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Erste Hilfe Karriere Nicht unter meiner Würde

Comicfigur im Themenpark: Kein schöner Job, aber ein bezahlter Zur Großansicht
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Comicfigur im Themenpark: Kein schöner Job, aber ein bezahlter

Lieber einen miesen Zwischenjob als lange arbeitslos: An diesem Rat zweifeln nicht zuletzt Berufseinsteiger. Was, wenn man so die Weichen falsch stellt? Bewerbungshelfer Gerhard Winkler erklärt, wie man selbst einen holprigen Übergang ins Berufsleben erhobenen Hauptes meistert.

Arbeit ist nicht immer sexy. Mit Sex hat Arbeit aber etwas gemeinsam: Was der eine sich kaum mehr zutraut, ist dem anderen bereits eine Zumutung. Sollte man als Berufseinsteiger in den sauren Apfel beißen und sich unterhalb der eigenen Möglichkeiten verpflichten? Ist es aus Gründen der Hipness unmöglich, nicht bei PwC die Karriere zu starten? Alles geht, solange man dabei eine gute Figur macht.

Während man studiert, richtet man sich zwischen dem Provisorischen und dem Prekären ein. Vor allem stören weder berufliche Verpflichtungen noch Karrierezwänge die weitgehend entfremdungsfreie Selbstentfaltung. Klar probiert man aus, wie es sich anfühlt, dann und wann ein bisschen die Muskeln zu zeigen. Man punktet in den Klausuren und bildet in den Praktika seine berufstypischen Qualitäten aus. Die meisten nehmen nebenbei auch miese kleine Jobs an, die schneller wieder vergessen sind, als man das dort verdiente Geld ausgibt.

Selbst wer als Werkstudent über Semester hinweg ein Zubrot verdient und sich in eine Arbeitsumgebung einblendet, empfindet die Differenz, die einen vom Zeitarbeiter oder gar vom Stammpersonal trennt. Bei aller Solidarität in der Crew: Man selbst wird sich nach dem Studium doch anderweitig, auf einer anderen Ebene beschäftigen.

Muss ich etwa zurück in mein Jugendzimmer?

Die Zeiten waren zuletzt aber nicht so, dass auch der blasse Normalabsolvent anstrengungslos in eine Pole Position hineinrutschen konnte. Sie kommen vielleicht auch nicht so schnell wieder. Vor dem Studienabschluss verdichten sich die Fragen:

  • Was habe ich da überhaupt studiert?
  • Versteht das ein Jobanbieter?
  • Reichen meine Noten aus?
  • Wirkt mein Lebenslauf auch reichhaltig, knackig und frisch?
  • Strahle ich eine praxistaugliche Aura aus?
  • Werde ich überhaupt in meinem Fachbereich landen?
  • Oder schickt mich ein hinterhältiges Schicksal zurück in mein Jugendzimmer?

Wie schon vor Jahrzehnten gilt, dass die Ingenieure eher zuversichtlich, die Mediziner gleichmütig und die BWLer betont forsch nach vorn schauen. Studierende aus den Sozialwissenschaften kommen an keinem Taxi vorbei, ohne dass sie den Fahrer nachdenklich mustern: "Was mag er studiert haben?"

Erste Hilfe Karriere
Diese Experten schreiben wöchentlich wechselnd im KarriereSPIEGEL über Bewerbungen, Karriere und die Wechselfälle des Berufslebens: Gerhard Winkler, Svenja Hofert, Martin Wehrle, Uta Glaubitz (von links oben nach rechts unten)

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Egal welches Studienfach man gewählt hat: Der Studienerfolg und die erworbene Frustrationstoleranz machen den Joberfolg wahrscheinlicher. Zum späteren glatten Einstieg trägt es sicher bei, wenn man schon als Erstsemester den Jobmarkt im Auge behält und die Daten ständig auswertet. Wer sind die Arbeitgeber? Wie sind sie drauf? Was posten deren Mitarbeiter in den Foren? Was schreiben die Fachblätter und die Wirtschaftspresse? Was äußern die Leute, die an den Stellschrauben drehen? Positionieren Sie sich in Hörweite. Sie lernen fürs Leben.

Das Feld, das er im Job beackern will, betritt ein vorausschauender Studierender so früh wie möglich. Keine Angst, dass man sich damit festnagelt und die Optionen verscherzt! Es fällt dem Praktiker allemal leichter, sich am Studienende neu zu justieren. Überhaupt stimmen Sie mit vorzeigbarer Praxistauglichkeit auch hartgesottene Jobanbieter um. Finden Sie schon im Studium einige Förderer und Unterstützer, die Ihnen Türen öffnen. Erwarten Sie nicht, dass man Sie auch hindurch trägt.

Die Suche nach warmer Kleidung

Mit dem akademischen Abschluss haben Sie im Normalfall alles bestens eingetütet, um als Berufsanfänger loszulegen. Dennoch sollten Sie alle berufsförderlichen Zusatzkurse, Workshops und Einführungen an der Hochschule mitnehmen. Sich sogleich nach dem Abschluss fortzubilden, gleicht der Suche nach warmer Kleidung, nachdem man sich gerade eine Jacke übergestreift hat.

Streuen Sie breit, wenn Sie dem Jobmarkt nicht trauen. Schneidern Sie zugleich Ihre Anschreiben passgenau zu. Damit angeln Sie nach den Jobs, die Sie sich gerade noch zutrauen. Offerten der zweiten oder gar dritten Wahl nimmt man gleichfalls mit. Und man stellt sich zugleich bei eher unattraktiven Jobanbietern vor.

Steuern Sie, falls bei einer Flaute auf dem Jobmarkt gar nichts gehen will, wieder Ihre Uni für einen Master-Abschluss oder eine Promotion an. Oder machen Sie qualifizierte Arbeit für mau. Wenn es denn gar nicht anders geht, erledigen Sie eben undankbare Tätigkeiten für einen Lohn, der Ihnen Tränen in die Augen treibt. Erweitern Sie drastisch den Suchradius und testen Sie aus, wo Sie mit Ihrem Abschluss sonst noch reinkommen.

Ob berufliche Richtungsentscheidungen karrieretechnisch weise waren, entscheidet sich erst bei der Endabrechnung. Man kann aber alles, auch das Geringste, zu jeder Zeit machen, wenn man das Beste daraus macht und sich dabei so positioniert, dass man eine bessere Gelegenheit nicht nur in Sicht-, sondern in Griffweite erwischt.

Schleppen Sie Kohle, um ein bisschen Kohle zu machen. Oder montieren Sie so lange Windräder, bis der Wind sich wieder günstig dreht. Bedienen, Servieren, Kassieren, Verkaufen und ähnliche undankbare Dienstleistungen sind Karrierekiller, wenn man nach dem akademischen Abschluss in der unteren Linie hängen bleibt. Servieren Sie gekonnt und machen Sie zugleich, dass Sie gut fortkommen.

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insgesamt 9 Beiträge
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1. Arbeit - um jeden Preis?
Michael Giertz 23.09.2011
Zitat von sysopLieber einen miesen Zwischenjob als lange arbeitslos:*An diesem Rat zweifeln nicht zuletzt *Berufseinsteiger. Was, wenn man so die Weichen falsch stellt? Bewerbungshelfer Gerhard Winkler erklärt, wie man selbst einen holprigen Übergang ins Berufsleben erhobenen Hauptes meistert. http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/0,1518,787905,00.html
Im Kern stimmt's - man sollte lieber schaffen gehen, statt allzulang ohne dazustehen, und sei es nur, um die eigenen vier Wände zu finanzieren. Trotzdem gibt's ein paar Faktoren, warum man nur bestimmte Jobs machen sollte, andere dagegen nicht. 1. Geld Das liebe, liebe Geld. Vollzeitarbeit, die so wenig abwirft, dass man immernoch stempeln gehen oder gar einen Zweitjob annehmen muss, fallen eigentlich schonmal raus. Ziel sollte es mE sein aus der Abhängigkeit von staatlichen Leistungen zu kommen. Denn: nebst regelmäßiger Termine beim Fallmanager muss die Stütze immer wieder neu beantragt werden, man ist "arm trotz Arbeit". 2. Aufwand Wenn's nur ein "Zwischenjob" sein soll, möchte sich der Aufwand in Grenzen halten. Umziehen? Tabu - außer, es finden sich mehr potentielle Arbeitgeber im Fach und in der Region. Lange Strecken fahren? Grenzwertig, da abhängig von der Bezahlung. Mit Übernachtung? Auch hier wieder: abhängig von der Bezahlung, und man muss auch die Pflichten zu Hause lang genug liegen lassen können. 3. Fachfremd oder doch lieber im Fach bleiben? Kommt immer drauf an, wie lange man im "Zwischenjob" hängen bleibt. Als Regel hier gilt: "nix hält länger als ein Provisorium". Der Zwischenjob kann schnell zu etwas langfristigem werden. Man sammelt in einem fachfremden Job aber keine Erfahrungen für das eigentliche Fachgebiet. Läuft der Job ewig und drei Tage, wird man u.U. sogar wie ein "Quereinsteiger" behandelt, wenn man einen fachnahen Arbeitsplatz antritt. Wenn man also nicht sowieso quereinsteigen will, sollten fachfremde Jobs wirklich nur kurzfristig bleiben und fleißig weiter Bewerbungen geschrieben werden. Anekdote hier: meine Schwester, gelernte Garten-Landschaftsbauerin, hat regelmäßig mit "Saisonarbeitsplätzen" zu tun. Als "Zwischenjob" war mal der schlecht bezahlte Job bei einem bekannten Baumarkt angedacht - am Ende waren es über 12 Monate. Dank höchstflexibler Arbeitszeiten konnte sie sich aber in der Zeit nicht andersweitig bewerben, es wurde bisweilen auch an 6 Tagen gearbeitet. Arbeitspläne wurden im Wochenrhytmus geschrieben, Planung unmöglich. Der "Zwischenjob", der höchstens 3, 4 Monate gehen sollte, lief also wesentlich länger und wäre sogar noch weitergelaufen, wenn es nicht irgendwann doch ein passables Angebot gehabt hätte. 4. Fachnähe Ähnlich wie Punkt 3 - nur gehts hier um einen fachähnlichen Job. Wie nah liegt fachlich der neue Arbeitsplatz? Ein Elektrotechniker kann auch eine Weile als Geselle für einen Elektriker arbeiten oder sich als Elektroniker verdingen. Oder als Messtechniker schaffen oder in die IT reinschnuppern, das Feld ist breit gefächert. Und alles dient dazu, die Erfahrungen zu steigern. So zumindest sind meine Erfahrungen.
2. Bewerben heisst für sich Werbung machen
abby_thur 23.09.2011
" Bedienen, Servieren, Kassieren, Verkaufen und ähnliche undankbare Dienstleistungen sind Karrierekiller, wenn man nach dem akademischen Abschluss in der unteren Linie hängen bleibt." Würde ich nicht so sehen.Ich denke mal nicht, dass es einen guten Eindruck macht, nach dem Studium jahrelang arbeitslos zu sein. Danm zeige ich doch lieber, dass ich mich durchsetzen kann. Grade im Dienstleistungssektor kann ein intelligenter junger Mensch schnell aufsteigen. Schade finde ich bei dem Artikel jedoch, dass hier nur Akademiker besprochen werden. Richtig schwer ins Berufsleben einzusteigen haben es doch eher die frisch ausgebildeten Facharbeiter.
3. Gegen SPON-Zensur!
kfp 23.09.2011
Zitat von sysopLieber einen miesen Zwischenjob als lange arbeitslos:*An diesem Rat zweifeln nicht zuletzt *Berufseinsteiger. Was, wenn man so die Weichen falsch stellt? Bewerbungshelfer Gerhard Winkler erklärt, wie man selbst einen holprigen Übergang ins Berufsleben erhobenen Hauptes meistert. http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/0,1518,787905,00.html
Gibt es eigentlich irgendeinen wirklichen Vorschlag in diesem Artikel außer 0815-Standard-Phrasen und Heuchelei? Man muss sich also so früh wie möglich mit dem Arbeitsmarkt vertraut machen, sich dann möglichst auf alles, was passen könnte, bewerben und möglichst auch noch ein zur Stelle passendes Anschreiben anfertigen? Wirklich? Auf sowas Geniales wäre kein Student selbst gekommen. Und wenn diese tollen Tipps dann nichts helfen, muss man sich eben noch ein paar Jährchen weiter an der Uni parken oder eben jede Drecksarbeit annehmen und hoffen, dass man schnell was Besseres findet, bevor man lebenslang zum Kellner oder Taxifahrer abgestempelt ist. Aha... Warum nicht gleich zugeben, dass es keine Garantien gibt? Hier wird eine Generation zum Schleimen und Schaumschlagen und sich-für-keinen-Appel-und-nicht-mal-ein-Ei-Verkaufen herangezogen, wo es am Ende dann trotzdem Glücksache ist, ob ein Job dabei rausspringt. Die Glücklichen, die es geschafft haben, lernen dabei, dass sie einfach toll sind und dass die dummen anderen eben nicht wissen, wie man sich verkauft. Und die dummen anderen lernen, sich zu biegen und beugen, bis es immer noch nicht gut genug ist, und lernen so die richtigen Persönlichkeitsmerkmale, um lebenslanges H4 geduldig und ohne Aufmüpfen hinzunehmen...
4. Deswegen
Michael Giertz 23.09.2011
Zitat von abby_thur" Bedienen, Servieren, Kassieren, Verkaufen und ähnliche undankbare Dienstleistungen sind Karrierekiller, wenn man nach dem akademischen Abschluss in der unteren Linie hängen bleibt." Würde ich nicht so sehen.Ich denke mal nicht, dass es einen guten Eindruck macht, nach dem Studium jahrelang arbeitslos zu sein. Danm zeige ich doch lieber, dass ich mich durchsetzen kann. Grade im Dienstleistungssektor kann ein intelligenter junger Mensch schnell aufsteigen. Schade finde ich bei dem Artikel jedoch, dass hier nur Akademiker besprochen werden. Richtig schwer ins Berufsleben einzusteigen haben es doch eher die frisch ausgebildeten Facharbeiter.
Deswegen hab ich ja meinen Beitrag aus Sicht eines Facharbeiters -> Technikers geschrieben. Da sind fachfremde Tätigkeiten richtige "Karrierekiller", wenn man net rechtzeitig wieder ins Fach zurückkehrt.
5. Es gibt noch den gesunden Menschenverstand
README.TXT 23.09.2011
Zitat von kfpGibt es eigentlich irgendeinen wirklichen Vorschlag in diesem Artikel außer 0815-Standard-Phrasen und Heuchelei? Man muss sich also so früh wie möglich mit dem Arbeitsmarkt vertraut machen, sich dann möglichst auf alles, was passen könnte, bewerben und möglichst auch noch ein zur Stelle passendes Anschreiben anfertigen? Wirklich? Auf sowas Geniales wäre kein Student selbst gekommen. Und wenn diese tollen Tipps dann nichts helfen, muss man sich eben noch ein paar Jährchen weiter an der Uni parken oder eben jede Drecksarbeit annehmen und hoffen, dass man schnell was Besseres findet, bevor man lebenslang zum Kellner oder Taxifahrer abgestempelt ist. Aha... Warum nicht gleich zugeben, dass es keine Garantien gibt? Hier wird eine Generation zum Schleimen und Schaumschlagen und sich-für-keinen-Appel-und-nicht-mal-ein-Ei-Verkaufen herangezogen, wo es am Ende dann trotzdem Glücksache ist, ob ein Job dabei rausspringt. Die Glücklichen, die es geschafft haben, lernen dabei, dass sie einfach toll sind und dass die dummen anderen eben nicht wissen, wie man sich verkauft. Und die dummen anderen lernen, sich zu biegen und beugen, bis es immer noch nicht gut genug ist, und lernen so die richtigen Persönlichkeitsmerkmale, um lebenslanges H4 geduldig und ohne Aufmüpfen hinzunehmen...
Genau das denke ich auch.
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Gerhard Winkler arbeitet als Trainer und Bewerbungshelfer in Berlin. Er bloggt regelmäßig auf www.jova-nova.com.
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