "Nur weil man Jurist ist, muss man nicht zum Lachen in den Keller gehen."

Die Coolen Säue - wem der Name gar nichts sagt, der hat die erste Generation von deutschsprachigem Rap eindeutig verschlafen. In den frühen neunziger Jahren schwappte der musikalische Boom von den USA nach Deutschland hinüber; seine medienwirksamsten Vertreter waren damals die Fantastischen Vier, die 1992 mit "Die da?!" der Kunst des Sprechgesangs zu einem ersten Chart-Hit verhalfen. In der Popularitätsskala unmittelbar hinter ihnen angesiedelt waren Namen wie Fresh Familee, Advanced Chemistry oder eben: Die Coolen Säue.

Peer Bießmann ist heute Anwalt bei Scheuermann Westerhoff Strittmatter und Leiter Legal & Business Affairs bei der Brainpool TV GmbH, einer Produktionsfirma, die ein kleines Fernsehimperium aufgebaut hat, mit Sendungen von "TV Total" bis "Ladykracher", von "Stromberg" bis "Unser Star für Baku". Sebastian Möllmann ist ebenfalls bei Brainpool tätig, als stellvertretender Leiter Legal & Business Affairs sowie Personalleiter.

"Wir waren damals zunächst Fans der HipHop-Kultur und dann einer der ersten deutschsprachigen Rap-Acts", erinnert sich Bießmann an die frühen Tage, "gerade im HipHop ist der Übergang vom Konsumenten zum Kunstschaffenden ja etwas fließender als in anderen Kunstformen. Wir mussten zum Beispiel nicht erst teure Instrumente kaufen und spielen lernen, uns reichten zunächst Plattenspieler und Mikrofon."

Musikkarriere als "Praktikum" für die Juristerei

Über die nächsten zehn Jahre folgen drei veröffentlichte Alben, zahlreiche Singles und EPs, eine Namensänderung in das ohnehin gebräuchliche Kürzel "DCS" und musikalische Kollaborationen mit Künstlern wie Gentleman, Curse, Brooke Russell, Pyranja oder Olli Banjo.

Bei einer derart leidenschaftlich und ernsthaft betriebenen musikalischen Karriere mussten andere Belange schon einmal zurückstehen: "Als die Band 1991 gegründet wurde, standen wir noch vor dem Abitur. An der Uni kam es dann öfter vor, dass wir in einzelnen Semestern kaum zum Studieren kamen", so Bießmann. "Aber das schadete nichts. Wir haben unseren Elan damals eben mehr in die Musik als in die Bücher gesteckt, und von einer überhasteten Ausbildung halten wir nicht viel: Wer als Anwalt seine Mandanten spezialisiert in einer sehr eigenen Branche seriös beraten will, dem schadet es nicht, wenn er zuvor einen fundierten, praktischen Einblick in diese Branche erlangt hat. Zum Examen hin wurde es dann unmöglich, Musik und Studium parallel zu betreiben, so dass wir irgendwann ganz klar unsere Prioritäten verschieben mussten."

Und so verebbte mit dem auslaufenden Jahr 2002 der Strom an DCS Releases, Baggypants und Backpack wurden bald gegen Robe und Aktentasche getauscht, kurz: Der Ernst des Lebens hielt seinen späten Einzug ins Leben der Rapper. Oder? Allzu ernst nehmen die beiden das Leben auch heute nicht, sagt Möllmann: "Dass wir später als Juristen und nicht als Rapper unser täglich Brot verdienen würden, war uns frühzeitig klar. Nur von der Musik können in Deutschland die allerwenigsten gut und vor allem langfristig leben, und je mehr man sich als Künstler von Verkaufszahlen abhängig macht, desto eher läuft man Gefahr, dem eigenen Stil untreu zu werden und seine Kunst zu kompromittieren."

Was Rapper und Juristen verbindet? Der Umgang mit Sprache

Ohnehin war der Weg vom Tonstudio in die Kanzleiräume weit weniger steinig, als man zunächst vermuten könnte. Im Gegenteil entpuppt sich die untypische Vorgeschichte von Bießmann und Möllmann sogar als wertvolle Zusatzqualifikation."Wir wussten schon früh, dass wir im Medienrecht arbeiten wollten. Da ist es sehr hilfreich, wenn man die ganzen Abläufe aus der Perspektive des Kreativschaffenden erlebt hat", sagt Möllmann. "Insofern haben wir unsere musikalische Karriere immer auch zu einem Teil als 'Praktikum' für unser späteres juristisches Berufsleben verstanden." Auf diese Weise schufen die beiden ein gewisses Netzwerk in der Szene; die ersten Mandanten waren diejenigen, die die Anwälte früher als Musiker kennengelernt hatten.

Das leuchtet ein, und doch fällt es instinktiv schwer, das Bild des seriösen Juristen mit dem des authentischen HipHoppers in Einklang zu bringen. "Ja, weil beide Bilder sehr klischeebeladen sind. Aber nur, weil man sich mit der Kultur von HipHop identifiziert, ist man ja nicht unfähig, sich ernsthaft zu verhalten und aufzutreten. Und nur weil man Jurist ist, muss man nicht zum Lachen in den Keller gehen", findet Bießmann. "Wir haben uns natürlich auch eine Branche und Kanzlei oder Unternehmen ausgesucht, die zu uns passen: Hier kommt keiner mit Krawatte zur Arbeit, es herrscht ein eher lockerer Umgangston, kreatives Schaffen und dessen wirtschaftliche Auswertung stehen im Mittelpunkt."

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Fragt man Sebastian Möllmann, so gibt es im Gegenteil sogar klare Überschneidungen zwischen beiden Disziplinen: "Letztlich geht es ja im Rap und auch in Jura darum, den eigenen Standpunkt zu vertreten und mit sprachlichen Mitteln durchzusetzen. Natürlich ist das Vokabular ein anderes, aber die rhetorische Auseinandersetzung nach bestimmten Regeln ist doch zentrales Thema beider Bereiche."

Das sieht auch Kollege Bießmann ähnlich und ergänzt: "Es kommt nicht von ungefähr, dass die DCS-Leute heute alle in Berufen sitzen, in denen viel mit Sprache gearbeitet wird. Philipp Löffel textet zum Beispiel in einer Werbeagentur in Berlin, und Mike Haagen ist Leiter Sales und Marketing für ein Unternehmen, das DJ-Zubehör herstellt."

Als HipHopper in Würde altern

Obwohl also alle Bandmitglieder in durchaus seriösen Berufen angekommen sind und ein mehr oder weniger bürgerliches Leben führen, ist die Begeisterung für die Musik bis heute nicht gestorben. "Wir hören nach wie vor gerne Rapmusik. Die bislang goldenste Ära des Genres war zwar Mitte der Neunziger, aber es gibt immer wieder gute Alben, die den Geist dieser Zeit atmen", so Möllmann.

Und vielleicht bald eines mehr - denn nach einer vollen Dekade ist für 2012 ein DCS-Revival geplant. Ein neues Album mit dem Titel "Silber" ist bereits aufgenommen und abgemischt.

"Wir sind heute alle sehr intensiv berufstätig, haben zum Teil Familie und leben über Deutschland verteilt - natürlich war es da nicht gerade einfach, gemeinsam die Zeit zu finden, um ein Album aufzunehmen", sagt Möllmann. "Dass wir es über die letzten Monate dennoch durchgezogen haben, zeigt, dass uns allen das Projekt wirklich wichtig war. Wir hatten anfangs die Sorge, musikalisch möglicherweise eingerostet zu sein, aber nach ein paar Stunden im Studio war die alte Harmonie schnell wieder da, und die Tracks sind kein Stück peinlich, sondern nach unserem heutigen Musikverständnis richtig gut und erwachsen geworden. 'Silber' ist unser Beweis, dass man mit HipHop auch erwachsen werden kann."

Frohe Kunde also für eingefleischte Rapfans und alle, die wissen wollen, wie sich vier echte Urgesteine des Genres über die letzten 10 Jahre textlich und klanglich entwickelt haben. Das "Silber"-Album erscheint am 27. Januar 2012 auf allen gängigen Vertriebswegen, über das eigene Label Beatz aus der Bude Records im Vertrieb von Groove Attack.

  • KarriereSPIEGEL-Autor Constantin van Lijnden aus Düsseldorf (Jahrgang 1985) schreibt gern. Dies vornehmlich als Jurist, immer öfter auch als freier Journalist zu Themen rund um Kampf, Kultur und Zeitgeschehen.

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