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Stress in der Lehre Erste Hilfe für Azubis

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Hilfe, ich ersticke in Arbeit: In der Ausbildung läuft nicht immer alles nach Plan

Der Chef brüllt, die Kollegen nerven und der Berufsschullehrer erzählt unverständliches Zeug: Jeder vierte Azubi schmeißt seine Ausbildung hin. Dabei gibt es viele Hilfsangebote, von der Gratis-Nachhilfe bis zum persönlichen Mentor.

Es gibt Tage, an denen sie ihre Ausbildung am liebsten abbrechen würde. Das sind Tage, an denen ihr Chef sie anbrüllt, sie als nutzlos beschimpft oder ihr vorwirft, sie könne gar nichts. "Er ist ein Choleriker", klagt die 22-Jährige. Ihren Namen möchte sie nicht nennen. Seit 2011 macht sie in einem Karlsruher Unternehmen eine Ausbildung zur Kauffrau für Dialogmarketing. Oft macht ihr die Arbeit Spaß. Doch die Beleidigungen durch ihren Chef zerren an ihren Nerven.

Solche Schilderungen überraschen Florian Haggenmiller nicht. "Es gibt immer wieder Fälle, in denen Azubis ihren Lohn zu spät oder gar nicht bekommen, Überstunden machen müssen, ausbildungsfremde Tätigkeiten verrichten oder sogar gemobbt werden", sagt der Bundesjugendsekretär beim Deutschen Gewerkschaftsbund. Fast ein Viertel der Auszubildenden löste 2011 ihren Vertrag vorzeitig auf, ergab eine Auswertung des Bundesinstituts für Berufsbildung.

Damit es nicht so weit kommt, ist es wichtig, dass die Auszubildenden ihre Rechte kennen. Diese sind im Berufsbildungsgesetz festgelegt. Auch den Ausbildungsvertrag und die Ausbildungsordnung sollten sie sich genau durchlesen.

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Azubi-Löhne: Tops und Flops bei der Bezahlung
"Es gibt Konflikte, wo ganz klar gegen geltendes Recht verstoßen wird", sagt Katharina Schumann, Leiterin des Referats Bildungsberatung bei der Handwerkskammer Berlin. Das könne etwa der Fall sein, wenn das Unternehmen regelmäßig zu viele Überstunden verlangt oder man Arbeiten verrichten muss, die nicht zur Ausbildung gehören. Dann solle man sich am besten an einen Ausbildungsberater der Handwerkskammern oder der Industrie- und Handelskammern (IHK) wenden. Dieser prüfe, ob eine Rechtsverletzung vorliegt, und suche das Gespräch mit dem Chef.

Bei ausstehenden Geldbeträgen unterstützen die Ausbildungsberater die Azubis darin, eine Mahnung zu schreiben. Bringt das nichts, gehen die IHK und die Handwerkskammern selbst noch einmal schriftlich vor. In seltenen Fällen beantragen sie einen Entzug der Ausbildungsberechtigung. In größeren Unternehmen seien bei Problemen auch der Betriebsrat oder die Jugend- und Auszubildendenvertretung gute Ansprechpartner, sagt Haggenmiller.

Nachhilfeunterricht gibt es gratis

Doch nicht immer gehen die Probleme vom Betrieb aus. Oft haben Auszubildende auch Schwierigkeiten in der Berufsschule. "Schlechte Noten sind aber kein Grund zu verzweifeln", sagt Nico Schönefeldt, Berufsbildungsexperte des Deutschen Industrie- und Handelskammertags. Was viele nicht wissen: Azubis können mit dem Einverständnis ihres Betriebs bei der Agentur für Arbeit ausbildungsbegleitende Hilfen anfordern. Dann bekommen sie kostenlosen Nachhilfeunterricht und werden außerhalb der Berufsschule bei theoretischen Lerninhalten unterstützt.

Außerdem gibt es VerA, ein Programm des Bundesbildungsministeriums, das Azubis berufserfahrene Experten als Mentoren zur Seite stellt. Das Buchstabenkürzel VerA steht für Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen. "Die Mentoren geben nicht nur Hilfestellung, sondern dienen auch als Vorbilder", sagt Schönefeldt.

Wer sich anonym Ratschläge zu Problemen rund um die Ausbildung holen möchte, ist auf dem Onlineportal Dr. Azubi richtig. Auf der vom DGB eingerichteten Seite können Auszubildende ihre Probleme schildern und bekommen innerhalb von 48 Stunden eine Antwort. "Wenn alle Stricke reißen, ist es auch möglich, sich in einem anderen Beruf ausbilden zu lassen", sagt Schönefeld. Dieser Schritt müsse aber gut überlegt sein. Den Jugendlichen stünden auch hier die Ausbildungsberater der IHK und Handwerkskammern beratend zur Seite.

Maria Fiedler/dpa/vet

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insgesamt 15 Beiträge
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    Seite 1    
1.
jenny_340 15.04.2013
Liebe Azubis, immer dran denken: Nach der Probezeit seit ihr praktisch unkündbar, vorausgesetzt ihr verhaltet euch korrekt. Ihr habt mehr Rechte, als ein normaler Arbeitnehmer. Also wenn der Chef das Auto gewaschen haben möchte, könnt ihr ruhigen Gewissens ablehnen. Habt ihr einen cholerischen Chef, erledigt eure Aufgaben korrekt und nehmt euch den Rest nicht so zu Herzen. Mag er/sie schreien, wie er möchte. Euch kann er/sie nichts. Konzentriert euch lieber auf die Berufsschule und legt einen guten Abschluss hin. Hier eine Link für weitergehende Infos: Azubi & Azubine - Wie wehrt sich ein Azubi gegen eine Kndigung? (http://www.azubi-azubine.de/mein-recht-als-azubi/kuendigung-durch-den-ausbilder.html)
2. yo
Layer_8 15.04.2013
Zitat von jenny_340Liebe Azubis, immer dran denken: Nach der Probezeit seit ihr praktisch unkündbar, vorausgesetzt ihr verhaltet euch korrekt. Ihr habt mehr Rechte, als ein normaler Arbeitnehmer. Also wenn der Chef das Auto gewaschen haben möchte, könnt ihr ruhigen Gewissens ablehnen. Habt ihr einen cholerischen Chef, erledigt eure Aufgaben korrekt und nehmt euch den Rest nicht so zu Herzen. Mag er/sie schreien, wie er möchte. Euch kann er/sie nichts. Konzentriert euch lieber auf die Berufsschule und legt einen guten Abschluss hin. Hier eine Link für weitergehende Infos: Azubi & Azubine - Wie wehrt sich ein Azubi gegen eine Kndigung? (http://www.azubi-azubine.de/mein-recht-als-azubi/kuendigung-durch-den-ausbilder.html)
Genau! Schlimme Erfahrungen sind ja nicht die Regel, und wenn's einen doch treffen sollte, hat man sogar ein bisschen mehr für's Leben gelernt. Stay cool und versucht 'nen schönen Abschluss hinzukriegen.
3.
Atheist_Crusader 15.04.2013
Man muss sich nur zu helfen wissen. Aus meiner Berufsschulklasse haben 3-4 Leute zwischenzeitlich den Betrieb gewechselt. Das ist möglich, aber das muss man wissen. Ebenso muss man den feinen Unterschied kennen zwischen "seine Rechte kennen und wahrnehmen" und "buchstabengenau darauf bestehen, egal wem man dabei auf die Nerven geht". Dann ist schon viel gewonnen. Ein bisschen Durchhaltevermögen hat allerdings noch keinem geschadet. "Lehrjahre sind keine Herrenjahre" ist ein alter Spruch, den man als Azubi sehr schnell hassen lernt aber leider der Wahrheit entspricht. Manchmal muss man einfach die Klappe halten und sich durchbeißen. Ich kenne genug Leute, die ihre Ausbildung abgebrochen haben, weil sie schlicht nicht damit klar kamen, Anweisungen zu befolgen, mit Autoritätspersonen klarzukommen und sich an Regeln zu halten. Um die tut es mir dann weniger Leid. Schillernde Individualisten, penetrant-antikonventionelle Freigeister und voll krasse Rebellen sind in der Arbeitswelt wenig gefragt. Exzentrizitäten sind was für Leute, die es sich leisten können. Azubis gehören nicht dazu.
4.
Rainer Helmbrecht 15.04.2013
Zitat von Atheist_CrusaderMan muss sich nur zu helfen wissen. Aus meiner Berufsschulklasse haben 3-4 Leute zwischenzeitlich den Betrieb gewechselt. Das ist möglich, aber das muss man wissen. Ebenso muss man den feinen Unterschied kennen zwischen "seine Rechte kennen und wahrnehmen" und "buchstabengenau darauf bestehen, egal wem man dabei auf die Nerven geht"............
Ich habe früh die Meisterprüfung abgelegt und mich auch umgehend selbständig gemacht. Natürlich war ich der Meinung schon alles zu wissen und war gewohnt mich auch durch zu setzen. Ruhiger wurde ich danach, als ich Kunden und Angestellte hatte und deren Ideen berücksichtigen musste. Plötzlich war ich der, der nachgeben musste. Das bedeutete, dass Nachgeben und Vermitteln meine Hauptaufgaben wurden. Das was ich als Lehrling zähneknirschend ertragen habe, war notwendig, damit alles weiter lief. Da gab es Kunden, denen man Konzessionen machen musste. Angestellten, denen man gut zureden musste, obwohl sie Mist abgeliefert haben. Die Idee, dass man mal die Sau rauslassen konnte, ist das, was man von ganz alleine auf gibt. Auf jeden Fall, sind die Gründe, die Lehre zu schmeißen, lächerlich, im Verhältnis zu dem, was man später noch schlucken muss;o). MfG. Rainer
5.
janne94 15.04.2013
Als Azubi hat man nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten. Das fängt schon bei der Pünktlichkeit an. Leider lernen Schüler in der Schule (meist) nicht, dass ihr Verhalten im weiteren Leben auch schlimmere Konsequenzen hat, als nur blaue Briefe an die Eltern... Ich als Azubi kenne meine Rechte und Pflichten ganz genau (lernt man auch in der Berufsschule)! Aber man muss auch einfach Glück mit dem Betrieb haben.
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