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12. Dezember 2012, 11:48 Uhr

Fachkräftemangel

Personalchefs patzen im Kampf um klügste Köpfe

Von Martin Hintze

Deutsche Unternehmen suchen verzweifelt Ingenieure und Programmierer. Was tun die Personalabteilungen? Offenbar viel zu wenig. Das zeigt eine aktuelle Studie. Allzu häufig vertrauen Personaler auf das alte Rezept: Stellenanzeige schalten - und beten.

Über nichts klagen deutsche Unternehmen so zuverlässig wie den Fachkräftemangel: Sie haben gravierende Probleme, offene Stellen passend zu besetzen und begründen damit alle möglichen Erleichterungen, die sie sich deshalb von der Politik wünschen.

Sie selbst tun jedoch viel zu wenig, um die Situation zu verbessern. Das zeigt die Studie "HR Strategie & Organisation 2012/13" der Unternehmensberatung Kienbaum, die manager magazin online vorliegt.

Der akute Mangel habe gravierende Folgen, warnen Unternehmen und Wirtschaftsverbände stets unisono. Im vergangenen Jahr habe die deutsche Wirtschaft einen Wertschöpfungsverlust von acht Milliarden Euro erlitten, weil monatlich 92.000 offene Ingenieursstellen nicht besetzt wurden. Das zumindest hat der Ingenieursverband VDI und das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) errechnet.

Wie groß der Mangel wirklich ist, ist allerdings umstritten. Die Schreckenszahlen des VDI sind immer wieder in Zweifel gezogen worden: Wenn der Mangel wirklich so groß sei, müssten die Gehälter in den betroffenen Berufen viel deutlicher steigen. Offenbar konnte der Bedarf zumindest 2011 weitgehend gedeckt werden.

Kienbaum befragte für die Untersuchung 240 größtenteils international agierende Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Zunächst ging es um die Sorgen und Probleme der Unternehmen. Vor allem die Automobilindustrie hat Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von passenden Ingenieuren, das gaben 82 Prozent der befragten Autobauer an.

Noch gravierender sind die Zahlen im Bereich Ingenieurswesen, Technik und Hightech. Dort klagen beinahe alle Unternehmen (95 Prozent) über die Bewerberlage. Auch die Sektoren Transport- und Logistik (75 Prozent), Versorger (62 Prozent) sowie Maschinen- und Anlagenbauer (59 Prozent) finden demnach keine Ingenieure. "Was jahrelang als Bedrohung galt, ist operativ in nahezu allen Unternehmen angekommen, unabhängig von Größe und Branche", sagt Thomas Faltin, Direktor für Personalstrategie und -organisation bei Kienbaum.

Auch bei IT-Fachkräften gilt der Bedarf als hoch. Laut der Kienbaum-Studie fehlen sie besonders in Verlagen, wo sie dringend für die Programmierung digitaler Angebote gebraucht werden. Vier von fünf Medienhäuser finden keine passenden Mitarbeiter. In den Branchen Telekommunikation, Handel und Logistik ist mehr als jedes zweite Unternehmen betroffen. Bei Banken und Versicherungen sowie in der Chemie- und Pharmaindustrie jedes dritte.

Online-Netzwerke werden kaum genutzt

Konkret bemängeln die Arbeitgeber, dass sie zu wenige und zu schlechte Bewerbungen auf Stellenausschreibungen erhalten. Branchenübergreifend bekommen lediglich 16 Prozent der Unternehmen so viele Mappen auf den Tisch, dass sie optimal zwischen den geeigneten Anwärtern auswählen können. Mehr als ein Drittel der Befragten klagt zudem über eine Verschlechterung der Qualität der Bewerbungen. Im Gesundheits- und Sozialwesen sind es sogar drei Viertel.

Trotz der erheblichen Schwierigkeiten, mit denen sich die Unternehmen konfrontiert sehen, greifen nur wenige zu sinnvollen Gegenmaßnahmen, so die Studie. Die große Mehrheit bleibt passiv und setzt weiterhin auf die Variante, Stellenanzeigen auf der eigenen Website oder auf Jobbörsen zu schalten und dann abzuwarten. "Diese passiven Kanäle haben jedoch stark an Wirkung verloren", sagt Kienbaum-Experte Faltin.

Business-Netzwerke wie Xing oder Linkedin tauchen auf dem Radar der Personalabteilungen bislang nicht auf. Einzige Ausnahme: die IT- und Telekommunikationsbranche. Sie nutzt die Netzwerke aus dem naheliegenden Grund, dass sich IT-Profis besonders häufig dort tummeln.

"Pool an Talenten vorhalten"

Bei privaten sozialen Netzwerken wie Facebook oder Google+ sieht es kaum besser aus. Lediglich ein Drittel der Firmen wirbt dort um neue Mitarbeiter. Nur bei Logistikunternehmen sind es etwa doppelt so viele. Immerhin planen rund 30 Prozent, soziale Netzwerke zukünftig für die Rekrutierung einzusetzen.

Vier von fünf Unternehmen sind der Meinung, dass eine überdurchschnittliche Arbeitgeberattraktivität in Zukunft ausschlaggebend für den Erfolg sein wird. Das Schlagwort dazu lautet "Employer Branding", also der Aufbau einer präsenten Marke des Unternehmens als Arbeitgeber. Allerdings glauben nur 41 Prozent der Firmen, für Bewerber attraktiv zu wirken.

Große Lücken klaffen auch bei der Kompetenz der Personaler. In puncto Karriere- und Nachfolgemanagement sowie der strategischen Nachfolgeplanung und dem Controlling sehen die Berater von Kienbaum Schwächen.

Der Sektor Handel schneidet hier noch am besten ab, das Gesundheits- und Sozialwesen am schlechtesten. "Die Personalabteilungen müssen sich viel früher Gedanken machen, welche Positionen für das Unternehmen kritisch sind und einen Pool an Talenten vorhalten", rät Faltin. Für viele Unternehmen dürfte das bedeuten: Die Personalstrategie muss völlig neu ausgerichtet werden.

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