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Job-"Rewelution" Karriere? Mir doch wurscht!

Wer gar nichts kann, auch nichts weiß und nichts will, der sollte in den Handel gehen. Oder Wirtschaftsinformatik studieren. Klingt befremdlich? Das spuckt aber die neue "Jobmachine" des Branchenriesen Rewe aus. Maren Hoffmann absolvierte einen schonungslosen Selbsttest.

Ich habe keine Interessen. Weder möchte ich Umgang mit Menschen haben, noch interessiere ich mich für Technik. Bewegung ist mir ein Graus, was Neues lernen möchte ich eigentlich nicht mehr, andere Länder sind mir ebenso schnurz wie die Produkte, mit denen meine Firma handelt. Verantwortung übernehme ich äußerst ungern, und mit Computern kann ich gar nicht umgehen. Ich habe eigentlich nur zwei Ziele im Leben: Ich will irgendwie mein Abitur schaffen. Und dann will ich ein Team leiten.

Da bin ich bei Rewe genau richtig. Herausgefunden habe ich das auf der neuen Jugendseite des 300.000 Mitarbeiter starken Handels- und Touristikkonzerns. Sie heißt, man mag es den Lesern kaum zumuten, Rewelution. Bei der Benennung hat sich Rewe übrigens mit leichter Hand bei der "Süddeutschen Zeitung" bedient, die das schmerzhaft naheliegende Wortspiel schon vor knapp fünf Jahren in anderem Zusammenhang erfand. Aber das nur am Rande. Auf dem Portal gibt es eine "Jobmachine", und die findet für fast jeden etwas - 24 Interessenschwerpunkte werden abgefragt, man kann einen bis fünf Sternchen vergeben.

Zum Selbsttest trete ich mit meinem Totalverweigererprofil an. Immerhin stehen mir drei Karrieren offen. Am ehesten passt der Bachelor of Arts, Fachrichtung Handel, auf Platz zwei kommt dann schon das duale Studium Wirtschaftsinformatik. Ich könnte mich aber auch für das Abiturientenprogramm im Einzelhandel bewerben, dort wartet man offenbar auf genau solche Leute wie mich.

Wenn ich denn Lust hätte. Hab' ich aber nicht. Bei näherem Nachdenken scheint mir auch das Abi irgendwie zu anstrengend. Wozu eigentlich der Aufwand? Als angestrebten Schulabschluss gebe ich jetzt den Hauptschulabschluss ein. Und ein Team will ich auch nicht mehr leiten. Viel zu viel Stress. Ich profiliere mich als Honk: Hauptschüler ohne nennenswerte Kenntnisse.

Ja, soll ich denn ein Team von Würstchen leiten?

Na, damit komme ich bei Rewe dann doch nicht durch. Die Jobmachine mahnt kumpelhaft: "Du hast überhaupt keine Stärken und Interessen? Das können wir uns gar nicht vorstellen! Probier's doch gleich noch einmal." Okay, okay. Die Teamleitung kann ich meinetwegen übernehmen, wenn es denn sein muss, schuften können ja dann die anderen. Und siehe da, ich bin wieder im Geschäft, schon will Rewe mich doch haben: Fleischerin soll ich werden. Klasse. Vielleicht erwartet man von mir, dass ich ein Team von Würstchen leiten soll?

Dann vielleicht doch lieber eigene Interessen haben, aber auf die Teamleitung verzichten. Also bin ich Hauptschülerin, kann und gebe aber alles: Ich bin ein Ass am Computer, arbeite gerne auch zu ungewöhnlichen Zeiten, bin sportlich und mobil und liebe es, zu organisieren und mir komplexe Sachverhalte anzueignen. Ich mag andere Länder. Mathe ist auch eine Stärke von mir, am Telefon blühe ich richtig auf.

Und was werde ich damit? Verkäuferin. Oder Fleischerin.

Moment mal. Steh ich dann nicht neben genau dem Typen an der Wursttheke, der sich für nichts interessiert, aber trotzdem mein Teamleiter geworden ist? Grauenhaft. Vielleicht mach ich doch lieber Abi. Und interessiere mich für alles. Kann alles. Will alles. Und was werde ich diesmal? Genau: Ich soll meinen BA machen, Fachrichtung Handel. Oder wieder mal dual Wirtschaftsinformatik studieren. Zusammen mit den ganzen Luschen aus meinem Jahrgang, die nichts drauf haben, aber das Team leiten wollen.

Ich freu mich schon drauf.

Maren Hoffmann ist Onlineredakteurin beim manager magazin.

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