ThemaWe Are Family - KarriereSPIEGELRSS

Alle Artikel und Hintergründe


  • Drucken
  • Senden
  • Nutzungsrechte
 

Familienbande Mein Vater, der Boss

2. Teil: Die Hoteliers - "Der wahre Chef im Haus ist sowieso meine Mutter"

Sohn Mayer: "Meinen Vater halte ich für fortschrittlich" Zur Großansicht
Marie-Charlotte Maas

Sohn Mayer: "Meinen Vater halte ich für fortschrittlich"

Stefan und Josef Mayer führen das Restaurant "Eiserner Ritter" in Boppard am Rhein

  • Stefan Mayer, 25:

"In das Hotelfach bin ich durch Zufall gekommen. Es war nicht mein Vater, der mich darauf gebracht hat, sondern einer unserer Gäste. Kurz nach meinem Schulabschluss fragte er mich, ob ich nicht Lust hätte, eine Koch-Ausbildung in einem Hotel in Freiburg zu machen. Die Idee gefiel mir, das Haus hatte einen sehr guten Ruf.

Im Familienbetrieb zu lernen, kam für mich nicht in Frage, denn entweder wird man dann ausgebeutet oder man faulenzt. Ich glaube, meine Eltern haben immer gehofft, dass ich eines Tages in unseren Landgasthof zurückkomme, gezwungen hätten sie mich aber nie. Meine Schwester hat sich nach einigem Überlegen doch gegen das Hotelfach entschieden, das war kein Problem für die Familie.

Die Arbeit ist für mich wie ein Hobby, ich mag den Umgang mit den Gästen. Um den Betrieb eines Tages ganz übernehmen zu können, habe ich nach der Koch-Ausbildung noch meinen Hotelbetriebswirt gemacht. Meine Eltern trauen mir viel zu, wie ein kleines Kind behandeln sie mich nie. Dazu trägt wohl auch bei, dass ich drei Jahre weg war aus der Heimat.

Meinen Vater halte ich für fortschrittlich. Schon heute akzeptiert er, dass ich Neuerungen einführe. Das mache ich ganz langsam - aber nicht wegen meines Vaters, sondern wegen der Gäste. Die mögen es eher traditionell. Es gibt Chefs, die nicht loslassen können, so ist mein Vater nicht. Er bevormundet mich nicht, das ist auch wichtig, schließlich soll ich eines Tages den Laden übernehmen.

Tipps nehme ich aber gern an. Letztlich muss man sagen, dass mein Vater und ich sowieso auf der gleichen Stufe stehen, denn der wahre Chef im Haus ist meine Mutter."

Restauranterbe Mayer: "Ich habe schon mit meinem Vater gearbeitet" Zur Großansicht
Marie-Charlotte Maas

Restauranterbe Mayer: "Ich habe schon mit meinem Vater gearbeitet"

  • Josef Mayer, 57:

"Als Stefan ins Geschäft einstieg, hatte ich keine Sorge, dass es schieflaufen könnte. Er hat seine Ausbildung in einem anderen Betrieb gemacht hat, das finde ich sehr gut. Ich hätte mir sogar gewünscht, dass er länger weg bleibt, aber Stefan ist sehr heimatverbunden. Der vorübergehende Abstand zum Familienbetrieb ist wichtig, damit man weiß, was man wirklich will. Hätte er nicht woanders gelebt und gearbeitet, ich hätte Angst gehabt, dass er eines Tages denkt, dass er etwas verpasst hat und den Laden von heute auf morgen verlässt.

Stefan hat viele neue Ideen. Das begrüße ich. Bei der Umsetzung geht es immer demokratisch zu. Er sagt dann: 'Lass uns das mal ausprobieren! Was hältst du davon?' Stefan hat zum Beispiel eine Facebook-Seite über unser Restaurant gestaltet und auf unserer Homepage ein Gästebuch angelegt.

Mit dem Aufeinandertreffen zweier Generationen habe ich Erfahrung: Ich selber habe schon mit meinem Vater gearbeitet, und hatte es damals wahrhaftig nicht so leicht. Ich erinnere mich gut an die Situation, als ich dafür plädierte, Fernseher in den Gästezimmern zu installieren. Er war strikt dagegen, das war ihm zu neumodisch.

Da hat es Stefan mit mir wirklich leichter: Kürzlich spielte er mit dem Gedanken, unsere Speisekarte auf einem iPad zu zeigen - ich finde das keine schlechte Idee. Ich gebe die Verantwortung gerne nach und nach ab."

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 7 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
kurap1ka 24.04.2012
Zitat von sysopMarie-Charlotte MaasErst wechseln sie die Windeln, dann setzen sie das Taschengeld fest - und werden am Ende zum Geschäftspartner: Kann es gutgehen, im Job mit den eigenen Eltern zusammenzuarbeiten? Drei Eltern-Kind-Paare erzählen, wie sie sich zusammenrauften. Und warum es zunächst krachte. http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/0,1518,829320,00.html
Ach diese schöne verkappte "deutschheit", die tatsächlich denkt siezen würde irgendeine Form der Professionalität ausstrahlen. Ich vertraue meinen Arzt, der mich duzt und nen Pulli trägt mehr wie jeden anderen. So eine Hochnäßigkeit, dass man nun zu gut ist um sich mit dem Personal auf einer persönlichen Ebene zu unterhalten ist irgendwie albern.
2. noch idiotischer wirds
nebenjobber 24.04.2012
Zitat von kurap1kaAch diese schöne verkappte "deutschheit", die tatsächlich denkt siezen würde irgendeine Form der Professionalität ausstrahlen. Ich vertraue meinen Arzt, der mich duzt und nen Pulli trägt mehr wie jeden anderen. So eine Hochnäßigkeit, dass man nun zu gut ist um sich mit dem Personal auf einer persönlichen Ebene zu unterhalten ist irgendwie albern.
wenn man jahrelang den Juniorchef duzt und dieser irgendwann aufs Sie umsteigen möchte. Auch dann noch, wenn er selbst damit größte Probleme hat und bei jeder 2.Ansprache wieder ins Du verfällt.
3. .
shark65 24.04.2012
Zitat von kurap1kaAch diese schöne verkappte "deutschheit", die tatsächlich denkt siezen würde irgendeine Form der Professionalität ausstrahlen. Ich vertraue meinen Arzt, der mich duzt und nen Pulli trägt mehr wie jeden anderen. So eine Hochnäßigkeit, dass man nun zu gut ist um sich mit dem Personal auf einer persönlichen Ebene zu unterhalten ist irgendwie albern.
Der Arzt steht ja auch nicht in einem Arbeitsverhältnis mit Ihnen. Das ist ja was ganz anderes. Ausserdem kommt es immer darauf an in welcher Branche zusammen arbeitet.
4.
taubenvergifter 24.04.2012
Zitat von kurap1kaAch diese schöne verkappte "deutschheit", die tatsächlich denkt siezen würde irgendeine Form der Professionalität ausstrahlen. Ich vertraue meinen Arzt, der mich duzt und nen Pulli trägt mehr wie jeden anderen. So eine Hochnäßigkeit, dass man nun zu gut ist um sich mit dem Personal auf einer persönlichen Ebene zu unterhalten ist irgendwie albern.
Die schlimmste Anrede ist m.E. das siezen beim Vornamen oder das duzen beim Nachnamen. Also: "Nicole, können Sie mal bitte." oder "Schmidt, komm mal her."
5. Das hat nichts mit Hochnäsigkeit zu tun....
silvine 24.04.2012
Zitat von kurap1kaAch diese schöne verkappte "deutschheit", die tatsächlich denkt siezen würde irgendeine Form der Professionalität ausstrahlen. Ich vertraue meinen Arzt, der mich duzt und nen Pulli trägt mehr wie jeden anderen. So eine Hochnäßigkeit, dass man nun zu gut ist um sich mit dem Personal auf einer persönlichen Ebene zu unterhalten ist irgendwie albern.
Ich bin selbst Junior-Chefin (wobei es diesen Posten ja grundsätzlich nicht gibt - also nennen wir es doch einfach Nachfolgerin ;) ) - in einem Familienbetrieb und ich habe es bis vor 12 Monaten mit dem Siezen und Duzen der Angestellten (!) nicht so genau genommn. Gerade bei unserem Azubi und bei Praktikanten war ich ganz schnell dabei, dass die mich duzen durften "Ich bin ja nicht meine Mutter und so kann man uns besser auseinanderhalten". Nach dem letzten Ausbildungsfiasko ist damit Schluss - ich habe gelernt und das hat um Gottes Willen nichts mit Hochnäsigkeit zu tun: Wenn man als Chef oder zukünftiger Chef einen Angestellten siezt, baut das eine gewisse Distanz auf. Zuviel Freundschaftlichkeit zwischen Chef und Angestellten kann dazu führen, dass man als Chef nicht mehr so durchgreifen kann, wie man es bei mehr Distanz tun würde - alleine eine Abmahnung ist bei einem "Freund" wirklich schwierig. Andersherum nehmen sich Angestellte, die den Chef duzen, mehr raus, als wenn weiterhin gesiezt wird. Das kann vielleicht nicht pauschalisiert werden, ist aber meine persönliche Erfahrung und deshalb wird in Zukunft Freundschaft und Job ganz strikt getrennt!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik KarriereSPIEGEL
RSS
alles aus der Rubrik Berufsstart
RSS
alles zum Thema We Are Family - KarriereSPIEGEL
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Wirtschaftsriesen: Die zehn größten deutschen Familienunternehmen
Verwandte Themen

Fotostrecke
Lockangebote für Nachwuchskräfte: Karriere in der Provinz

Fotostrecke
Zugeknöpft: Das Geheimnis der Feder

Social Networks