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Jobmarkt Erneuerbare Energien "Gut oder hervorragend, das ist die Frage"

Grüne Spezialisten im Blaumann: Photovoltaik-Studenten bei Q-Cells in Thalheim Zur Großansicht
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Grüne Spezialisten im Blaumann: Photovoltaik-Studenten bei Q-Cells in Thalheim

Die Zukunft gehört den Erneuerbaren Energien - aber wer versteht etwas von der Technik? Viele Unternehmen suchen dringend nach Fachkräften, der Atomausstieg wird die Lage nochmals verschärfen. Darum können Ingenieure mit grünem Spezialwissen manche Stichworte in Stellenanzeigen getrost ignorieren.

Wer sich auf Erneuerbare Energien spezialisiert, hat derzeit größere Karrierechancen denn je. Künftig werden noch mehr Fachkräfte gebraucht, die sich mit Windenergie, Solartechnik oder Geothermie auskennen, sagen Experten - der geplante Atomausstieg macht sie erst recht sicher. "Die Absolventen werden uns praktisch aus den Händen gerissen", sagt Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme in Berlin. "Viele kriegen schon nach dem Bachelor direkt ein Beschäftigungsangebot."

Die meisten seiner Studenten schreiben ihre Abschlussarbeit in einem Unternehmen. "Da sind die Zugpferde momentan ganz klar die Photovoltaik und die Windenergie, mit Abstand", sagt Quaschning. Viele Unternehmen kämen gezielt auf die Fachhochschule für Technik und Wirtschaft zu und versuchten, Studenten für eine praxisbezogene Examensarbeit zu gewinnen: "Die guten Leute werden danach gleich übernommen und kommen gar nicht erst auf den freien Arbeitsmarkt."

Für den Studiengang gibt es dem Professor zufolge schon seit Jahren mehr Bewerber als Plätze, denn Energie ist schon eine ganze Weile ein Thema. nach Fukushima könnte die Bewerberzahl noch einmal ansteigen. Immerhin reagieren auch die Hochschulen mit neuen Studiengängen im Bereich der Erneuerbaren Energien. Nach Angaben des Bonner Wissenschaftsladens sind es in Deutschland inzwischen rund 300. Die Zahl ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen.

Verwirrend für Jobeinsteiger: Bei 70 Prozent der Stellen im Umweltschutz wurden vergangenes Jahr Bewerber mit Berufserfahrung gesucht, bei 32 Prozent gar mit Erfahrung in einer spezifischen Branche der Erneuerbaren Energien.

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Frische Uni-Absolventen sollten sich davon nicht abschrecken lassen. Solche Ingenieure sind kaum zu finden. Deshalb haben Einsteiger trotzdem gute Chancen.

Ein junger Ingenieur bei einem deutschen Energieversorger, der ungenannt bleiben möchte, bestätigt das. Seine Firma bekomme "eigentlich keinen an Land, der die Berufserfahrung schon mitbringt". Sein Glück: Der Arbeitgeber finanziert ihm ab Herbst einen Aufbaustudiengang Windenergie - damit er für spätere Projektarbeit noch besser gerüstet ist. Studiengebühren und Reisekosten werden übernommen. Alle paar Wochen wird er, sofern die Uni ihn annimmt, am Wochenende büffeln. Nicht zuletzt verspricht er sich davon bald ein höheres Gehalt.

Der Anteil der Idealisten nimmt ab, die Gehälter steigen

"Green-Tech bietet gute Ein- und Aufstiegschancen", sagt Bosch-Sprecher Dirk Haushalter. Aus dem "InterCampus-Program" von Bosch fließen nach Unternehmensangaben 15 Millionen Euro an das Karlsruher Institut für Technologie, die Universität Stuttgart und die RWTH Aachen. Unterstützt werden sollen Projekte etwa zur Windkraft und Photovoltaik.

Auch Siemens wirbt um grünen Nachwuchs: "Wir suchen unter anderem Berufsanfänger der Studiengänge Elektrotechnik oder auch Maschinenbau/Umwelttechnik, bevorzugt mit dem Schwerpunkt Erneuerbare Energien", sagt ein Unternehmenssprecher. "Darüber hinaus suchen wir auch Mitarbeiter, die bereits Berufserfahrung in den Bereichen Wind, Photovoltaik oder bei solarthermischen Kraftwerken mitbringen."

Die Zukunft erscheint rosig. So schätzt das Zentrum für Wirtschaftsforschung (ZEW), dass jedes Prozent Anteil der deutschen Industrie am Weltmarkt für erneuerbare Energien rund 24.000 neue Arbeitsplätze bringen könne. Je mehr man vom Kuchen der erneuerbaren Energien im globalen Maßstab abbekomme, umso mehr Beschäftigung werde auch in Deutschland geschaffen. Vor allem in der Windenergie sei Deutschland international in einer guten Position.

Bis vor fünf Jahren seien in der Branche der Erneuerbaren Energien unterdurchschnittliche Gehälter gezahlt worden, sagt Experte Quaschning. "Es gab da einfach viele Idealisten, die auch bereit waren, für weniger Geld zu arbeiten." Mittlerweile habe sich für die Einsteiger die Bezahlung den normalen Ingenieursgehältern angenähert. Und wer sich ins Zeug lege und einen guten Abschluss mache, der könne mit gleich mehreren Jobangeboten rechnen: "Es ist eher die Frage, ob sich die Jobsituation gut oder hervorragend entwickelt, dazwischen schwanken wir momentan."

dpa/mamk

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