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Flüchtling wird Maler-Azubi Als Lehrling geschätzt, als Asylbewerber nur geduldet

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Von Somalia nach Osnabrück: Ali Mohamed Sharif

Seit zwei Jahren lebt Ali Mohamed Sharif in Deutschland, seit zwei Jahren wartet er auf eine Entscheidung über seinen Asylantrag. Jetzt hat er eine Lehrstelle gefunden - und sein Chef fragt sich, wie "das mit dem Beten" so wird.

Ali Mohamed Sharif hat es geschafft: Seit einigen Wochen macht er eine Ausbildung als Maler und Lackierer bei der Osnabrücker Firma Schmidtwilken. Es sei ein wunderbarer Beruf, schwärmt der Somalier: "Man macht alte Dinge wieder neu und schön."

Für den 20-Jährigen war es schwer, die Ausbildungsstelle zu finden. Den Kontakt zu seinem heutigen Lehrbetrieb vermittelte ihm schließlich die Handwerkskammer. Nach einem einwöchigen Praktikum bekam er den langersehnten Ausbildungsvertrag.

Sharif lebt schon seit zwei Jahren in Osnabrück - und wartet noch immer auf die Entscheidung über seinen Asylantrag. Der junge Somalier ist vor dem Bürgerkrieg in seinem Heimatland geflohen. Mittlerweile spricht er fließend Deutsch, die Sprachkurse hat er aus eigener Tasche gezahlt. Auch einen Integrationskurs hat er glänzend abgeschlossen: 32 von 33 Punkten steht auf dem Zeugnis.

Sharif habe von Anfang an einen "super Eindruck" gemacht, sagt sein Chef. Er sei freundlich, aufgeschlossen, handwerklich begabt und gehe auch gut mit Kunden um.

Doch eine Antwort auf seinen im November 2013 abgegebenen Asylantrag hat er noch nicht. Er ist geduldet - das heißt, die beteiligten Behörden verzichten vorerst auf eine Abschiebung. Inzwischen habe er immerhin einen Termin zur Anhörung, sagt sein Anwalt.

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Schmidtwilken hat noch einen weiteren Flüchtling eingestellt - einen 40 Jahre alten Syrer, der schon seit 14 Jahren in Deutschland lebt. Auch er konnte im Praktikum überzeugen. Insgesamt gibt es nun vier Lehrlinge in dem 18-Mann-Betrieb. Das seien eigentlich zu viele, sagt der 52-Jährige. Aber: "Der Syrer hat ja sonst keine Chance mehr auf dem Arbeitsmarkt."

Sorge bereitet Schmidtwilken "die Sache mit dem Beten". Sharif habe gefragt, ob es in Ordnung sei, wenn er während der Arbeitszeit bete. "Ich kann mir schon vorstellen, dass es Beschwerden gibt, wenn wir auf Zeit arbeiten, und er breitet seinen Gebetsteppich aus", sagt der Handwerksmeister. Er habe mit Sharif noch nicht darüber gesprochen. "Das muss man sehen, wie man damit umgeht."

Er sei selbst religiös, engagiere sich im katholischen Kirchenvorstand. "Es ist für mich eine wichtige Sache, dass wir Flüchtlinge in Deutschland aufnehmen und dass wir keine Zäune errichten." Wenn Deutschland auch nicht alle Flüchtlinge aufnehmen könne - er wolle seinen Teil dazu beitragen, dass sie willkommen sind. Die Welt werde kleiner, wachse zusammen. Menschen mit verschiedenen Religionen müssten miteinander klarkommen. "Das ist Multikulti."

Ali Sharif hat schon weitere Pläne. Er will heiraten, "in zwei bis drei Monaten". Seine Verlobte, eine Deutsche türkischer Abstammung, hat er in der muslimischen Gemeinde kennengelernt. Seine künftigen Schwiegereltern unterstützten ihn, wo es gehe, sagt er: "Die sind sehr nett, sie sind sehr, sehr gut zu mir. Ich bin aus einem anderen Land, Ausländer, Asylbewerber, ich hatte zuerst keine Arbeit, keine Ausbildung, trotzdem haben sie mir ihre Tochter gegeben." Er hofft, dass er bald einen Termin vom Standesamt bekommt.

Doch sein Asylantrag kann auch abgelehnt werden. Sharif ist ein sogenannter Dublin-Fall: Zuständig für das Asylverfahren ist gemäß den Dublin-Richtlinien das Land, in das der Asylbewerber zuerst in die EU eingereist ist. Der junge Afrikaner war seinerzeit über Ungarn nach Deutschland gekommen, nachdem er zwei Jahre in der Türkei verbracht hatte.

Mittlerweile ist die Rücküberstellungsfrist verstrichen und Sharif hat Chancen, in Deutschland als Asylbewerber anerkannt zu werden. Am 2. Dezember soll er seinem Sachbearbeiter vom Bundesamt seine Fluchtgründe erklären - erstmals seit zwei Jahren.

Elmar Stephan/dpa/asc

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