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Integration von Flüchtlingen Hilfsarbeit ja, Schwarzarbeit nein

Fensterputzer in Frankfurt am Main Zur Großansicht
DPA

Fensterputzer in Frankfurt am Main

Welche Jobs bekommen die Menschen, die in den vergangenen Monaten zu uns geflüchtet sind? Die meisten erst mal gar keinen. Nur jeder zehnte Flüchtling hat ein Jahr nach seiner Ankunft einen Arbeitsvertrag. Aber es gibt Hoffnung.

Hunderttausende Flüchtlinge kamen im vergangenen Jahr nach Deutschland. Die meisten wollen schnell einen Job finden. Doch wo kommen sie auf dem Arbeitsmarkt unter?

Die Zahl der potenziellen neuen Arbeitskräfte unter den Flüchtlingen bleibe zunächst überschaubar, sagt Herbert Brücker vom Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). 2015 hätten 141.000 Flüchtlinge einen Schutzstatus und damit unbeschränkten Arbeitsmarktzugang erhalten. Von ihnen waren 110.000 im erwerbsfähigen Alter. Zusammen mit den Asylbewerbern, die in diesem Jahr kommen, könnten es am Ende des Jahres zwischen 500.000 und 620.000 zusätzliche Arbeitskräfte sein.

Die Vergangenheit habe gezeigt, dass die Arbeitsmarktintegration Zeit brauche. Im ersten Jahr habe nur knapp ein Zehntel der Zuwanderer im erwerbsfähigen Alter einen Job, so Brücker. Nach fünf Jahren steige dieser Anteil auf rund die Hälfte, nach 15 Jahren seien es 70 Prozent. Viele würden zunächst sogenannte Helferjobs annehmen, beispielsweise als Kellner oder Putzhilfe.

Die wichtigste Voraussetzung für die Integration in den Arbeitsmarkt sei eine schnelle Entscheidung über das Bleiberecht. Theoretisch dürfen Flüchtlinge inzwischen nach drei Monaten arbeiten. "Aber das funktioniert nicht", sagt Brücker. Viele Asylbewerber müssten monatelang warten. "Je länger jemand aus dem Arbeitsprozess draußen ist, desto schwieriger wird es, ihn wieder reinzubekommen."

"Es darf nicht heißen: Einmal Helfer, immer Helfer"

Bislang wurde die Allgemeinbildung der Asylbewerber nicht gezielt erfasst. Etwa die Hälfte der Zuwanderer über 18 Jahre gab freiwillig Auskunft. Von ihnen haben 46 Prozent eine höhere Schule besucht, vergleichbar mit einem Gymnasium. Etwa ein Viertel hat keine oder nur eine Art Grundschule besucht, ein weiteres Viertel eine Mittel- oder Fachschule.

Fachkräfte, die ohne weitere Qualifizierung in den Arbeitsmarkt integriert werden könnten, gebe es unter den Flüchtlingen nur wenige, so das Fazit des IAB. Viele Migranten brächten auch nicht die Voraussetzungen für eine Ausbildung oder ein Studium mit. Dafür sei gut ein Drittel von ihnen zwischen 18 und 25 Jahre alt und damit im richtigen Alter für eine Lehre. "Wir müssen sehen, dass wir berufsbegleitend etwas für diese Menschen tun und sie einen Aufstieg haben können", so Brücker.

Auch Detlef Scheele, Vorstand der Bundesagentur für Arbeit, sagt: "Es darf nicht heißen: Einmal Helfer, immer Helfer." Dies sei auch wichtig, damit es künftig keine Konkurrenz zwischen einheimischen Langzeitarbeitslosen oder gering Qualifizierten und Flüchtlingen gebe.

Staatliche Förderung für Arbeitgeber

Unternehmer, die Flüchtlinge einstellen wollen, können dafür staatliche Förderung beantragen. So gibt es etwa den Eingliederungszuschuss (EGZ), bei dem die Arbeitsagentur bis ein Jahr lang maximal die Hälfte des Arbeitsentgelts für Menschen mit schlechten Chancen auf dem Arbeitsmarkt übernimmt.

Außerdem gibt es die Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung (MAG), die Firmen ebenfalls für Flüchtlinge beantragen können. Hier übernimmt die Arbeitsagentur bei einem Praktikum im Betrieb die Fahrtkosten sowie Sprach- oder Fachkurse. Weitere Informationen hat das Portal unternehmen-integrieren-fluechtlinge.de gesammelt.

Auf dem Markt für illegale Arbeitskräfte spielten die 2015 zugewanderten Flüchtlinge bisher kaum eine Rolle, sagt Brücker. Zwar sei für alle Migranten, auch für Flüchtlinge, die Versuchung groß, schwarz zu arbeiten. Aber gerade unter Syrern sei anscheinend bekannt, dass sie sich damit strafbar machten.

lov/dpa

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