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Firmengründung In fünf Etappen zum eigenen Unternehmen

"Da gründe ich lieber gleich eine eigene Firma": Wer es damit ernst meint, muss sich Zweiflern und knallharten Bankern stellen - und seinen eigenen Schwächen. Berater und erfolgreiche Entrepreneure beschreiben den Weg in die große Freiheit.

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Nils Küppers/ SPIEGEL JOB

Ideenblitz und Ideenreifung als erste Phase

Das Gründen ist ein bisschen wie die Liebe. Es verändert das Leben. Außerdem sind da strukturelle Ähnlichkeiten. Die Liebe kann den Menschen unvermittelt treffen, genau wie die Idee zu einer Gründung.

So gibt es seit einiger Zeit spezielle Schulrucksäcke mit Hüftgurt, die in ihrer Machart an Wanderrucksäcke erinnern. Die Entwickler des "Ergobag" saßen eines Abends mit einer Physiotherapeutin zusammen, die nicht verstehen wollte, warum Wanderern die Rucksäcke auf den Leib geschneidert werden, während Schüler ihre Bücher in Tornistern zur Schule tragen. Ohne Hüftgurt. An jenem Abend wurde die Idee für den Ergobag geboren.

Nun kann die Liebe aber auch anders entstehen, mit viel Vorlauf. Manchmal kennen sich zwei Menschen schon lange Zeit, und trotzdem dauert es, ehe es funkt. Bei der Idee für eine Gründung ist es ähnlich. Helen Sippl, 50, aus Dachau ist gebürtige Engländerin. Viele Jahre trug sie die Idee mit sich, ein Coaching in englischer Sprache anzubieten - für Schüler, die die Sprache üben wollen, oder für Berufstätige, die auf Englisch präsentieren sollen. Für Sippl war die Idee nicht dringlich, es ging um den richtigen Zeitpunkt. Anfang dieses Jahres war es so weit. "Ich habe das Gefühl, dass alles, was ich bisher gemacht habe, zu diesem Punkt geführt hat", sagt sie. "Ich habe jetzt noch zehn Jahre bis zur Rente, und die will ich nutzen."

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Existenzgründer: "Es ist einfach das eigene Baby"
In der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern (IHK) berät Harald Hof, 44, an manchen Tagen mehr als zehn Menschen, die sich selbständig machen möchten. Er weiß mittlerweile, dass nur wenige Ideen in Form eines Blitzes in die Welt geliefert werden. Die meisten Gründerideen sind Ergebnis eines längeren gedanklichen Prozesses.

So war es bei Dejan Blagojevic. Der Münchner studierte Sport und arbeitete als Personal Trainer. Seit vergangenem Jahr organisiert er für Unternehmen betriebliches Gesundheitsmanagement. Er bietet Seminare zur Stressbewältigung, veranstaltet Rückenfitkurse oder organisiert Gesundheitstage.

Mehrmals spricht Blagojevic davon, dass ihn die Idee nicht ereilt habe, sie sei "gereift". Man stellt sich dann einen Apfel vor, wie er im Frühjahr blüht und trotzdem erst im Herbst zum Pflücken einlädt.

Holger Kreß begleitet bei der Sparkasse Erlangen Gründer und ihre Ideen von der Blüte zur Reife. Der 49-Jährige ist ein nüchterner Mensch, und er will eigentlich immer, dass seine Klienten ihm einen Businessplan präsentieren. "Im Kopf entwickeln sich die Ideen schneller als auf dem Papier", sagt Kreß. Erst beim Schreiben entstehe das Gefühl für den wahren Gehalt einer Geschäftsidee.

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insgesamt 42 Beiträge
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1. knallharte Typen
waldisonne 20.01.2014
Der Satz "Der Mann von der IHK und der Mann von der Bank sind eigentlich knallharte Typen" lassen mich schmunzeln. Ich verstehe, dass manche selbstverliebte Neugründer naiv an die Gründung rangehen und kritische Nachfragen notwendig sind. Doch drüben auf der anderen Business-Seite in der Jury sollen doch mal diese knallharten Typen aus ihrer Komfortzone rauskommen und Gründungserfahrung sammeln. Doch hier in Deutschland ist es halt "in", dass man besser mit guten Ratschlägen eine Beratung/Coaching anbietet, anstatt an innovativen Geschäftsmodellen arbeitet. Was machen den die knallharten Typen oben am Rand der Grube, wenn kein Mensch mehr unten in der Grube die Schaufel in die Hand nimmt?
2. Magie und Beharrlichkeit
rockwater 20.01.2014
Alles das, was Spon nicht hat ;-?
3. William Feather Zitat
holyowly 20.01.2014
Erfolg scheint größtenteils darauf zu beruhen, dass man weiter macht, wenn andere schon aufgegeben haben.
4.
mm71 20.01.2014
Zitat von waldisonneDer Satz "Der Mann von der IHK und der Mann von der Bank sind eigentlich knallharte Typen" lassen mich schmunzeln. Ich verstehe, dass manche selbstverliebte Neugründer naiv an die Gründung rangehen und kritische Nachfragen notwendig sind. Doch drüben auf der anderen Business-Seite in der Jury sollen doch mal diese knallharten Typen aus ihrer Komfortzone rauskommen und Gründungserfahrung sammeln. Doch hier in Deutschland ist es halt "in", dass man besser mit guten Ratschlägen eine Beratung/Coaching anbietet, anstatt an innovativen Geschäftsmodellen arbeitet. Was machen den die knallharten Typen oben am Rand der Grube, wenn kein Mensch mehr unten in der Grube die Schaufel in die Hand nimmt?
Na ja, ich denke mal, Leute, deren Geschäftsmodell es ist, Geld von Gründern bzw. Unternehmern abzugreifen, gibt es überall. Die IHK sind aber wirklich ein spezielles Ärgernis.
5. Die Realität sieht anders aus!
ullibulli09 20.01.2014
Die Anzahl der Firmengründungen ist seit 2006 rückläufig! Und was passierte in 2006? Genau, der Bologna-Prozess wurde abgeschlossen und die Bachelor- und Masterstudiengänge eingeführt. Seitdem haben Studenten kaum noch Zeit quer zu denken oder gar an die Selbstständigkeit.
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Schattenseiten von Firmengründern: Narzissten, Machiavellisten, subklinische Psychopathen
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Erste Hilfe für Existenzgründer
Ein Gewinn für alle
Wenn eine Firmengründung gelingt, profitieren alle: der Gründer selbst, der Arbeitsmarkt (weil neue Stellen entstehen), der Staat (durch Steuereinnahmen). Darum werden Existenzgründer vielfältig unterstützt. So vielfältig, dass der Durchblick schwierig wird - eine Übersicht über die wichtigsten Förderer.
Gründungszuschuss
Als Firmengründer kann man die Arbeitsagentur schon mal gleich vergessen? Ganz falsch: Die Agentur für Arbeit bezuschusst Gründer, die sich aus der Arbeitslosigkeit heraus selbständig machen. Direkt nach dem alten Job kann man den Gründungszuschuss nicht beziehen; es muss mindestens ein Tag Arbeitslosigkeit dazwischen liegen und der Gründer mindestens noch 90 Tage Anspruch auf Arbeitslosengeld haben. In einem Businessplan muss er ausreichend Fachwissen für das neue Unternehmen nachweisen. Dass es tragfähig ist, sollen die Bestätigung eines Steuerberaters, einer Handelskammer oder einer anderen unabhängigen Stelle zeigen.

Sind all diese Hürden genommen, kann der Gründer zunächst neun Monate den Zuschuss in Höhe des zuletzt gezahlten Arbeitslosengeldes und 300 Euro zur sozialen Absicherung bekommen. Sofern das Geschäft nachweislich läuft, sind für weitere sechs Monate 300 Euro möglich. Wer den alten Job selbst kündigt, muss mit einer mehrwöchigen Sperrfrist rechnen.
Kredite der KfW
Die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) hat einige auf Gründer zugeschnittene Programme. Sehr verbreitet ist der KfW-Gründerkredit StartGeld, den auch Gründer ohne Eigenkapital in Anspruch nehmen können. Sie müssen den Kredit bei der Hausbank beantragen und bekommen ihn durch die KfW leichter, da sie 80 Prozent der Haftung übernimmt. Der Höchstbetrag liegt bei 100.000 Euro, der Kredit läuft bis zu zehn Jahre. Zur Entlastung für das junge Unternehmen gewährt die KfW bis zu zwei tilgungsfreie Jahre und einen Festzinssatz für die gesamte Laufzeit. Der Antrag muss bei der Hausbank gestellt werden, bevor investiert wird.
Coaching
Zusätzlich bietet die KfW Gründercoaching an: Existenzgründer können einen Coach beauftragen, der ihnen in verschiedenen Bereichen zur Seite steht, etwa in betriebswirtschaftlichen oder organisatorischen Fragen. Beauftragt werden dürfen nur anerkannte Berater der KfW-Beraterbörse. Das Institut erstattet 90 Prozent des Beraterhonorars, das aber höchstens 4000 Euro betragen darf.
Existenzgründerprogramme
Neben einigen Initiativen von Hochschulen und anderen Institutionen ist eines der bekanntesten Programme Exist, das Förderprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie. Es richtet sich an Studenten, Absolventen und Wissenschaftler an Hochschulen. Besonders gefördert werden technologieorientierte Gründungen und "wissensbasierte Gründungen", die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen aufgebaut sein sollen. Gründer besuchen ein eintägiges Seminar zum Thema "Gründerpersönlichkeit", präsentieren nach fünf Monaten erste Ergebnisse der Überlegungen zum Businessplan und legen ihn nach zehn Monaten vor.

Das Stipendium beträgt monatlich 2500 Euro für promovierte Gründer, 2000 Euro für Absolventen und 800 Euro für Studenten. Bis zu 10.000 Euro kann es außerdem für Sachausgaben geben, darüber hinaus gibt es maximal 5000 Euro für Coaching. Die maximale Förderdauer beträgt ein Jahr. Bereits gegründete Unternehmen fördert Exist nicht. Den Antrag muss die Forschungseinrichtung stellen, die auch die Fördermittel verwaltet.

In Hamburg gibt es das an Exist angelehnte Hamburger Existenzgründungsprogramm HEP, das Absolventen aus Hamburger Hochschulen fördert. Hier wurde die finanzielle Förderung eingestellt, HEP bietet aber weiterhin angehenden Unternehmern ideelle Förderung und berät bei der Beantragung des Exist-Stipendiums.

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