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Einsteiger will umsteigen Die fünf Stationen eines Jobwechsels

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Corbis

4. Teil: Ich täusche Chefs und Mitspieler - Phase drei

Als die ersten Einladungen zu Gesprächen eintrudeln, wird mir klar, dass meine Initiativbewerbungen den größten Erfolg hatten. Erkenntnis: lieber ungewöhnlich bewerben. Lieber ungewöhnlich viel Zeit darauf verwenden, ein attraktives Unternehmen (Historie, Personen, Geschäftsmodell, Bilanz) genauestens zu durchleuchten. Darauf aufbauend dann ein Mini-Konzept, eine Ideenskizze mit einem Problemlösungsansatz in einem zweiseitigen Dokument zusammenfassen. Weitere Erkenntnis, entgegen der gängigen Fachbuchmeinung: Eine Bewerbung kann sich durchaus lohnen, auch wenn man nicht alle Anforderungen erfüllt.

So werde ich von einem Unternehmen zum Gespräch eingeladen, obwohl fünf bis sieben Jahre Berufserfahrung gefordert waren. Ich komme auf knapp drei Jahre. Schon beim Schreiben der Bewerbung hatte ich das gute Gefühl, dass es trotzdem einfach passen könnte. Nach den ersten Vorstellungsgesprächen stellt sich aber heraus, dass der logistische Aufwand (Bahn? Flieger? Halben oder ganzen Tag freinehmen? Wer zahlt?) enorm ist: Ich kann nicht um 18 Uhr das Büro verlassen und um 18.30 Uhr ein Vorstellungsgespräch wahrnehmen. Wer einen neuen Job sucht und die Großstadt wechseln will, der muss lügen, betrügen und täuschen. Auch wenn man eine ehrliche Haut ist.

Ich nehme mir geschickt ein paar Montage und Freitage frei. Ich verbringe eine Woche "Sommerurlaub" in Hamburg, wo ich an zwei Assessmentcentern teilnehme. In der Agentur erzähle ich, dass ich eine Freundin in Hamburg besuche und einen Kurzurlaub dranhänge. Nur: Irgendwann sind die Urlaubstage und Ausreden erschöpft. "Polterabend im Rheinland", "standesamtliche Trauung in Bayern", "Beerdigung nahe Bochum".

Häufen sich die Einladungen zu Gesprächen, muss man geschickt ein Lügengebäude errichten. Wer hier authentisch bleiben will, der sollte in Zwiegesprächen mit Kollegen immer gut den Überblick behalten - vier Hochzeiten und ein Todesfall in wenigen Wochen, das fällt auf.

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Fünf Tipps für Wechselwillige
1. Check dein Profil, bevor es andere tun
Betreibe persönliches Reputationsmanagement in sozialen Netzwerken (Xing, LinkedIn, Facebook).
2. Netzwerke, bis der Chef kommt
Persönliches Netzwerk anzapfen (Xing-Kontakte, Freunde, Bekannte, frühere Chefs und Kollegen aus Praktika). Die Jobsuche subtil, aber breit bekannt machen.
3. Warte nicht, tu was
Bewirb dich initiativ! Blindbewerbungen mit kurzen Konzeptpapieren oder Ideenskizzen sind oft von Erfolg gekrönt. Nach einigen Tagen persönlich nachtelefonieren.
4. Sei sensibel
Nimm interne Stimmungen ernst und steuere authentisch gegen. Noch mehr arbeiten und "socializen" als sonst. Gute Stimmung verbreiten.
5. Plane sorgfältig und strategisch
Nicht zu viele Bewerbungsgespräche in zu kurzer Zeit wahrnehmen. Häufige Fehltage (Urlaub oder Krankheit) vor oder nach dem Wochenende fallen den aktuellen Chzef und Kollegen unangenehm auf.
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