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MBA-Studenten im Gründerfieber Ich werde Manager für Bier

Firmengründer mit MBA-Abschluss: Auf dem Papier war das einfacher Fotos
Michael Mahr

Eine eigene Firma zu gründen, gehört zum Standardprogramm des MBA-Studiums. Gewöhnlich sterben diese Unternehmen mit der Powerpoint-Präsentation. Doch immer mehr Studenten sehen in den fiktiven Businessplänen eine Alternative zur Karriere im Top-Management.

Vielleicht lag es am Alkoholverbot, dass Christian Klemenz, 26, im Gründerseminar seines MBA-Studiengangs als erstes an Bier dachte. Einen Businessplan für ein fiktives Unternehmen entwerfen, das war die Aufgabe, die der Professor des Indian Institute of Management ihm und seinen vier Kommilitonen gestellt hatte. Klemenz sah weiße Schaumkronen vor sich, goldgelbe Tropfen und schwitzende Glasflaschen, all das, worauf er ein ganzes Auslandssemester lang würde verzichten müssen. Im indischen Bundesstaat Gujarat, in dem die berühmte Managerschule ihren Sitz hat, ist der Konsum von Alkohol streng verboten.

Klemenz' Kommilitonen wussten deshalb nicht so recht, wovon er sprach, als er vorschlug, ihren Businessplan einer neuen Biermarke zu widmen. "Deutsches Bier hat in Indien den Stellenwert wie französischer Wein oder schottischer Whisky: Jeder denkt, es sei das Teuerste und Beste seiner Art, aber kaum jemand hat es schon einmal probiert", sagt Klemenz.

Also ließ sich der Bamberger kurzerhand von seiner Mutter ein Paket Bierflaschen nach Indien schicken. Nicht alle überlebten den Transport, aber es reichte für eine Blindverkostung im Wohnheim. Mit einer Ausländer-Sondergenehmigung besorgte Klemenz zum Vergleich indische und internationale Biersorten. 30 Studenten durften Testtrinken. Ihr Favorit: ein Bamberger Kellerbier.

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Business School in Indien: Studieren in zwei Welten
Die fünf Businessplanschreiber werteten die Ergebnisse akribisch aus, interviewten Unternehmer und Hoteliers, bastelten Grafiken und Powerpoint-Folien. Ein deutsches Bier für den indischen Markt? Der Professor war begeistert. Und Christian Klemenz und seinen Teamkollegen Vikanshu Bhargava ließ die Idee nicht mehr los. Zurück an der Handelshochschule Leipzig überzeugte der Bamberger zwei Kommilitonen von der Geschäftsidee. Sechs Monate später meldeten sie zu viert eine GmbH an. Und im März 2012 schipperten die ersten Bierflaschen der Marke St. Erhard nach Indien.

Jeder dritte MBAler wird zum Gründer

Start-up statt Großkonzern, Teamarbeit statt Solokarriere? Jahrelang galt die Buchstabenkombination MBA vor allem als Zauberformel für eine schnelle Karriere im Top-Management. Gründergeist assoziierte man eher weniger damit. Doch dass aus einer Seminararbeit eine Firma wird, ist an MBA-Schmieden nicht mehr ungewöhnlich.

An der Handelshochschule Leipzig macht sich mittlerweile jeder dritte MBA-Absolvent mit einer eigenen Geschäftsidee selbständig, die Otto Beisheim School of Management (WHU) rechnet mit 15 Prozent Gründern pro Jahrgang, Tendenz steigend. Zwei Studententeams der Mannheim Business School konnten gerade mit ihren Gründungsideen internationale Wettbewerbe gewinnen. Die spanische IESE Business School hat sogar einen eigenen Risikokapitalfonds aufgelegt, um ihren Absolventen bei der Finanzierung eigener Projekte zu helfen. Und die Top-Schule Insead schätzt, dass mehr als 40 Prozent ihrer Absolventen früher oder später eine Firma gründen.

Zu den wohl berühmtesten Gründern mit MBA-Abschluss zählen Internetinvestor Oliver Samwer und die Zalando-Gründer David Schneider und Robert Gentz. Die drei haben an der WHU studiert. WHU-Sprecher Peter Augustin sagt, sie hätten dort ein "richtiggehendes Gründungsfieber" entfacht.

Wie kurz der Weg von der Seminararbeit zum Firmenkonzept scheint und wie steinig er wirklich ist, kann Jan Olszewski, 33, erzählen. 2006 entwarf er während des MBA-Studiums in Mailand das Konzept für einen Frozen-Yogurt-Laden. Sechs Jahre lang sparte er für das Startkapital, ein Jahr lang suchte er in Berlin nach einem Laden, dann trödelte die für den Innenausbau zuständige Firma. Und zur Eröffnung von "Youghurt" war der Sommer vorbei.

Olszewski sieht das sportlich. Zur Not könnte er jederzeit wieder im Betrieb seines Vaters einsteigen, er stellt Stadtbusse her. So weit soll es aber nicht kommen. Um Geld zu sparen, stehen er und seine Frau jetzt in ihrem Selbstbedienungsrestaurant persönlich an der Kasse und haben das Sortiment um Salat und Müsli erweitert, um nicht mehr so stark vom Wetter abhängig zu sein. Aber hätte er das nicht auch ohne MBA haben können?

Netzwerke sind mehr wert als Seminare

Die Antwort ist Ja und Nein. "Der Businessplan aus dem Studium war eine gute Grundlage, aber er war eben nur eine Seminararbeit", sagt Olszewski. Auf den MBA verzichten würde er trotzdem nicht wollen: "Ich habe damals gelernt, möglichst schnell möglichst viel zu lernen und mich von Stress und Druck nicht ablenken zu lassen." Das sei mehr wert als alles andere.

Biermarkengründer Christian Klemenz sieht den Wert des MBA-Studiums vor allem im Netzwerken: "Das Studienfach ist gar nicht so wichtig, aber die Kontakte hätte ich nirgendwo sonst knüpfen können. Und meine Mitgründer habe ich ja auch alle an der Uni kennengelernt." Über den Alumni-Kreis der indischen Wirtschaftschule fanden die vier Gründer auch ihren ersten Importeur, der ihnen half, eine Einfuhrlizenz für ihr Bier zu organisieren. "Die größte Herausforderung war die Bürokratie in Indien", sagt Klemenz. "Die kann man in keinem Seminar simulieren."

An der Uni in Gujarat darf das Bier wegen des Alkoholverbots nicht verkauft werden, aber in Delhi ist Biertrinken erlaubt. Obwohl man St. Erhard bislang nur an Hotelbars in Delhi kaufen kann, hat die Marke auf Facebook schon fast 20.000 Fans. Sogar ein Bollywood-Star soll mit einem St. Erhard gesichtet worden sein.

  • Autorin Verena Töpper (Jahrgang 1982) ist KarriereSPIEGEL-Redakteurin.

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insgesamt 19 Beiträge
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1. optional
privat78 08.07.2013
Jetzt versucht man wieder uns das positiv zu verkaufen. Jeder Dritte gründet ein Unternehmen, weil er sonst arbeitslos wird. Aufgrund der Produktivität kann man eben mit weniger Menschen immer mehr produzieren. Diese Sachen werden dann verkauft, wenn auf der einen Seite genug Geld vorhanden ist, und wenn das Produkt ( von denen die Gelder haben ) gebraucht wird. Mittlerweile klappt das mit dem Verschulden und Geld drucken nicht mehr, also kommt demnächst die Endabrechnung. Wir haben zwar noch genug verblödete Konsumenten, die jeden Scheiß kaufen, aber irgendwann muss man auch im Mediamarkt (heute kaufen und in 3 Monaten wird der Strom abgedreht) das Gerät bezahlen.
2. Frauenquote
happydwarf 08.07.2013
Mit der Einführung der Frauenquote wird die Motivation zur Selbständigkeit noch zunehmen. Denn wo sollen die ganzen Männer hin, wenn es oben immer enger wird? Könnte also eine gute Sache werden. Vielleicht. Erstmal abwarten.
3. Lustige Studenten...
BettyB. 08.07.2013
Karriere im Topmanagement. Da könnten die meisten auch versuchen Olympiadeteilnehmer zu werden...
4. Ich find das toll
hermes69 08.07.2013
Zumindest probieren sie was. Find ich klasse wenn die Leute ihre Ideen auch umsetzen und nicht jahre- oder jahrzehntelang nur in ihrem Angestellenverhältnis jammern. Wünsche Ihnen alles Gute!
5. Startups
wwwwalter 08.07.2013
Marketing und Businesspläne reichen nicht, um ein erfolgreiches Startup-Unternehmen auf den Weg zu bringen, es sei denn, man will eine Würstchenbude oder den x-ten Onlineshop in einem bestimmten Maktsegment eröffnen. Wirkliche Marktlücken sind nicht mehr so leicht zu finden, der Markt ist insgesamt sehr gesättigt. Vielfach werden uns Produkte als neu und hip verkauft, die in Wirklichkeit gar keine Innovation darstellen. Unsere Gesellschaft braucht keine Manager für Bier, braucht nicht so viele BWL-Marketing-Leute, die aufs schnelle Geld und auf die Karriere aus sind. Wir brauchen Erfinder, Tüftler, Ingenieure, kluge Köpfe, die wirklich was drauf haben. Wir brauchen Produzenten und Produktentwickler. Reine Händler und Selbständige in einfachen Dientleistungsbranchen sind nicht das Rückgrat unserer Industriegesellschaft. Natürlich ist es der einfachste Weg irgendetwas zu vertickern, am besten Immobilien (der Traumjob schlechthin). Typen, die von solchen Selbständigkeiten träumen gibt es wie Sand am mehr.
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