Ausländische Fachkräfte "Man muss auch den Flurfunk verstehen können"
Ihr habt das Wissen, wir haben die Jobs - so einfach kann Einwanderung sein. Aber wer gepampert werden will, muss nach Kanada. In Deutschland finden sich Job-Interessenten nur schwer zurecht im Wirrwarr der Informationen. Richtig gefragt sind nur Vorzeigebewerber.
Sie sind Einwanderer zum Vorzeigen: Sri, der Maschinenbauingenieur aus Indonesien, Maria, die Software-Entwicklerin aus Spanien. Und Sundeep, der Elektroingenieur aus Indien. "I made it" steht über den Videos, die man mit ihnen gedreht hat, ich hab's geschafft. Schaut her, liebe Fachkräfte aus aller Welt, wie schön es ist in Deutschland. Die Erfolgsgeschichten der drei sind Teil einer Fachkräfte-Offensive.
"Make it in Germany" haben das Wirtschafts- und Arbeitsministerium und die Bundesagentur für Arbeit die Internetseite genannt. "Es ist mehr als ein Informationsportal - es ist ein Ausdruck von Willkommenskultur", schreiben sie dazu.
Wie diese Willkommenskultur aussieht, offenbart der "Quick-Check", ein Test, der nach wenigen Klicks ausspuckt, wie willkommen jeder Einzelne in Deutschland ist. Wer dort eingibt, er habe keinen Hochschulabschluss und sei Bürger "eines anderen Landes", das nicht zur Europäischen Union gehört und auch nicht Liechtenstein, Island, Norwegen oder Schweiz heißt, bekommt den netten Satz angezeigt: "Es bestehen derzeit nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten, in Deutschland zu arbeiten."
Besser haben es da EU-Bürger. Sie werden gar nicht nach ihrem Schulabschluss gefragt. "Wir freuen uns auf Sie", heißt es stattdessen. So ganz stimmt aber auch das nicht.
"Wir sind kein klassisches Einwanderungsland"
Alle Anwerbe-Initiativen zielen in erster Linie auf die begehrten Spezialisten. "Der ungelernte Arbeiter, der in Spanien arbeitslos wird, hat in Deutschland genauso wenig Chancen wie zu Hause. Der deutsche Arbeitsmarkt ist nur für bestimmte Fachkräfte aufnahmefähig", sagt Marion Rang von der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit. "Grob gesagt sind es bestimmte, vor allem technische Ingenieursrichtungen, Medizin, Altenpflege sowie das Hotel- und Gaststättengewerbe."
Ganz entscheidend seien auch Deutschkenntnisse, so Rang: "Es mag globale Unternehmen geben, wo die Arbeitssprache Englisch ist. Aber man muss ja auch den Flurfunk verstehen und interne E-Mails lesen können."
Wer sich für einen Job in Deutschland interessiere, müsse vor allem viel Eigeninitiative zeigen. "Wir sind kein klassisches Einwanderungsland wie Kanada, wo es wahnsinnig viele Beratungszentren gibt und die Leute gepampert werden, wo sie ein Haus und ein Auto gestellt bekommen", sagt Rang.
Berater in der Botschaft
Wie Ausländerbehörden zu "Willkommensbehörden" werden können, und wie es um die Einwanderung im Allgemeinen steht, untersuchte 2012 eine Arbeitsgruppe mit dem sperrigen Namen "Runder Tisch Aufnahmegesellschaft", zusammengestellt vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Ihr Fazit: Für Einwanderer gebe es in Deutschland viele verschiedene Informationsangebote, aber keine zentrale Anlaufstelle. Dies mache "das Auffinden von Informationen unnötig schwierig".
Neben dem "Make it in Germany"-Portal gibt es etwa eine Internetseite des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge mit Informationen zu Integrationskursen, Aufenthaltserlaubnis, Haftpflichtversicherung und Co. Die Beamten geben auch telefonisch Hilfen, etwa mit einer eigenen Hotline zur Anerkennung ausländischer Abschlüsse. Dort werden die Einwanderer vor allem weiterverwiesen, schließlich sind je nach Beruf verschiedene Stellen für die Anerkennung zuständig.
Und dann gibt es noch lokale Neubürger-Zentren, in Hamburg zum Beispiel das "Welcome Center". "Die Grenze ist da erreicht, wo es um konkrete Vermittlung geht. Wie nehmen niemanden an die Hand und suchen mit ihm einen Kita-Platz. Aber wir erklären, wie man einen Kita-Platz findet", erklärt Christian Steimker das Konzept. Steimker ist Hamburger Verwaltungsbeamter, der SPIEGEL beschrieb ihn einmal als "städtischen Patenonkel für qualifizierte Ausländer".
Den Experten vom "Runden Tisch Aufnahmegesellschaft" geht all das nicht weit genug: Sie empfehlen, in den deutschen Botschaften und Konsulaten extra geschulte Berater einzusetzen. In Indien, Indonesien und Vietnam gibt es solche lokalen Berater bereits - sie sollen mehr Fachkräfte wie Sri, Maria und Sundeep nach Deutschland locken.
vet/dpa
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