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Familienbande Mein Vater, der Boss

Erst wechseln sie die Windeln, dann setzen sie das Taschengeld fest - und werden am Ende zum Geschäftspartner: Kann es gutgehen, im Job mit den eigenen Eltern zusammenzuarbeiten? Drei Eltern-Kind-Paare erzählen, wie sie sich zusammenrauften. Und warum es zunächst krachte.

Mit der Familie hat man es manchmal nicht leicht. Papa weiß immer alles besser, und Mama behandelt einen seit 40 Jahren wie ein Wickelkind. Da ist es gut, wenn man ab und zu ein bisschen Abstand halten kann. Aber was, wenn man mit Vater und Mutter zusammen arbeitet, tagein, tagaus? Ist das Horror oder Traum? Drei Eltern-Kind-Paare plaudern aus dem Nähkästchen und erzählen von ihrem Familienbetrieb.

Anita und Alexandra Nüske leiten zusammen die "Kosmetikschule" in Berlin

Tochter Nüske: "Oft hätte ich meine Mutter gerne ausgesperrt" Zur Großansicht
Marie-Charlotte Maas

Tochter Nüske: "Oft hätte ich meine Mutter gerne ausgesperrt"

  • Alexandra Nüske, 37:
"Der Gedanke, in der Kosmetikschule meiner Mutter zu arbeiten, war für mich nicht wirklich attraktiv. Klar habe ich in der Pubertät hier mein Taschengeld verdient, dass ich eines Tages Mitinhaberin sein würde, hätte ich mir aber niemals träumen lassen. Was man von klein auf kennt, ist oft ja nicht sonderlich interessant.

Nach dem Abitur habe ich also BWL mit dem Schwerpunkt Marketing studiert. Danach habe ich mich selbständig gemacht und gemerkt, wie schwierig das ist - gerade hier in Berlin. Damals habe ich das erste Mal mit der Schule meiner Mutter geliebäugelt. Ich fand die Vorstellung schade, dass es ihr Lebenswerk eines Tages nicht mehr geben könnte.

Fünf Jahre nach dem Ende meines Studiums bin ich also doch in die Kosmetikschule eingestiegen. Dabei hatte ich mich eigentlich immer im mittleren oder hohen Management gesehen, in der Marketingabteilung eines weltumspannenden Konzerns.

Meine Mutter ist die Rampensau

Meine Mutter und ich haben die Aufgabenbereiche klar geteilt. Sie kümmert sich um den Unterricht und ich mich um die Geschäftsführung. Das passt, denn ich bin der Typ, der gerne im Hintergrund arbeitet, meine Mutter ist die Rampensau.

Anfangs hat meine Mutter es mir nicht leicht gemacht: Ich konnte nicht alle Ideen sofort umsetzen, meine Mutter hat mich manchmal ausgebremst. Oft hätte ich sie gerne ausgesperrt und für ein paar Wochen in Urlaub geschickt. Aber natürlich bin ich auch froh, auf ihre Erfahrung setzen zu können.

Schwierig war es mit den Mitarbeitern. Sie kannten mich schon als Kind und nahmen mich daher nicht richtig ernst. Und für mich waren sie anfangs Respektpersonen, dabei war ich ja jetzt die Chefin. Außerdem waren sie auf meine Mutter fixiert. Das ging nicht lange gut.

Heute haben wir ein ganz neues Team. Ob ich die Kosmetikschule immer weiterführen werde, weiß ich noch nicht, aber falls ich mich dagegen entscheide, wäre das für meine Mutter vollkommen in Ordnung. Ich soll machen, was ich für richtig halte. Momentan bin ich froh, dass sie noch arbeiten möchte: So schnell würde ich keinen Ersatz für sie finden."

Firmengründerin Nüske: "Anfangs prallten wir heftig aufeinander" Zur Großansicht
Marie-Charlotte Maas

Firmengründerin Nüske: "Anfangs prallten wir heftig aufeinander"

  • Anita Nüske, 67:

"Ich führe das Unternehmen seit 25 Jahren, habe es allein aufgebaut. Sicherlich habe ich insgeheim immer gehofft, dass Alexandra eines Tages einsteigen wird. Aber gezwungen hätte ich sie nie dazu. Diese Entscheidung muss jeder selber treffen, schließlich ist es eine große Verantwortung.

Ich wusste, dass die Kosmetik-Branche nicht Alexandras Traumziel ist. Also habe ich mich darauf eingestellt, eines Tages das Geschäft zu verkaufen oder einfach zu schließen. Als Alexandra dann sagte, dass sie mit mir arbeiten möchte, habe ich es erst nicht ernst genommen. Ich habe ehrlich gesagt damit gerechnet, dass sie nach einem Jahr wieder geht.

Erst als sie sich richtig reingehängt hat, wusste ich, dass sie es ernst meint. Am Anfang prallten wir heftig aufeinander. Alexandra hatte viele neue Ideen, die ich aber nicht alle gut fand. Gerade für den jüngeren Teil ist es sicher oft schwer: Der Betrieb ist eingefahren, die Mitarbeiter sind fixiert auf den Chef. Dann wird man regelrecht betriebsblind.

Ich habe also vieles nicht gesehen und daher zunächst nicht gewollt, dass Alexandra etwas ändert, obwohl ich ihr alles zugetraut habe. Meine Antwort war stets: 'So habe ich es aber immer gemacht.' Aber natürlich weiß ich, dass die Zeiten sich ändern. Heute bin ich froh, dass Alexandra sich durchgesetzt hat. Viele Familienbetriebe gehen bergab, weil die Alten die jüngere Generation nicht ranlassen, aus Angst vor einer Pleite.

Das Schöne ist, dass ich meiner Tochter viel mehr vertraue, als ich es bei einem Fremden je könnte. Ich hätte immer Angst, übervorteilt zu werden. Natürlich gibt es immer noch Unstimmigkeiten. Aber die klären wir am Arbeitsplatz. Ins Privatleben tragen wir die Diskussionen nicht. Ich bin froh, dass Alexandra da ist und ich nicht mehr alleine arbeite, das nimmt ein bisschen Druck. An den Ruhestand denke ich noch nicht, auch wenn ich weiß, dass Alexandra es alleine schaffen würde. Aber ich arbeite etwas weniger als früher."

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1.
kurap1ka 24.04.2012
Zitat von sysopErst wechseln sie die Windeln, dann setzen sie das Taschengeld fest - und werden am Ende zum Geschäftspartner: Kann es gutgehen, im Job mit den eigenen Eltern zusammenzuarbeiten? Drei Eltern-Kind-Paare erzählen, wie sie sich zusammenrauften. Und warum es zunächst krachte. Familienbande: Mein Vater, der Boss - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/0,1518,829320,00.html)
---Zitat--- Ich habe umgekehrt die Sprechstundenhilfen geduzt. Das würde ich heute nicht mehr machen. ---Zitatende--- Ach diese schöne verkappte "deutschheit", die tatsächlich denkt siezen würde irgendeine Form der Professionalität ausstrahlen. Ich vertraue meinen Arzt, der mich duzt und nen Pulli trägt mehr wie jeden anderen. So eine Hochnäßigkeit, dass man nun zu gut ist um sich mit dem Personal auf einer persönlichen Ebene zu unterhalten ist irgendwie albern.
2. noch idiotischer wirds
nebenjobber 24.04.2012
Zitat von kurap1kaAch diese schöne verkappte "deutschheit", die tatsächlich denkt siezen würde irgendeine Form der Professionalität ausstrahlen. Ich vertraue meinen Arzt, der mich duzt und nen Pulli trägt mehr wie jeden anderen. So eine Hochnäßigkeit, dass man nun zu gut ist um sich mit dem Personal auf einer persönlichen Ebene zu unterhalten ist irgendwie albern.
wenn man jahrelang den Juniorchef duzt und dieser irgendwann aufs Sie umsteigen möchte. Auch dann noch, wenn er selbst damit größte Probleme hat und bei jeder 2.Ansprache wieder ins Du verfällt.
3. .
shark65 24.04.2012
Zitat von kurap1kaAch diese schöne verkappte "deutschheit", die tatsächlich denkt siezen würde irgendeine Form der Professionalität ausstrahlen. Ich vertraue meinen Arzt, der mich duzt und nen Pulli trägt mehr wie jeden anderen. So eine Hochnäßigkeit, dass man nun zu gut ist um sich mit dem Personal auf einer persönlichen Ebene zu unterhalten ist irgendwie albern.
Der Arzt steht ja auch nicht in einem Arbeitsverhältnis mit Ihnen. Das ist ja was ganz anderes. Ausserdem kommt es immer darauf an in welcher Branche zusammen arbeitet.
4.
taubenvergifter 24.04.2012
Zitat von kurap1kaAch diese schöne verkappte "deutschheit", die tatsächlich denkt siezen würde irgendeine Form der Professionalität ausstrahlen. Ich vertraue meinen Arzt, der mich duzt und nen Pulli trägt mehr wie jeden anderen. So eine Hochnäßigkeit, dass man nun zu gut ist um sich mit dem Personal auf einer persönlichen Ebene zu unterhalten ist irgendwie albern.
Die schlimmste Anrede ist m.E. das siezen beim Vornamen oder das duzen beim Nachnamen. Also: "Nicole, können Sie mal bitte." oder "Schmidt, komm mal her."
5. Das hat nichts mit Hochnäsigkeit zu tun....
silvine 24.04.2012
Zitat von kurap1kaAch diese schöne verkappte "deutschheit", die tatsächlich denkt siezen würde irgendeine Form der Professionalität ausstrahlen. Ich vertraue meinen Arzt, der mich duzt und nen Pulli trägt mehr wie jeden anderen. So eine Hochnäßigkeit, dass man nun zu gut ist um sich mit dem Personal auf einer persönlichen Ebene zu unterhalten ist irgendwie albern.
Ich bin selbst Junior-Chefin (wobei es diesen Posten ja grundsätzlich nicht gibt - also nennen wir es doch einfach Nachfolgerin ;) ) - in einem Familienbetrieb und ich habe es bis vor 12 Monaten mit dem Siezen und Duzen der Angestellten (!) nicht so genau genommn. Gerade bei unserem Azubi und bei Praktikanten war ich ganz schnell dabei, dass die mich duzen durften "Ich bin ja nicht meine Mutter und so kann man uns besser auseinanderhalten". Nach dem letzten Ausbildungsfiasko ist damit Schluss - ich habe gelernt und das hat um Gottes Willen nichts mit Hochnäsigkeit zu tun: Wenn man als Chef oder zukünftiger Chef einen Angestellten siezt, baut das eine gewisse Distanz auf. Zuviel Freundschaftlichkeit zwischen Chef und Angestellten kann dazu führen, dass man als Chef nicht mehr so durchgreifen kann, wie man es bei mehr Distanz tun würde - alleine eine Abmahnung ist bei einem "Freund" wirklich schwierig. Andersherum nehmen sich Angestellte, die den Chef duzen, mehr raus, als wenn weiterhin gesiezt wird. Das kann vielleicht nicht pauschalisiert werden, ist aber meine persönliche Erfahrung und deshalb wird in Zukunft Freundschaft und Job ganz strikt getrennt!
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