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Jungmanager auf der Überholspur "Vielleicht habe ich ADHS oder so"

Markus Beck will keine Karrierechance verpassen. Lieber lässt er eine Beziehung sausen Zur Großansicht

Markus Beck will keine Karrierechance verpassen. Lieber lässt er eine Beziehung sausen

Sechs Länder, fünf Sprachen, ein Nachwuchsmanager: Markus Beck hat es in die Endrunde des Wettbewerbs "CEO of the Future" geschafft. Der 26-Jährige ist ständig weltweit auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Niederlagen hat auch er erlebt - aber die stehen eben nicht im Lebenslauf.

Es sind nur drei Stunden Zeitverschiebung zwischen Kitzbühel und São Paulo, doch diese drei Stunden retten Markus Beck einen Arbeitstag. Weil der Flieger schon am Montagmorgen um sechs Uhr Ortszeit in der brasilianischen Metropole landet, muss er nur einen Tag Urlaub nehmen für die Finalrunde des McKinsey-Wettbewerbs "CEO of the Future".

Während andere Teilnehmer noch auf dem Weg ins Düsseldorfer Büro oder an die Uni sind, sitzt Beck bereits wieder an seinem PC und handelt für die Noble Group Kaffee oder Zucker. Montagabend stehen noch Vorlesungen für seinen berufsbegleitenden MBA auf dem Terminplan.

Schneller als andere ist der Jungmanager auch beim Reden. Kein Wunder, Markus Beck hat einiges zu erzählen, was er in den Jahren seit dem Abitur so gemacht hat: Auslandsjahr in Peru, Doppelstudium in Madrid und Reutlingen, Summer School in Harvard, Praktika in Deutschland, Bangladesch und bei Rothschild in Madrid, Master in Paris und MBA und erster fester Arbeitsplatz in São Paulo... Natürlich spricht Beck fließend Englisch, Französisch und Spanisch. Sein Portugiesisch ist auf einem guten Weg.

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Haarspray und Jungmanager: CEO of the Future 2011
"Meine Eltern sagen ab und zu, ich spinne", gibt Beck zu. Sie hätten sich so ein Leben für ihren Sohn nie vorgestellt. Der Vater Lehrer, die Mutter Sekretärin, die Verwandten alle in der Umgebung von Baden-Baden zu Hause. Da kam nicht mal ein Auslandsstudium in Betracht. Doch der Sohn hatte schon bald nach dem Abi den Eindruck: Alles ist möglich.

Absagen stehen nicht im Lebenslauf

Dabei läuft auch bei ihm nicht immer alles glatt. Das verschweigt der Lebenslauf, den die Juroren im Kitzbüheler Wettbewerb vor sich liegen haben. Für seine Auslandspläne bewarb sich Beck um Stipendien bei der Konrad-Adenauer-Stiftung, bei Fulbright und beim DAAD - und kassierte überall Absagen. Andere hätten spätestens da aufgegeben. Beck probierte es weiter und hatte schließlich bei der Studienstiftung Erfolg. "Klar", sagt er heute, "ich hab da viel investiert."

Spätestens der Goldman Sachs Leader Award katapultierte Markus Beck in eine andere Umlaufbahn. Er lernte Leute aus der ganzen Welt kennen, sie studierten in Cambridge oder Harvard, globale Karrieremöglichkeiten sind für sie selbstverständlich. Beck übernimmt diese Sichtweise. Von nun an ist er dabei. Immer mehr "einmalige Herausforderungen" und "neue Chancen" pflastern seinen Weg. Beck will sie nutzen, möglichst alle. Dabei gibt er zu, dass er manchmal Schwierigkeiten hat, sich auf eine Sache zu konzentrieren und ruhig zu bleiben. "Ich weiß nicht, ob ich ADHS habe oder so", sagt er.

Am Abend nach der Siegerehrung - unter die drei Sieger hat er es nicht geschafft - unterhält er sich lange mit Metro-Chef Eckhard Cordes. Der erzählt ihm von seinen langen Jahren bei Daimler. Quälend lange Zeiträume für einen Menschen wie Markus Beck. Heute, findet er, müsse so eine Karriere viel schneller gehen. Für sich selbst empfindet er schon Zweijahres-Schritte fast als Zumutung. "Wer weiß schon, was in zwei Jahren passiert."

Dass bei dieser Taktfrequenz Freunde kommen und gehen, findet Beck normal. Klar, er vermisst seine Familie, vor allem seine Großeltern. An Madrid denkt er wehmütig zurück. Und er gibt auch zu, dass nicht nur eine Beziehung im Rahmen der Karriereplanung zu Bruch gegangen ist. "Aber", findet Markus Beck, "man muss auch immer etwas opfern."

  • KarriereSPIEGEL-Autorin Julia Graven (Jahrgang 1972) ist freie Wirtschaftsjournalistin in München.

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insgesamt 78 Beiträge
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    Seite 1    
1. Fatal...
chb_74 08.11.2011
...wird es, wenn solche emotional noch völlig unreifen Leute in großen Unternehmen zu früh Führungsverantwortung übernehmen und dann zu einer Last bzw. Belastung für ihnen zugeordnete/unterstellte Leute werden, die eben nicht ein solch hektisches Leben führen und auch mal in "längeren Linien" denken. Da solche Figuren dann leider all zu schnell dazu neigen, "normale" Menschen als "Minderleister" abzuqualifizieren, ist schnell Sand im Getriebe eines Unternehmens und nichts läuft mehr rund - Aktionismus ersetzt nachhaltiges Agieren. Leider sind das keine Vorurteile, sondern traurige Realitäten, die ich selbst mehrfach schon beobachten konnte...
2. finde ich gut
Chris110 08.11.2011
Dort in Kitzbühel bei McKinsey war ich auch einmal. Kann man sich alles ansehen, sollte man machen. Aber am Ende gilt, man kann nur einen Weg ernsthaft einschlagen.
3. .
static_noise 08.11.2011
Hmm... 26 ist der junge Mann. Also ich kann nicht umhin doch sehr an seiner Kompetenz zu zweifeln. Da er hat ne Menge Vielfliegermeilen und Dutzende tolle NAmen von Stipendiatsorganisationen und Firmen. Aber das meiste ist 'Name-Dropping' und wenn ich das auf die Zeit nach dem Abi runterrechne, Studium abziehe (in was eigentlich?), dann waren das doch alles Stipvisiten. Ein Lästerer würde Praktika sagen. DAS befähigt ihn zum CEO of the Future ? Vieleicht geht's der Wirtschaft daher so schlecht?
4. Also ehrlich so ein Depp...
mactor, 08.11.2011
wenn Unternehmen solche Leute einstellen und die dann auch noch weiter fördern sind sie selbst schuld. Mit solchen Leuten werden nur die anderen -älteren- Mitarbeiter vergrault. Wenn der Mann krank ist schickt Ihn zu Arzt. Ich weiß wirklich nicht was dieser Artikel so soll...
5. Burnout-Gefahr
Mitch 08.11.2011
Zitat von chb_74...wird es, wenn solche emotional noch völlig unreifen Leute in großen Unternehmen zu früh Führungsverantwortung übernehmen und dann zu einer Last bzw. Belastung für ihnen zugeordnete/unterstellte Leute werden, die eben nicht ein solch hektisches Leben führen und auch mal in "längeren Linien" denken. Da solche Figuren dann leider all zu schnell dazu neigen, "normale" Menschen als "Minderleister" abzuqualifizieren, ist schnell Sand im Getriebe eines Unternehmens und nichts läuft mehr rund - Aktionismus ersetzt nachhaltiges Agieren. Leider sind das keine Vorurteile, sondern traurige Realitäten, die ich selbst mehrfach schon beobachten konnte...
Das hört sich plausibel an, aber dazu müssen diese Personen nicht mal in einer Führungsrolle sein. Das ist meine Erfahrung. Mein erster Gedanke, nachdem ich den Artikel gelesen habe: Da ist der Burnout quasi schon vorprogrammiert.
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CEO of the Future: Die Jury
McKinsey sucht die Führungselite von morgen
Die Chance
Sie sind klug, ehrgeizig und leistungsbereit, doch oft sehen viele talentierte Berufseinsteiger ihr Können im Konzernalltag nicht ausreichend wahrgenommen. Da hilft der Vergleich mit anderen - und der Blick über Firmengrenzen. Seit dem Jahr 2000 bietet der Wettbewerb "CEO of the Future" die Chance dazu. Gemeinsam mit Bayer, Credit Suisse, Ergo, Henkel, Metro, Porsche und Vodafone haben McKinsey, manager magazin und SPIEGEL ONLINE auch in diesem Jahr wieder die Manager der Zukunft gesucht.
Der Weg
Im Fokus stehen Young Professionals mit bis zu vier Jahren Berufserfahrung, aber auch examensnahe Studierende sowie Doktoranden mit Praxiserfahrung. In der ersten Runde mussten die Teilnehmer in einem Essay ihre Fähigkeit zu kritischem Denken beweisen. Sie sollten ausführen, wie sich Erfolg im Jahr 2030 definieren wird und wo Topmanager Prioritäten setzen sollten. Im Juli wurden die besten 80 Bewerber zu Auswahlworkshops eingeladen, wo sie sich den beteiligten Unternehmen in der Gruppe und in Einzelgesprächen präsentieren konnten. Die besten 20 wurden anschließend in Wochenendseminaren für Führungsaufgaben und für das Wettbewerbsfinale in Kitzbühel trainiert. Motivation, interkulturelles Management oder Networking standen auf dem Stundenplan.
Das Ziel
Am 5. November trafen die 20 Finalisten in Kitzbühel auf eine Jury der großen Namen. In Zweier- und Dreierteams durften sie dort ihre Fallstudien vorstellen – eine neue Strategie für den Metro-Markt oder Ideen für den Relaunch einer Shampoo-Marke. Die Sieger erhielten Karriere-Budgets im Wert von 7000, 5000 und 3000 Euro sowie eine der CEOs als persönlichen Mentor.

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