ThemaBewerbungenRSS

Alle Artikel und Hintergründe


  • Drucken
  • Senden
  • Nutzungsrechte
 

Jobmarkt für Absolventen "Wir wollen Sie!"

Die Jugend kommt gewaltig: Angehende Absolventen haben derzeit so gute Jobchancen wie nie zuvor, das gilt selbst für Geisteswissenschaftler. Dennoch fühlen sich nicht alle umworben. Fünf Bewerber berichten von ihren Erfahrungen - und davon, was schieflaufen kann.

Soziologiestudium mit Bachelorabschluss - das klingt nicht unbedingt nach Jobgarantie und Turbokarriere. Tram Nguyen hat, während sie in diesem Frühjahr ihre Bachelorarbeit verfasste, fünf Bewerbungen geschrieben. Viermal wurde sie eingeladen, prompt bekam sie einen Job. "Ich hatte das Gefühl, umworben zu sein", sagt die Hamburgerin.

Eine schöne Überraschung. Doch es gibt auch den umgekehrten Fall, das böse Erwachen: Ein dualer Masterabschluss in Internationalem Marketing, Noten "sehr gut" und "gut", abgelegt an renommierten Universitäten im Ausland, Englisch und Spanisch fließend, Praktika im In- und Ausland - da sollte in Zeiten des Aufschwungs der Einstieg in die Karriere leichtfallen. Eigentlich. Doch die 26-jährige Turbostudentin hat seit Jahresbeginn rund 120 Bewerbungen geschrieben, ohne Erfolg.

Willkommen auf dem Bewerbermarkt 2011. Nach einem Aufruf von KarriereSPIEGEL konnten Uni- und Fachhochschulabsolventen, die sich gerade um einen Einstiegsjob bemühten, von ihren Erfahrungen berichten. Und auf Fragen wie diese Antwort geben: Bricht die Generation Y vor dem Hintergrund knapper werdender Nachwuchsjahrgänge unbeschwert in die Karriere auf, kommt die Jobgarantie quasi mit dem Examenszeugnis? Oder stammen die guten Nachrichten vom Absolventenmarkt doch wieder nur von denen, die immer leicht vermittelbar waren - den üblichen Einser-Kandidaten aus den richtigen Fächern mit dem richtigen Auftreten?

Beste Chancen sogar für Geisteswissenschaftler

Das Fazit nach rund 20 Gesprächen mit Bewerbern des Jahrgangs 2011: Die Lage ist gut, unvergleichlich besser als in den Vorjahren. Doch auch wenn den rund 275.000 Uni- und Fachhochschulabsolventen in diesem Jahr etwa die gleiche Zahl Einstiegsjobs offeriert wird, bekommt längst nicht jeder ein attraktives Angebot. Zwar sind Unternehmen heute schon zu Kompromissen in Sachen Examensnote oder Studienfach bereit, wichtiger geworden scheinen aber Person und Persönlichkeit. Wer Begeisterung und Belastbarkeit, Neugier und Durchsetzungswillen ausstrahlt, dazu noch das Gefühl auslöst, er passe gut ins Team, hat beste Chancen auf den Job - auch mit mäßigen Noten oder als Geisteswissenschaftler. Und wer umgekehrt in der noch kurzen Vita schon einen Burnout anführt oder wer im Vorstellungsgespräch Kommunikationsprobleme offenbart, hat es auch mit dem gefragtesten Abschluss schwer.

Fotostrecke

5  Bilder
Neu im Job: Fünf Fallgruben für Berufsstarter
"Persönlichkeit und Papierform klaffen oft weit auseinander", beobachtet Thorsten Grenz, Geschäftsführer und Personalchef der Veolia Umweltservice GmbH. Er stellt pro Jahr 15 bis 20 Absolventen ein und moniert, dass manche zwar gute Noten vorweisen, aber "verspannt, übermotiviert und arrogant" auftreten. Während er die formal-fachliche Qualifikation lobt, registriert er eine Schattenseite der allseits geforderten Teamorientierung: "Da gibt es manchmal schon eine Teamabhängigkeit - wer mag den Kopf hinausstrecken, wagt Widerspruch, schießt den Elfmeter?"

"Die Jungen spüren, dass sich der Markt gedreht hat"

Es sei noch schwieriger geworden, gute Leute zu finden. Grenz: "Es gibt einen doppelten Effekt. In der guten Konjunktur werden mehr gesucht, zugleich wirkt bereits der demografische Faktor, die Zahl der Jungen sinkt."

Fotostrecke

10  Bilder
Beliebteste Arbeitgeber: Die Top Ten der Ingenieure
Im Frühjahr hatte eine Umfrage der Beratungsfirma Kienbaum bei 530 deutschen Arbeitgebern ergeben, dass mehr als zwei Drittel der Unternehmen Probleme haben, hoch qualifizierte Nachwuchskräfte zu gewinnen. Die Jungen spüren, dass sich der Markt gedreht hat. "Die Absolventen sind sich bewusst, dass sie eine gesuchte Spezies sind", registriert Holger Koch, Geschäftsführer der Marktforschungsfirma Trendence, die jährlich die Stimmung und Vorlieben examensnaher Studenten erhebt, "das schlägt sich in den Erwartungen nieder".

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 36 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. ....
pappnose 16.11.2011
Zitat von sysopDie Jugend kommt gewaltig: Angehende*Absolventen haben derzeit so gute Jobchancen wie nie zuvor, das gilt selbst für Geisteswissenschaftler. Dennoch fühlen sich*nicht alle umworben. Fünf*Bewerber berichten von ihren Erfahrungen - und davon, was schieflaufen kann. http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/0,1518,796964,00.html
wenn Geistenwissenschafter schon Arbeit finden (ohne Ausgebildeten Fachkräften Arbeit wegzunehmen?) dann ist ja alles in Ordnung. Wenn ich schon sehe, dass studierte Germanisten als Arbeitsvermittler beim Arbeitsamt einigestellt werden, ohne jemals selbst gearbeitet zu haben könnte man kotzen!
2. "wie nie zuvor"
Solid 16.11.2011
Da die Jobaussichten bisher miserabel waren und das über Jahrzehnte hinweg, ist es natürlich nicht schwer, dass selbige jetzt "etwas besser" werden. Aber da der Kernindikator, das Einstiegsgehalt, nicht steigt, muss man natürlich festhalten, dass es eher wahrscheinlich ist, dass das ein Hype aus der Kategorie "Fachkräftemangel" ist, der dazu dient, billige Migranten auf den Arbeitsmarkt zu spülen. Und in zwei Jahren wird es mit dem Hype soweiso vorbei sein, wenn Millionen junger Spaniern Italiener und Griechen ins Land strömen, die zu Hause vor einer Arbeitslosenrate unter Jugendlichen von 70% und mehr fliehen...
3. Wir haben hier einen Historiker in der IT,
wadoe2 16.11.2011
der sich um unsere Dokumentation kümmert. Seitdem der hier ist, können wir eigentlich erst von einer Dokumentation sprechen. Der korrigiert hier keine Rechtschreibfehler, sondern lenkt uns IT-ler, dass wir das gut ausdrücken, was der Kunde benötigt. Der Kunde dankt es uns. Ich kann nur allen "technischen" Unternehmen raten, sich nach Leuten aus technikfernen Bereichen umzusehen und zu prüfen, was die für das Unternehmen leisten können. Es geht immer um die Frage, was der Kunde wünscht. Das ist von Technikern manchmal schwer zu erfassen.
4. ???
Medien-Kritiker 16.11.2011
Zitat von pappnosewenn Geistenwissenschafter schon Arbeit finden (ohne Ausgebildeten Fachkräften Arbeit wegzunehmen?) dann ist ja alles in Ordnung. Wenn ich schon sehe, dass studierte Germanisten als Arbeitsvermittler beim Arbeitsamt einigestellt werden, ohne jemals selbst gearbeitet zu haben könnte man kotzen!
Und ich dachte Geisteswissenschaftler hätten genau so das Recht auf freie Berufswahl wie jeder andere auch... Über Ihre seltsame Formulierung ("ohne ausgebildeten Fachkräften Arbeit wegzunehmen)hab`ich mich jedenfalls schlappgelacht.
5. Studenten
Wattläufer 16.11.2011
Eine hübsche, fleißige junge Dame vietnamesischer Herkunft, die vielfältig aufgestellt ist und sich in Bescheidenheit übt ist ebenso begehrt wie jemand, der das schwierige, langweilige IT-Studium durchhält. Nichts Neues also.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik KarriereSPIEGEL
RSS
alles aus der Rubrik Berufsstart
RSS
alles zum Thema Bewerbungen
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Verwandte Themen

Fachkräftemangel
Sag mir, wo die Fachkräfte sind
Im Aufschwung brummte es bei den Unternehmen. Aber zugleich wurden die Alarmrufe lauter, hochqualifizierte Fachkräfte würden fehlen. Wo es hakt, was man dagegen tun kann - ein Überblick.
Die MINT-Lücke
Im Februar 2011 konnten 117.000 Jobs für Spezialisten der MINT-Fachgebiete (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) nicht besetzt werden. Das meldet das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft. Der Fachkräftemangel werde zum "Bremsklotz für die konjunkturelle Erholung", warnte die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA).
Trotzdem viele arbeitslose Ingenieure
Techniker sind am stärksten gefragt. "Ein Abschluss als Ingenieur ist derzeit nahezu eine Jobgarantie", so Willi Fuchs vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI). Den vielen offenen Ingenieursstellen - laut VDI 76.400 - standen im August knapp 20.400 Arbeitslose gegenüber. Viele seien schwer zu vermitteln, weil sie nicht die geforderte Qualifikation mitbrächten (im Fachjargon "Mismatching"), meist wegen längerer Erwerbslosigkeit - so sehen es zumindest die Arbeitgeber.
Das Potential älterer Ingenieure
Ob es tatsächlich einen flächendeckenden Mangel gibt oder Engpässe in einigen Ingenieurberufen, ist in der Fachwelt umstritten. Einig sind sich fast alle Experten, dass Unternehmen stärker auf den Sachverstand älterer Ingenieure zurückgreifen könnten. Linderung der Not erwartet die Wirtschaft von der Anhebung des Rentenalters ("Rente mit 67"), die 2012 beginnt: Werde ein Jahr länger gearbeitet, blieben damit 50.000 Hochqualifizierte länger im Job.
Abbrecher: Fix aus dem Studium herausgeprüft
Die Branchenverbände trommeln seit vielen Jahren vehement, um mehr Abiturienten ins MINT-Studium zu locken. Technik, die nicht immer begeistert: Die deutsche Ingenieurs-Ausbildung ist eher wenig einladend - teils trist und praxisfern, teils übertrieben hart. So beendeten 2008 nur 52 Prozent aller Maschinenbaustudenten ihr Studium erfolgreich; 34 Prozent brachen es komplett ab, der Rest wechselte das Fach. Dass bei Maschinenbau-Prüfungen mitunter 80 Prozent durchfallen, sei "kein Beweis von Qualität", kritisierte BDA-Bildungsexpertin Barbara Dorn. Es gehe auch nicht an, dass Hochschulen die Studierenden schon im zweiten oder dritten Semester "hinauskomplimentieren".
Dauerstreit um Zuwanderer
Hochqualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland könnten um Fachkräfte barmenden Unternehmen helfen, doch das ist ein notorisch heikles Thema. Nach langen Debatten hat die Bundesregierung Ende Juni die Vorrangprüfung für ausländische Ärzte und Ingenieure der Fachrichtung Maschinen- und Fahrzeugbau sowie der Elektrotechnik abgeschafft. Danach mussten Arbeitgeber bisher bei der Anstellung von Einwanderern immer erst nachweisen, dass der Arbeitsplatz nicht auch mit einem vergleichbar qualifizierten Deutschen besetzt werden kann.

Außerdem wurde angekündigt, ausländische Berufsabschlüsse schneller und unbürokratischer anzuerkennen als bisher - auch als Willkommenssignal. Gabriele Sons von Gesamtmetall plädierte dafür, die Gehaltsgrenze für die uneingeschränkte Anwerbung qualifizierter Ausländer zu senken: von derzeit 66.000 auf rund 40.000 Euro im Jahr. Den Vorschlag unterstützt Arbeitsministerin Ursula von der Leyen und die FDP-Fraktion im Bundestag. Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) kritisiert den Status quo: Es könne nicht sein, "dass ein Zuwanderer mehr verdienen muss als ein Hochschulprofessor, um eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen".
Kann es sein, dass Weibsvolk anwesend ist?
In den Hörsälen und Labors des klassischen Ingenieurstudiums: eher nicht. In allen MINT-Fächern war 2009 ein Drittel aller Absolventen weiblich, in den technischen Disziplinen aber nur gut ein Fünftel, wie eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt. Bisher gelingt es den Ingenieurwissenschaften kaum, junge Frauen für ein Technikstudium zu begeistern. (mamk/jol)


Social Networks