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Jungmanager-Wettbewerb Wenn der Hammer-Mann voll abgeht

Bauer sucht Frau, Sänger sucht Bohlen - und ehrgeizige Jungmanager suchen beim Chef-Casting "CEO of the Future" das passende Lametta für ihren Überflieger-Lebenslauf. Der Wettstreit ist entschieden. Gewonnen hat der Kandidat, den viele unterschätzten.

Ihn erwartet die hochkarätigste Männerrunde, auf die er in seinem Leben wohl jemals treffen wird. Und Josef Zintl kommt mit einer zerknitterten Plastiktüte hereingeschlappt. Die hat er wahrscheinlich auch dabei, wenn er an der Uni München Studenten aufs Examen vorbereitet. Eine Plastiktüte.

15 Minuten haben Zintl und seine zwei Teamkollegen Zeit, Wirtschaftsbosse wie Metro-Chef Eckhard Cordes davon zu überzeugen, dass sie ihre Fallstudie in den vergangenen Wochen kompetent bearbeitet haben. Natürlich sollen sie auch als Person Eindruck schinden. Souverän sein, überzeugen und begeistern.

Und möglichst viele Punkte bei der Jury einsammeln, die im Kitzbüheler Trainingszentrum von McKinsey aus den 20 Teilnehmern der Finalrunde den "CEO of the Future" wählt. Seit dem Jahr 2000 veranstaltet die Unternehmensberatung das Manager-Casting. Daran können Young Professionals mit bis zu vier Jahren Berufserfahrung, aber auch examensnahe Studenten sowie Doktoranden mit Praxiserfahrung teilnehmen.

Kasper Rorsted sprüht sich ein

Die Aufgabe für Josef Zintl und sein Team: Sie sollen eine Line Extension für Haarpflegemittel entwickeln, also überlegen, welche Produkte man unter der bekannten Marke noch anbieten kann. Das alles einschließlich Social-Media-Kampagne, wie es sich in Zeiten von Facebook gehört.

Nicht gerade ein naheliegendes Thema für einen Juristen, der mit dem besten Staatsexamen seines Jahrgangs gerade in der Notarausbildung ist. Zintl holt einen Hammer aus der Plastiktüte und vergleicht das Markengerüst mit einem Dachstuhl seines Vaters, der Zimmermann in der Oberpfalz ist. Die ersten Juroren schmunzeln.

Seine blonde Teamkollegin aus dem Rheinland, haartechnisch deutlich näher am Thema, gibt den selbstgebastelten Prototyp des neu ausgedachten Produktes in die Jury-Runde: ein Spray, das üble Gerüche im Haar neutralisiert. Die Männer sollen sich doch bitte ganz als Frauen fühlen. Ergo und Vodafone reichen das Spray weiter, aber Kasper Rorsted von Henkel sprüht sich ein mit dem Zeug - und grinst.

Waffenstillstand bis zur Siegerehrung

Was nach einem lustigen Rollenspiel klingt, hat für die teilnehmenden Firmen durchaus Bedeutung. Henkel-Chef Rorsted und die anderen Vorstände opfern diesen Samstag in Kitzbühel, um das Image ihrer Unternehmen als Top-Arbeitgeber für die Führungskräfte von morgen zu befördern. Interesse an den 20 Kandidaten, die es in die Endrunde geschafft haben, ist durchaus vorhanden. Bis zur Siegerehrung ist allerdings Waffenstillstand vereinbart.

Sieben Fallstudien werden der Jury präsentiert. Die Teilnehmer haben in den letzten Wochen Daten gesammelt und sogenannte SWOT-Analysen zur strategischen Planung erstellt. Einige haben auch das Marketing-Lehrbuch bemüht. Es gehört einiges dazu, einem Vorstandsvorsitzenden etwas Neues über sein Unternehmen zu erzählen. Trotzdem spielen viele den Vorbereitungs-Stress herunter, Schlafen sei überbewertet. Nur eine Teilnehmerin gibt zu: "Der Monat war ganz schön knackig."

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4  Bilder
CEO of the Future: Wer gestern Manager von morgen war
Wonach die Vorstände beim "CEO of the Future" genau suchen, können die Teilnehmer nur ahnen. Ein hervorragendes Abitur, Doppelstudium, MBA, diverse Stipendien und multiple Auslandserfahrung haben sie alle. Sie sind Profis darin, sich zu präsentieren und spontan auf knifflige Fragen zu antworten. Selbst wenn einem die versammelte Wirtschaftsprominenz gegenüber sitzt. Keiner fällt aus dem Rahmen, nicht einmal optisch. Es stellt sich höchstens die Frage, ob man mit dem offenen Sakko richtig oder falsch liegt.

"Der Notar ist voll abgegangen"

Nur das Team mit der Henkel-Fallstudie scheint sich gar nicht so sehr Gedanken über die Erwartungen der Jury zu machen. Vielleicht hilft genau das mehr als einstudierte Handbewegungen oder überlegene Rhetorik. Zu perfekt kann ja auch langweilig sein. Man merkt den drei unterschiedlichen Charakteren an, dass sie miteinander viel Spaß an der Haar-Studie haben, und es kommt tatsächlich so etwas wie Begeisterung im Raum auf.

Draußen auf der Terrasse werden kurz nach dem Henkel-Fall die ersten Jungmanager nervös. "Der Notar ist voll abgegangen", sagt einer und lacht etwas zu laut. "Ach echt?", sagt sein Gegenüber pikiert. Als das Henkel-Team glücklich und überdreht nach draußen kommt, sitzen die anderen ziemlich ermattet da. Erst als die Juroren auftauchen, geht wieder ein Ruck durch die Teilnehmer.

Später bei der Siegerehrung spricht McKinseys Deutschland-Chef Frank Mattern von "sehr viel Promise für die Zukunft". Dabei sind die 20 Teilnehmer doch schon auf der Überholspur und haben trotz ihres hohen Tempos alle Chancen, die sich recht und links bieten, klar im Blick. Ihre Karriere hängt nicht von diesem Wettbewerb ab.

Bibi Blocksberg am Morgen

So wirkt es durchaus ehrlich, dass die vier Sieger weit mehr als nur höflich beklatscht werden. Das gesamte Henkel-Team ist dabei. Jurist Zintl teilt sich Platz drei mit Kerstin Neist, einer resoluten Controllerin mit Perlenohrringen und blauem Kostüm, die den Porsche der Zukunft präsentiert hat. Kathrin Rieger, einzige BWL-Absolventin aus dem Henkel-Team, kommt auf Platz zwei. Und auf den ersten Platz wählen die Juroren Daniel Kob, 24. Den Verlagstrainee von der Insel Nordstrand haben viele Teilnehmer wahrscheinlich schon deswegen unterschätzt, weil so aussieht, als ob er das Abitur noch vor sich hat.

Es gibt nicht nur joviales Schulterklopfen, sondern auch herzliche Umarmungen. Nur ein oder zwei kleine Jungmanager-Grüppchen stecken die Köpfe zusammen und lächeln etwas angestrengt, dass ausgerechnet der Notar und der mit dem Milchgesicht unter den Gewinnern sind. Bei der letzten Siegerehrung vor zwei Jahren seien die Neider noch in der Mehrheit gewesen, sagen die, die dabei waren. Da hätten die Teilnehmer mit starrem Gesicht die Form gewahrt. Auch innerhalb der Teams habe es mehr Ellenbogen und spitze Sprüche gegeben.

Am Morgen nach der Ehrung haben die meisten Teilnehmer den Anzug gegen eine wohlüberlegte Mischung aus Förmlichkeit und Freizeitklamotten getauscht. Sie sind sich einig, dass vier Stunden Schlaf völlig ausreichen. Trotzdem lächeln sie nicht mehr ganz so offensiv.

Die vier Sieger haben sich für die Fotografin noch einmal in ihr Businesskostüm geworfen und sind bester Laune. "Ich hab auf dem Zimmer gerade 'Bibi Blocksberg' geguckt", berichtet die Zweitplatzierte Kathrin Rieger freudig am Frühstückstisch. Der Sieger Daniel Kob erzählt, dass bei ihm "Willy will's wissen" lief. Das war vor zwei Jahren wahrscheinlich auch anders.

  • KarriereSPIEGEL-Autorin Julia Graven (Jahrgang 1972) ist freie Wirtschaftsjournalistin in München.

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insgesamt 7 Beiträge
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1. Bitte
README.TXT 07.11.2011
Ich weiss ja dass das Manager Magazin zum Spiegel gehört aber kann man endlich aufhören diese unendlich dummen Artikel aus diesem unendlich dummen Blatt auf Spon zu positionieren, damit man endlich nicht mehr damit belästigt wird? Nat. muss man dümmliche Blätter deren Auflage rückläufig ist irgendwie bewerben, am besten geht das in den Schwesterblättern der Verlagsgruppe aber wenn den Scheiss keiner kauft, sollte man vielleicht mal darüber nachdenken den Mist komplett einzustellen. Wannabemanager im Konfirmationsanzug bei Kindergeburtstagsspielchen und irgendein Kind hat jetzt gewonnen, wen interessiert das bitte?
2. Haare Schön
xyp 07.11.2011
Toll ,ich bin begeistert. Dann ist ja alles gut, die Zukunft ist großartig, die Marketing Abteilung macht das schon.
3. Danke!
makip 07.11.2011
... für diesen Artikel! (Im Übrigen kann jeder selber entscheiden, was er liest und was er nicht lesen möchte! @ README.TXT) Ich war bei den Auswahltagen für diesen Wettbewerb dabei und finde es spannend zu sehen, wer das Rennen nun schließlich gemacht hat! Das war definitiv kein Zuckerschlecken!
4. Der mündige Bürger ..
xyp 07.11.2011
ein Mythos zumindest quantitativ betrachtet. http://www.entrepreneurship.de/artikel/uber-die-notwendigkeit-der-de-materialisierung-unseres-konsums-klaus-wiegandt/ Netter Vortrag, nur das die Zivilgesellschaft da nicht schnell genug mitziehen kann und wird. Eher landen wir bei Jared Diamond , Kollaps: Warum Gesellschaften überleben oder untergehen Unsere Zukunft hängt tatsächlich vom Marketing ab, nicht für ein Produkt, sondern für ganz neue Spielregeln. Denn mit den bisherigen ist es kaum möglich nachhaltige Produkte und Ideen konkurrenzfähig zu Vermarkten.
5. ...
Newspeak 07.11.2011
Schrecklich, wenn man sieht, wie die Eliten, die jetzt schon alles verbocken, die Elite großzieht, die in Zukunft alles verbockt. Immer nur dieselben karrieregeilen Strebertypen. Ohne jeden Funken Individualität oder Unangepasstheit, selbst wenn man so tut, als ob.
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CEO of the Future: Die Jury
McKinsey sucht die Führungselite von morgen
Die Chance
Sie sind klug, ehrgeizig und leistungsbereit, doch oft sehen viele talentierte Berufseinsteiger ihr Können im Konzernalltag nicht ausreichend wahrgenommen. Da hilft der Vergleich mit anderen - und der Blick über Firmengrenzen. Seit dem Jahr 2000 bietet der Wettbewerb "CEO of the Future" die Chance dazu. Gemeinsam mit Bayer, Credit Suisse, Ergo, Henkel, Metro, Porsche und Vodafone haben McKinsey, manager magazin und SPIEGEL ONLINE auch in diesem Jahr wieder die Manager der Zukunft gesucht.
Der Weg
Im Fokus stehen Young Professionals mit bis zu vier Jahren Berufserfahrung, aber auch examensnahe Studierende sowie Doktoranden mit Praxiserfahrung. In der ersten Runde mussten die Teilnehmer in einem Essay ihre Fähigkeit zu kritischem Denken beweisen. Sie sollten ausführen, wie sich Erfolg im Jahr 2030 definieren wird und wo Topmanager Prioritäten setzen sollten. Im Juli wurden die besten 80 Bewerber zu Auswahlworkshops eingeladen, wo sie sich den beteiligten Unternehmen in der Gruppe und in Einzelgesprächen präsentieren konnten. Die besten 20 wurden anschließend in Wochenendseminaren für Führungsaufgaben und für das Wettbewerbsfinale in Kitzbühel trainiert. Motivation, interkulturelles Management oder Networking standen auf dem Stundenplan.
Das Ziel
Am 5. November trafen die 20 Finalisten in Kitzbühel auf eine Jury der großen Namen. In Zweier- und Dreierteams durften sie dort ihre Fallstudien vorstellen – eine neue Strategie für den Metro-Markt oder Ideen für den Relaunch einer Shampoo-Marke. Die Sieger erhielten Karriere-Budgets im Wert von 7000, 5000 und 3000 Euro sowie eine der CEOs als persönlichen Mentor.

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