Von Eva Buchhorn und Klaus Werle
Ähnliches gilt für die soziale Verantwortung eines Unternehmens (von 14,5 auf 21,5 Prozent) - aber auch für das Einstiegsgehalt (von 17 auf 27,6 Prozent). Denn die erste Generation, die eher an Ufos glaubt als an die staatliche Rente und für die die Einstiegsgehälter seit Anfang der neunziger Jahre nominell zwar gestiegen, inflationsbereinigt meist jedoch gesunken sind, ist bei aller Begeisterung für das Wahre, Schöne, Gute trotzdem Sicherheit und materiellem Erfolg nicht abgeneigt. "Die machen keine Abstriche", sagt Trendence-Geschäftsführer Holger Koch, "sie wollen Sinnhaftigkeit, aber auch sehr gut bezahlt werden."
Bei allem Zielbewusstsein in ihren Ansprüchen präsentieren sich die Ypsiloner im Arbeitsalltag oft sprunghaft, Routine ödet sie an. Dabei könnte sich der Wunsch nach Wohlfühlatmosphäre, flachen Hierarchien und Spaß schnell als Hindernis erweisen, wenn Entscheidungsfreude und Durchsetzungsstärke gefragt sind. Schon fragen sich Experten, ob diese Generation die nötige Belastbarkeit mitbringt, um in einigen Jahren Führungspositionen zu besetzen. "Freiheitsliebe und Freude an immer Neuem sind gut - aber viele müssen lernen, dass es letztlich um Leistung geht", sagt Sophia von Rundstedt, Geschäftsführerin der gleichnamigen Personalberatung.
Als Wilfried Porth bei Daimler anfing, gab es noch Rechenschieber und ein großes Trara, als er einen Apple IIe mit "ins Geschäft" brachte. Der Personalvorstand hat schon viele Generationendiskussionen erlebt und kann die Lage mit schwäbischer Unaufgeregtheit betrachten. "In der Krise haben wir niemanden entlassen. Das zahlt sich jetzt aus. Die Bewerberzahlen bei uns nehmen sogar zu."
Die "Goldene Generation" ist keck - und klotzt bei Bedarf auch ran
Noch. Denn im Jahr 2008 lag die Zahl der Erwerbsfähigen in Deutschland bei stolzen 50 Millionen. Doch seitdem geht es abwärts. Langsam zuerst, doch unaufhaltsam und stetig schneller werdend. 2035 werden es noch 39 Millionen sein, 2060 dann nur 33 Millionen (siehe Grafik). "Schon seit einigen Jahren nimmt die Verweildauer in den Firmen stark ab. Wer jetzt auf den Arbeitsmarkt kommt, weiß, dass er wertvoll ist und jederzeit wechseln kann", sagt Wilhelm Bauer vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO).
Nach dem Gedränge der Babyboomer und der oft farb- und orientierungslos wirkenden Generation X erscheinen die Ypsiloner als "Goldene Generation": Aufgewachsen in einer Gesellschaft, die ihre ideologischen Schlachten geschlagen hat, international ausgebildet, dabei offener, toleranter und schneller getaktet, bieten sich ihnen die seit Langem wohl besten Ein- und Aufstiegschancen.
Unternehmen wie Daimler stellen sich langsam darauf ein: Der Konzern twittert und facebookt, dass älteren Semestern ganz schwummerig wird, seit gut drei Jahren gibt es die firmeneigene Kinderkrippe "Sternchen", auch Führungspositionen können per Jobsharing besetzt werden. "Natürlich stellen uns die Jungen vor Herausforderungen", sagt Porth, "aber sie bringen auch viel Dynamik und Kreativität in den Konzern."
Um 16 Uhr ins Fitnessstudio und um 19 Uhr noch mal für drei Stunden von zu Hause arbeiten, Elternzeit, Auszeit, Weiterbildung - früher nervige Extrawürste, heute beinahe selbstverständlich. "Hätte ich in meinem Bewerbungsgespräch nach einem Sabbatical gefragt, wäre die Antwort gewesen: ,Na klar, fangen Sie doch gleich damit an'", sagt Porth.
So keck die Millennials, wie sie auch genannt werden, auftreten - faul sind sie nicht. Macht der Job Spaß, wird auch kräftig rangeklotzt. Doch warum am Schreibtisch hocken bleiben, wenn die Arbeit getan ist? Mit Smartphone ohnehin immer online, erscheine ihnen die überlieferte Präsenzkultur vieler Unternehmen "artifiziell", sagt Armin Trost, Professor für Personalwesen an der Hochschule Furtwangen.
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