Von Frank Patalong
Der höchste Turm. Nicht der stabilste oder gewagteste Bau, die schönste oder einfallsreichste Architektur. Hoch hinaus soll es gehen.
Laut EU-Verordnung wiegt das gemeine Hühnerei je nach Gewichtsklasse zwischen 53 und 73 Gramm. Die Organisatoren des "CEO of the Future"-Wettbewerbs - McKinsey, manager magazin und sieben große Unternehmen (siehe Kasten rechts) - sondieren in einem Düsseldorfer Hotel die potentielle Elite von morgen, eine Auswahl von heute 26 aus über 2000 Teilnehmern der ersten Wettbewerbsrunde. Auch mit dem Eier-Test.
Wer hier besteht, wird zur Endrunde nach Kitzbühel geladen, zuvor wartet auf die Finalisten ein hochkarätiges Trainingsprogramm. Am Ende wird es drei Gewinner geben, auf die nicht nur Preise, sondern auch Privilegien warten.
Klingt wie die Chance, eine erhebliche Karriere-Abkürzung zu nehmen. Noch aber ist es nicht so weit, noch wird nach Kräften im Team geeiert. Für einen Turmbau, der ein Hühnerei tragen soll, ist das übliche Büro-Druckerpapier ein wenig naheliegendes Material. Man kann es falten, und es behält seine Form für eine Weile. Man kann es rollen, wenn man die Rollen mit Klebeband fixiert. Es ist die Lösung, auf die fünf von sechs der Gruppen kommen: Rund ist stabil.
Locker machen, locker bleiben, locker gewinnen
Natürlich haben die Teilnehmer die Aufgabe verstanden: Sie sollen hier nicht nur unter Zeitdruck Kreativität zeigen, sondern vor allem auch Teamfähigkeit, Durchsetzungskraft, Zielstrebigkeit, analytische Fähigkeiten, Problemlösungskompetenz. Klassische Management-Qualitäten, wenn man nach oben will. Ein Ei ist zerbrechlich, wenn etwas schiefgeht, gibt es eine Sauerei. Wenn man Pech hat, bleibt was kleben und macht Flecken. Das will man ja auch später nicht.
Wer sich an diesem Tag in Düsseldorf der Eier-Herausforderung stellen darf, hat schon einiges mehr geleistet. Viele Teilnehmer gehörten im Studium zur oberen Kruste der Leistungsfähigen. Die meisten sind inzwischen im Job, nur wenige noch Studenten. "Darf man ja heute gar nicht so laut sagen", erzählt einer beim Kaffee, "aber ich habe mich nur einmal beworben und bin sofort genommen worden." An einem anderen Tisch erzählt später ein anderer die gleiche Geschichte, dann noch einer, dann auch zwei Frauen.
Stimmt es also, sind das die Chefs von morgen? Die Firmenlenker, die Wirtschaftselite, die aufstrebenden Mächtigen, vor denen normale Angestellte einmal zittern werden? Haben hier nur Überflieger eine Chance?
Sie wirken nicht so. Als fünf von sechs Eiertürmen stehen, gibt es freudige Szenen und Applaus, für Gewinner wie Verlierer - man kann auch freundlich konkurrieren. Ein Team baut einen Papierturm von 1,74 Metern, er würde wohl auch mehrere Eier tragen.
Manager werden, Mensch bleiben?
Zur Belohnung gibt es Piccolo-Sekt für jeden im Team. Er wandert in die Taschen, denn wer Chef werden will, weiß, wann man feiert und wann man ganz bei der Sache sein muss. Sekt zur falschen Zeit, und man bleibt ein Piccolo. Denn nach dem lockeren Auftakt wird es ernst: Jeder muss präsentieren, sich Experten aus den Unternehmen stellen, auch dem Urteil der Konkurrenten. Trotzdem kippt die Stimmung nicht ins Verbissene, ins "Es kann nur einen geben" - den "CEO of the Future", den künftigen Chef.
"Ich würde das nicht so wörtlich nehmen", sagt Katharina Weber, die Tage später in der Abstimmung der Juroren zu einer der Siegerinnen gekürt werden wird. Natürlich wolle sie im Beruf leiten und gestalten. Aber sie habe nicht vor, gleich ihr gesamtes Leben auf dem Altar der Karriere zu opfern. Jeden Tag zwölf Stunden Arbeit und mehr, immer nur ausgerichtet auf den Aufstieg, das sei kein verlockender Gedanke. Es müsse darum gehen, das eine mit dem anderen zu vereinbaren. Echt bleiben, Mensch bleiben, geerdet, weil man selbst ein Leben führt.
Aufstieg, Karriere? Ja, unbedingt - aber ob es am Ende "wirklich der CEO sein muss, ist eine andere Frage".
Es ist keine Einzelmeinung. Kentaro Zens verbucht schon die Teilnahme am Wettbewerb und nun am Auswahltag als äußerst wertvolle Erfahrung. Klar, bis dahin hat er sich bereits gegen rund 2000 Mitbewerber durchgesetzt. Auch er, sagt Zens, müsse nicht unbedingt irgendwann oberster Chef eines Unternehmens sein. Aber gestalten will er, lenken, entscheiden, "sonst wäre ich nicht hier". Ansonsten sieht auch sein Lebensentwurf vor, dass das Berufsleben das Private nicht fressen darf. Kentaro Zens ist bereits Familienvater und im ersten Job erfolgreich.
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