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Existenzgründer Der Boss, das bin ich!

Sein eigener Chef sein - manchmal braucht es nur den richtigen Auslöser, um den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen. Aber wo gibt es Startkapital? Wie fängt man an - und hält durch? Vier couragierte Firmengründer erzählen, wer ihnen half, was sie antreibt und nervt.

Es geht mit BHs oder Computerspielen, man kann es aber auch mit Bildern oder Regenschirmen wagen: ein Unternehmen gründen. Sein eigener Chef werden. Laut KfW-Gründungsmonitor haben sich im vergangenen Jahr 936.000 Menschen selbständig gemacht, allerdings nur 396.000 im Hauptberuf.

Die Finanzierung ist oft der Knackpunkt. Wenn es eine tragfähige Idee gibt, bleibt immer noch die Frage: Wie lässt sie sich finanzieren - wovon leben, bis es hoffentlich läuft? Gründerzuschuss, Existenzgründerprogramme, KfW-Kredite, Gründerfonds - es gibt zahlreiche Geldtöpfe, die man anzapfen kann. Vier Existenzgründer erzählen, wie sie es gemacht haben.

  • Carolyn Bendahan, 38, verkauft mit Braviange Dessous nach Maß

"Auf die Idee kam ich mit neun Jahren zusammen mit meiner Oma. Die hat immer erzählt, dass sie nach dem Krieg Anprobemodell für eine Gräfin war. Wenn die Adeligen sich etwas anfertigen ließen, wollten sie nicht immer zur Anprobe kommen und haben sich jemanden mit den gleichen Proportionen als Körperdouble gesucht. Das hat mich total fasziniert, außerdem liebte ich ihre Unterröcke und Nachtwäsche - das brachte uns auf die Idee.

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Maria Huber

Ich wollte nie mehr etwas anderes werden als Schneiderin für Unterwäsche. Erst einmal machte ich eine Schneiderlehre, eine Ausbildung zur Schnitttechnikerin und studierte in Hamburg Bekleidungstechnik. Jedes Mal überlegte ich: Ist jetzt der Zeitpunkt, mich selbständig zu machen? Immer wieder war die Antwort: nein. Erst fühlte ich mich nicht reif genug, dann war vor einigen Jahren die Stimmung so, dass man viele billige Teile kaufte und sie einfach wegwarf. Nachhaltigkeit und den Wunsch, lieber eine hochwertige Sache zu kaufen, gab es da noch nicht.

Nach dem Studium habe ich einen Job bei Jil Sander angenommen. Mehr und mehr hat sich verfestigt, dass ich das nicht mein Leben lang machen möchte. 2006 dachte ich dann: Okay, jetzt bin ich so weit, bereit für meine Firma Braviange. Da gab es kein Zurück mehr.

Auf einem Info-Tag für Gründer bin ich auf das Hamburger Existenzgründungsprogramm HEP gestoßen, für Gründer, die an Hamburger Hochschulen studiert haben. Bewerbung, Antrag, Gespräch - danach floss die Förderung. Inklusive aller Verlängerungen gab es ein Jahr lang 1500 Euro im Monat.

Nächstes Ziel: Kollektion für Bademode

Genauso wichtig war für mich, dass es regelmäßig Themenabende gab, zum Beispiel zur Buchhaltung. Und dass ich wusste, ich kann da jederzeit mit jedem Mist ankommen. Ich habe dort sehr persönliche Unterstützung bekommen und kam mir nie vor wie ein dämlicher Bittsteller. Noch heute rufe ich da bei Fragen gern an, und man hilft mir gern.

Eigentlich fördert das HEP eher technische Innovationen, bei mir hat wohl die Kombination von Handwerk und Technik überzeugt. Ich nutze ein spezielles Computerprogramm und habe alle Schnitte ein Jahr lang konstruiert. Wenn eine Kundin kommt, brauche ich nur noch ihre Maße einzugeben und die Dessous individuell anzupassen.

Für eine spezielle Nähmaschine und Einrichtung habe ich noch einen Kredit über 15.000 Euro aufgenommen. Es ist wohl typisch weiblich, eher niedrig zu kalkulieren - nicht so gut. Eine Freundin hat mir auch gesagt: 'Du musst höher kalkulieren.' Eigentlich sollte man den geschätzten Bedarf immer mal drei nehmen. Denn später bei der Bank anzukommen, weil man jetzt doch noch mal 10.000 Euro braucht, das kommt nicht so gut. Frauen müssen da oft notfallplanvorausschauender sein. Männer sagen: Lass mal aufrunden. Das Frauen-Motto: Die Vorhänge kann ich auch selber nähen. Dabei vergisst man oft, dass all das Arbeitszeit ist, in der man Geld verdienen müsste.

Heute läuft es sehr gut, ich habe ein paar interessante Nischen besetzt, mache unter anderem Show-Outfits für Bodybuilderinnen. Mein Ziel ist es jetzt, mich mal richtig freizuschwimmen und eine Kollektion für Bademode zu machen.

Wann das klappen wird? Keine Ahnung. Für eins muss man sich aber immer Zeit nehmen: rumspinnen."

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Sind all diese Hürden genommen, kann der Gründer zunächst neun Monate den Zuschuss in Höhe des zuletzt gezahlten Arbeitslosengeldes und 300 Euro zur sozialen Absicherung bekommen. Sofern das Geschäft nachweislich läuft, sind für weitere sechs Monate 300 Euro möglich. Wer den alten Job selbst kündigt, muss mit einer mehrwöchigen Sperrfrist rechnen.
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Das Stipendium beträgt monatlich 2500 Euro für promovierte Gründer, 2000 Euro für Absolventen und 800 Euro für Studenten. Bis zu 10.000 Euro kann es außerdem für Sachausgaben geben, darüber hinaus gibt es maximal 5000 Euro für Coaching. Die maximale Förderdauer beträgt ein Jahr. Bereits gegründete Unternehmen fördert Exist nicht. Den Antrag muss die Forschungseinrichtung stellen, die auch die Fördermittel verwaltet.

In Hamburg gibt es das an Exist angelehnte Hamburger Existenzgründungsprogramm HEP, das Absolventen aus Hamburger Hochschulen fördert. Hier wurde die finanzielle Förderung eingestellt, HEP bietet aber weiterhin angehenden Unternehmern ideelle Förderung und berät bei der Beantragung des Exist-Stipendiums.
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