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22. Juni 2012, 08:46 Uhr

Game-Designer

Aufstieg ins nächste Level

Wer mit Computerspielen aufgewachsen ist, kann einen Job daraus klöppeln. Die Spielebranche wächst rasant und bietet sonnige Berufsaussichten. Entwickeln und gestalten, programmieren und produzieren - junge Spezialisten mit guter Ausbildung sind gefragt.

Im zweiten Semester haben Marvin Augenstein und seine Kollegen bereits ein preiswürdiges Computerspiel entwickelt. "Neodrome" heißt es. Statt als Super Mario flitzt der Spieler als Virus durch das Innere eines Computers und sammelt Punkte. Beim Deutschen Entwicklerpreis für Computerspiele gab es dafür den zweiten Platz in der Rubrik Newcomer Award.

Augenstein, 24, absolviert an der Privatschule Games Academy in Berlin eine Ausbildung zum Game Producer. Danach würde er gern als Spieleproduzent bei einer Computerspielefirma einsteigen.

Ähnlich wie Filmproduzenten behalten Game Producer bei der Produktion den Überblick und sorgen dafür, dass Abgaben und Budgets eingehalten werden. Sie kümmern sich darum, dass die Game Artists rechtzeitig Entwürfe über das Aussehen der Charaktere präsentieren. Und sie klären mit den Gamedesignern, wie viele Levels es in dem Spiel geben soll, für welche Handlungen die Charaktere Punkte bekommen.

Fast 1000 Stellen offen

Augenstein würde mit den Programmierern diskutieren, ob die Entwürfe umsetzbar sind: "Ich bin die Schnittstelle zwischen den vielen Menschen, die an einer Spieleproduktion beteiligt sind." Seine Chancen auf einen Job sind gut, die Computerspielbranche in Deutschland boomt. "Das ist eine der wachsenden Medienbranchen", sagt Gunther Rehfeld, Professor für Games, Grafik und Digitale Bildbearbeitung an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg.

Gutes Personal allerdings ist rar, erst recht junge Frauen. "Es besteht ein hoher Bedarf an Fachkräften", sagt Birgit Roth vom Bundesverband der Entwickler von Computerspielen (G.A.M.E.). Nach ihrer Schätzung sind momentan 900 Stellen in Deutschland unbesetzt; insgesamt arbeiten in der Branche zwischen 12.000 und 15.000 Festangestellte, dazu viele Freie.

Roth sieht jedoch je nach Fachrichtung unterschiedliche Berufsaussichten: Programmierer würden dringend gesucht, Game Artists konkurrierten zum Beispiel mit Illustratoren und Kommunikationsdesignern. "Hier ist es schwieriger, weil es viele Quereinsteiger gibt", sagt Annika Knipp von der Games Academy in Berlin.

Und welcher Zweig hat Zukunft? Internetspiele seien besonders gefragt, sagt Hochschullehrer Gunther Rehfeld, Konsolenspiele wie für die Playstation hingegen weniger. Bedarf an Fachkräften gebe es auch im Bereich der "Serious Games". Das sind Spiele, mit denen zum Beispiel die Feuerwehr Einsätze trainiert oder das Militär Kriegseinsätze. Hinzu kommen Lernspiele, mit denen Schüler spielerisch Wissen erwerben.

"Ein Traum, das beruflich zu machen"

Wer in die Computerspielbranche möchte, findet eine Reihe von Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten. Eine gute Möglichkeit sei, erst einmal einen Bachelor in Informatik oder Design zu machen, so Rehfeld. Später könne man sich mit einem Master etwa in Hamburg in "Zeitabhängige Medien - Sound-Vision/Games" spezialisieren. Oder man steigt gleich mit einem Bachelor "Game Design" ein, wie es die HTW Berlin anbietet. Daneben gibt es kostenpflichtige Angebote von Privatschulen wie der Berliner Games Academy. Die Kosten sind jedoch recht hoch: Eine zweisemestrige Ausbildung kostet 10.000 Euro.

Augenstein hat sich für die Computerspielebranche entschieden, weil er aus seinem Hobby einen Beruf machen wollte. "Ich bin mit Spielen groß geworden", sagt er. "Da dachte ich mir, es wäre ein Traum, das beruflich zu machen." Damit bringt Augenstein eine wichtige Eigenschaft für die Branche mit. Wer Fuß fassen möchte, brauche unbedingt Erfahrung mit Spielen, sagt Rehfeld. Und teamfähig sollte man sein, denn die Entwicklung eines Computerspiels ist eine Gemeinschaftsarbeit.

Die Qualifikationen unterscheiden sich nach Fachrichtungen. Programmierer müssen sich vor allem mit Informatik auskennen, bei den Artists sind künstlerische Fähigkeiten gefragt. Produzenten wie Augenstein bräuchten eher ein Verständnis für Betriebswirtschaftslehre und Personalführung, erklärt Annika Knipp von der Games Academy.

Langweilig wird ihm die Branche und sein Beruf nicht werden, glaubt Augenstein. Denn für ein gutes Spiel begeisterten sich schließlich Menschen in jedem Alter.

Kristin Kruthaup/dpa/jol

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