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Familienbande Mein Vater, der Boss

2. Teil: Die Chirurgen - "Gehen Sie zur Tochter, die ist noch netter"

Tochter Strunz: "Damals war ich noch 'Die Kleine'" Zur Großansicht

Tochter Strunz: "Damals war ich noch 'Die Kleine'"

Anette und Volker Strunz sind Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen in Berlin

  • Anette Strunz, 44:

"Hätte mir mit 15 Jahren jemand gesagt, dass ich eines Tages mit meinem Vater arbeiten würde, ich hätte es niemals geglaubt! Ich war sehr rebellisch in der Pubertät, aus Trotz habe ich entschieden, in keinem Fall Zahnmedizin oder Medizin zu studieren wie meine Eltern. Also bewarb ich mich für Biologie. Das habe ich dann nie angefangen, denn letztlich überwog das Interesse am Fach, und ich begann mein Medizinstudium.

In die Fußstapfen meines Vaters zu treten, kam damals immer noch nicht in Frage, erst während einer Station im Praktischen Jahr merkte ich, dass Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie mich interessieren. Also studierte ich mit 25 Jahren doch noch Zahnmedizin. Rückblickend ist es gut, dass wir früher ein sehr angespanntes Verhältnis hatten - umso besser funktioniert es heute mit unserer Zusammenarbeit. Wir ergänzen uns gut.

Während meines Zweitstudiums habe ich bereits bei meinem Vater in der Praxis gearbeitet, damals war ich für alle noch 'Die Tochter vom Chef' und 'Die Kleine'. Ich habe umgekehrt die Sprechstundenhilfen geduzt. Das würde ich heute nicht mehr machen. Für unser aktuelles Team sind wir beide gleichermaßen Ansprechpartner.

Heute holt sich auch mein Vater Tipps von mir

Allerdings in unterschiedlichen Bereichen. Mein Vater kümmert sich um die Finanzen und technische Fragen, wie die Anschaffung neuer Geräte. Ich übernehme emotionale Dinge, wie Gespräche mit unseren Mitarbeiterinnen und organisatorische Angelegenheiten, wie das Vorbereiten von Fortbildungsveranstaltungen für unsere überweisenden Zahnärzte und den Entwurf von Aufklärungsflyern.

Gerade am Anfang war ich sehr froh, dass mein Vater an meiner Seite war. Fragen stellt man der eigenen Familie leichter als einem Kollegen. Ich habe darauf geachtet, dass mein Vater bei den ersten größeren Operationen im Haus war, weil ich mich so sicherer fühlte. Auch heute noch frage ich ihn manchmal um seine Meinung, aber es passiert auch schon mal, dass er Tipps von mir haben möchte.

Wenn mein Vater heute sagen würde 'Ich gehe in den Ruhestand', käme ich allein zurecht. Aber ich bin mir ganz sicher, dass er mindestens einmal die Woche vorbeikäme, um zu sehen, wie es läuft."

Praxisgründer Strunz: "Die letzte Entscheidung liegt noch immer bei mir" Zur Großansicht
Marie-Charlotte Maas

Praxisgründer Strunz: "Die letzte Entscheidung liegt noch immer bei mir"

  • Volker Strunz, 67:

"Dass Anette heute mit mir arbeitet, finde ich herrlich. Ich hätte es aber auch akzeptiert, wenn sie etwas anderes gemacht hätte. Ich habe fünf Töchter, nicht alle sind Mediziner. Mir käme nie der Gedanke, meine Kinder beeinflussen zu wollen.

Dass Anette sich für die Praxis entschieden hat, macht mich aber glücklich. Wir sind ein gutes Team, im Paket besonders stark. Anette übernimmt die zwischenmenschlichen Dinge, das ist gut. Außerdem bedeutet ihre Anwesenheit für mich eine gewisse Sicherheit. Wenn ich nicht mehr kann oder will, ist jemand da, der weitermacht. Ich weiß, dass das, was ich investiere, am Ende nicht verloren ist, sondern in ihre Hände übergeht und fortgeführt wird. Das ist ein gutes Gefühl. An Ruhestand denke ich noch lange nicht, aber ich nehme mir hin und wieder einen Tag frei.

"Ich bin noch immer der Boss"

Mit Anettes Eintritt in die Praxis wurde alles ein bisschen moderner, sie hat zum Beispiel eine Homepage eingerichtet. Änderungen führt sie sehr geschickt eher schleichend ein, ich empfinde ihre Ideen aber grundsätzlich als bereichernd.

Ob ich noch immer der Boss bin? Ich muss gestehen, dass die letzte Entscheidung immer bei mir liegt. Das hänge ich nicht an die große Glocke, aber ich bin doch noch die letzte Instanz. Fachliche Differenzen und Konkurrenzgefühl gibt es nicht. Eitel sind wir wohl beide nicht. Jeder hat seine eigenen Patienten und auch sein Gebiet.

Anette hat sich auf Themen spezialisiert, über die ich wenig weiß. Ein Kollege sagt zu seinen Patienten, die er zu uns überweist, immer: 'Schauen Sie, dass Sie zur Tochter kommen, sie ist noch netter.' Das ärgert mich nicht, das macht mich stolz. Ich wusste von Anfang an, dass Anette Talent hat."

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insgesamt 7 Beiträge
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1.
kurap1ka 24.04.2012
Zitat von sysopErst wechseln sie die Windeln, dann setzen sie das Taschengeld fest - und werden am Ende zum Geschäftspartner: Kann es gutgehen, im Job mit den eigenen Eltern zusammenzuarbeiten? Drei Eltern-Kind-Paare erzählen, wie sie sich zusammenrauften. Und warum es zunächst krachte. Familienbande: Mein Vater, der Boss - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/0,1518,829320,00.html)
---Zitat--- Ich habe umgekehrt die Sprechstundenhilfen geduzt. Das würde ich heute nicht mehr machen. ---Zitatende--- Ach diese schöne verkappte "deutschheit", die tatsächlich denkt siezen würde irgendeine Form der Professionalität ausstrahlen. Ich vertraue meinen Arzt, der mich duzt und nen Pulli trägt mehr wie jeden anderen. So eine Hochnäßigkeit, dass man nun zu gut ist um sich mit dem Personal auf einer persönlichen Ebene zu unterhalten ist irgendwie albern.
2. noch idiotischer wirds
nebenjobber 24.04.2012
Zitat von kurap1kaAch diese schöne verkappte "deutschheit", die tatsächlich denkt siezen würde irgendeine Form der Professionalität ausstrahlen. Ich vertraue meinen Arzt, der mich duzt und nen Pulli trägt mehr wie jeden anderen. So eine Hochnäßigkeit, dass man nun zu gut ist um sich mit dem Personal auf einer persönlichen Ebene zu unterhalten ist irgendwie albern.
wenn man jahrelang den Juniorchef duzt und dieser irgendwann aufs Sie umsteigen möchte. Auch dann noch, wenn er selbst damit größte Probleme hat und bei jeder 2.Ansprache wieder ins Du verfällt.
3. .
shark65 24.04.2012
Zitat von kurap1kaAch diese schöne verkappte "deutschheit", die tatsächlich denkt siezen würde irgendeine Form der Professionalität ausstrahlen. Ich vertraue meinen Arzt, der mich duzt und nen Pulli trägt mehr wie jeden anderen. So eine Hochnäßigkeit, dass man nun zu gut ist um sich mit dem Personal auf einer persönlichen Ebene zu unterhalten ist irgendwie albern.
Der Arzt steht ja auch nicht in einem Arbeitsverhältnis mit Ihnen. Das ist ja was ganz anderes. Ausserdem kommt es immer darauf an in welcher Branche zusammen arbeitet.
4.
taubenvergifter 24.04.2012
Zitat von kurap1kaAch diese schöne verkappte "deutschheit", die tatsächlich denkt siezen würde irgendeine Form der Professionalität ausstrahlen. Ich vertraue meinen Arzt, der mich duzt und nen Pulli trägt mehr wie jeden anderen. So eine Hochnäßigkeit, dass man nun zu gut ist um sich mit dem Personal auf einer persönlichen Ebene zu unterhalten ist irgendwie albern.
Die schlimmste Anrede ist m.E. das siezen beim Vornamen oder das duzen beim Nachnamen. Also: "Nicole, können Sie mal bitte." oder "Schmidt, komm mal her."
5. Das hat nichts mit Hochnäsigkeit zu tun....
silvine 24.04.2012
Zitat von kurap1kaAch diese schöne verkappte "deutschheit", die tatsächlich denkt siezen würde irgendeine Form der Professionalität ausstrahlen. Ich vertraue meinen Arzt, der mich duzt und nen Pulli trägt mehr wie jeden anderen. So eine Hochnäßigkeit, dass man nun zu gut ist um sich mit dem Personal auf einer persönlichen Ebene zu unterhalten ist irgendwie albern.
Ich bin selbst Junior-Chefin (wobei es diesen Posten ja grundsätzlich nicht gibt - also nennen wir es doch einfach Nachfolgerin ;) ) - in einem Familienbetrieb und ich habe es bis vor 12 Monaten mit dem Siezen und Duzen der Angestellten (!) nicht so genau genommn. Gerade bei unserem Azubi und bei Praktikanten war ich ganz schnell dabei, dass die mich duzen durften "Ich bin ja nicht meine Mutter und so kann man uns besser auseinanderhalten". Nach dem letzten Ausbildungsfiasko ist damit Schluss - ich habe gelernt und das hat um Gottes Willen nichts mit Hochnäsigkeit zu tun: Wenn man als Chef oder zukünftiger Chef einen Angestellten siezt, baut das eine gewisse Distanz auf. Zuviel Freundschaftlichkeit zwischen Chef und Angestellten kann dazu führen, dass man als Chef nicht mehr so durchgreifen kann, wie man es bei mehr Distanz tun würde - alleine eine Abmahnung ist bei einem "Freund" wirklich schwierig. Andersherum nehmen sich Angestellte, die den Chef duzen, mehr raus, als wenn weiterhin gesiezt wird. Das kann vielleicht nicht pauschalisiert werden, ist aber meine persönliche Erfahrung und deshalb wird in Zukunft Freundschaft und Job ganz strikt getrennt!
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