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Ausländische Mitarbeiter "Deutsche haben ein Ziel, bereiten alles vor und legen los"

Raus aus der Heimat, ab nach Deutschland: Sechs Einwanderer halten den Deutschen den Spiegel vor und berichten, was ihnen im Arbeitsalltag alles auffällt.

Über die Arbeits- und Lebensgepflogenheiten in anderen Ländern glaubt man ja schon allerhand zu wissen: dass Finnen in der Sauna sogar Kundengespräche führen. Dass Japaner berufslebenslänglich immer beim selben Arbeitgeber bleiben, nie vor dem Chef nach Hause gehen und kreuzunglücklich sind, wenn sie ihren Urlaub nicht der Firma schenken dürfen. Dass Spanier der Mittagshitze mit stundenlanger Siesta trotzen. Oder dass Engländer gleich nach Feierabend gern eilig im Pub drei, vier Gläschen Ale verlöten.

Junge Deutsche gehen gern zum Arbeiten ins Ausland, junge Ausländer kommen gern nach Deutschland. Was aber beobachten sie an ihren deutschen Kollegen? Wie ist das mit der sprichwörtlichen Pünktlichkeit und Gründlichkeit, mit Fleiß und Disziplin?

Sie kommen aus Schottland und Kamerun, Ungarn und Iran, Finnland und England: Sechs Einwanderer erzählen, welche Verhaltensweisen sie im Beruf typisch deutsch finden.

Neal Bett (28) aus Schottland ist Elektriker in Hamburg.

"In Deutschland bist du nur das wert, was auf dem Papier steht. Man braucht für jeden Bereich, in dem man arbeiten will, eine bestimmte Ausbildung. Ich habe in Großbritannien beispielsweise auch erfolgreich als Servicetechniker für Sicherheits- und Alarmanlagen gearbeitet, aber das interessiert hier niemanden. Immer wieder erfahre ich, dass es überhaupt nicht darauf ankommt, was man eigentlich kann. Ich würde hier gern wieder in der Sicherheitsbranche arbeiten, aber man gibt mir keine Chance."

Ilpo Kauppinen (35) aus Finnland ist Doktorand und Migrationsforscher in München.

"Mir fällt oft auf, dass Deutsche sehr gründlich diskutieren - und sehr ehrlich dabei sind. Deutsche erklären ausführlich, warum sie denken, wie sie denken. Bei der Arbeit mit Kollegen, ebenso in der Freizeit, beim Bier. In meiner Heimat ist das auch so: Finnen und Deutsche sagen offen, wenn sie unterschiedlicher Meinung sind."

Dora Papp (27) aus Ungarn arbeitet als Tui-Trainee - zuletzt in Hannover, nun in Barcelona.

"In Deutschland sitzt man ständig in Meetings. An manchen Montagen war ich bis drei oder vier Uhr noch nicht an meinem Schreibtisch. In Ungarn haben wir das nicht. Es mag nicht immer nötig sein, geht aber manchmal schneller, als 100 E-Mails zu schreiben. Und so weiß man wenigstens, was die anderen machen. Die Kollegen sind direkter, es gibt weniger Small Talk - das ist effektiver. Dafür sind Arbeit und Privates stärker getrennt. Und: Für alles muss in Deutschland ein Prozess definiert werden. Das kann nervig sein, aber es macht meine Arbeit so viel einfacher."

James Howarth (27) aus England ist Physiker im Forschungszentrum Desy in Hamburg.

"Meine deutschen Arbeitskollegen reden mit Nichtmuttersprachlern sehr gern übers Deutschlernen, das erlebe ich jeden Tag. Sie meinen es nie böse und wollen nur helfen. Die genauen Regeln, wann man etwa welchen Artikel verwendet, kennen sie aber auch nicht und sagen dann nur: 'Tja, das muss man fühlen.' Jemanden nicht zu korrigieren, der etwas falsch ausspricht - das scheinen Deutsche einfach nicht auszuhalten. Wir machen sogar ein Spiel daraus: Sprich fünf Minuten lang auf Deutsch mit einem Deutschen, ohne dass der dich verbessert. Wer das schafft, der kann's wirklich. Ich werde immer korrigiert, wenn ich 'Brötchen' sage. Das 'ch' im Deutschen ist ein echter Zungenbrecher."

Willy Motion (32) aus Kamerun ist Software-Entwickler in Braunschweig.

"Typisch deutsch? Details sind Deutschen sehr wichtig, alles wird genau spezifiziert. Beim Kennenlernen oder wenn ich von jemandem erzähle, reicht nicht einfach der Name. Sofort kommt die Rückfrage: Wer ist das? Wo kommt er her, was macht er so? Zu allem, was man tut, gibt es einen detaillierten Ausdruck. Man geht nicht einfach nach Dortmund, man muss klar sagen, ob man fliegt, mit dem Zug oder mit dem Auto fährt. Typisch deutsch ist es auch, explizit danach zu fragen."

Ladan Fard-Samiei (33) aus Iran ist Entwicklungsingenieurin bei Bosch in Stuttgart.

"Deutsche sind sehr diszipliniert: Sie haben ein Ziel, bereiten alles vor, dann legen sie los. Sie sind fleißig und geben nie auf, wie die Fußballnationalmannschaft. Die Deutschen sind Perfektionisten, sie wollen erfolgreich sein. Aber zu viel Perfektionismus ist auch nicht gut, denn gerade aus Fehlern kann man lernen. Daher verbessern Deutsche ihre Prozesse, statt einen Schuldigen zu suchen. Und sie legen Wert auf Pünktlichkeit. Meetings fangen pünktlich an und enden auch pünktlich. Dann klopfen die nächsten Kollegen an die Tür - schon ist Schluss."

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insgesamt 218 Beiträge
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1.
nightwatchman 07.07.2015
Meiner Erfahrung nach haben Ausländer sehr häufig ein deutlich besseres und entspannteres Bild von uns Deutschen als wir selbst. Woran das wohl liegen mag ?
2.
taglöhner 07.07.2015
Individuelle Aussenansichten auf "uns" sind eigentlich immer interessant. Dieser Flachartikel ist jedoch bemerkenswert gehaltlos geraten.
3. Seltsame Kollegen in HH
CommonSense2006 07.07.2015
Wenn man am Desy in HH arbeitet, geh ich mal davon aus, dass man eine Promotion hat oder daran gerade arbeitet. Da finde ich es schon sehr seltsam, wenn man dann die Regeln der deutschen Sprache nicht kennt und einem Ausländer nicht erklären kann.
4. Wunderbar!
kanzlerkandidat 07.07.2015
So viele positive Meinungen über die Deutschen macht ja manchem so glücklich! Aber macht doch davon eine Studie und fragt mehr Migranten in Ballonräume Wie Frankfurt wo sie ausgebeutet und unter unmenschliche Bedingungen arbeiten müssen, die Menschen die auf Bau arbeiten, die Menschen bei der Müllabfuhr! Die ein paar Informatiker sind nicht repräsentative! Fragt die Migranten die mehr als 20 Jahren in eine Firma, bei der Stadt, oder in Bildungsbereich arbeiten, fragt sie danach warum die Deutschen versuchen deren Karriereweg immer anschneiden und sie zurück drängen! Fragt sie nach dem Glück in Deutschland! Tja, dann wird ihr erst die Wahrheit hören, und manche Deutsche würde hier sagen, wenn es die nicht gefällt, dann fahre doch in deiner Heimat zurück!
5. Nun ja dann scheinen
Susiisttot 07.07.2015
ja zumindest beim Berliner Flughafen keine Deutschen zu arbeiten, so von wegen Ziel, vorbereiten und loslegen. Trifft auch auf viele andere Baustellen in Deutschland zu.
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