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Generation Y Die Gewinner des Arbeitsmarkts

Die nächste Generation: Qualifiziert, begehrt und selbstbewusst Fotos
Christian O. Bruch

Qualifiziert, selbstbewusst, extrem anspruchsvoll - junge Berufsanfänger ändern Kultur und Alltag in den Unternehmen. Was treibt die Nachwuchskräfte an, was ist ihnen wichtig? Und wo wollen sie am liebsten arbeiten? Ein Blick auf die Generation des schnellen Aufstiegs.

Gegen Ende des Bewerbungsgesprächs hat Wolfgang Pfleghaar noch ein Anliegen. Und zwar die Sache mit dem Privatleben. "Ich bin gern bereit, bis 21 oder 22 Uhr zu arbeiten, wenn das Projekt es erfordert", eröffnet er seinem verdutzten Gegenüber, "aber ich mache das sicher nicht jeden Tag." Freunde, Sport, Spaziergänge, das müsse weiter drin sein.

Sein künftiger Chef bei Daimler gratuliert ihm, dass er das Thema so offen anspricht, preist die flexiblen Arbeitszeiten im Konzern und gibt ihm den Job. Was sollte er sonst tun? Mit seinen grünblauen Augen und dem kalifornischen Lächeln kann man sich Pfleghaar auf einem Surfbrett genauso gut vorstellen wie im Businessanzug.

Der Wirtschaftsingenieur wirkt tiefenentspannt, und er hat Grund dazu: Sein Diplom hat er mit der Note 1,6 gemacht, in Neuseeland studiert, zwei Praktika in Japan absolviert und die Abschlussarbeit über regenerative Energien und Elektromobilität geschrieben. 15 Bewerbungen hat Pfleghaar verschickt, 15-mal schaffte er es bis zur Gesprächsrunde. Eine Handvoll Jobangebote renommierter Unternehmen, erzählt er, landete schließlich auf seinem Tisch.

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Top Ten der Arbeitgeber: Die Lieblinge der Wirtschaftswissenschaftler
Pfleghaar entscheidet sich für Daimler, weil seine Bewerbung schnell und für ihn transparent betreut wurde. Das Gehalt stimmt, die internationale Ausrichtung auch, und der Job im Entwicklungscontrolling Trucks klingt so spannend, wie er sich das vorgestellt hatte. "Meine Wünsche für den ersten Job hatte ich mir genau überlegt, und bei Daimler hat es eben am besten gepasst."

"Generation Y": Wählerisch wie eine Diva beim Dorftanztee

So klingt es, wenn eine Generation die Bühne betritt, die die Macht der Demografie hinter sich weiß. Die global orientiert ist, über Facebook, Twitter und iPhone bestens vernetzt und als erste Altersgruppe, die mit dem Internet aufgewachsen ist, technisch äußerst versiert. Die von den Unternehmen spannende Projekte, gute Gehälter, schnelle Aufstiegswege erwartet, für die Arbeit und Karriere aber gleichzeitig nicht allein selig machend sind. Vorhang auf für die "Generation Y"!

Geboren in den Achtzigern und Neunzigern, strömen die Ypsiloner seit einiger Zeit in die Unternehmen, wo sie die bislang kulturprägenden Babyboomer bald ablösen werden. In einigen Jahren werden sie weltweit jeden zweiten Arbeitnehmer stellen. "Dies ist die anspruchsvollste und selbstbewussteste Generation seit Langem", sagt Anders Parment von der Stockholm University School of Business, der ein Buch über die Ypsiloner geschrieben hat. "Sie wird die Arbeitskultur in den Unternehmen radikal umkrempeln."

Doch noch ist längst nicht allen Firmen bewusst, dass sich ihre Prozesse, ihre Kultur und ihre Werte ändern müssen, wenn sie den Kampf um die talentierten Jungen gewinnen wollen. Noch weniger wissen sie, wie sie die Nachwuchskräfte gewinnbringend einsetzen können.

Die Generation Y ist wählerisch wie eine Diva beim Dorftanztee. Der Aufbau einer Firma zur attraktiven Arbeitgebermarke, das sogenannte Employer Branding, wird sich wandeln müssen von einem unterhaltsamen Experimentierfeld zum vielleicht wichtigsten Wettbewerbsfaktor. Das Ranking der "Besten Arbeitgeber", für welches das Berliner Beratungsinstitut Trendence rund 23.000 examensnahe Studierende der Wirtschafts- und Ingenieurwissenschaften befragt hat und dessen Ergebnisse das manager magazin exklusiv veröffentlicht, zeigt dies schon jetzt.

Auf den ersten Blick ist alles wie immer: Auf den vorderen Plätzen dominieren die automobilen Platzhirsche wie Audi, BMW oder Porsche (siehe Tabellen). Der Sprengstoff verbirgt sich in der langfristigen Entwicklung, in Kriterien, nach denen die Ypsiloner urteilen, die in den Unternehmen jedoch nur langsam Einzug halten: Seit 2006 ist der Anteil der jungen Betriebswirte, die in der Umfrage Work-Life-Balance als wichtigen Faktor bei der Arbeitgeberwahl nennen, von 38,6 auf mehr als 50 Prozent gestiegen.

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insgesamt 239 Beiträge
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1. Oh Gloria
Arion's Voice 07.06.2011
Zitat von sysopQualifiziert,*selbstbewusst, extrem anspruchsvoll*-*junge Berufsanfänger ändern Kultur und Alltag in den Unternehmen. Was treibt die Nachwuchskräfte an, was ist ihnen wichtig? Und wo wollen sie am liebsten arbeiten? Ein Blick auf die Generation des schnellen Aufstiegs. http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/0,1518,766883,00.html
Und wieder eine Glorifizierung der Generation Burnout/Sellout. INSM-Artikel?
2. Was sie " auszeichnet" ?
sagmalwasdazu 07.06.2011
Nunja , die Bereitschaft , jegliche Art von Moral , Anstand und Solidarität schlicht über Bord zu werfen . Das Phänomen gibt es bereits seit ca. 15 Jahren . Sie wären bereit , Vater und Mutter(als Generation) die schlimmsten Arbeitsverhältnisse zuzumuten , um ihrer Karriere willen . *Nichts ist ihnen mehr Heilig * , keine Heimatstadt , kein Heimatland ...einfach nichts mehr . Sie sind Söldner der Kapital und Gewinnoptimierung . Vorübergehend das Tool der Kapitalhalter ! Aber nur für eine gewisse Zeit ...! ;-))
3. Wenn nur die dumme Realität nicht wär
shokaku 07.06.2011
Zitat von sysopEin Blick auf die Generation des schnellen Aufstiegs.
Irgendwie will das so gar nicht zu den Berichten aus Spanien und Italien passen.
4. Bitte "selbstsicher" verwenden - ich zucke immer zusammen
Arion's Voice 07.06.2011
Zitat von sysopQualifiziert,*selbstbewusst, extrem anspruchsvoll*-*junge Berufsanfänger ändern Kultur und Alltag in den Unternehmen. Was treibt die Nachwuchskräfte an, was ist ihnen wichtig? Und wo wollen sie am liebsten arbeiten? Ein Blick auf die Generation des schnellen Aufstiegs. http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/0,1518,766883,00.html
Schön wäre übrigens der Begriff "selbstsicher" statt "selbstbewusst". Umgangssprachlich zwar noch an der Grenze, diese Verwendung, aber im eigentlichen Sinne ist Selbstbewusstsein das, was Menschen und einige Tiere ausmacht: die Erkenntnis der eigenen Persönlichkeit.
5. Dr. h.c.
Tolstoi-ulm 07.06.2011
Zitat von shokakuIrgendwie will das so gar nicht zu den Berichten aus Spanien und Italien passen.
Wenn sie genauer gelesen hätte, trifft dies auf die wirklich begehrten und talentierten Nachwuchskräfte zu. Kann ich so aus persönlicher Erfahrung aber auch bestätigen. Die hier angesprochene Office-Time ist in vielen Unternehmen sowieso ein Kapitalkiller. Wozu Leute Stundenlang im Büro sitzen lassen, wenn sie nichts zu tun haben? Stattdessen so flexibel halten, dass sie, wenn nötig auch kurz um von zu Hause alles erledigen können.
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