Protokolle: Marie-Charlotte Maas
Mit der Familie hat man es manchmal nicht leicht. Papa weiß immer alles besser, und Mama behandelt einen seit 40 Jahren wie ein Wickelkind. Da ist es gut, wenn man ab und zu ein bisschen Abstand halten kann. Aber was, wenn man mit Vater und Mutter zusammen arbeitet, tagein, tagaus? Ist das Horror oder Traum? Drei Eltern-Kind-Paare plaudern aus dem Nähkästchen und erzählen von ihrem Familienbetrieb.
Anita und Alexandra Nüske leiten zusammen die "Kosmetikschule" in Berlin
Nach dem Abitur habe ich also BWL mit dem Schwerpunkt Marketing studiert. Danach habe ich mich selbständig gemacht und gemerkt, wie schwierig das ist - gerade hier in Berlin. Damals habe ich das erste Mal mit der Schule meiner Mutter geliebäugelt. Ich fand die Vorstellung schade, dass es ihr Lebenswerk eines Tages nicht mehr geben könnte.
Fünf Jahre nach dem Ende meines Studiums bin ich also doch in die Kosmetikschule eingestiegen. Dabei hatte ich mich eigentlich immer im mittleren oder hohen Management gesehen, in der Marketingabteilung eines weltumspannenden Konzerns.
Meine Mutter ist die Rampensau
Meine Mutter und ich haben die Aufgabenbereiche klar geteilt. Sie kümmert sich um den Unterricht und ich mich um die Geschäftsführung. Das passt, denn ich bin der Typ, der gerne im Hintergrund arbeitet, meine Mutter ist die Rampensau.
Anfangs hat meine Mutter es mir nicht leicht gemacht: Ich konnte nicht alle Ideen sofort umsetzen, meine Mutter hat mich manchmal ausgebremst. Oft hätte ich sie gerne ausgesperrt und für ein paar Wochen in Urlaub geschickt. Aber natürlich bin ich auch froh, auf ihre Erfahrung setzen zu können.
Schwierig war es mit den Mitarbeitern. Sie kannten mich schon als Kind und nahmen mich daher nicht richtig ernst. Und für mich waren sie anfangs Respektpersonen, dabei war ich ja jetzt die Chefin. Außerdem waren sie auf meine Mutter fixiert. Das ging nicht lange gut.
Heute haben wir ein ganz neues Team. Ob ich die Kosmetikschule immer weiterführen werde, weiß ich noch nicht, aber falls ich mich dagegen entscheide, wäre das für meine Mutter vollkommen in Ordnung. Ich soll machen, was ich für richtig halte. Momentan bin ich froh, dass sie noch arbeiten möchte: So schnell würde ich keinen Ersatz für sie finden."
"Ich führe das Unternehmen seit 25 Jahren, habe es allein aufgebaut. Sicherlich habe ich insgeheim immer gehofft, dass Alexandra eines Tages einsteigen wird. Aber gezwungen hätte ich sie nie dazu. Diese Entscheidung muss jeder selber treffen, schließlich ist es eine große Verantwortung.
Ich wusste, dass die Kosmetik-Branche nicht Alexandras Traumziel ist. Also habe ich mich darauf eingestellt, eines Tages das Geschäft zu verkaufen oder einfach zu schließen. Als Alexandra dann sagte, dass sie mit mir arbeiten möchte, habe ich es erst nicht ernst genommen. Ich habe ehrlich gesagt damit gerechnet, dass sie nach einem Jahr wieder geht.
Erst als sie sich richtig reingehängt hat, wusste ich, dass sie es ernst meint. Am Anfang prallten wir heftig aufeinander. Alexandra hatte viele neue Ideen, die ich aber nicht alle gut fand. Gerade für den jüngeren Teil ist es sicher oft schwer: Der Betrieb ist eingefahren, die Mitarbeiter sind fixiert auf den Chef. Dann wird man regelrecht betriebsblind.
Ich habe also vieles nicht gesehen und daher zunächst nicht gewollt, dass Alexandra etwas ändert, obwohl ich ihr alles zugetraut habe. Meine Antwort war stets: 'So habe ich es aber immer gemacht.' Aber natürlich weiß ich, dass die Zeiten sich ändern. Heute bin ich froh, dass Alexandra sich durchgesetzt hat. Viele Familienbetriebe gehen bergab, weil die Alten die jüngere Generation nicht ranlassen, aus Angst vor einer Pleite.
Das Schöne ist, dass ich meiner Tochter viel mehr vertraue, als ich es bei einem Fremden je könnte. Ich hätte immer Angst, übervorteilt zu werden. Natürlich gibt es immer noch Unstimmigkeiten. Aber die klären wir am Arbeitsplatz. Ins Privatleben tragen wir die Diskussionen nicht. Ich bin froh, dass Alexandra da ist und ich nicht mehr alleine arbeite, das nimmt ein bisschen Druck. An den Ruhestand denke ich noch nicht, auch wenn ich weiß, dass Alexandra es alleine schaffen würde. Aber ich arbeite etwas weniger als früher."
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