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Fast-Food-Berufe Ausbildung im Frittendunst

Systemgastronomie: Heiß und fettig Fotos
TMN

Die Produkte fettig, die Berufsbezeichnung trocken: Wer eine Ausbildung in der Systemgastronomie macht, verkauft Fast Food. Dazu gehört der Schichtdienst an der Fritteuse, aber auch eine kaufmännische Lehre. Das Image ist schlecht, die Aussichten sind rosig.

Jasmin Müller, 21, steht morgens in einer McDonald's-Filiale in Berlin-Kreuzberg an der Kasse. Sie trägt eine schwarze Stoffhose und eine weiße Bluse. "Und was darf es für Sie sein?", fragt sie den nächsten Kunden. So wird das heute stundenlang gehen. Die Bestellung aufnehmen, kassieren und dann die georderten Sachen auf das Tablett legen.

Das ist fast wie am Fließband. Häufige Besucher des Burger-Bräters kennen die Standardfragen schon auswendig und antworten normgerecht: "Dazu eine Cola - mit Ketchup, bitte - zum Hier-Essen." Trotzdem sagt Müller: "An dem Job gefällt mir der Umgang mit den Gästen." Sie macht eine Lehre zur Fachfrau für Systemgastronomie.

Ein furchtbar technischer Begriff: Systemgastronomie. Gemeint sind damit meist Fast-Food-Ketten wie McDonald's oder Burger King. Aber auch Selbstbedienungsläden oder Ketten wie Maredo, Pizza Hut und Nordsee zählen dazu. Ihnen allen ist gemein: In sämtlichen Filialen gibt es die gleichen Produkte mit dem gleichen Standard. Egal, ob man zu einem McDonald's in Berlin, Madrid oder Los Angeles geht, es gibt dort Cheeseburger. Zu großen Teilen sind die Abläufe in diesen Restaurants standardisiert.

Immer mehr Restaurants arbeiten nach System

Damit unterscheiden sich die Anforderungen an Systemgastronomen erheblich von der Arbeit in anderen Restaurants. Seit 1998 gibt es daher in Deutschland eine eigene Ausbildung zum Fachmann für Systemgastronomie.

Beliebt ist der Beruf bei Jugendlichen nicht besonders - wie die gesamte Gastronomie. "Man muss viel stehen und hat die Schichtarbeit", sagt Simon Grupe, Ausbildungsexperte bei der Industrie- und Handelskammer. In den letzten drei Jahren sei die Zahl der neu geschlossenen Ausbildungsverträge in der Gastronomie kontinuierlich zurückgegangen.

Dabei ist die Vergütung der auszubildenden Systemgastronomen gar nicht so schlecht, vergleicht man sie mit der von Restaurantfachleuten. Sie bekommen im ersten Lehrjahr zwischen 600 und 670 Euro, im dritten Lehrjahr zwischen 730 und 830 Euro. Nach der Ausbildung starten sie mit einer Bruttogehalt von rund 2000 Euro.

Grupe hält die Systemgastronomie für einen guten Lehrberuf: "Die Systemorientierung nimmt in Restaurants immer mehr zu." Das sei ein Bereich mit Zukunft. Auch Restaurants, die nicht gleich nach Fast Food aussehen, arbeiten inzwischen oft ähnlich.

Auch klassische Büroaufgaben gehören dazu

Außerdem beschränkt sich die Ausbildung beileibe nicht auf die Arbeit an Kasse und Essensausgabe. Die Lehrlinge erhalten unter anderem eine breite kaufmännische Ausbildung. "Damit lässt sich leicht in andere Branchen wechseln," sagt Guido Zeitler von der Gewerkschaft für Nahrung, Genuss, Gaststätten.

Jörg Wiedemann, mitverantwortlich für die Berufsausbildung bei McDonald's, erklärt: "Wir ziehen in dieser Lehre unseren Nachwuchs für die Schichtführer und Restaurantmanager heran." Deswegen werden nicht nur der Umgang mit den Friteusen und die Reinigung der Softeismaschine vermittelt. Im zweiten Lehrjahr steht unter anderem die Kontrolle betrieblicher Standards auf dem Ausbildungsplan, im dritten Lehrjahr kommen Themen wie Mitarbeiterführung, Kostenanalyse, Inventur oder Personalwesen dazu.

Allerdings dürfen die Neulinge keine Schichtarbeit scheuen, wie Wiedemann sagt: Nacht- und Wochenendarbeit gehören eben zur Gastronomie. Die Lehrlinge bräuchten außerdem "eine hohe Affinität zur Dienstleistung". Soll heißen: Der Kunde hat immer Recht und muss auch dann freundlich behandelt werden, wenn's schwer fällt.

Für den Einstieg braucht man einen Hauptschulabschluss, 46 Prozent der Ausbildungsanfänger 2010 hatten die Realschule absolviert, 17 Prozent ein Abitur. Die Chancen auf eine Übernahme nach der Lehre gelten als gut. McDonald's gibt an, 80 Prozent der Auszubildenden nach dem Abschluss zu behalten.

mamk/dpa

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insgesamt 25 Beiträge
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1. Hinweis
vitalik 30.07.2012
Ich weiss nicht ob es bei allen McDonalds Franchis Unternehmen so ist, aber die Leute die ich kenne, sagen, dass man mit einer abgeschlossenen Ausbildung direkt als Schichtführer einsteigen kann. Zum Fritten machen nehmen die jeden der halbwegs mit den Kunden umgehen kann. Man merkts ja auch an der Werbung um die Azubis, dass die Stellen nicht grade begehrt sind.
2. Hoffentlich keine Berufe mit Zukunft !
boam2001 30.07.2012
Die Ausschten sind deshalb rosig, weil ein Großteil unserer Bevölkerung schon von Kindesbeinen an von "McDonald" und Co. dressiert werden, ihren Fraß zu vertilgen. Viele "Fastfood-Anhänger" sind doch heutzutage nicht mehr in der Lage, selbst eine vernünftige und ausgewogene Mahlzeit zuzubereiten. Stattdessen tingeln sie zu McDonald, Burger King, KFC etc. und hauen sich besinnungslos den Wanzt voll bis die Plautze platzt.
3. @boam
spon-facebook-10000147542 30.07.2012
Und wieder dieser Kultur-Pessimismus. Ich koche gerne und frisch. Aber ab und an gehe ich auch zu Burger King. Weil es mir dort schmeckt! Ist natürlich einfach, allen einen schlechten Geschmack und Dressur zu unterstellen, die dort hingehen, wenn es einem selber widerwärtig ist. Genauso könnte ich auf BIO-Konsumenten eingehen, mache ich aber nicht.
4. 111
WHO23 30.07.2012
Zitat von boam2001Die Ausschten sind deshalb rosig, weil ein Großteil unserer Bevölkerung schon von Kindesbeinen an von "McDonald" und Co. dressiert werden, ihren Fraß zu vertilgen. Viele "Fastfood-Anhänger" sind doch heutzutage nicht mehr in der Lage, selbst eine vernünftige und ausgewogene Mahlzeit zuzubereiten. Stattdessen tingeln sie zu McDonald, Burger King, KFC etc. und hauen sich besinnungslos den Wanzt voll bis die Plautze platzt.
Bei mir das schwer, von Kindesbeinen an. Ich esse was ich will, da brauche ich keine Vorschriften von irgendwem. Und ich koche seit über 40 Jahren. Aber lecker Gyros, Döner oder Currywurst, was ist dagegen zu sagen?
5.
Sleeper_in_Metropolis 30.07.2012
---Zitat--- Nach der Ausbildung starten sie mit einer Bruttogehalt von rund 2000 Euro. ---Zitatende--- Das finde ich gar nicht mal so übel. Üblicherweise hört man ja von McDonalds&Co. nur, das die absolut bescheiden bezahlen sollen, aber 2000 Brutto für den Einstieg ist ja nun Beileibe kein Hungerlohn. Wenn man bedenkt, was viele Zeitarbeiter (oft ebenfalls im Schichtdienst) verdienen, und gleichzeitig schon der Hauptschulabschluss für die Ausbildung ausreicht, könnte das für viele Schulabgänger eine durchaus vernünftige Perspektive sein. Sonst heißt es ja immer, das man mit einem Hauptschulabschluß eigentlich gleich HartzIV beantragen könnte.
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1. Er ist nie vornehmer als der Gast. Eine Rolex ist also tabu.

2. Contenance - ein Kellner rennt nicht. Auch nicht bei Stress.

3. Er beteiligt sich nicht aktiv an Gesprächen über Politik.

4. Er ist immer diskret. Wenn ein Gast zum Beispiel immer wieder mit einer anderen Dame kommt, nennt er sie "Madame".

5. Er entwickelt einen eigenen Stil.

6. Er lässt sich im Restaurant niemals in Zivil blicken.



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