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Für Abiturienten Die fünf schlimmsten guten Ratschläge

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Abi - was dann? Nur aus Unsicherheit eine Banklehre zu machen, bringt niemanden weiter. Wer Winzer werden will, studiert ja auch nicht Arabistik, nur weil er die Entscheidung scheut. Berufsberaterin Uta Glaubitz warnt: Wenn die Karriere mit einer Notlösung beginnt - wie soll das enden?

Wer in diesen Wochen Abitur macht, wird mit guten Ratschlägen bombardiert. Einige davon führen in die Irre. Ich habe fünf besonders weit verbreitete gesammelt.

  • Irrtum Nr. 1: "Mit einer Banklehre wird man immer was."

Eine Banklehre ist ein sehr guter Start, wenn man Bankdirektor oder Investmentbanker werden will. Auch für eine zukünftige Wirtschaftsjournalistin oder einen Finanzpolitiker mag das sinnvoll sein. Wer aber Zahnarzt oder Kamerafrau werden will, dem hilft eine Banklehre überhaupt nichts. Sie hilft auch nicht, wenn man gar nicht weiß, was man werden will. Eine Ausbildung ist nicht dafür da, optimistisch zu verkaufen, dass man sich nicht entscheiden kann.

Dasselbe gilt für ein Jura- oder BWL-Studium, das man sich schönredet mit "Damit kann man alles machen." Schöngeredet? Schön wär's. Aber Filmregisseurin oder Konditorin werden Sie damit nicht. Besser, Sie verschwenden keine Zeit mit solchen Entscheidungsumgehungen.

  • Irrtum Nr. 2: "Ein Freiwilliges Soziales Jahr im Ausland macht sich im Lebenslauf gut."

Das mag sein, wenn man Entwicklungshelfer, Grundschullehrer oder Mitarbeiterin einer Jugendaustauschorganisation werden will. Wenn man aber Richterin werden will, sind gute Noten wichtiger als Weltenbummelei. Besser, Sie lesen schon mal das Grundgesetz. Wenn man Hoteldirektor werden will, ist ein Auslandsaufenthalt Pflicht. Aber es sollte lieber ein Hotelpraktikum sein oder wenigstens ein Saisonjob in der Gastronomie.

Wenn Sie ein Freiwilliges Soziales Jahr machen wollen, um Ihrer Abenteuerlust oder Ihrem Weltverbesserungstrieb nachzugehen, verstehe ich das gut. Aber dann deklarieren Sie es nicht als Lebenslaufdekoration. Entscheiden Sie VOR Ihrem Auslandsaufenthalt, was Sie beruflich machen wollen. Sonst fallen Sie danach in ein großes schwarzes Loch. Und das verbessert die Welt auch nicht.

  • Irrtum Nr. 3: "Man soll das studieren, was einen interessiert."

Wenn man sich für Psychologie oder fremde Kulturen interessiert, heißt das nicht automatisch, dass man ein Studium daraus machen sollte. Denn allein das Interesse für ein Fach ist nur notwendiger, aber nicht hinreichender Grund für die Studiumswahl. Die Studiumswahl hängt ab von dem Beruf, den man erreichen will. Wenn Sie sich nur "total für Psychologie interessieren", dann ist es besser, in der Badewanne Bücher darüber zu lesen.

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Diese Experten schreiben wöchentlich wechselnd im KarriereSPIEGEL über Bewerbungen, Karriere und die Wechselfälle des Berufslebens: Gerhard Winkler, Svenja Hofert, Martin Wehrle, Uta Glaubitz (von links oben nach rechts unten)

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Ein Psychologiestudium ist das Richtige, wenn Sie Psychotherapeut oder Personaler werden wollen. Sie machen dann Ihre Praktika in der Psychiatrie beziehungsweise in der Personalabteilung eines Unternehmens. Auch Studienfächer wie Slawistik oder Lateinamerikawissenschaften können wunderbar passen, wenn Sie Botschafterin werden wollen. Ihre Praktika machen Sie dann bei der Europäischen Kommission, und Ihre Abschlussarbeit schreiben Sie über die verschiedenen Positionen zum Drogenkrieg in Kolumbien.

  • Irrtum Nr. 4: "Jetzt habe ich schon Abitur, jetzt muss ich auch studieren."

Ich habe viele Kunden, die nach dem Studium in einem gruseligen Job gelandet sind. Sie schieben Excel Charts von Pontius zu Pilatus und würden sich als Schneiderin oder Koch viel wohler fühlen. Der Satz "Jetzt hab ich schon…, jetzt muss ich auch…" führt nie dazu, dass man einen Beruf bekommt, der wirklich passt. Er führt nur zu fadenscheinigen Begründungen. Die sich im Übrigen immer weiter fortpflanzen: "Jetzt hab ich schon eine Ausbildung zur Steuerfachgehilfin, jetzt mache ich auch den Steuerfachwirt."

Statt irgendwelchen Ansprüchen hinterherzulaufen, benutzen Sie lieber Ihren gesunden Menschenverstand: Studieren Sie nicht, wenn Sie lieber Schreinerin oder Schuhmacher werden wollen. Wenn Sie dagegen Arzt werden wollen, studieren Sie Medizin, und nicht Medizintechnik, auch wenn Ihnen das kürzer erscheint. Machen Sie keine Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin, wenn Sie nicht im Büro landen wollen. Studieren Sie kein Fach, das schon im Namen verspricht, keinerlei Fachwissen zu vermitteln ("Interdisziplinäre Kulturraum Wissenschaften" et al.).

  • Irrtum Nr. 5: "Man soll ruhig vieles ausprobieren."

Ausprobieren und Mal-rein-Schnuppern haben auch etwas Unernstes. Man will sich nicht für etwas entscheiden, sondern lieber spielen. Man macht hier ein Praktikum, studiert dort ein bisschen rum und lernt dann noch eine Fremdsprache. Leider weiß man nicht, welche, denn das würde ja von einem beruflichen Ziel abhängen: Arabisch lohnt sich für einen zukünftigen Winzer nicht. Für eine Schönheitschirurgin, eine Professorin für Religionswissenschaften, eine Archäologin, eine Botschafterin oder einen Nachrichtendienstmitarbeiter kann es die alles entscheidende, goldene Qualifikation sein.

Natürlich ist es in der Karriereplanung wie im richtigen Leben: Auch ein Irrtum führt mal zu einem guten Ergebnis. Schließlich sind aus desorientierten Spinnern schon Außenminister und TV-Moderatoren geworden - immer das entsprechende Ego, Talent und die große Klappe vorausgesetzt. Strategisch gesehen aber sind solche Durchwurschteleien nicht optimal. Für die, die sich aufs reine Glück nicht verlassen mögen, gilt: Fangen Sie Ihre Karriere nicht gleich mit einer Notlösung an. Wie soll das enden?

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insgesamt 102 Beiträge
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1. Leichter gesagt als getan
logiker92 10.04.2013
In der heutigen pkuristischen Gesellschaft mit einer riesen Auswahl an Entscheidungen, ist es nun mal schwer sich "richtig" zu entscheiden! Trotzdem sollte man die angesprochenen Punkte beherzigen und versuchen, seinen Weg zu finden...
2. Ich will was mit Menschen tun...
mschiebe 10.04.2013
Wenn ich das schon höre, könnte ich verzweifeln. Dieser Satz wird von fehlgeleiteten Idealisten geäußert, die keine Ahnung haben, wie der Durchschnitt der Bevölkerung tickt und auf die dann die berufliche Frustration wartet, meist verbunden mit der Vorstellung, dass der Staat sie für ihre Naivität alimentieren soll. Meine berufliche Praxis als Hochschullehrer zeigt mir, dass diejenigen, welche die in dem Artikel genannten Argumente ernst nehmen, gute Chancen haben, ein erfolgreiches Leben zu beginnen und ich kann daher nur raten, sich nicht von ehrgeizigen Eltern beirren zu lassen und eigene Fähigkeiten mit realistischen Berufszielen in Übereinstimmung zu bringen.
3. An die Arbeit, Faulpelze!
resusciman 10.04.2013
Also, ihr überbehüteten Investitionsobjekte, seht mal zu, euch schleunigst zum Wohle und Gedeihen der deutschen Wirtschaft verwertbar zu machen. Bloß nicht nach rechts und links schauen, sondern so schnell wie es geht ab in Hamsterrad. Husch!
4. was soll das helfen?
cobaea 10.04.2013
Zitat von sysopDDPAbi - was dann? Nur aus Unsicherheit eine Banklehre zu machen, bringt niemanden weiter. Wer Winzer werden will, studiert ja auch nicht Arabistik, nur weil er die Entscheidung scheut. Berufsberaterin Uta Glaubitz warnt: Wenn die Karriere mit einer Notlösung beginnt - wie soll das enden? http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/fuer-abiturienten-die-fuenf-schlimmsten-guten-ratschlaege-a-893416.html
Was soll den jemand, der sich noch "Abi - was dann?" fragt, mit diesen Ratschlägen? Die gehen allesamt davon aus, dass man sehr genau weiss, was man am Ende seines Berufslebens sein will. Wer aber "was dann" fragt, weiss doch genau *das* nicht. Der bräuchte Hilfestellung dazu, herauszufinden, was das Richtige ist. Und für den kann eben der Auslandsaufenthalt auch dann sinnvoll sein, wenn er anschliessend weder in den diplomatischen Dienst geht noch bei einem Hilfswerk arbeitet. Abgesehen davon, schadet es nue, sich noch ein bisschen den Wind um die Nase wehen zu lassen, bevor man sich nur noch ausschliesslich für Karrierebezogens interessiert.
5. Wenig hilfreiche Binsen
spon-facebook-10000111261 10.04.2013
So ist das also. Wenn man Winzer werden will, soll man nicht Arabisch studieren. Das ist ja mal interessant. Da kommt man ja gar nicht so einfach drauf. Man soll sich also von vorne herein entscheiden, was man will. Wie man allerdings zu einer solchen Entscheidung kommt, verrät uns die werte Autorin nicht. Schließlich ist nicht jeder (ich würde sogar sagen die Mehrheit) nicht schon im zarten Teenageralter von einer echten Berufung beseelt. Wie findet man denn nun mit 18 bis 20 Jahren heraus, welcher Beruf einen möglichst ein Leben lang ausfüllt? Und wie können möglicherweise Eltern bei der Entschiedungsfindung helfen, ohne dabei zu sehr eine Richtung vorzugeben, die dann doch nur zur Notlösung gerät? Eine Antwort auf diese Fragen wäre mal eine Meldung wert gewesen. Andernfalls bleibt ja doch nur die Möglichkeit, die von der Autorin beschriebenen schlimmen Fehler zu begehen.
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    Uta Glaubitz ist Berufsberaterin und unterstützt andere dabei herauszufinden, welcher Beruf zu ihnen passt. Ihre Kunden im Vorher-nachher-Vergleich präsentiert sie auf ihrer Internetseite:
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